-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 82a I
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:15/04/1960
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Karfreitag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 23, 27 - 34a
Skopus: Die Schächergnade
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 82aI Lukas 23, 27-34a
"Es folgte ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Frauen,
die beklagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um
zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht
über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure
Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man
sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die
nicht geboren haben und die Brüste, die nicht gesäugt haben!
Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den Bergen: Fallet
über uns! und zu den Hügeln: Decket uns! Denn so man das tut
am grünen Holz, was will am dürren werden? Es wurden aber
auch hingeführt zwei andere Übeltäter, daß sie mit ihm
abgetan würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da
heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn daselbst und die
Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.
Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen
nicht, was sie tun!"

Nun ist es so weit. Alles das, was Menschen sich gegen
diesen Jesus von Nazareth in ihrer Wut ausgedacht haben,
geht seiner Vollendung entgegen.
Das, was ein Judas geplant hat, was die Hohenpriester und
Schriftgelehrten beschlossen und wozu der Gobernador Pontios
Pilatus durch Intrigen gezwungen wurde, kommt jetzt zum
Ziele.
Wir sehen Jesus auf seinem Wege hin zur Hinrichtungsstätte,
außerhalb der Mauern von Jerusalem wird er wie ein
Verbrecher am Kreuz sterben. Alles Volk weiß, was für ein
grausamer Tod dieser Kreuzestod ist. Alles Volk weiß, daß
dieser Jeus von Nazareth, der da durch die Straßen
Jerusalems hundemüde und zitternd vor Schmerzen und vor
Schwäche, verursacht durch die Folterungen, einherstolpert,
umgeben von einer gefühllosen Soldateska, in wenigen Minuten
zwischen Himmel und Erde aufgehängt wird und in wenigen
Stunden nach entsetzlichen Qualen nur noch eine Leiche ist.
Ist es da nicht eine hoffnungsvolle Sache, daß eine Schar
von Menschen, besondern von Frauen, hinter Jesus Christus
herzieht und ihn betrauert und ihn beweint?
Können wir nicht sagen, wie gut, daß es neben den Menschen,
die Grausamkeiten verüben, doch noch einige Menschen gibt,
die ein wenig Menschlichkeit kennen, die Mitleid haben mit
diesem Verbrecher, der sogar so schwach ist, daß ein anderer
sein Kreuz nachtragen muß?
Er ist darunter zusammengebrochen.
Wäre diese Welt nicht anders, wenn wir alle ein weinig mehr
menschlicher zu unseren Mitmenschen wären, wenn wir auch
mehr Mitgefühl und mehr Mitleid für die anderen aufbringen
könnten?
Jesus Christus aber, verbittet sich ganz gehörig dieses
Mitleid, genauso würde er es sich verbitten, wenn wir gerade
in der Passionszeit vor Mitgefühl mit Weinen und Tränen über
sein Leiden und Sterben keinen klaren Kopf mehr hätten. Hier
sind von Seiten des frommen alten Volkes Gottes kein Mitleid
und kein Trauern und keine Tränen am Platze. Sie sollen
nicht über Jesus weinen. Er geht seinen Weg im klaren
Gehorsam gegen seinen Vater im Himmel. Sie sollen aber über
sich selbst, über ihre Stadt, über ihre oberste Regierung
weinen und traurig sein. Denn das, was Jesus Christus jetzt
erleidet, ist ja ihre eigene Schuld, die Schuld der Frommen.
Sie alle wollen ihn nicht verstehen. Als Fromme und als
Schriftkundige hätten sie ihn verstehen können. Aber er war
ihnen zu lästig, weil er die ganze Wahrheit sagte. Und diese
Wahrheit konnten sie nicht vertragen, darum ihre Parole:
"Hinweg mit ihm!"
Und mit der Erreichung des Zieles, daß sie diesen Jesus von
Nazareth beseitigen, beginnt ein furchtbares und grausames
Gericht über die Frommen der damaligen Zeit. Gott läßt sich
nicht spotten. Und Jesus weist auf dieses furchtbare Gericht
Gottes hin, das über das alte Volk Gottes hereinbrechen wird
und sagt:
Nicht über mein Leiden und Stereben braucht ihr jetzt
traurig zu sein. Eure Schuld ist es ja, daß ich diesen Weg
gehe. Auch wenn ihr jetzt vor Mitleid erbebt, so kann das
doch nichts daran ändern, daß auch ihr mit daran schuldig
seid, daß ich diesen Leidensweg gehe. Dieses Mitleid ist
unsinnig, weil an meinem Mord auch ihr als Fromme eure Hände
mit im Spiele hattet.
Weinet und trauert vielmehr über euch selbst und über eure
Kinder, denn furchtbar und grausam wird das Gericht Gottes
sein, daß wegen eurer Bosheit über euch hereinbrechen wird.
Wir wissen aus der Geschichte, daß 40 Jahre später schon das
alte Volk Gottes in alle Winde hinein verstreut worden ist,
das Land zerstört und in Jerusalem kein Stein auf dem
anderen blieb. Selbst der Tempel fiel in Schutt und Asche.
Furchbar sind die Gerichte Gottes, die über die Menschen
hereinbrechen, die eigentlich von Haus aus Gottes Wort
wissen, die wissen, was Gott will und es doch nicht tun.
Es ist gerade auch uns, die wir uns Christen nennen, die wir
zum neuen Volk Gottes gehören, zur Warnung und zur Mahnung
gesagt:
"Die Gerichte Gottes über die Welt beginnen immer am Hause
Gottes."
Der Weg Jesu durch die Straßen Jerusalems hin zum Hügel
Golgatha geht weiter.
Uns wird berichtet, daß Jesus nicht als einzelner gekreuzigt
werden soll, sondern mit ihm noch zwei andere Verbrecher.
Angekommen auf Golgatha, geht alles in Windeseile vor sich.
Mit wenigen Handgriffen haben die Soldaten die Übeltäter
ergriffen und am Kreuzesbalken befestigt und schon sind die
Kreuze aufgerichtet.
Da stehen die 3 Kreuze auf dem Hügel Golgatha hoch
aufgerichtet. Und an dem Kreuz in der Mitte hängt Jesus von
Nazareth, der Sohn Gottes, gekreuzigt von den Frommen,
gekreuzigt vom alten Volk Gottes. Und nun berichtet uns
unser Text hier, daß Jesus Christus am Kreuze die Worte
ausspricht:
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"
Mit diesen Worten bittet Jesus Christus seinen Vater im
Himmel, er möchte den Soldaten, die Heiden sind, vergeben,
daß sie ihn an Kreuz geschlagen haben, verspottet und
verlästert, denn sie wissen nicht, was sie tun.
Wenn wir uns einmal so unseren heutigen Text ansehen, dann
ist er uns höchst ärgerlich. Wie merkwürdig in unserer
Geschichte, den Frauen, die Jesus nachfolgen auf seinem Wege
ans Kreuz und dabei vor Mitleid und Mitgefühl die Tränen
fließen lassen, sagt er, es hat keinen Zweck zu weinen über
mich. Weinet lieber über euch selbst, denn Gottes Zorn wird
euch und eure Kinder treffen, müssen die Frauen hören.
Und zu den Soldaten, die ihn quälen und martern, ihn ans
Kreuz schlagen, die Heiden sind, richtet Jesus seinen
liebevollen Blick und bittet für sie bei seinem Vater im
Himmel:
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"
Man hat sich schon in der ersten Christenheit so über dieses
Wort Jesu geärgert, daß man sagte, dieses Wort kann Jesus
unmöglich gesagt haben. Es gibt sogar eine uralte
griechische Handschrift, in denen wir dieses Wort Jesu nicht
mehr finden.
Aber wir müßten uns über dieses Wort nicht ärgern, sondern
wir dürfen uns darüber freuen.
Wir wissen, daß das Kreuz bedeutet, daß Gott sein altes Volk
verwirft, auf das Volk Israel einen Fluch legt, weil es
selbst den Sohn Gottes getötet hat. Das Kreuz bedeutet aber
auch, daß Gott sich ein neues Volk erwählt, und zwar aus den
Heiden.
Hier in unserem Text sehen wir etwas davon: Ein Wehe über
das alte Volk Gottes und eine Hoffnung für die Heiden.
Beides geht aus von dem Mann, der bald zwischen 2
Verbrechern am Kreuze hängen wird.
So wie das Gebet für die Heiden, für die Soldaten, eine
große Hoffnung bedeutet, daß sie Gottes Kinder werden, so
bedeutet aber auch noch das Wehe über die Frommen eine
Einladung, trotz allem, was gewesen ist, sich auf den Weg zu
machen, wo auch für sie noch die Möglichkeit wieder besteht,
Gottes Kinder zu werden, Glieder des neues Volkes Gottes.
Als Glieder des alten Volkes Gottes trifft sie der Fluch,
weil sie den Sohn Gottes verstoßen und wie einen Verbrecher
behandelt haben, aber es gibt einen Weg zurück zu Gott,
zurück zur Kindschaft Gottes. Dieser Weg führt zum Kreuz auf
Golgatha, zum aufgehängten Jesus, aber nicht als solche, die
meinen, es genüge, ein wenig menschliches Mitgefühl mit
diesem Jesus haben zu können, sondern als solche, die
wissen, daß sie wie die Soldaten aktiv mitgeholfen haben in
ihrem Leben, Jesus zu ermorden, die aber trotzdem das Wort
Jesu haben hören dürfen:
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"
Auch uns als Christen, die wir zum neuen Volk Gottes
gehören, gilt die Warnung, unter keinen Umständen im Denken
an die Leidens-und Sterbenszeit Jesu Christi im bloßen
Mitgefühl und Mitleid stecken zu bleiben, wie es die Frauen
taten.
Sondern wenn wir das Kreuz Christi betrachten, dann laßt uns
daran denken, daß wir durch unseren Ungehorsam gegen Gott in
unserem Leben mitgeholfen, mit dazu beigetragen haben, daß
Jesus von Nazareth, der Sohn Gottes, aufgehängt wurde.
Ist nicht unser ganzes Leben als sogenannte Christen eine
einzige Anklage gegen uns und unseren Glauben. Wir tun so,
als ob wir es ehrlich meinen. Wir tun so, als ob wir das
Wort Gottes ganz ernst nehmen, aber in Wirklichkeit fragen
wir nichts darnach und leben auch nicht darnach. Wir als
Glieder des neuen Volkes Gottes sind nicht besser als die
Glieder des alten Volkes Gottes und es wird auch einmal das
Wort Gottes für viele Christen lauten:
"Ich habe euch zu mir ziehen wollen und ihr habt nicht
gewollt!."
Darum haben wir kein Recht über die bösen Nichtchristen und
über die schlechten Heiden zu schimpfen. Und es genügt auch
nicht, ein wenig Mitgefühl für Jesus Christus aufzubringen,
sondern hier kommt alles darauf an, daß wir uns als solche
erkennen, die wir in Wahrheit sind, nämlich ungehorsame und
böse Menschen, nicht besser als die, die vor 2.000 Jahren
auf dem Hügel Golgatha Jesus von Nazareth aufgehängt haben.
Erkennen wir uns als solche, und dazu will uns auch das
heutige Gottes Wort verhelfen, dann wird auch uns die Tür
zum Vater im Himmel geöffnet, dann fällt trotz unserer
ganzen Bosheit ein Lichtschein vom Thron Gottes auch auf
unseren Lebensweg, mag er noch so dunkel sein, denn dann
sind wir auch gemeint, du und ich, wenn Jesus Christus am
Kreuz seinen Vater im Himmel bittet:
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"
"Du bittst am Kreuz für Feinde,
mein Jesu, wer war ich?
Du denkst an deine Freunde,
gedenke, Herr, an mich.
Du machst den Schächer selig,
verheißest ihm dein Reich,
das macht mich Sünder fröhlich,
mich, der dem Schächer gleich."