-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 79
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:27/03/1960
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Hernandarias, 10-4-1960
Vizcacheras, 10-4-1960
Meroú, 15-4-1960-Karfreitag-


Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Karfreitag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 27, 29
Skopus: Eine sonderbare Königskrönung
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 79 -Matthäus 27, 29
"Und die Kriegsknechte flochten eine Dornenkrone und setzten
sie auf das Haupt Jesu und ein Rohr in seiner rechten Hand
und beugten die Kniee vor ihm und verspotteten ihn und
sprachen: Gegrüßt seist, der Juden König!"

Unser Text spricht heute von einer Königskrönung. Und eine
Königskrönung ist doch immer eine interessante Sache.
Welch eine Anteilnahme gab es doch in der ganzen Welt, als
vor einigen Jahren die englische Königin gekrönt wurde.
Viele Hunderte von Menschen nahmen daran teil, viele
Millionen hörten es im Radio, sahen es durch Television oder
lasen es in den Zeitungen.
Obwohl wir in einer Zeit leben, da die Könige nichts mehr zu
sagen haben, nimmt doch alles regen Anteil am Leben der
Königshäuser. So müßte eigentlich uns heute auch sehr
interessieren, was es mit der Königskrönung zu tun hat, von
der wir hier hören wollen. Das eine müssen wir allerdings
von vornherein hören. Bei dieser Königskrönung ging es sehr
unfeierlich und ohne Formen zu. Ein paar rohe Soldaten
vollzogen sie, lachend und spottend. Und doch war die
Königskrönung die wichtigste, die es je gegeben hat.
Ich weiß nicht, ob man noch nach 2.000 Jahren von der
Königskrönung der englischen Königin sprechen wird, aber das
ist eine Tatsache, daß wir von der Königskrönung in unserer
Geschichte vor 2.000 Jahren noch heute sprechen.
Nun wollen wir einmal die Krone dieses Königs betrachten.
1. Die Krone unseres Herrn Jesus Christus war eine
schreckliche Krone.
Vor einiger Zeit hatte ein Pfarrer ein seltsames Erlebnis.
Er saß in der Halle eines Hotels in der Stadt Straßburg.
Draußen regnete es. Er saß am Tisch und machte sich Notizen
für seine Passionspredigten. Gerade wie er an die
Dornenkrone dachte, trat eine Frau auf ihn zu. Sie war eine
Schweizerin und kannte ihn aus seinen Gottesdiensten. Sie
wohnte im gleichen Hotel. Sie setzte sich zu dem Pfarrer und
erzählte ihm:
"Ich habe gerade an die Dornenkrone Jesu gedacht. Vor
wenigen Wochen besuchte ich das Land Palästina. Und da habe
ich mir von einem Dornenstrauch einige Zweige abgebrochen.
Aus solchen Zweigen bestand gewiß die Dornenkrone Jesu."
Und dann zog sie einen Beutel aus ihrer Tasche und zeigte
ihm 3cm lange Dornen. Da wurde es zwischen dem Pastor und
der Dame ganz still und unwillkürlich gingen die Gedanken
zum Passionslied:
"O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn.
O Haupt zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron."
Ich kann diese Dame nicht vergessen.
Wie schmerzlich und furchtbar müssen diese Dornen sich in
die Stirn des Heilandes gebohrt haben.
Im Neuen Testament steht einmal das beunruhigende Wort:
"Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu
fallen."
Sehr wichtig ist es, dieses Wort nicht zu vergessen.
Aber was geschieht hier in unserem Text? Da ist nicht der
Mensch in Gottes Hände gefallen, sondern -es ist unfaßbar-
Gott ist in die Hände der Menschen gefallen. Menschen haben
Gott in der Hand gehabt. Was war das doch für eine gewaltige
Stunde, als wir Menschen Gott in unserer Gewalt hatten!
Und was hat der Mensch mit Gott gemacht?
Der Mensch hat Gott in schändlicher, grausamer und
hohnvoller Weise gequält und verspottet.
Was sind wir doch für dumme Menschen gewesen!
Aber so sind wir alle. Die Soldaten haben an unserer Stelle
gehandelt. Es wird deutlich, daß wir alle miteinander im
letzten Grunde Gott nicht wollen. Der Heidelberger
Katechismus sagt:
"Ich bin von Natur geneigt, Gott und meinen Nächsten zu
hassen."
Können wir das begreifen? Dann stimmt es also schon, was
Jesus sagt:
"Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, sonst kann
er nicht in das Reich Gottes kommen."
Und nun das Zweite:
Die Krone unseres Herrn Jesus ist eine liebliche Krone,
trotz allem.
Immer wieder sehe ich in meinen Gedanken diese seltsame
Königskrönung aus unserer Geschichte:
Wie diese schauerliche Krone dem Herrn Jesus auf das Haupt
gedrückt wird und wie sein Gesicht blutüberströmt ist.
Da fiel mir auf einmal ein Gespräch ein, das einige Minuten
vor dieser Krönung stattgefunden hatte. Da stand Jesus vor
Pilatus und Pilatus fragte verwundert:
"So bist du in Wahrheit ein König?"
Ja, liebe Gemeinde, Er ist in Wahrheit ein König. Aber seine
Dornenkrone zeigt uns, daß sein Reich von einer ganz anderen
Art ist als alle Reiche dieser Welt. Es ist das Reich der
geoffenbarten Liebe Gottes zu uns.
O herrliches Reich der Liebe!
Während der Vorberitung zu dieser Predigt sah ich immer
wieder einmal lange ein Bild an, das ich gerne habe. Es ist
von Hieronimus Bosch aus dem 15. Jahrhundert. Da steht Jesus
inmitten von grauenvollen fratzenhaften Gestalten.
Ein Kerl mit gepanzerten Fäusten, damit er sich selbst nicht
verletzt, hält die Dornenkrone über den Kopf Jesu. Und Jesus
neigt seinen Kopf und empfängt williglich diese schreckliche
Krone. Wer dieses Bild ansieht, der versteht: Hier ist
Barmherzigkeit am Werk, diese Dornenkrone trägt er für mich.
"Nun, was du, Herr, erduldet,
ist alles meine Last.
Ich ich habe es verschuldet,
was du getragen hast."
Die Soldaten ahnen nicht, was sie da machen:
Sie krönen Jesus zum König im Reiche der Liebe Gottes.
Wenn wir die Zeitungen lesen, dann kann es uns schlecht
werden darüber, wie die Reiche der Welt nur Macht kennen und
Haß und Mißtrauen.
Wie schön aber ist das Reich Gottes, das Reich der Liebe!
Wollt ihr in dieses Reich hinein?
Man fährt dorthin nicht mit dem Eisenbahnzug. Es geschieht
im stillen Kämmerlein, wenn wir unser Herz zu Jesu füßen
legen und bitten:
"Nimm mein Leben!
Jesu, dir,
übergeb ichs für und für.
Nimm Besitz von meiner Zeit;
jede Stund sei dir geweiht.
Nimm du meine Hände an,
zeig mir, wie ich dienen kann;
nimm die Füße, mach sie flink,
dir zu folgen auf den Wink."
Braucht man auch einen Paß dazu? Ja, aber nicht einen Paß
mit Stempeln und Visa. Der Paß ist ein Herz, das nach
Frieden mit Gott hungert.
Wundervolles Reich Gottes, dessen König die Dornenkrone
trägt.
Wo gibt es ein Reich, in dem der König sich um jeden
Untertan persönlich kümmert?
Hier ist es so. Hier gibt es keine Bürokratie. Jeder hat es
mit dem König direkt zu tun.
Wir haben sicherlich eine wundervolle Mutter, jeden
Augenblick können wir wissen, sie wird mich immer verstehen
und wird mir immer alles Liebe tun. Und doch - das
Wichtigste kann mir selbst der liebste Mensch nicht tun. Er
kann mir nicht helfen, wenn ich beunruhigt bin durch meine
Bosheit und Schlechtigkeit und wenn sie mich verklagen.
Auch der liebste Mensch kann mir nicht helfen, wenn die
Angst vor dieser bösen Welt mich würgt, wenn das Grauen des
Todes mich packt.
Aber der König mit der Dornenkrone, der ist wirklich mein
Heiland. Gerade da ist er mein Helfer, Erretter,
Sündentilger, mein Erbarmer. Vor dem König mit der
Dornenkrone kann man nur niedersinken und danken:
"Ich bete an die Macht der Liebe,
die sich in Jesus offenbart."
Und jetzt das Dritte:
Die Krone Jesu ist eine ewige Krone.
Vor einiger Zeit besuchte ein Pfarrer in Norwegen ein
Flüchtlingslager, in dem deutsche Jungen von Flüchtlingen
aus ganz Europa gesammelr werden. Dort traf der Pfarrer
einen 17-jährigen. Er war gerade aus einem kommunistischem
Lande gekommen. Dort hatte man ihm gesagt, es gibt keine
Könige mehr. Und jetzt war er in Norwegen und konnte sogar
den norwegischen König, einen richtigen König, von Angesicht
zu Angesicht sehen.
Dieser 17-jährige deutsche Junge war darüber ganz
durcheinander geraten. Da sagte der Pfarrer:
Es ist schon wahr, was der Kommunismus sagt, daß alle Kronen
der Welt sehr unsichere Sachen sind. Wieviele Königskronen
in der Welt sind schon in den letzten 50 Jahen gefallen, zum
Teil haben wir es noch selbst miterlebt.
Aber, und das ist seltsam, eine einzige Königskrone wird
alle Königskronen der Welt überdauern. Das ist die
Dornenkrone des Herrn Jesu. An diesem so seltsamen Gekrönten
wird das Wort wahr werden:
"Es werden sich alle Kniee beugen und alle Zungen werden
bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist."
Laßt uns, liebe Gemeinde, zusehen, daß unser Leben schon
jetzt zu einemn Leben wird, das allein dem König mit der
Dornenkrone gehört.
(Diese Predigt wurde in Anlehnung an die Lesepredigt "Kirche
am Markt" erarbeitet.)