-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 78
Lugar/Ort:Reffino

Fecha/Datum:20/03/1960
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Meroú, 9-4-1982
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Karfreitag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Micha 6, 1-8
Skopus: Die Gerichtsverhandlung Gottes gegen uns
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 78 -Micha 6, 1-8
"Höret doch, was der Herr sagt: Mache dich auf und rechte
vor den Bergen und laß die Hügel deine Stimme hören. Höret,
ihr Berge, wie der Herr rechten will, und ihr starken
Grundfesten der Erde; denn der Herr will mit seinem Volk
rechten, und will Israel strafen. Was habe ich dir getan,
mein Volk, und womit habe ich dich beleidigt? Das sage mir!
Habe ich dich doch aus Ägyptenland geführt und aus dem
Diensthause erlöst und vor dir her gesandt Mose, Aaron und
Mirjam. Mein Volk, denke doch daran, was Balak, der König in
Moab, vorhatte und was ihm Bileam, der Sohn Beors,
antwortete, von Sittim an bis Gilgal; daran ihr ja merken
solltet, wie der Herr euch alles Gute getan hat. Womit soll
ich den Herrn versöhnen, mich bücken vor dem hohen Gott?
Soll ich mit Brandopfern und jährigen Kälbern ihn versöhnen?
Wird wohl der Herr Gefallen haben an viel tausend Widdern,
an unzähligen Strömen Öl? Oder soll ich meinen ersten Sohn
für meine Übertretungen geben, meines Leibes Frucht für die
Sünde meiner Seele? Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist
und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten
und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott."

Eine düstere und entsetzliche Stimmung liegt über dem Anfang
unseres Textes. Wir fragen: Was ist denn los? Was meint der
Prophet Micha? Er vekündigt:
Gott hat euch, sein Volk, zum Gericht aufgefordert. Der
Prozeß GOTT GEGEN SEIN VOLK hat begonnen:
"Der Herr spricht: Mache dich auf und rechte vor den Bergen
und laß die Hügel deine Stimme hören! Höret, ihr Berge, wie
der Herr rechten will, und ihr starken Grundfesten der Erde,
denn der Herr will mit seinem Volk rechten und will Israel
strafen",
so haben wir es gehört.
Daher also diese geheimnisvolle Stille, die wir meinen
fühlen und ahnen zu können. Und wo Gott Menschen, seine
Kirche, sein Volk, vor die Schranken des Gerichtes lädt, da
weicht in der Tat alle Freude und aller fröhlicher Gesang,
da erklingen Trauer- und Todeslieder. Wo Gott Gericht mit
uns hält, da schlägt er mit eiserner Faust drein, da
erstirbt alles Leben.
Wir denken in dieser Stunde an das Gericht Gottes über uns
auf dem Hügel Golgatha, da wir alle als Menschen vor Gott
als die Angeklagten stehen, weil sie den Messias, den Sohn
Gottes, ermordet haben. Brach nicht dabei eine große
Finsternis mit Erdbeben über das ganze Land herein?
"Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu
fallen", sagt der Hebräerbrief.
Aus dem Satz, den Gott in unserem Text ausspricht:
"Was habe ich dir getan, mein Volk und womit habe ich dich
beleidigt? Das sage mit",
können wir erkennen, daß das Volk mit der Aufforderung zum
Gerichtsprozeß zu erscheinen, nichts anzufangen weiß.
Was will denn eigentlich Gott von uns, denken wir selbst nur
zu oft. Er soll zuerst einmal dafür sorgen, daß es uns
besser geht, dann soll er kommen. Warum läßt er all das
Elend, das über sein Volk gekommen ist, zu?
Werden nicht in dieser Zeit Anklagen über Anklagen gegen
Gott laut. Wie hat er das alles, das in unserem Lande und in
der ganzen Welt geschehen ist und noch geschieht, zulassen
können? Fragen wir nicht auch oft ganz persönlich so, wenn
uns ein Unglück trifft, wenn Trauer und Leid und Not, unsere
Tage verdunkeln?
Aber Gott, der Herr, dürfte nicht der wahre Gott sein, wenn
er sich solchen Fragen versperren würde. Er braucht nicht
verstummen. Er fragt zurück:
Ihr, die ihr gegen mich meutert und rebelliert, Wer bringt
Leid und Elend über euch? Ich oder ihr selbst?
Ist Gott daran schuld, das es soviel Elend und soviel
Blutvergießen auf dieser Erde gibt? Nein, wir selbst tragen
die Schuld dafür.
Wo Gott der Gehorsam aufgekündigt wird, da herrscht der
Durcheinanderbringer, der am liebsten im Dunkeln, im Elend
und unter Leid und unter Sklaven regiert, der sich im Chaos
wohlfühlt.
Unser Ungehorsam im grauen Alltag unseres Lebens macht diese
Erde zu einem Jammertal. Hat unser Schöpfer uns nicht schon
lange in seiner unendlichen Liebe und Geduld und Güte
getragen, um uns wieder zu sich zurückzuholen? Wir können ja
nicht eine einzige Sekunde ohne seine Güte und Liebe leben.
Gott erinnert sein Volk an seine große Güte, die er ihm in
der Vergangenheit erwiesen hat.
"Ich habe dich aus Ägyptenland geführt und aus der Sklaverei
erlöst und vor mir hergesandt Mose, Aaron und Mirjam. Ihr
sollt daran merken, wie ich euch alles Gute getan habe."
Wie merkwürdig, jetzt weicht ein wenig die Finsternis der
Gerichtsverhandlung Gottes gegen uns. Das haben wir doch
wohl alle noch nicht erlebt, daß ein Gericht darin besteht,
daß uns jemand, der uns angeklagt hat, seine Liebe zu uns in
den Mittelpunkt stellt.
Wir sind es doch so gewohnt, daß bei einer
Gerichtsverhandlung lang und breit darüber gesprochen wird,
was der Angeklagte getan und verbrochen hat. Wir brauchen
uns nur an die Gerichtsverhandlung gegen Jesus zu erinnern.
Bei der merkwürdigen Gerichtsverhandlung unseres Textes in
Sachen Gott gegen sein Volk, kommt nur Gottes Güte zu uns
zur Sprache.
Heute am Karfreitag, wo sich Gottes Gericht gegen sein Volk
mitten unter usn vollzieht, können wir in gleicher Weise
bekennen, daß nicht unsere Schuld im Mittelpunkt steht,
sondern seine Güte zu uns. Vor dieser Güte bricht das Volk
Gottes zusammen und tut Buße und kehrt um. Martin Luther hat
etwas von diesem Geheimnis in seinem Leben erleben dürfen,
als er vor dem zürnenden und richtenden Gott nur furchtbares
Grauen und entsetzliche Angst empfand. Erst als er in Gott
den ihn liebenden und ihm gnädigen Gott begegnete, brach er
in einer getrosten Verzweiflung zusammen, die ihn dann aber
zu einem neuen Leben aufstehen ließ. So kann es nicht anders
sein, als daß wir immer wieder unseren Blick auf den
gnädigen Gott aufheben und uns von seiner Liebe
zurechtrücken lassen. Allerdings kann das Volk Gottes diese
Liebe in ihrer vollkommenen Gestalt nicht erkennen und darum
meint, seine Schuld vor Gott wieder gutmachen zu können:
"Womit soll ich den Herrn versöhnen, mich bücken vor dem
hohen Gott? Soll ich mit Brandopfern und einjährigen Kälbern
ihn versöhnen? Wird wohl der Herr Gefallen haben an viel
tausend Widdern, an unzählige Strömen Öl? Oder soll ich
meinen ersten Sohn für meine Übertretung geben, mein Kind
für die Sünde meiner Seele?",
sagt unser Text.
Das Volk möchte es sich viel kosten lassen, um wieder einen
gnädigen und liebenden Gott zu haben. Es ist sogar bereit,
den erstgeborenen Sohn zu opfern, um wieder Gottes Stimme zu
hören, die da sagt:
Du bist dennoch mein leibes Kind!
Auch als evangelische Christen stehen wir dauernd in der
Gefahr, auf jüdische und adventistische und katholische
Weise unseren Freispruch bei Gott zu verdienen, durch eigene
Werke, durch Opfer, durch Frömmigkeitsübungen. Aber das ist
unmöglich. Es ist unmöglich, die eigene Schuld vor Gott
durch Opfer der verschiedensten Art wieder gut zu machen.
Der PProphet Micha ruft seinem Volk zu:
So geht es auf keinen Fall.
Er ist genauso erschrocken wie viele Jahrhunderte später
Martin Luther über den Ablaßhändler Tetzel entsetzt war, der
sein Sprüchlein daher sagte:
"Sobald das Geld in den Kasten klingt, die Seele aus dem
Fegefeuer in den Himmel springt."
So geht das nicht.
Unser Freispruch hängt in keinster Weise davon ab, was wir
tun und was wir opfern oder gutmachen wollen.
Unser Text sagt es uns, wovon es abhängt, daß uns der uns
liebende Gott wieder begegnet. Wir können das vielleicht so
zusammenfassen:
Eigentlich weißt du, Mensch, wie du in diesem Gerichtsprozeß
frei gesprochen werden kannst. Du weißt doch, was der Herr
bei dir sehen möchte, nämlich, daß du vor ihm stehst, die
Hände zu ihm ausstreckst mit der Bitte, daß er sie mit
seiner Gnade fülle, die durch alle deine Schuld einen Strich
macht. Daß er dir die Kraft gebe, mit dieser Gabe der Gnade
in den Tag hineinzugehen und daß du dich von ihr auf den Weg
des Gehorsams führen lassen möchtest.
Es geht im Christsein wirklich auch um das Tun des Kindes
Gottes und des Jüngers Jesu, aber nicht als ein Mittel zur
Erlangung der Gottes Kindschaft, sondern der Christ wird als
ein von Gott reich beschenkter Mensch in Marsch gesetzt, um
ihm zu gehorchen.
In dem Prophetenwort haben wir ein Wort von ganz besonderer
Bedeutung.
Wenn es da heißt LIEBE ÜBEN, heißt das genauer übersetzt DIE
GNADE GOTTES LIEBHABEN.
Die Gnade Gottes lieb haben, das ist der springende Punkt
unseres christlichen Glaubens. Das ist der Schlüssel, der
uns die Tür aufschließt, die uns aus dem Gerichtssaal Gottes
als freigesprochene Menschen entläßt.
Das Volk meinte. es könnte freigesprochen werden durch
eigene Opfer und Taten. Der Prophet sagte aber, daß das Gott
nicht haben will. Er hat sogar das Opfer des Patriarchen
Abraham in der Gestalt seines Sohnes Isaak nicht haben
wollen.
Nicht durch eigene Opfer werden wir frei, sondern durch die
Liebe unseres Gottes. Sie ist, die uns zu Kindern Gottes
macht und uns dazu von unserer Flucht vor ihm immer wieder
zurückholt. Diese Liebe findet ihren größten Ausdruck darin,
daß Gott opfert, daß er seinen einzigen Sohn opfert, damit
wir frei würden.
Wir begehen heute Karfreitag, den Tag, da Jesus Christus am
Kreuz sein Leben zum Opfer gab. Nun ist es ganze
Wirklichkeit geworden:
"Wer Jesus im Glauben am Kreuze erblickt, wird heil zu
derselbigen Stund."
Denken wir zum Schluß noch einmal an die
Gerichtsverhandlung, in der wir die Angeklagten waren. Wie
so ganz anders ist sie ausgelaufen. Nach und nach ist die
Finsternis gewichen und es wurde hell.
Uns wird ein Wort des Propheten Micha gesagt, das uns frei
macht und frei spricht und frei läßt:
Die Gnade Gottes liebhaben.
Schaue auf die Liebe Gottes, die Er mitten unter uns in der
Gestalt des Kreuzes mit dem gehenkten Jesus aufgerichtet
hat. Schaue auf dieses Kreuz und du wirst heil zu
derselbigen Stunde, so wie das wandernde Volk Gottes in der
Wüste trotz der Giftschlangenbisse nicht sterben brauchte,
wenn es auf die aufgerichtete eiserne Schlange schaute.
Jesus Christus, der Gekreuzigte ist dein Verteidiger im
Gerichtsprozeß Gottes, dein Fürsprecher und dein Befreier.