-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 73a
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:08/04/1971
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, 16-4-1976
Meroú, 9-4-1971
Reffino, 31-3-1972
Grabschental, 16-4-1976
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Gründonnerstag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 26, 36 - 46
Skopus: Im Garten Gethsemane fällt die Entscheidung
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 73a -Matthäus 26. 36-46
"Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane,
und sprach zu seinen Jüngern: Setzet euch hier, bis daß ich
dorthin gehe und bete. Und nahm zu sich Petrus und die zwei
Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. Da
sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den
Tod; bleibet hier und wachet mit mir! Und ging hin ein
wenig, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach:
Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir;
doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst. Und er kam
zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu
Petrus: Könnet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?
Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet! Der
Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach. Zum
andernmal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater,
ist's nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich
trinke ihn denn, so geschehe dein Wille! Und er kam und fand
sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafs.
Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum
drittenmal und redete dieselben Worte. Da kam er zu seinen
Jüngern und sprach zu ihnen: Ach wollt ihr nun schlafen und
ruhen? Siehe, die Stunde ist hier, daß des Menschen Sohn in
der Sünder Hände überantwortet wird. Stehet auf, laßt uns
gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät."

Ein schwerer Kampf wird hier im Garten Gethsemane durch
Jesus Christus im unsretwillen ausgetragen, ein Kampf, der
so schwer war, daß ein anderer Evangelist davon berichtete,
daß der Herr dabei Blut schwitzte. Worum geht es in diesme
Kampf?
Jesus Christus muß es an seinem eigenen Leibe erfahren, was
es bedeutet, das wir Menschen an unserer Bestimmung als
Gottes Geschöpfe vorbeigelebt haben, daß wir weder in
Übereinstimmung mit seinem Willen unser Leben wollen, obwohl
uns diese Überteinstimmung erst zu rechten Menschen macht,
noch wollen wir Menschen uns in gegenseitiger Hilfe und
Liebe begegnen, um damit fähig werden zu können, die
Aufgaben, die wir auf dieser Erde zu erfúllen haben,
anzupacken.
Jesus von Nazareth ist der Endpunkt in der Reihe derer, die
nach Mose, in einer Linie mit den Propheten, mit dem Täufer
Johannes, das Volk aufgefordert haben, doch das zu sein und
darzustellen, wozu sie auf dieser Erde leben sollen:
"Tut Buße!"
Fangt endlich an, das zu sein, wozu ihr geschaffen wurdet,
zu Menschen nämlich und nicht zu Tieren, zu Menschen nämlich
und nicht zu Göttern oder Halbgöttern.
Aber selbst Jesus Christus in seinem Bemühen, uns auf den
rechten Weg zu stellen, ist gescheitert.
Wir Menschen haben uns ihm gegenüber in unserer ganzen
Grausamkeit geoffenbart, die selbst vor dem Letzten nicht
zurückschrecken wird, ihn zu ermorden.
Dieses grausame Ende, das Kreuz auf Golgatha, sieht er, der
Herr, klar vor seinen Augen und dahinter einen Sinn zu
finden, fällt ihm; wir spüren es aus allen unseren Versen,
nicht sehr leicht.
Dieses Kreuz auf Golgatha hat hier im Text im Munde Jesu die
Form eines Kelches, der mit Nöten und Schwierigkeiten und
Leiden und selbst mit dme Tod angefüllt ist:
"Mein Vater, ist es möglich, dann laß diesen Leidenskelch an
mir vorübergehen,"
betet er.
Es wird ihm nicht leicht, unseren Egoismus, unsere um uns
selbst drehende Frömmigkeit, unseren Willen nach Macht und
Herrschaft und Reichtum, der sich durchsetzen will, ohne
Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht, ob dabei die
Mitmenschen vor die Hunde gehen, an seinem eigenen Leibe
spüren zu müssen.
Nur schwer findet er ein Ja zu seinem Kreuz, zu seinem
Leidenskelch. Er findet dieses Ja einmal durch das Gespräch
mit Gott, mit dem, der ihn diesen Weg hat gehen lassen, den
Weg, der zugleich in einer exemplarischen Weise zeigt, wie
Gott sich uns bei der Schöpfung vorgestellt hat:
Als Menschen, die sich in gegenseitiger Hilfe und Liebe
begegnen und damit fähig werden, ihre Aufgaben auf dieser
Erde zu erfüllen.
Er findet dieses Ja zu diesem Weg seines Leidens und
Sterbens in dem Wissen, daß er die konsequente Fortsetzung
des Weges ist, den er von Anfang an gegangen ist, den Weg
der Hilfsbereitschaft und der Liebe seinen Mitmenschen
gegenüber.
Er geht diesen Weg, selbst wenn die, denen er helfen will,
von ihm diese Hilfe nicht annehmen wollen. Er geht diesen
Weg, selbst wenn die, die er in einer unaussprechlichen
Weise liebt, diese Liebe in den Wind schlagen. Ja, er geht
diesen Weg, selbst wenn die, denen diese Liebe und Hilfe
gilt, ihn quälen und schließlich auch noch totschlagen. Er
kann diesen Weg gehen, weil er fest davon überzeugt ist, daß
der Weg der Hilfe und der Liebe immer zum Ziele führt, das
Leben auf dieser Erde erträglicher und freudevoller zu
gestalten, da immer Gott selbst an der Seite dessen steht,
und ihn begleitet, der diesen Weg geht.
Und wir wissen heute, daß in der Tat dieser Weg zum Kreuz
und das Sterben an ihm als ein Weg der Liebe Jesu für uns,
seine Mitmenschen, zum Ziel geführt hat.
Unser Frakasso Gott und unseren Mitmenschen gegenüber hat
trotz allem nicht zum totalen Zusammenbruch geführt, denn
mitten im Zusammenbruch, mitten in aller Grausamkeit,
Lieblosigkeit, Eigensucht, Geiz und Neid und Haß, steht das
Kreuz Christi als Zeichen der Liebe und der Hilfe und der
Hoffnung, auch noch für uns vollkommen aus der Art
geschlagenen Menschen, die diesen Namen eigentlich nicht
mehr verdienen.
Diese Liebe, diese Hilfe und diese Hoffnung für uns gibt es
durch das Kreuz auf Golgatha auch weiterhin, weil hier im
Garten Gethsemane im harten Ringen um den rechten Weg, Jesus
sagen konnte:
"Mein Vater, ist es nicht mögl;ich, daß dieser Kelch an mir
vorübergehe, ich trinke ihn denn, so geschehe dein Wille."
Das Kreuz gibt uns neuen Mut und neue Kraft, als gefallene
und aus der Art geschlagene und versagende Menschen wieder
aufzustehen, jeden Tag neu aufzustehen, wieder neu unseren
Weg zu gehen, aber nun aus Dankbarkeit Jesus Christus
gegenüber; nun nicht mehr den Weg der Gottlosigkeit, den Weg
der Lieblosigkeit und des Hasses unseren Mitmenschen
gegenübe, zu gehen, sondern den der Bereitschaft, Gottes
Willen inmitten dieser Welt zu praktizieren, in der
Bereitschaft, unseren Mitmenschen in Liebe und darreichender
Hilfe zu begegnen.
Dieser unser Predigttext denkt besonders in dieser Zeit an
die Einsetzung des Heiligen Abendmahls am Gründonnerstag
durch Jesus Christus. In der Teilnahme an dieser Feier
bezeugen wir, daß auch wir zu denen gehören, die Jesu
Christi Kreuz als Zeichen der Hoffnung annehmen und diese
neue Hoffnung auch als gefallene Menschen in ihr Leben
einlassen.
In der Teilnahme an der Feier des Heiligen Abendmahls
bezeugen wir unsere Bereitschaft, mit Jesus Christus den Weg
der Hilfe und der Liebe und der Hoffnung für andere zu
gehen, selbst dann, wenn dieser Weg wie für unseren Herrn
ein Kelch des Leidens werden sollte und der Verachtung und
des Spottes.
Weiter bringt uns als Menschheit auf alle Fälle nichts
anderes als dieser Weg der Hilfe und der Liebe und der
Hoffnung.