-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 72
Lugar/Ort:Grabschental

Fecha/Datum:07/04/1979
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Meroú, 8-4-1979
Aldea Protestante, 4-4-1982
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Palmarum
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 12, 12 - 19
Skopus: Der wahre König
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 72 -Johannes 12, 12-19
"Des andern Tages, da viel Volks, das aufs Fest gekommen
war, hörte, daß Jesus käme gen Jerusalem, nahmen sie
Palmenzweige und gingen hinauf ihm entgegen und schrieen:
Hosianna! Gelobt sei, der kommt in dem Namen des Herrn, der
König von Israel! Jesus aber fand eine Eselin und ritt
darauf; wie denn geschrieben steht: Fürchte dich nicht, du
Tochter Zion! Siehe, dein König kommt, reitend auf einem
Eselsfüllen. Solches aber verstanden seine Jünger zuvor
nicht; sondern da Jesus verklärt ward, da dachten sie daran,
daß solches von ihm geschrieben war und sie solches ihm
getan hatten. Das Volk aber, das mit ihm war, da er Lazarus
aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die
Tat. Darum ging ihm auch das Volk entgegen, da sie hörten,
er hätte solches Zeichen getan."

Der heutige Psalmsonntag im Rahmen des Kirchenjahres mit
diesem Evangelium hat seinen Ursprung im 4. Jahrhundert, da
die kleine übriggebliebene christliche Gemeinde in Jerusalem
mit Palmen in den Händen eine Prozession veranstaltete zur
Erinnerung an den Einzug Jesu in seine Königsstadt. Von
Jerusalem aus hat sich diese Sitte dann im Laufe der
Jahrhunderte über die ganze Welt ausgebreitet.
Unser Text vom Einzug Jesu in Jerusalem steht ganz im
Gegensatz zu dem, was in den Versen vorher geschah, da die
Juden von diesem Jesus nichts wissen wollen und beschließen,
ihn zu töten, während uns hier berichtet wird, daß eine
große Menge ihm zujubelt und ihm folgt mit dem Rufe:
"Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der
König von Israel!"
Was ist das für ein Jesus, der sich einmal vor der
Öffentlichkeit der damaligen Zeit verbirgt, damit niemand
ihn erkennen kann und auf der anderen Seite ist er der, der
wie hier die Öffentlichkeit sucht und sich in der Tat als
ein König präsentiert, ja, als der eine und wahre König des
Volkes Israels, gesandt von Gott selbst und schon seit
Jahrhunderten durch die Propheten angekündigt:
"Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König
kommt und reitet auf einem Eselsfüllen."
So hatte es Sacharja prophezeit. Wenn auch nicht alle, so
aber doch eine groß Menge erkennt ihn als diesen wahren
König, jubelt ihm zu und folgt ihm. Das gerade will in
besonderer Weise unser Predigttext bezeigen, wenn er dann
durchaus doch wieder bekennt, daß das Volk ihn nur halb
versteht.
In jedem Fall gilt es zu erkennen, Jesus zieht als ein König
in seine Königsstadt ein und die Seinen folgen ihm.
Das alles geschieht in aller Öffentlichkeit.
Dabei wird allerdings auch die andere Seite deutlich:
Seine Armseligkeit als der König, nicht so, wie sonst bei
allen Herrschern auf Erden.
Es gibt keine Schar gut ausgerüsteter Soldaten, die ihn
begleitet, sondern die Schar der erbärmlichen und ärmlichen
Fischer und Handwerker aus der Provinz. Keiner der Obersten,
keine vornehmer Mann ist unter ihnen.
Als Reitsitz für den Rücken eines Esels, zu einem Pferde hat
es nicht gereicht, sind die verschwitzten Kleider der
Pilger. Der Blumenschmuck besteht aus Zweigen, die von den
Bäumen abgebrochen wurden oder auch aus Unkrautbüschel,
ausgerissen au den anliegenden Feldern.
Was ist das doch für ein armer und ohnmächtiger König, der
da einzieht. Ein Mensch, der unseren christlichen Glauben
nicht kennt oder von ihm nichts hält, oder das, was nachher
geschieht, nicht anerkennen kann oder will, ist nur in der
Lage, in ihm einen Ritter von der traurigen Gestalt wie Don
Quichote zu erkennen, über den man spottet und über seine
Wahnideen sich lustig macht, weil sie jenseits der
menschlichen und weltlichen Realitäten sich abspielen.
Kann man nicht auch uns von unserem König Jesus von Nazareth
sagen:
Seht, ihr Christen, das ist euer Heiland, dieser
Narrenkönig, dieser arme Schwärmer, der in Jerusalem
einzieht, um unterzugehen, um als ein Verbrecher, als ein
Rebell, am Kreuz sein Leben auszuhauchen.
Was sagt aber die christliche Gemeinde von ihm? Und unser
Text ist ein Zeugnis dieser Gemeinde.
Sie stimmt mit in das Hosianna des Volkes ein. Ja, gerade
so, wie er uns hier geschildert wird, ist unser Christus
der, der suns hilft aus allen Nöten und befreit aus allen
Knechtschaften. Gerade er ist unsere einzige Hoffnung in
unserer hoffnungslosen Zeit. Er, der nichts sein Eigen
nennt, der ganz auf Gott sein Vetrauen setzt, er, ohne Ehre
und ohne einen guten Namen; er, der als ein Narr erscheint,
ja, sogar als ein Verbrecher, der zu Recht zum Tode
verurteilt wird; er der sogar auf sich nimmt den Zorn und
die Verdammung Gottes, die über uns liegen; ja, gerade so
ist unser Jesus, gerade so gibt er uns die Möglichkeit eines
Neuanfangs, uns persönlich, unserer Familie, unserer
Gemeinschaft, unserem Dorf, unserem Lande, unserem Kontinent
und der ganzen Menschheit.
Fürwahr, unser Jesus ist kein Narr, sondern der, der in
einziger Weise die Lösung auch der aktuellen Probleme bereit
hält. Er ist der, der in Schanden sterben muß, damit wir
leben können.
In diesem ganzen Geschehen liegt die Aufforderung, Jesus auf
seinem Wege zu folgen, durch alle Niedrigkeiten und
Erniedrigungen und Anschuldigungen, ja selbst durch den Tod
hindurch, zum Heil und zur Errettung der Menschheit und der
Welt. So heißt es in einem Lied:
"Lasset uns mit Jesus leiden,
seinem Vorbild werden gleich.
Nach dem Leiden folgen Freuden,
Armut hier macht dorten reich.
Tränensaat, die erntet Lachen,
Hoffnung tröstet die Geduld;
es kann leichtlich Gottes Hulde
aus dem Regen Sonne machen.
Jesu, hier leid ich mit dir,
dort teil deine Freud mit mir."
Der Christ überwindet seine menschliuche normale Art, die so
beschrieben wird:
"Jeder sah nur auf seinen eigenen Weg!"
Folgt dem Worte des Apostels :
"Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus auch war."
Ein Christ wird mitten in dieser Welt, in der der
rücksichtsloseste Egoismus und ein Hunger nach Macht über
andere Menschen regiert, in der mit allen Mitteln um
Einfluß, Ehre, Reichtum und Ansehen gekämpft wird, zeigen,
daß es noch eine andere Möglichkeit eines wahren und echten
menschlichen Lebens gibt, in der Weise nämlich, daß man
nicht auf seinen Weg sieht, sondern auf den des anderen, der
natürlich ein Weg des Opfers, der Hingabe und des
Verzichtes, ist.
Das Leben eines Christen ist ohne Propaganda, ohne besondere
Aufmachung oder Sichherausstellen und ohne Forderungen oder
Ansprüche. Es wird meistens ein Leben sein, das Anstoß und
Ärgernis verursacht, weil es ein Leben gegen die Gesetze
dieser Welt ist. Und dieses alles wird keine Bitterkeit
verursachen, sondern durch die geschenkte Lindigkeit und
Güte wird auch das zugefügte Unrecht lächelnd ertragen.
Auch noch als ein Verfolgter und Geschändeter und Gequälter
wird solch ein Christ, der in der Nachfolge seinnes Herrn
das alles erträgt, mit einer besonderen Würde versehen, weil
er angestrahlt wird von dem Licht aus einer anderen Welt. Es
kann die Liebe gekreuzigt werden, aber ihre Macht kann ihr
nicht genommen werden.
Wenn wir alle, die wir uns Christen nennen, so, in dieser
Weise, im Nachtun der Liebe Jesu zu allen Menschen auch
leiden müssen, wie Jesus gelitten hat, so wird sich
schließlich und endlich doch diese Liebe durchsetzen und zum
Ziele kommen, wie Jesus sein Ziel, uns zu helfen, erreicht
hat. Das will auch das letzte Wort unserers Textes sagen:
"Die Pharisäer aber sagten zueinander: Ihr seht, daß wir
nichts erreichen; alle Welt läuft diesem Jesus nach."