-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 67a
Lugar/Ort:Grabschental

Fecha/Datum:31/03/1957
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Cerro Azul/Misiones, im Juli 1957
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Lätare
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 15, 20
Skopus: Die verlorenen Kinder Gottes kehren wieder heim
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 67a -Lukas 15, 20
"Und der verlorene Sohn machte sich auf und kam zu seinem
Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein
Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals
und küßte ihn."

Ein verlorenen Sohn macht sich auf den Weg zu seinem Vater
im Himmel.
Das ist doch das, was mit diesem Gleichnis vom verlorenen
Sohn gesagt werden soll. Wir als Menschen, die wir uns hier
versammelt haben, sind solche verlorenen Söhne und Töchter
unseres Vaters im Himmel.
Warum ist der Sohn zu seinem Vater zurückgekehrt? Warum sind
wir jetzt hier in Grabschental als die verlorenen Kinder
Gottes versammelt vor dem Herrn? Warum versammeln sich immer
wieder in den Kirchen der Welt die verlorenen Menschen vor
dem Angesichte Gottes?
Es mag durchaus manches Äußerliche mit dazu beigetragen
haben, daß wir heute hierher gekommen sind, aber hat uns im
letzten Grunde nicht etwas Besonderes zu Gott hingezogebn?
Von vornherein müssen wir feststellen, daß wir nicht hier
stehen, weil wir so gute und fromme Menschen sind. Wenn das
so wäre, brauchten wir nicht hier zu stehen, dann hätten wir
Gott und seinen Sohn Jesus Chriostus, der leiden und am
Kreuz sterben mußte, nicht nötig.
Wir sind in jedem Gottesdienst vor Gottes Angesicht immer
versammelt als die kleinen und großen Verbrecher, die
vielleicht so fromm tun und in Wirklichkeit so entsetzlich
gottlos sind. Wir stehen jetzt als die verlorenene Kinder
Gottes hier, die von Gott gerufen worden sind. Wer von uns
glaubt, daß er ein so guter Mensch sei und nicht ein
schlechter und verkommener, der ist im Gottesdienst falsch
am Platze.
Nur die schlechten Menschen, die Gottlosen, die so selten
Zeit für Gott haben, die Menschen, die so Schlechtes über
ihre Nachbarn erzählen, die Menschen, die es spüren, daß ihr
ganzes Leben ein einziger Betrug ist.
Ach, ich möchte nicht die Lebensgeschichte eines jeden
Einzelnen mit all den vielen Verirrungen durchgehen.
Aber wer in seiner ganzen Erkenntnis die Wahrheit spürt und
bittet:
Gott sei mir Sünder gnädig!, der ist hier richtig am Platze.
Die Menschen, die sich besser dünken als alle anderen, sind
hier nicht am rechten Ort.
Den verlorenen Sohn treibt seine ganze Schlechtigkeit und
die Liebe des Vaters zurück ins Vaterhaus. Dieses fröhliche
und herrliche Wissen hat den Sohn ins Vaterhais geführt, daß
er solch einen Vater hat, der sich über unsere ganze
dreckige Erbärmlichkeit sorgt und ängstet und uns trotz
unserer Schlechtigkeit entgegenläuft, uns in seine Arme
schließt und uns das Zeichen seiner großen Liebe auf die
Stirne drückt:
"Da aber de verlorene Sohn noch ferne war, sah ihn sein
Vater und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um den Hals und
küßte ihn."
Wie mag die Freude über diesen seinen Vater im Himmel seine
Schritte schneller zum Vater gelenkt haben! Endlich,
endlich, will ich die Liebe meines Vaters, die so unendlich
groß ist, in meinem Leben wieder spüren. Endlich wieder
daheim!
Der Vater fragt nicht darnach, ob der heimgekehrte verlorene
Sohn noch den ganzen Schweinedreck an seinen Kleidern hat.
Er fragt nichts darnach, ob er sich auch so benimmt, wie es
sich für anständige Menschen gehört. Nein, er sieht nur
seinen Sohn, der da wieder heimgekehrt ist. Er nimmt ihn in
seine Arme:
"Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden;
er war verloren und ist wieder gefunden worden."
Wie muß das Herz des Sohnes, den der Vater in seinen Armen
hält, vor Freuden laut geschlagen haben!
Endlich wieder daheim beim Vater! Endlich wieder nach so
vielen Wochen und Monaten unter Gottes Wort.
So hält uns jetzt der Vater im Himmel uns verlorene Söhne
und Töchter in seinen Armen und ein jeder darf dieses frohe
Wort aus seinem Munde hören:
Es ist alles wieder gut zwischen dir und mir!
Endlich, endlich wieder daheim bei unserem Gott!
Wer von uns heimgekehrten Kindern Gottes wollte jetzt noch
traurig sein?
Echte Heimkehr ist immer eine fröhliche Heimkehr. Echte Buße
ist immer eine fröhliche Buße, denn Gott spricht in der
Heimkehr das fröhliche Wort über uns aus:
"Dieses mein Kind war tot und ist wieder lebendig geworden,
es war verloren und ist wiedergefunden worden."
Und nun lädt der Vater im Himmel uns wieder heimgekehrte
Kinder Gottes ein zum Fest der Heimkehr, zur Teilnamhe an
der Freudenmahlzeit, die er uns bereitet hat.
Wir werden alle als die verlorenen Menschen, die
wiedergefunden worden sind, zur Feier des Heiligen
Abendmahles eingeladen.
So wahr, wie wir die Oblate kauen und so wahr, wie wir den
Wein schlucken, so wahr hat uns der Vater im Himmel in seine
Arme genommen und uns das Wort zugerufen:
"Du bist wieder mein liebes Kind; du bist tot gewesen und
wieder lebendig geworden; du warst verloren und bist
wiedergefunden worden!"