-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 62
Lugar/Ort:Castelar

Fecha/Datum:18/03/1984
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Grabschental, 1-3-1980 -deutsch-
Aldea Protestante, 2-3-1980 -deutsch-
Meroú, 2-3-1980 -deutsch-
Meroú, 14-6-1981 -deutsch-Kranken-Hausgottedienst
Aldea
Pr.,12-9-1981-deutsch-Kranken-HausgottesdienstPeil/Strobel
Diamante, 8-3-1969 -spanisch-
Camarero/Puiggari, 9-3-1969 -spanisch-
Esperanza/S. Fe,, 8-6-1969 -spanisch-
Paraná, 3-8-1969 -spanisch-
Meroú, 21-2-1971 -spanisch-
Camarero/Puiggari, 18-6-1972 -spanisch-
Diamante, 27-2-1975 -spanisch- Kranken-Hausgottesdienst-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Reminiszere
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 15, 21 - 28
Skopus: Das Wunder eines starken Glaubens
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 62 Mattäus 15, 21-28
"Und Jesus ging aus von dannen und entwich in die Gegend von
Tyrus und Sidon. Und siehe, ein kanaanäisches Weib kam aus
derselben Gegend und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr!
du Sohn Davids, erbarme dich mein! Meine Tochter wird vom
Teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da
traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie
doch von dir, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber
und sprach: Ich bin nicht gesandt denn nur zu den verlorenen
Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber und fiel vor ihm
nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und
sprach:: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot
nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber
doch essen die Hunde von den Brosamen, die von ihrer Herren
Tisch fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib,
dein Glaube ist groß, dir geschehe, wie du willst. Und ihre
Tochter ward gesund zu derselben Stunde."

Unser Text schildert uns das Wunder eines starken Glaubens,
das sich durch die Begegnung mit Jesus Christus bei einer
Frau ereignet.
Viele schon haben aus dieser Begegnung der heidnische Frau
mit dem Herrn Trost und Kraft für ihren eigenen Glauben und
für ihr Leben als Christen erhalten.
Diese Frau, eine Heidin, ist in großer Not der Tochter
wegen:
"Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Meine Tochter
wird vom Teufel übel geplagt."
Was mag sie schon an Qualen durchgestanden und Opfer an Zeit
und Geld angewandt haben, um ihrer Tochter zu helfen?! Alles
aber ist vergeblich und umsonst gewesen.
Und nun ist es ihr zu Ohren gekommen, daß da im Volke Israel
einer ist, von dem viele sagen, er sei von Gott gesandt, um
uns Menschen zu helfen. Ja, diese Botschaft wird noch
unterstützt durch die Nachricht, daß er schon vielen
Menschen geholfen hat: Blinden, Tauben, Lahmen, Aussätzigen
und Besessenen. Selbst Menschen, die gegen die Gebote Gottes
verstoßen hatten, hat er wieder den Zugang zu Gott geöffnet.
Obwohl allgemein angenommen wurde, daß dieser Mann nur im
Volk Gottes, im Volk Israel wirke, hatte er auch schon einem
heidnioschen Hauptmann geholfen. Und nach einigen wenigen
Prophezeiungen sollte sein Wirken im Volk Israel der Anfang
der Heilszeit Gottes für alle Menschen sein, auch für die
Heiden.
Wenn wir die Situation dieser Frau allgemein betrachten,
dann ist normalerweise unsere Lage die gleiche. Was wir von
Jesus Christus wissen, haben wir ja auch gehört oder
gelesen. Niemand ist ihm in leiblicher Weise begegnet, und
zwar haben wir von Jesus Christus gehört durch unsere Eltern
oder durch andere Bekannte oder im Gottesdienst oder durch
das Lesen der Heiligen Schrift oder eines Andachtsbuches.
Wir haben von ihm gehört als den, der uns in jeder Hinsicht
zu helfen bereit ist, der uns nicht losläßt, auch wenn wir
rebellieren oder von ihm weglaufen wollen.
Jesus Christus öffnet uns die Tür zu Gott, unserem Vater im
Himmel. Im Hören der Botschaft von diesem Herrn Jesus
Christus ist unser Glaube entstanden, unerklärbar, ein
Wunder Gottes.
GLAUBEN bedeutet ja nicht nur fromme Gefühle und selige
Stimmungen zu haben, sondern GLAUBEN bedeutet, im grauen
Alltag wirklich und wahrhaftig mit der Hilfe Gottes zu
rechnen und vor allen Dingen, diese Hilfe auch in Anspruch
zu nehmen und sie dann an andere Menschen in Not weiter zu
geben.
Und wenn wir uns alle einmal in unserer Situation beleuchten
würden, müßten wir alle doch auch bekennen, daß irgendeine
Not oder Problem uns nachts nicht schlafen läßt, da wir,
jeder persönlich oder familiär, Hilfe an irgendeiner Stelle
nötig haben?
Aus dem so entstandenen Glauben heraus eilt sie, die Frau,
zu Jesus, als er in die Nähe ihres Wohnortes kommt. Sie
nutzt in diesem Glauben alle Möglichkeiten aus, um in einen
näheren Kontakt mit ihm zu kommen und um vor allen Dingen zu
erhalten, was der Glaube, der in ihr entstanden ist,
verspricht, die Hilfe für ihre Not:
"Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Hilf meiner
geplagten Tochter!"
Haben wir eigentlich auch schon einmal in einer ganz
konkreten Not in einer ähnlichen Weise zu unserem Herrn
geschrieen, wie diese Frau? Wenn das noch nicht geschehen
ist, dann wird es aber allerhöchste Zeit, es zu tun und
unseren Glauben an die Hilfe Gottes zu praktizieren.
Aber indem die Frau anfängt, ihren Glauben zu praktizieren,
macht sie eine Erfahrung, die sicherlich viele von uns auch
schon gemacht haben:
"Jesus antwortete ihr mit keinem einzigen Wort."
Viele, die ihren Glauben an Jesus Christus weggeworfen oder
aufgegeben haben, führen eben als Grund an:
Es ist ja doch alles Lüge, Gott hat auf meine Bitten hin
immer geschwiegen, auf seine Hilfsversprechungen ist kein
Verlaß.
An unserer Geschichte aber ist erkennbar, wie gut es ist,
daß Gott trotz seiner Hilfsversprechen auch schweigen kann.
Er will die falsche Auffassung in unserem Glauben
beseitigen, die davon ausgeht, daß Gott so etwas sei, wie
ein Automat, in den man oben eine Münze wirft und unten
kommt das Gewünschte heraus.
Nein, Gott ist kein Automat, unser Herr Jesus Christus auch
nicht. Gott muß nicht sofort, wenn wir ihn bitten, einen
Engel schicken, der uns helfend beisteht.
Damit wir uns Gott nicht vorstellen als einen lieben guten
alten Mann, der zu allem, was wir tun, sein graues Haupt
nickt und uns machen läßt, was wir wollen und uns unsere
Hände füllt, mit dem, was wir zu haben wünschen, schweigt
Gott auch manchmal. Er schafft damit die Möglichkeit,
unseren in eine falsche Richtung gehenden Glauben zu
korrigieren. Selbst Jesus Christus mußte dieses Schweigen am
Kreuz auf Golgatha durchstehen, sodaß er aufschrie:
"Mein Gott, warum hast du mich verlassen!?"
Inzwischen schalten sich in unserer Geschichte die Jünger
ein, die Jesus zum Sprechen auffordern:
"Laß sie doch von dir, denn sie schreit uns nach!"
Damit bringen sie zum Ausdruck:
Wenn du nicht helfen willst oder kannst, dann sage ihr doch
wenigstens, daß sie nach Hause gehen soll.
Die Jünger sind sicherlich in den Traditionen des Volkes
Gottes, des Volkes Israels, aufgewachsen und einverstanden,
daß die Frau weggeschickt werden soll und daß ihr Jesus als
Antwort sagt:
"Ich bin nicht gesandt denn nur zu den verlorenen Schafen
von dem Hause Israel."
Damit sagt Jesus deutlich, daß etwas zwischen der Frau und
ihm liegt, was die Hilfe verhindert.
Was mag zwischen uns und Gott, zwischen uns und unserem
Herrn Jesus Christus liegen, daß uns nicht geholfen wird?
Ist es ein Streit in der Familie? Ist es der Geiz, der uns
achtlos an der Not und am Hunger der anderen Menschen in der
Nähe oder in der Ferne vorbeigehen läßt? Ist es das Versagen
von uns Christen, daß in den vergangenen Jahren trotz
unserer Verantwortung für die Mitmenschen, Tausende von
Menschen in unserem Lande zu Tode gequält wurden und bis
heute die Angehörigen noch keine Nachricht erhalten haben
und wir geschwiegen haben? Ist es die Unlust, am
Gottesdienst teilzunehmen, weil uns die Predigt, die die
Wahrheit über uns sagt, ärgert? Hat das alles nicht damit zu
tun, daß uns die Verbindung zu Gott unterbrochen zu sein
scheint?
Das gibt es also, daß etwas in unserem Leben vorhanden sein
kann, daß die Hilfe Gottes für uns, die wir so bitter nötig
haben, einfach verhindert.
Und wie verhält sich die Frau, nachdem sie gerade aus dem
Munde Jesu gehört hat, daß die Hilfe, um die sie bittet, für
sie nicht in Frage kommt, weil etwas Hinderliches zwischen
ihr und Jesus steht, weil sie ein Heidin ist?
"Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Hilf mir!"
Wie fein hat diese Frau etwas verstanden, was gut wäre auch
für uns, zu verstehen. Nämlich dieses, daß, wenn Jesus
Christus wahrhaftig der Heiland ist, dann ist seine
Bereitschaft, uns zu helfen, größer als alles, was bei uns,
die wir heute bitten, im Wege stehen kann.
Ob sie bereits Jesu Anweisung über das Bitten kennt?:
"Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden;
klopfet an, so wird euch aufgetan!"?
mit der Anmerkung, daß Gott allein schon einem um seines
"unaufhörlichen und unverschämten Geilens willen"
helfen wird.
Die Frau läßt nicht ab, zu bitten. Ihre Not ist einfach zu
groß und ihr Glaube kann durch nichts erschüttert werden,
daß der, der da vor ihr steht, als der Messias Gottes, als
der Heiland aller Menschen, ihr helfen kann und helfen wird.
Aber auf ihren weiteren Hilferuf hin:
"Herr, hilf mir!"
erfolgt immer noch keine Hilfe, sondern nur die sehr sehr
harte Antwort:
"Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot wegnehme
und werfe es vor die Hunde."
Ein nur oberflächlicher Glaube hätte spätestens jetzt mit
den Versuchen, von Jesus Hilfe zu bekoemmen, Schluß gemacht.
Welcher Bittsteller von uns würde sich auf seine Bitte hin
solch eine Antwort gefallen lassen?
Diese Antwort wäre auch zu unerhört, wenn nicht von
vornherein klar gesehen würde, hier ist die Bittstellerin,
eine Frau, eine Heidin, eine Götzenanbeterin und auf der
anderen Seite Jesus Christus, der Messias Gottes, der in das
Volk Gottes gesandt wurde, um zu helfen.
Hier ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, dem alle Macht
gegeben ist im Himmel und auf Erden und dort ein Mensch, ein
fehlendes Etwas, eine Hand voll Staub.
In welch eine tiefe Anfechtung wird doch der Glaube dieser
Frau geführt, die so gedemütigt wird, die sogar mit den
Hunden verglichen wird.
Was heißt das?
Für dich bin ich ein für alle Male nicht da, sagt Jesus
Christus.
Steht aber nicht jeder wahrhaft Glaubender immer wieder vor
einer solchen Situation, daß ihn Gottes WOrt verurteilt und
verdammt und uns sagt:
Wie kannst du es überhaupt wagen, die Hände zu Jesus
Christus emporstrecken?! Hast du vergessen, wer du bist?!
Werden wir dann nicht oft an die Entscheidungen unseres
Lebens erinnert, an die wir nicht mehr sehr gerne
zurückdenken?
Mußten wir nicht hören wie diese Frau:
"Für dich bin ich ein für alle Male nicht da!"
Wer von uns wäre nicht schon in solche Anfechtungen,
Verzweiflungen und Glaubensnöte gekommen, angeklagt von
seinem eigenen Leben? Wie verhält sich nun diese Frau in
unserer Geschichte?
Sie sagt:
"Ja, Herr."
Sie sagt, ja Herr, du bist in der Tat nicht für mich da. Das
ist wahr.
Auch der Glaube spricht, ja Herr, du hast recht, wenn du
mich mit deinen richtenden Augen anschaust. Ich kann vor dir
nicht bestehen. Ich bin es nicht wert, Herr, daß ich dich um
Hilfe angehe.
Aber echter Glaube bleibt bei einer solchen Verzweiflung
nicht stehen, wie auch die Frau darin nicht stehen geblieben
ist. Sie schreit:
"Ja, Herr, aber doch essen die Hündlein von den Überresten,
die von ihrer Herren Tische fallen."
Sie klammert sich in ihrer ganzen Not mit einem unbändigen
Glauben an ihn, den Herrn, der, wenn er wirklich und
wahrhaftig der Heiland der Menschen und der Messias Gottes
ist, soviel Möglichkeiten der Hilfe hat, daß die anderen,
die vielleicht den ersten Anspruch darauf haben, dabei nicht
zu kurz kommen. Die schäbigsten Abfälle im Heilsplan Gottes
genügen schon, um ihre Not zu wenden und um diese Abfälle
bittet sie.
Kann eigentlich ein Glaubender anders vor Gott stehen, auch
heute, als diese Frau?
Wer in einem solchen Glauben, der das ganze Vertrauen auf
Jesus Christus setzt, der bittet, wenn auch andere sagen, es
sei alles aussichtslos; der wagt, weiter zu bitten, selbst
wenn sein Leben mit all dem Versagen und seiner Schuld ihn
verklagt; ja, der selbst dann es noch wagt, weiter zu
bitten, wenn ihm das Wort Gottes auf den Kopf zusagt, du
hast deine Hilfe nicht verdient.
Wer in solch einem Glauben vor Jesus Christus mit seiner Not
steht und um Hilfe bittet, der darf dann auch das erfahren,
was die Frau erfahren hat:
"O Frau, dein Glaube ist groß! Dir geschehe, wie du
willst.-Und die Not wurde behoben zur selbigen Stunde."