-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 55
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:08/03/1979
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Meroú, 17-3-1979
Grabschental, 13-3-1979
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:1. Passions-Andacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 27, 46
Skopus: Die Gottverlassenheit gehört mit zur Passion
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 55 -Lukas 27, 46
"Um die 9. Stunde rief Jesus laut: Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen."

In der Reihe der diesjährigen Passionsandachten wollen wir
kurz die Worte betrachten, die Jesus Christus in seinen
größten Nöten am Kreuz auf Golgatha gesprochen hat.
In einer gewisen Weise sind sie für uns ein Vermächtnis,
sein Testament an uns.
Wir haben in den Evangelien 7 solcher Worte. Das erste davon
ist dieses:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen."
Wir wissen, daß sein Weg durch alles Leiden, ja sogar durch
den Tod hindurch, den er um unsretwillen ging, immer in
Übereinstimmung mit dem Willen seines Vaters im Himmel war.
Nicht nur das, sogar noch viel mehr, er ging diesen Weg um
unsretwillen im Gehorsam gegenüber seinem Vater. Es heißt in
einem Brief, daß
"er gehorsam war, gehorsam bis zum Tode am Kreuz."
Wenn schon die körperlichen und seelischen Leiden und
Strapazen unermäßlich und entsetzlich waren, so ist eine
Sache für ihn fast unaus- und undurch-stehbar, dieses
nämlich, daß zu seiner Passion es gehört, daß selbst Gott,
sein Vater, seine Hand von ihm abzieht, ihn allein läßt.
Wir haben sicherlich schon einmal eine Erklärung in der
Weise gehört, daß gesagt wird, daß der Himmel da ist, wo
Gott ist und wo Gott nicht da ist, da ist die Hölle los.
Wenn also Gott sich von seinem Sohn in seiner größten Not
allein läßt, von ihm fortgeht, dann überläßt er ihn dem
wütenden Treiben der Hölle und seiner wütenden Gesellen. Er
wird ein Spielball der Hölle, an dem sie ihre ganze Wut und
Macht ausläßt.
Daß das keine Kleinigkeit ist, erkennen wir daran, daß er
stöhnt und seufzt:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich jetzt auch noch
verlassen?!"
Mit der Annahme der Gottverlassenheit ist er den Weg
gegangen, den ein Mensch wird gehen müssen, wenn er in
seinem Leben nichts nach Gott und seinem Worte und der
Erfüllung der Bestimmung seines Lebens nach dem Willen
seines Schöpfers fragt und im Gericht Gottes der höllischen
Macht preisgegeben wird. Das braucht nicht erst nach dem
Tode zu geschehen, sondern kann schon hier auf Erden zu
Lebzeiten Wirklichkeit werden.
Jesus Christus mußte so an seinem eigenen Leibe erfahren,
was es heißt, ein von Gott verfluchter und verdammter Mensch
zu sein.
Das ist das Große und Herrliche, daß für den, der Jesus
Christus als den Herrn und Heiland seines Lebens annimmt,
Er, der Herr, in seiner Passion am Kreuz auf Golgatha ein
für alle Male die Verdammung und den Fluch und die
Gottverlassenheit weggenommen hat. Er wird nicht dem
höllischen Treiben preisgegeben, sondern darf das schauen
und das erleben, was mit ewiger Freude und Herrlichkeit
ausgedrückt wird.