-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 43
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:04/04/1974
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, 4-4-1974 -spanisch-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:5. Passions-Andacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Christus vor Pilatus
Skopus: Jesus - ein Revolutionär?
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 43 "Christus vor Pilatus"

Die damals von Jesu Freunden und Feinden erwartete
Revolution gegen die politische Macht und gegen den
römischen Staat als Besatzungsmacht ist ausgeblieben, sie
haben hart zugegriffen. Dabei haben selbst die Jünger Jesu
eine unrühmliche Rolle gespielt.
Jesus sitzt nun als Revolutionär gefangen, gefoltert und
gequält und mißhandelt. Selbstverständlich fragen wir jetzt:
War denn Jesus ein Revolutionär?
Auf diese Frage muß man mit einem klaten JA antworten.
Allerdings war er dieser Revolutionär in einem ganz anderen
Sinne als wir es weithin verstehen.
Sein Regierungsprogramm lautete:
1. Stecke dein Schwert weg, wer das Schwert nimmt, soll
durch das Schwert umkommen.
2. Wer herrschen will, soll es tun, indem er anderen dient.
3. Wer 3 Röcke hat, gebe dem, der keinen Hat.
4. Liebet euch untereinander.
5. Kämpft für das Recht der anderen und gegen alles Unrecht.
6. Setzt euch für den wahren Frieden ein.
Obwohl Jesus damals gescheitert ist, hat er doch mit diesem
Regierungsprogramm mit Menschen, die ihm nachfolgen, die
größte Revolutionsbewegung der Menschheitsgeschichte
begonnen, die heute noch zugange ist und nicht mehr
rückgängig gemacht werden kann.
Und alle die Machthaber fühlen sich dadurch molestiert und
bedroht und die Reichen verunsichert und Friedensbrecher vor
den Kopf gestoßen und darum will man mit diesem
Revolutionär. der die Welt und das menschliche Leben
verändert, daß jeder Mensch als Gottes Geschöpf sein Leben
leben kann, nichts wissen, auch nichts von denen, die ihm
als seine Jünger auf diesem Wege nachfolgen.
Sie werden vielleicht als Kommunisten, als Terroristen, als
Subversive, verfolgt und müssen genauso leiden, wie Jesus
gelitten hat. Dabei haben sie keine Gewalttaten begangen,
sondern haben nur die von Jesus eingeleitete Revolution mit
seinem Regierungsprogramm verkündigt und praktiziert. Heute
abend wurde sogar im Fernsehen im ähnlichen Sinne an die
Ermordung des Schwarzen Martin Luther King durch Weiße in
Nordamerika erinnert. Fur kurzer Zeit wurde der
Kirchenpräsident Frenz der Deutschen Evangelischen Kirche in
Chile, zusammen mit einem anderen Pfarrer, verhaftet, weil
er sich im Auftrage der Vereinten Nationen und des
Weltkirchenrates für die von der Militärregierung verfolgten
politischen Gefangenen einsetzte. In Südafrika sind von 9
Pfarrern der Deutschen Evangelischen Kirche 8 wieder nach
Deutschland zurückgerufen, weil die südafrikanische
Regierung ihnen Schwierigkeiten wegen ihres Einsatzes für
die Neger machte. In Brasilien wird dem Erzbischof von
Recife alle mögliochen Schwierigkeiten durch die
brasilianische Regierung gemacht. Er wird als Kommunist
verschrieen, weil er sich für die arme Bevölkerung einsetzt.
Wurde nicht in unserer Zone der Generalsekretär der Ligas
Agrarias, Chiapino, der sich für die kleinen Bauern
einsetzte, der ein ernster katholischer Christ ist, von dem
ehemaligen Gobernador als Kommunist verleumdet?
Diese Mächte, die gegen die, die die Revolution Jesu weiter
treiben, mit Gewalt vorgehen, möchten lieber den Glauben an
den Heiland der Seelen in der Form der Religion und der
Frömmigkeit im Volk verwurzelt sehen, weil er ihnen die
Ausbeutung und Unterdrückung und Unterjochung ihrer
Untertanen keine Schwierigkeiten in den Weg legt.
In unseren heutigen Texten steht der gefangene Revolutionär
Jesus vor dem Vertreter der römischen Gewaltherrschaft, vor
dem Gobernador Pontius Pilatus.
Er ist angeklagt worden, er sei ein Rebell, er sei einer,
der gegen den Staat hetzt, der sich selbst zum König
proklamiert hat.
Nun wird er von Pilatus gefragt, ob es wahr sei, daß er der
Herrscher über das Volk Israel sei und nicht der Kaiser in
Rom? Jesus bejaht das klar und deutlich;
Ja, ich bin dieser Herrscher, dieser König, dieser
Revolutionär. Er fügt allerdings hinzu:
Meine Herrschaft, mein Regierungsprogramm ist total anders
als das, was du, was dein Cäsar darunter versteht.
Er faßt dieses sein Regierungsprogramm unter dem Wort
WAHRHEIT zusammen:
"Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt
gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll."
Unter seiner Herrschaft werden alle anderen Herrschaften
erkannt als solche, die nur aufgerichtet werden um ihren
eigenen Interessen und ihrem eigenen Profit zu dienen.
In Jesu Revolution geht es um Liebe und nicht um Gewalt und
durch sie werden all die vielen Revolutionen, die sich
bereits auf dieser Erde ereignet haben, erkannt als solche,
die nur dazu gemacht wurden um Menschen zu unterjochen, zu
unterdrücken und auszubeuten und um die eine und wahre
Revolution Jesu zu verhindern. Und wieviele Revolutionen
wurden von solchen Machthabern in den letzten Jahren in
Lateinamerika angezettelt und durchgeführt?!
Obwohl Pontius Pilatuis ahnt, daß das ganze Recht auf der
Seite Jesu steht, kann er als der Vertreter der etablierten
Macht und unter der Drohung einer aufgeputschten Masse nicht
anders, als diesen so eigenartigen Revolutionär zum Tode zu
verurteilen:
"Er übergab ihn, gegeißelt und verspottet, daß er gekreuzigt
würde", -
das Bild eines Menschen, der geknechtet, gefoltert und
ausgebeutet wurde.
Hatte nicht Pilatus dasselbe auch schon ausgesprochen?:
"Sehet, welch ein Mensch!"
Es sieht alles nach Niederlage aus in dem Kampf zwischen dem
Revolutionär Jesus und dem Gobernador Pontius Pilatus und
doch wissen wir, daß diese Revolution weitergeht und auch
heute zugange ist mit der Verheißung, daß am Ende dieser
Jesus doch siegen wird.