-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 28
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:21/03/1963
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Passions-Andacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 26, 69 - 75
Skopus: Petrus, der Verleugner Jesu
-3- Kirchenjahr bis Karfreitag 28 -Matthäus 26, 69-75
"Petrus aber saß draußen im Hof; und es trat zu ihm eine
Magd und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus aus
Galiläa. Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich
weiß nicht, was du sagst. Als er aber zur Tür hinausging,
sah ihn ein anderer und sprach zu denen, die da waren:
Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth und er leugnete
abermals und sprach und schwur dazu: Ich kenne den Menschen
nicht. Und über eine kleine Weile traten hinzu, die
dastanden, und sprachen zu Petrus: Wahrlich, du bist auch
einer von denen, denn deine Sprache verrät dich. Da hob er
an, sich zu verfluchen und zu schwören, ich kenne den
Menschen nicht.
Und alsbald krähte der Hahn. Da dachte Petrus an die Worte
Jesu, da er zu ihm sagte: Ehe der Hahn krähen wird, wirst du
mich dreimal vereugnen, und ging hinaus und weinte
bitterlich."

In den heutigen Texten haben wir gehört von der Begegnung
Jesu mit der staatlichen Macht und Gewalt, einmal mit dem
König Herodes, der nur eine Marionette in der Hand des
Cäsars von Rom war und als ein Jude tun mußte, was dieser
Cäsar sagte, und zum andern mit dem Gobernador von
Palästina, der im eigentliche Sinn die Herrschaft des
Kaisers von Rom ausführte. Der Vertreter der Macht, der
eigentlich nur eine Marionette war, der König Herodes, zeigt
sich gegenüber Jesus vollkommen interessenlos, außer einer
gewissen Neugierde. Man solle ihm bitte mit solchen Dingen
vom Halse bleiben.
Der eigentliche Vertreter der Macht aber, der Gobernador
Pontius Pilatus, erkennt sofort als ein exakter Politiker
sie Situation. Er weiß sofort, hier will das Volk, daß von
einigen fanatischen Führern aufgewiegelt und aufgehetzt
wurde, eine blutige Sensation haben. Weil aber Pontius
Pilatus seine Hände selbst zu tief in die politischen
Händel, in Geldgeschäfte mit unglaublichen Korruptionen
gesteckt hatte, bleibt ihm nichts anderes übrig, wie er
meint, als der fanatisch-aufgehetzten Menge Genüge zu tun.
Er spricht über diesen unschuldigen Jesus ein politisches
Mordurteil, gegen das Recht und gegen seine eigene Einsicht.
Die staatliche und politische Macht ist dabei, durch
Interessenlosigkeit und durch aktive Beteiligung, Jesus
Christus, den eigentlichen König, zu ermorden.
Ich meine allerdings, noch viel schlimmer als dieses ist
das, was ich von der Kanzel hier gelesen habe:
Selbst ein Jünger, Petrus, stellt sich gegen seinen Herrn
und Meister:
"Und er hob an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich
kenne diesen Menschen, Jesus von Nazareth, nicht."
Daß fanatische politische Macht sich gegen Jesus stellt,
scheint uns nicht so absurd, daß aber einer, der mit Jesus
gewandelt ist, seine Worte gehört und seine Zeichen gesehen
und seine Hilfe erfahren hat, sich auch von Jesus löst, und
zwar gerade der, der zuerst sein Mund am vollsten genommen
hatte:
"Und wenn ich mit dir sterben müßte, so würde ich dich doch
nicht verraten."
Zeigt diese Tatsache nicht die ganze Trostlosigkeit aller
Menschen an, nicht nur des Petrus, sondern auch des Judas,
auch der anderen Jünger, auch unsere Trostlosigkeit:
"In der entscheidenden Stunde verließen sie ihn alle."
Wir als Menschen alle miteinander sind von Haus aus gegen
Jesus eingestellt. Er geht den Weg seines Leidens und
Sterbens allein. Es wäre traurig um uns bestellt, wenn wir
nicht wissen würden, daß gerade für Petrus dieses sein
Versagen, diese seine Schande, nicht das Letzte in seinem
Leben war. Der Herr, der durch das Leiden und Sterben zur
ewigen Herrlichkeit einging, der durch den Tod hindurch ins
Leben ging, der hat diesen Petrus wieder angenommen. Durch
seine ganze dunkle Vergangenheit machte er in der Vergebung
der Schuld einen Strich und schenkte ihm ein neues Leben.
Weil das sogar mit dem Verleugner Petrus geschah, haben wir
auch für unser Versagen und unsere Schuld die große
Hoffnung, daß unser Herr uns immer wieder neu annimmt, uns
immer wieder neu die Schuld vergibt, bis wir mit ihm und an
seiner Hand ins Leben eingehen.