-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 10
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:28/03/1957
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Gelsenkirchen-Buer-Hassel, 25-3-1954 B
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:3. Passions-Andacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 26, 39
Skopus: Die Gottverlassenheit Jesu
-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 10 - Matthäus 26, 39
"Und Jesus ging hin ein wenig, fiel nieder auf sein
Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich,
so gehe dieser Kelch von mir, doch nicht, wie ich will,
sondern wie du willst!" A
Ein sehr schwerer Weg liegt vor Jesus Christus, dem wahren
Gottessohn und dem wahren Menschensohn.
Nicht nur das muß er erleiden, was wir als Menschen als das
Schlimmste empfinden,Verfolgung und Verspottung, Verlust der
menschlichen Ehre, Verurteilung zum Tode und an die
Vollstreckung des Todesurteils am Kreuz.
Wie entsetzlich und furchtbar und grausam ist doch dieses
schon. Aber das Schlimmste ist doch für Jesus Christus in
dieser Passionszeit etwas anderes:
Der Sohn Gottes hat schon alle diese Leiden auf sich
genommen, da er von seiner himmlischen Herrlichkeit
hernieder kam in diese irdische Niedrigkeit. Der Sohn
Gottes, der ohne Anfang war, das heißt, ewig, begibt sich in
den Leib einer Frau, nimmt die Leiden einer Menschwerdung
auf sich. Er, der Sohn Gottes, wird so hilflos wie ein
kleines Kindlein, das gerade geboren wird.
Er, der Sohn Gottes, dem Macht gegeben ist über Tod und
Leben, muß mit seinen Eltern als ein Kindlein nach Ägypten
fliehen, weil so ein kleiner König Herodes ihm nach dem
Leben trachtet und ihn töten will. Er, der große und starke
und mächtige Gott, wird klein und gering und schwach und
hilflos.
Nun aber steht das Grausamste der Leidenszeit bevor. Der
Sohn Gottes, dem alle Macht gegeben ist im Himmel wie auf
Erden, wird in die Hände seiner Feinde, in die Hände sogar
des Teufels gegeben, die mit ihm machen können, was sie
wollen.
Die Menschen nehmen ihn fest, sie schlagen ihn, sie spucken
ihn an. Wir Menschen können mit ihm machen, was wir wollen.
Wir können sogar den Sohn Gottes ermorden.
Es scheint so, als ob die Welt nicht mehr Gott gehört,
sondern dem Teufel und alles nach der Flöte dieses
Widersachers Gottes tanzt.
Ja, Jesus Christus weiß, daß nicht nur wir Menschen und der
Teufel mit ihm machen, was sie wollen,, sogar Gott selbst
zieht seine schützende Hand von ihm ab, sodaß er
hinausschreien wird aus seiner großen Not:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!"
Jesus Christus muß diese ganze Grausamkeit des
Ausgeliefertsein an seine Feinde und an den Teufel ohne
jegliche Hilfe von seinem Vater im Himmel durchstehen und
durchleiden.
Welch eine Not das wirklich für Jesus Christus bedeutete,
spüren wir hier vor dem Beginn der Leidenszeit, im Garten
Gethsemane, da Jesus noch einmal mit seinem Vater im Himmel
spricht:
"Mein Vater, ist es möglich, so verschone mich vor diesem
entsetzlichen und grausamen Leiden!"
Können wir überhaupt dieses jemals verstehen, was da vom
Sohn Gottes erwartet wird?
Diese große Angst vor dem, was da kommen wird, die ganze
Angst vor der tiefsten Gottverlassenheit schreit er seinem
Vater entgegen:
"Wenn es möglich ist, verschone mich davor."
Er, der Sohn Gottes, hat unter der Last der Not und des
Leides und des Todes und der Gottverlassenheit schwer zu
leiden, so schwer, daß er seinen Vater bittet, er möchte ihn
doch davor verschonen.
Allerdings tut er dazu etwas, was wir weithin auch in
unseren Gebeten vergessen haben, er legt dann doch alles in
Gottes Willen:
"Doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!"
Er bittet wohl, aber er wird nicht ungehorsam. Er möchte
verschont bleiben, aber höher als dieses Verschontwerden ist
sein fester Entschluß, alles das gehorsam zu tun, was sein
Vater will.
An einer anderen Stelle der Heiligen Schrift heißt es:
"Jesus Christus ward gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Tode
am Kreuz."
Warum dann nun dieses Leidnen, diese Gottverlassenheit,
dieses Sichhineingeben in die Gewalt der Menschen und des
Teufels?
Indem Jesus Christus seinem Vater gehorsam blieb und
einvolles JA sagte zu dem grauenvollen Leidensweg, wurde er
unser Erlöser nund Erretter.
Weil er gehorsam blieb, dürfen wir ungehorsamen Menschen
Gottes Kinder werden. Weil er so entsetzlich litt, bleiben
wir von der gräßlichen Not der Gottverlassenheit verschont:
"Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere
Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von
Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer
Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen
zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf da wir Frieden
hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt."
B
Jede sich bietende Gelegenheit nimmt der Gegenspieler Gottes
wahr, um Jesus Christus von seinem Wege des Gehorsams zum
Kreuz abzubringen. Er weiß, daß seine eigene Existenz davon
abhängt, ob es möglich sei, auch den Sohn Gottes zum Abfall
von seinem Vater zu verführen. Gelingt es ihm auch diesmal
nicht, dann hat er seine letzte Möglichkeit versäumt.
Wir wissen ja, daß auf Jesu ganzem Lebensweg der Teufel
nebenherging und versuchte, ihn auf seine Seite zu ziehen.
Wir kennen ja auch am Anfang des Wirkens unseres Herrn, die
Versuchungsbegebenheiten durch den Teufel, die sich da
ereigneten. Verliert auch dieses Mal der Teufel, dann ist er
bereits ein besiegtes zusammengehauenes Wesen, dann ist
seine ganze Macht dahin.
Wo der Teufel eingreift, um jemanden auf seine Seite zu
ziehen, da geht es heiß her,da läßt er keine Möglichkeit
unversucht und da er jetzt weiß, daß es für ihn um Tod oder
Leben geht, da setzt er alles dran, um noch im letzten
Augenblick den Sieg zu erlangen. Wir wissen, wo dieser
furchtbare und ernste Kampf Jesu mit dem Teufel
stattgefunden hat, im Garten Gethsemane.
Dort, als es darum ging, daß der Sohn das gehorsame JA zum
Leiden und Sterben dienen sollte, da ist auch der
Widersacher auf dem Plan mit seiner versucherischen Frage:
"Sollte Gott gesagt haben?"
Wer je von uns schon in großen Anfechtungen mancherlei Art
gestanden hat, der kann vielleicht die Schwere des Kampfes
ermessen, obwohl ja alle unsere Kämpfe mit dem Kampf unseres
Herrn gar nicht verglichen werden können.Was mag nur an Not
und Kampf hinter den Worten stehen, die da heißen:
"Und Jesus fing an zu trauern und zu zagen und sprach: Meine
Seele ist betrübt bis in den Tod."
Aber in aller Anfechtung wußte er einen, was wir allzu
leicht vergessen. Er wußte, daß er zu seinem Vater kommen
konnte. Er wußte, er steht nicht allein, sondern sein Vater,
der ihm diesen Weg befohlen hatte und der von Gehorsam
erwartete, dieser sein Vater ist bei ihm. Ihm konnte er auch
in dieser großen Anfechtung alles anvertrauen.
Wohl wissen wir, daß auch das einmal vorbei sein wird, daß
zum Wege des Leidens ebenfalls das gehört, daß Jesus ruft
und der Vater schweigt und meldet sich nicht.
Wir kennen die Worte Jesu am Kreuz:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Aber noch ist es nicht so weit, noch steht er in dieser
Anfechtung in Verbindung mit seinem Vater, dem er alle Not
und allen Kummer anvertrauen kann, bei dem er sich Kraft und
Hilfe holen darf.
Wenn wir doch das ebenfalls vernehmen würden, daß wir in
allen Anfechtungen einen Vater haben, der uns hilft.
So fällt denn Jesus auf sein Angesicht und ruft zum Vater:
"Ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir, doch nicht,
wie ich will, sondern wie du es willst!"
Wir spüren aus dieser Frage an den Vater durchaus den Kampf,
ob er nicht doch den Weg am Leiden vorbeigehen könne, ob er,
nachdem er doch auf so vieles in seiner Eigenschaft als Sohn
Gottes verzichtet hatte, dieses Mal nicht doch auf seine
Erniedrigung verzichten und sein Recht auf seine
Herrlichkeit als Sohn Gottes in Anspruch nehmen könne:
"Ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir."
Es ist für den Sohn Gottes keine Selbstverständlichkeit, daß
er bei der Wahl der beiden Mögliochkeiten: entweder 1 Legion
Engel, die ihm beistehen oder das Kreuz, an dem er als
Verbrecher sein Leben aushauchen würde. Es ist für ihn keine
Selbstverständlichkeit, daß er das Kreuz wählte. Er sprach
kurze Zeit später das Wort zu seinen Jüngern: "
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach."
Aber das Wunderbare ist, daß er neben dem Wissen, daß er zu
seinem Vater kommen kann, auch weiß, und nichts kann ihn
daran hindern oder erschüttern, daß er seinem Vater gehorsam
sein wird:
"Nicht wie ich will, sondern wie du willst?"
Und seine Frage, die er dem Vater vorlegt, ist im letzten
Grunde die Frage:
Wie bin ioch dir gehorsam?
In einem Kampf, in dem so gefragt wird, wie unser Herr
fragt:
Was muß ich tun, damit ich dir, Vater im Himmel, gehorsam
bin?
ist schon seine Anfechtung überwunden.
In dem Jesus dieses Sätzlein:
"Nicht wie ich will, sondern wie du willst."
ausgesprochen hat, ist bereits ein Ja zum Kreuz auf Golgatha
gesprochen, nicht ein freudiges, nicht ein begeistertes,
aber ein echtes gehorsames Ja.
Nun ist alles auf das Ziel ausgerichtet, auf das Kreuz, denn
wir wissen, daß es Gottes Wille ist, daß sein Sohn leiden
und sterben soll.
In dem Bekenntnis unseres Herrn:
"Wie du, mein Vater, willst."
ist sein Ja zum Wege Gottes bereits gegeben. Der Teufel hat
sein Spiel schon jetzt verloren. Jesus geht den Weg des
Gehorsams.
Aber warum kommt denn alles darauf an, daß Jesus den Weg des
Gehorsams geht und daß der Widersacher geschlagen wird?
Als Antwort gibt es nur eines:
Weil es um uns geht, um dich und um mich.
Es geht darum, daß Gottes Heilsplan zur Vollendung kommt,
der uns einmal die Chance bietet, Gottes Kinder zu werden,
nachdem wir diese Kindschaft in den Wind geschlagen hatten.
So steht darum auch über unserem Text mit leuchtenden Worten
geschrieben:
DAS TAT ICH FÜR DICH!