-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 07
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:23/03/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Hernandarias, 24-3-1957
Gelsenkircjen-Buer-Hassel, 1953
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:4. PassionsAndacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 26, 51 - 52
Skopus: "Der Weg der Kirche ist ein Weg des Leidens."
-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 7 - Matthäus 26, 51 - 52
"Und siehe, einer aus denen, die mit Jesu waren, reckte die
Hand aus und zog sein Schwert aus und schlug des
Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab. Da sprach
Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer
das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen."

Wir alle können den Jünger, der so enrüstet ist und sein
Schwert zieht, mur zu gut verstehen. Mit diesem Jünger ist
die Lage aller Jünger damals im Garten Gethsemane
geschildert.
Sie sind ratlos, wie sie noch nie in ihrem Leben ratlos
gewesen sind.
Da sind sie jahrelang mit diesem Jesus von Nazareth
gewandelt, haben es seinem Wort angemerkt, haben es an den
vielen Zeichen und Wundern erlebt, daß ER einer war, der mit
einer besonderen Gewalt und Vollmacht ausgerüstet ist.
Alle diese herrlichen Erfahrungen haben bei ihnen die
Meinung gefestigt, daß sie noch Herrlicheres und Größeres
mit ihm erleben werden.
Sie erwarteten, daß ihr Herr und Meister den Königsthron zu
Jerusalem besteigen wird und sie alle ihre bestimmten
Pöstchen bei ihrem König erhalten werden.
Wir wissen sogar, daß unter den Jüngern ein Streit
ausgebrochen war darüber, wer Ministerpräsident werden
sollte.
Und nun diese Enttäuschung.
Der Jünger hier in unserem Text -nach dem
Johannes-Evangelium ist es Petrus- ist also nicht ein
absonderlicher Mensch, wenn er so entrüstet ist.
Er muß es in einer Weise, wie er es sich nicht hat träumen
lassen, erkennen, daß alle seine herrlichen Erfahrungen mit
Jesus in der augenblicklichen Situation nichts mehr nützen;
sie brechen in ein Nichts zusammen.
Wo ist das herrliche Ziel geblieben, das er sich erträumt
hat?
Es ist dahingeschwunden. Er hat auf eine falsche Partei, auf
einen falschen Führer, seine Hoffnung gesetzt.
Alles läuft darauf hinaus, daß sein Herr und Meister als ein
gemeiner Verbrecher abgeurteilt wird, statt seine Herrschaft
als ein König anzutreten.
Die Verhaftung liegt ja schon hinter ihm. Aber das kann doch
nicht sein, daß das, was er sich erträumt hat, ein Ende
haben soll. Das kann doch nicht sein, daß das, was wir in
unsrem Christsein erträumt haben, zu Ende ist.
Und doch, es ist eine Tatsache, das bisherige Christsein des
Petrus bricht zusammen.
Es konnte zusammenbrechen, weil sein Glaube sich auf seine
Träumereien über Jesus Christus gegründet hat und nicht auf
Jesus Christus selbst.
Daß er mit seinem Glauben zusammenbricht, zeigt sich darin,
daß er hier an dieser Stelle aus Zorn und Entrüstung und
Enttäuschung das Schwert zieht und einem Polizisten das Ohr
abschlägt.
Dieses geschah weniger aus Zorn darüber, daß sein Herr so
leiden muß, sondern vielmehr darüber, daß sein Lebensziel
zusammenbricht. Sein Ziel war ja, ein großer und mächtiger
Mann in dem Reiche zu werden, das Jesus aufrichten wird.
Es könnte bei uns auch das Ziel sein, das wir insgeheim alle
in unserem Herzen tragen:
Als ein geachteter Mensch und Christ dazustehen.
Aber dann kommen vielleicht Entscheidungen über uns, in
denen wir spüren, wenn wir in diesem Fall zu Jesus halten,
dann verlieren wir vor der Welt oder sogar vor der
offiziellen Kirche unser ehrbares Gesicht, dann müssen wir
durch viele Anfechtungen und Anfeindungen hindurch.
Und so bricht bei uns der Traum eines guten und angesehehen
Christen zusammen. Wir werden angegriffen, obwohl und
gerade, weil wir uns zu Christus halten.
Wer von uns wollte dann nicht am liebsten sofort
losschlagen, wie hier der Petrus. Wir werden so leicht
verbittert über das, was alles in der Kirche Jesu Christi
möglich ist und möchten am liebsten durch ein Faustschlag
die Situation, in der wir stehen, rettem.
Damit spüren wir, daß wir im letzten Grunde bisher ums
unsereEhrbarkeit, um unser Christsein, um unsere Situation
gedreht haben und drehen. Aber sollen wir uns in der
Nachfolge Jesu um uns selbst dfrehen?
Wenn wir um uns selbst in unserem Glauben drehen, sind wir
auf einem falschen Wege.
Petrus und mit ihm wir alle haben vergessen, daß es in
unserem Glauben nicht um unsere Wünsche, Meinungen und
Ideale geht, sondern immer und ausschließlich um unseren
Herrn und Meister Jesus Christus. Und nach ihm und seinem
Willen haben wir immer so wenig gefragt.
Wie ist seine Meinung und sein Wille?
Dieser Weg, den Jesus da geht, ist vom Vater im Himmel ihm
bestimmt worden und zu diesem Wege sagt Jesus ein volles und
uneingeschränktes JA.
Und wenn Jesus zu seinem Leidensweg ein volles JA sagt, dann
braucht der Petrus nicht daran zu gehen, aus diesem
Leidensweg einen Weg in Glanz und Gloria, einen Weg zur
Macht und Gewalt zu machen, dann brauchen auch wir nicht um
unsere Nöte und Sorgen zu stöhnen und zu klagen.
Wir sollen in dieser Passionszeit wissen daß so wie Jesu Weg
ein Leidensweg war, von Gott befohlen und von seinem Sohn
Jesus Christus mit einem JA bekräftigt, so sollen auch wir
zu unserem persönlichen Weg als Christen,der auch immer ein
Leidensweg sein wird, ein volles Ja sagen. So sollen wir
ebenso auch zum Leidensweg der Kirche Jesu Christi ein
volles und uneingeschränktes Ja sagen, weil Jesus es so
haben will.
Die Gemeinde Jesu Christi auf dieser Erde ist immer eine
leidende Kirche. Wehe, wenn sie versucht, auf irgendeine
Weise sich schon jetzt die Krone der Herrlichkeit
aufzusetzen und meint, einen anerkannten und viel geachteten
und geehrten Weg gehen zu müssen. Petrus ist dafür ein
abschreckendes Beispiel.
"Lasset uns aufschauen auf Jesus Christus, dem Anfänger und
Vollender des Glaubens."