-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 06
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:16/03/1956
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Hernandarias, 18-3-1956
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:3. Passions-Andacht
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 13, 12 - 15.
Skopus: Gegenseitige Vergebung der Schuld
-3-Kirchenjahr bis Karfreitag 6 - Johannes 13, 12 - 15
"Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider
und setzte sich nieder und sprach abermals zu ihnen: Wisset
ihr, was ich euch getan habe?
Ihr heißet mich Meister und Herr und saget recht daran, denn
ich bin es auch. So nun ich, euer Herr und Meister, euch die
Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander
die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß
ihr tut, wie ich euch getan habe."

Dieses Wort:
"Jesus Christus hat seinen Jüngern die Füße gewaschen",
ist zuerst für uns unverständlich, und zwar deshalb, weil
wir die Sitten und Gebräuche der damaligen Zeit nicht mehr
kennen.
Zur Zeit Jesu aber war es die Pflicht des Gastgebers, daß er
seinem Gast die Füße waschen ließ, eine ganz natürliche
Angelegenheit.
Wer auch nur kurze Zeit auf den damaligen staubigen Straßen
von Palästina gewandelt war und außer den leichten Fußsohlen
keine Fußbekleidung trug, der hatte eine solche Reinigung
schon nötig.
Diese Reinigung besorgte der niedrigste Sklave.
Diese Gewohnheit war den Jüngern bekannt und doch fragte sie
Jesus:
"Wisset ihr, was ich euch getan habe?"
Das bedeutet nichts anderes, als daß Jesus mit dieser Tat
etwas ganz besonderes hat sagen wollen, wovon die Jünger
möglicherweise noch nichts wissen.
Jedenfalls ist das eine klar, daß es um eine Reinigung geht.
Jesus Christus ist auf dem Wege zum Kreuz, um dort für den
Schmutz, für die Sünde eines jeden einzelnen zu sterben,
damit jeder wieder von der Sünde rein werden kann.
Es ist der Wille des Vaters und auch der Wille Jesu, daß wir
an seinem Kreuz von unserer Schuld und von unserem
Ungehorsam befreit werden.
So spricht Jesus hier, dadurch daß er den Jüngern die Füße
wäscht, von seinem Tode am Kreuz und von der Bedeutung
dieses Opfertodes für uns, daß er nämlich zur Vergebung
unserer Sünde diesen Tod wird erleiden müssen.
Indem Jesus durch die Fußwaschung dieses alles seinen
Jüngern deutlich macht, sagt er ganz klar:
Auch ihr seid so, daß ihr die Vergebung eurer Sünden nötig
habt. Ihr seid so schmutzig, ihr seid in solch großer Schuld
vor Gott, daß ich auch für euch in den Tod gehe.
Allerdings wird noch ein anderes deutlich, das Jesus seinen
Jüngern und auch uns sagen will:
Ihr seid die, wir sind die, für die Jesus sterben muß, damit
ihr rein und abgewaschen werdet von allen euren Sünden.
Dann steht die Sünde nicht mehr zwischen den Jüngern und
ihrem Herrn.
Nun gibt Jesus seinen Jüngern aber auch einen Auftrag:
"So wie ich euch, so sollt ihr euch auch untereinader die
Füße waschen!"
Damit sagt Jesus seinen Jüngern und auch uns:
So wie ich euch eure Sünden vergebe, so sollt ihr euch auch
untereinader eure Sünden vergebn.
Hier rührt Jesus an einem Punkt im Leben eines jeden
Christen, mit dem wir so leicht nicht fertig werden.
Christliche Gemeinschaft und christliche Verbundenheit
brechen oft zusammen, weil gerade dieses Wort des Herrn
nicht mehr ernst genommen wird:
"Vergebet euch untereinander!"
Wir meinen, wir könnten die Vergebung unserer Sünden von
Gott empfangen, ohne daß wir bereit wären, auch unseren
Nachbarn, Freunden und Bekannten zu vergeben.
Hier aber wird vom Herrn ausgesprochen:
Gerade darin zeigt es sich, daß uns Gott unsere Schuld
vergeben hat, ob wir auch den anderen, die mit uns zur
Kirche Jesu Christi gehören, die Schuld, die sie uns
gegenüber begangen haben, vergeben können.
Können wir das nicht, dann ist auch die Vergebung unserer
Schuld fraglich oder sogar hinfällig. Es heißt nicht umsonst
im Vaterunser:
"Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren
Schuldigern."
So, wie wir unserem Nachbarn oder Bekannten vergeben, so
vergibt auch Gott uns unsere Schuld.
Wir meinen, wenn wir einem, der uns ein Leid angetan hat,
dieses vergeben, dann würden wir etwas von unserem Stolz und
unserer Ehre verlieren.
Und wahrlich, menschlich gesehen ist das keine leichte oder
kleine Sache, schauen wir aber doch auf Jesus Christus. Er,
der der Herr aller Dinge ist, er tut und deutet es in dem
geringsten Sklavendienst der Fußwaschung seinen Jüngern an.
Er ist nicht zu stolz, für uns den Tod eines Verbrechers zu
sterben und wir meinen, uns unsere Schuld nicht gegenseitig
vergeben zu können.