-2-Kirchenjahr bis Estomihi 47b
Lugar/Ort:Reffino

Fecha/Datum:21/02/1971
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Meroú, 27-3-1971
Camarero/Puiggari, 3-10-1971
Aldea Protestante, 6-2-1972
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Estomihi
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Hebräer 4, 9 - 13
Skopus: Sind wir Salz der Erde und Licht der Welt?
-2-Kirchenjahr bis Estomihi 47b - Hebräer 4, 9 - 13
"Text siehe 47a!"

Wenn es am Anfang unseres Textes heißt:
"So ist also noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes,"
dann steht dahinter die Wirklichkeit einer Zeitepoche aus
der Geschichte des alten Volkes Gottes, des Volkes Israels.
Es ist unterwegs auf der Wanderschaft aus der Sklaverei
Ägyptens durch die Wüste in das gelobte Land Kanaan, auch
Palästina genannt.
Es war eine schwere Zeit diese 40-jährige Wüstenwanderung,
ohne einen festen Wohnsitz, ohne eine normale Lebensweise,
mit der großen Sorge und Angst und Frage, wie und wo wird
das alles noch einmal enden?
Das Einzige, was ihnen Gewißheit sein wollte, war Gottes
Versprechen, sie in das Land der Sehnsucht zu bringen.
Aber bei diesem Versprechen fingen für die Israeliten
bereits die Probleme an, denn sie trauten nicht mehr dem
Worte Gottes. Es war ihnen zu wenig. Sie wollten ihr
Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich nicht
dreinreden lassen, auch nicht durch Gott.
Diese Haltung des Volkes Israels hat die Wanderschaft immer
wieder verlängert und die Schwierigkeiten vergrößert. Fast
eine ganze Generation hat das Ziel der Wanderschaft DAS
GELOBTE LAND nicht erreicht. Sie starb dahin.
Der frohen Botschaft des Wortes Gottes wurde nicht getraut,
nun mußte es die Gerichtsbotschaft am eigenen Leibe
erfahren.
Wer das Wort Gottes als die Hilfe sewines Lebens nicht
annehmen will, bekommt die ganze Härte dieses Wortes zu
spüren:
"Es ist furchtbar, in die Hände des zornigen Gottes zu
fallen."
Aber das alles konnte nichts daran ändern, daß das gelobte
Land auf die Besitznahme durch die Israeliten wartete, daß
Gott alles dransetzte, daß das Volk Israel das Ziel seiner
Wanderschaft erreichte oder wie es mit den Worten unseres
Hebräerbriefes ausgedrückt wird, daß das Volk Israel nach
einer 40-jährigen Wüstenwanderung endlich zur Ruhe kommt.
Dieses Zurruhekommen des Volkes Gottes beschäftigt seine
Glieder noch Jahrhunderte später. Ja, verschiedene biblische
Schriften begründen das Sabbatgebot mit der Betonung auf den
Ruhetag, mit diesem Zurruhekommen nach der 40-jährigen
Wanderschaft, also nicht mit der Erschaffung der Welt.
Im 5. Buch Mose lesen wir so:
"Du sollst des Sabbattages gedenken, daß auch du Knecht in
Ägypten warst und der Herr, dein Gott, dich von dort
herausgeführt hat mit mächtiger Hand."
Nun sagt uns der Schreiber des Hebräerbriefes:
Das Volk Gottes heute, die christliche Gemeinde von heute,
befindet sich ebenfalls auf der Wanderschaft aus der
Sklaverei einer korrumpierten Welt ihrer Bestimmung
entgegen, als Gottes Volk der Endzeit das Salz der Erde und
das Licht der Welt zu werden; dieser Welt eine neue Hoffnung
zu geben, in eine neue Richtung zu lenken, ja, sie total zu
verändern.
Wir sind bereits aufgebrochen aus der Sklaverei unserer
eigenen Faulheit und Bequemlichkeit, aus einer Frömmigkeit,
die nur genießen will und sind bereits auf dem Wege, endlich
das zu werden, wozu wir gesetzt worden sind, Hilfe jeglicher
Art für andere zu sein.
Das geht dabei nicht nur darum, einzelnen Menschen zu
helfen, sondern mitzuarbeiten, die bisherige Staats- und
Gesellschaftsform zu verändern, wenn dadurch Millionen von
Menschen ein menschliches Leben ermöglicht wird.
Interessant ist zum Beispiel, daß heute in Chile die
katholische und die protestantische Kirche mit einem großen
Teil ihrer Glieder auf der Seite des neuen Präsidenten
Allende stehen, der versucht, in Chile eine bessere Lebens-
und Gesellschaftsform einzuführen. Sie helfen dadurch mit,
daß die Form nicht eine kommunistische wird.
Nur, wenn wir das als Christen und als christliche Kirche
der Motor für eine bessere Welt geworden sind, gilt es auch
für uns und von uns, daß wir in die von Gott gewollte Ruhe
eingehen werden. Viele unter uns trauen natürlich wie damals
dem Worte Gottes nicht zu, daß es verwirklicht, was es sagt.
Sie schauen zurück in die gute alte Zeit, da es noch
einfacher war, ein Christ zu sein, da man sich noch nicht
beängstigen lassen brauchte über die Hungrigen dieser Erde,
über die in sinnlosen Kriegen Verkrüppelten und unter den
Diktatoren gequälten Menschen, da man noch singen konnte,
wenn ich nur Jesus und ein gutes Leben habe, bin ich
zufrieden, die anderen gehen mich nichts an.
Selbstverständlich ist es einfacher, fromm zu reden als
einem Menschen in der Not beizustehenm, als mit einer
notleidenden Menschheit mitzuleiden und durch das eigene
nach Jesus Christus ausgerichtetes Leben ein exemplarisches
Beispiel zu geben.
Und es ist ebenfalls mit der Christenheit so, daß durch
Ungehorsam gegenüber dem Wort Gottes diese Vorbereitung auf
unsere eigentliche Aufgabe immer weiter sich verzögert, so
daß wir noch lange nicht das Ziel unserer Bestimmung
erreicht haben.
Aber täuschen wir uns nicht, wer als Christ, wer als eine
christliche Gemeinde, das Ziel des ganzen christlichen
Glaubens aus den Augen verliert, Hilfe für andere zu sein,
der Motor einer besseren Welt zu sein, der verliert
vollkommen seinen Glauben, der gehört nicht mehr zu denen,
die Jesus nachfolgen, der fällt unter das Gerichtswort
unseres Textes:L
"Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer
denn ein zweischneidiges Schwert und dringt durch, bis daß
es scheidet Seele und Geist, Mark und Bein und ist ein
Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Vor Gott werden
wir Rechenschaft ablegen müssen."
Und wir müssen schon mit Angst und Sorgen fragen:
Wo wird dieser Weg einer müden und selbstgenügsamen
Christenheit noch einmal enden?
Viele, daß müssen wir offen aussprechen, werden das Ziel
ihres Lebens als Christen nicht erreichen. Sie werden die
Wanderschaft aufgeben und ihren Glauben über Bord werfen.
Und auch Jesus Christus als leeres Stroh verwerfen.
Vielleicht werden aus vielen Ländern und Provinzen und
Gebieten die christliche Gemeinden und jetzigen Kirchen
vollständig verschwinden und die Ruinen der Kirchen der
Nachwelt das Gericht über eine faule Christenheit künden,
und doch:
Jesus Christus wird sich schon seine Gemeinde sammeln, die
auch das tut, was er sagt, die das ist, was sie sein soll
und wozu sie bestimmt ist:
"Salz der Erde und Licht der Welt"
zu sein.
Sind wir es nicht, sind es andere. Das wahre Volk Gottes
wird auf jeden Fall, so wie das Volk Israel, das Ziel seiner
Bestimmung erreichen, mit oder ohne uns.
Wenn Gottes Wort auch so hart ist, das wir spüren müssen,
hier geht es um ewiges Heil oder ewige Verdammnis, hier geht
um Sein oder Nichtsein der ganzen Menschheit, hier geht es
darum, ob wir an der Bestimmung unseres Christseins vorbei
leben oder das Ziel erreichen. Und hier geht es um ein
Enweder- Oder. So steckt in diesem Worte doch die große
Hoffnung unseres Herrn, daß wir diese Zeit als eine
Vorbereitungszeit ausnutzen und das darstellen, was wir sein
sollen:
Salz de Erde, Licht der Welt, Hilfe für andere, der
Anlaßmotor einer besseren Welt.