-2-Kirchenjahr bis Estomihi 44b
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:18/02/1979
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Camarero/Puiggari, 22-2-1980 -spanisch- confirmación -
Aldea Protestante, 7-3-1982 -spanisch- confirmación -
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Sexagesimae
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas, 8, 4 - 15 - Lucas 8: 4 - 15
Skopus: Den anderen ein Christus werden
-2-Kirchenjahr bis Estomihi 44b - Lukas 8, 4 - 15
"Da nun viel Volks beieinander war und sie aus den Städten
zu Jesus eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein
Säemann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel
etliches an den Weg und ward zertreten, und die Vögel unter
dem Himmel fraßen's auf. Und etliches fiel auf den Fels; und
da es aufging, verdorrte es, darum daß es nicht Saft hatte.
Und etliches fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen
gingen mit auf und erstickten's. Und etliches fiel auf ein
gutes Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht.
Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen, was dies
Gleichnis wäre? Er aber sprach: Euch ist's gegeben, zu
wissen das Geheimnis des Reiches Gottes; den anderen aber in
Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen,
und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das
Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem
Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel
und nimmt das Wort von ihren Herzen, auf daß sie nicht
glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die:
wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und
die haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu
der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die
Dornen fiel, sind die, so es hören und gehen hin unter den
Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens und ersticken und
bringen keine Frucht. Der aber auf dem guten Land sind, sind
die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten
Herzen und bringen Frucht in Geduld."

Wir haben hier ein Gleichnis gehört, das uns allen
sicherlich bekannt ist, das Gleichnis vom 4-fachen Acker.
Wenn uns da berichtet wird, daß von einer Aussaat
normalerweise 3/4 garnicht bis zur Ernte kommt, dann, so
müßte eine Bauer sagen, hat sich die Aussaat nicht gelohnt.
Und wenn das die Regel wäre, dann wäre das ein dummer Bauer,
der weiter aussäen würde. Und kein Verantwortlicher, ganz
gleich, wer es sein würde, könnte ihm weiter zu einer
solchen Aussaat raten.
Aber wenn am Anfang des Textes steht:
"Es ging ein Säemann aus, um seinen Samen zu säen,"
dann wird dabei wohl die Sprache des Bauern gesprochen, aber
in dieser Sprache soll eine ganz andere Wirklichkeit
ausgedrückt werden.
Wir wissen, daß Jesus Christus in der Form solcher
Gleichnisse wichtige Dinge des Reiches Gottes, des
christlichen Glaubens, predigt, Und wir müssen hier einmal
ganz konkret sagen, daß durch dieses Gleichnis Jesus uns
sagen will, daß er uns Menschen gegenüber handelt wie ein
dummer Bauer, nicht wie ein guter Landwirt.
Er handelt in seiner Liebe und in seiner Hilfsbereitschaft
zu uns Menschen so und nicht anders, sodaß man als ein
kluger und geschäftstüchtiger Mann nur den Kopf schütteln
kann. Denn mit dem Worte:
"Es ging eein Säemann aus, um seinen Samen zu säen."
weist er auf sich selbst. Er ist der Säemann. Er liebt uns
und bietet uns seine Hilfe an. Er erlebt es, daß 3/4 aller
Menschen von vornherein diese seine Liebe in den Wind
schlagen und von dieser Liebe nichts wissen wollen.
Wir können heute vielleicht sagen, daß es mehr als 3/4 aller
Menschen sogar sind, die von Jesus nichts wissen wollen,
obwohl sie mit ihm in Berührung gekommen sind.
Es gibt Erklärungsversuche und Entschuldigungen dieser
Ablehnung. Wir könnten noch viele zu denen, die im Gleichnis
und seiner Deutung angegeben werden, hinzufügen. Allerdings
meine ich, daß das garnicht so interessant ist. Viel
interessanter ist, daß doch von einem, wenn auch kleinem
Teil, die Liebe angenommen und die Hilfe, die von Jesus
Christus zur Bewältigung unseres menschlichen Lebens uns
angeboten, in Anspruch genommen wird..
Rein menschlich gesehen, kann man wie im Gleichnis fragen,
lohnt sich überhaupt der ganze Aufwand?
Handelte und Handelt Jesus nicht wie ein dummer Mann, daß er
um dieser wenigen willen, die sich von ihm helfen lassen,
sich so sehr einsetzte, für uns ans Kreuz ging und Himmel
und Erde in Bewegung setzte, um uns noch besser helfen zu
können?
Ja, man muß sagen, nach unseren Maßstäben handelt er nicht
geschäftsmäßig und tüchtig.
Jedesmal wenn es darum geht, uns Menschen zu helfen, fragt
er nicht, ob sein Tun dumm erscheint; dann fragt er nicht
darnach, daß so viele von ihm nichts wissen wollen, sondern
dann sieht er nur die, die durch seine Liebe und durch seine
Hilfe wieder froh und glücklich werden und dann hat sich für
ihn der ganze Einsatz gelohnt
Das Reich Gottes richtet sich nicht nach den Maßstäben
dieser Welt, sondern hat andere Regeln, die dieser Welt
durchaus dumm und nutzlos erscheinen.
Wenn wir dieses Wort hören, dann ist damit unweigerlich die
Frage verbunden, ob wir zu den 3/4 gehören, die Jesu Liebe
und Jesu Hilfe ablehnen, oder zu denen, die durch diese
Liebe und Hilfe froh und glücklich geworden sind. Allerdings
ist diese Frage zugleich mit der Hoffnung verbunden, daß
wir, du und ich, zu den letzteren gehören.
Woran, nach unserem Gleichnis, kann man die erkennen, bei
denen sich Jesu Einsatz gelohnt hat, die froh und glücklich
durch dieses Leben gehen?
Jesus sagt es uns so:
"Das aber auf dem guten Lande, das sind die, die das Wort
hören und in einem guten Herzen bewahren und in Geduld
Frucht bringen."
Um dieses Fruchtbringen geht es.
Was aber heißt hier Fruchtbringen?
Wenn Jesu Liebe und Hilfe uns froh und glücklich macht, dann
heißt das doch, daß Fruchtbringen bedeutet, diese Liebe und
Hilfe an andere weiterzugeben. Dann heißt das, daß wir durch
unser Tun und Handeln ein Christus werden, der den anderen
ebenfalls in Liebe und Hilfsbereitschaft begegnet. Dann
heißt das, den Anfang unseres Textes:
"Es ging ein Säemann aus, um seinen Samen zu säen,"
so zu lesen, daß wir der Säemann sind, der, wie Jesus,
nichts darnach fragt, daß sein Verschenken seiner Liebe und
seiner Hilfe genau dieselben Resultate aufweist, wie bei
Jesus selbst; und der auch nichts darnach fragt, wenn sein
Tun und Handeln für die Kinder dieser Welt als dumm
erscheint, sondern der froh und glücklich ist, daß er
wenigstens einige wenige froh und glücklich machen kann.