-2-Kirchenjahr bis Estomihi 39
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:01/02/1969
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Paraná, 2-2-1969 -Familiengottesdienst Meier
Reffino, 9-2-1969
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Septuagesimae
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 2, 22 - 32
Skopus: Unsere Hoffnungen werden erfüllt werden
-2-Kirchenjahr bis Estomihi 39 - Lukas 2, 22 - 32
"Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Moses
kamen, brachten sie das Kindlein gen Jerusalem, auf das sie
ihn darstellten dem Herrn (wie denn geschrieben steht in dem
Gesetz des Herrn: Allerlei Männliches, daß zum ersten die
Mutter bricht, soll dem Herrn geheiligt heißen) und daß sie
geben das Opfer, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: ein
Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. Und siehe, ein
Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon; und derselbe
Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den
Trost Israels, und der Heilige Geist war in ihm. Und ihm war
eine Antwort geworden von dem heiligen Geist, er sollte den
Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christus des Herrn
gesehen. Und er kam aus Anregen des Geistes in den Tempel.
Und da die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, das
sie für ihn täten, wie man pflegt nach dem Gesetz, da nahm
er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun
lässest du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt
hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen
du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten
die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel."
Jeder Mensch macht sich Hoffnungen. Jeder Mensch möchte aus
seinem Leben etwas machen. Jeder Mensch hat ein ganz
bestimmtes Ziel vor Augen, das er in seinem Leben erreichen
will. Mag dieses Ziel auch zu weit gesteckt sein, mag der
Sinn unseres Lebens uns auch sehr verschwommen erscheinen,
ohne irgendetwas, wofür es sich lohnt, sein Leben zu leben,
ist das menschliche Leben hohl und leer.
Natürlich ist bei allen Menschen das, was man vom Leben
erwartet, verschieden. Der eine hat sich ein hohes Ziel
gesteckt, der andere ist schon mit weniger zufrieden. Das
Kind hofft und erwartet vielleicht, gut in der Schule
voranzukommen. Der junge Mensch setzt alles daran, einen
ordentlichen Beruf zu erlernen, einen Beruf, der ihn im
Leben weiterbringt, der ihn viel Geld verdienen lassen wird.
Der mitten im Beruf Stehende erhofft, daß er die
Arbeitsstelle behalten kann. Und der Bauer ersehnt sich, daß
seine Arbeit nicht jedesmal durch frakassierte Ernten
umsonst gewesen ist. Der alte Mensch wünscht es sich, daß
auch seine letzten Jahre nicht sinnlos werden, daß er nicht
anderen zur Last fällt. Eltern erhoffen und erwarten von
ihren Kindern, daß sie einmal im Lebenskampf nicht versagen
und die Kinder wünschen es sich, daß ihre Eltern ihnen im
Aufbau eines eigenen Lebens nicht im Wege stehen.
Ein Leben ohne Zukunft, ohne eine Beschäftigung mit der
Zukunft ist sinnlos, gleich dem Tode.
Nun weiß ja niemand, was uns die Zukunft bringen wird. Es
ist durchaus möglich, daß sie nicht rosig sein wird, daß sie
Not und Verzweiflung über uns bringen wird, Krankheit und
Tod, Arbeitslosigkeit oder weitere frakassierte Ernten,
Familienstreitigkeiten, Naturkatastrophen, eine schlechte
Regierung oder Revolutionen und Kriege.
Ob die Zukunft rosig aussehen wird, ist nicht so sicher, wie
wir es gerne sehen möchten, auch wenn bald Menschen zum Mond
fliegen können. Es bleibt uns nichts weiteres übrig, als in
der Unsicherheit zu leben und in ihr zu hoffen und zu
warten. Das Warten und Hoffen ist oft aber ein mühseliges
Geschäft.
Man erreicht nicht das, was man wollte, man ist unzufrieden.
Und selbst, wer alles erreicht, was er wollte, wird von der
Frage gequält, hat es sich gelohnt, dafúr alle Kräfte meines
Lebens angespannt zu haben?
Darum ist es schon entscheidend zu wissen, worauf es im
Leben ankommt, was es ist, daß das menschliche Leben
überhaupt lebenswert macht?
In unserem Predigttext ist auch von einem hoffenden und
wartenden Menschen die Rede.
Der alte Simeon wußte, daß das Leben nicht sinnlos ist,
sondern daß es etwas gibt, worauf er warten und hoffen kann.
Ja, das Warten macht den ganzen Sinn seines Lebens aus. Mit
ihm, Simeon, wartete das ganze alte Volk Gottes. Es wartete
schon sehr lange.
Eine tausendjährige Geschichte lag hinter dem Volk und Gott
hatte das Ziel des Hoffens und Wartens gegeben. Gott hatte
versprochen, seinem Volk eine bessere Zukunft vorzubereiten,
die Glieder seines Volkes aus der Not und Verzweiflung zu
befreien, ihnen neue Freude zum Leben zu schenken, und zwar
dadurch, daß er die Feindschaft zwischen den Menschen
zurückdämmte und die Grausamkeit des Todes wegnahm und eine
Zeit des Friedens und des Glückes ermöglichte, in der es
sich wieder lohnte, als Mensch zu leben, als Mensch endlich
menschlich zu bleiben.
Und so wartet das alte Volk Gottes, das Volks Israel, auf
den, der kommen sollte, um diese Zeit einzuleiten. Es
wartete auf den Messias, auf den Gesandten Gottes.
Vielen war bei diesem Warten der Atem ausgegangen, andere
wurden ungeduldig. Manche warteten nicht mehr, weil sie sich
auf ein Wort eines Gottes, den man nich beweisen konnte,
nicht verlassen wollten. Anderen war die augenblickliche
Frömmigkeit für ihr Leben genug, um die Zukunft sollten sich
ruhig andere sorgen.
Die Hoffnung, daß Gott, ihr Gott, etwas Großes und
Einzigartiges in der Zukunft tun wird, hatten sie
aufgegeben. Man nahm wohl das Wort der Propheten zur
Kenntnis, aber mit der Realität einer Zeit des Heils, des
Friedens und des Glückes für alle Menschen, heraufgeführt
durch den Messias Gottes, wurde nicht mehr gerechnet.
Wer glaubt denn von uns noch in ernsthafter Weise und
rechnet real damit, daß durch diesen Jesus Christus noch
etwas Weltumwälzendes auf dieser Erde geschehen wird, obwohl
wir in jedem Gottesdienst beim Glaubensbekenntnis sprechen:
"Von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die
Toten."?
Und als dann damals der Messias Gottes wirklich erschien, da
hatte man in der frommen Welt keinen Platz mehr für ihn und
schlug ihn tot.
Der alte Simeon war einer, der wirklich hoffte und wartete.
Er wußte, sein Leben bekommt nur von dem her, was Gott tun
würde, einen Sinn, eine Erfüllung.
Er hat auf den gewartet, der ihm vom Vater im Himmel durch
Wort und Tat bezeugte:
Ich habe dich trotz deines dauernden Versagens lieb. Ich
nehme dich an, so wie du bist, mit deinem Nichtkönnen und
deinem Nichtwollen, mit all deinem Indenwindschlagen der
Dinge, die sich für einen Menscdhen geziemen.
Und dann kommt der Tag, da Jesus in der Gemeinde Israels
aufgenommen werden sollte.
Simeon trifft im Tempel ein armes Elternpaar mit einem
Säugling. Von diesem Kind hängt die Zukunft der Welt ab.
Ob dieses Kind den Erwartungen des Simeons entsprochen hat?
Vielleicht hat auch er sich den Messias anders vorgestellt.
Vielleicht hätte er dieses Kind kaum beachtet, wenn nicht
eine unvorstellbare Macht ihn zu diesem Kinde hingezogen
hätte; eine Macht, die ihn gerade auf dieses hilflose Kind
aufmerksam gemacht hatte. Simeon widersprach nicht. er hätte
es tun können, wie später es die Pharisäer getan haben.
Ihnen erschien die Predigt des Jesus zu unglaubwürdig und
das, was er tat, zu gering. Sie hatten mehr erwartet. Gott
sollte sich durch große Zeichen am Himmel und in der Natur
zu Jesus bekennen.
Simeon hat nicht mehr als die feste Überzeugung, dieses
kleine Kind ist der Heiland der Welt, ist die Hilfe Gottes
für uns Menschen. Dieses ist ihm im Angesichted des kleinen
Kindes so gewiß, daß er beginnt, Gott darüber zu loben. Er
verläßt sich darauf, daß jetzt die vorausgesagte Zukunft
schon begonnen hat. Wenn dieser Jesus Christus wahrhaftig
angenommen wird, verändert sich die Welt.
Jetzt hat sein Warten und Hoffen en Ende, jetzt ist die
Hilfe Gottes bereits mitten in dieser Welt. Jetzt braucht er
sich vor der Zukunft nicht mehr zu fürchten. Gott steht auf
der Seite des Menschen. In seiner Liebe zeigt er ihm, wie er
mit Krankheit und Not und Tod fertig wird, auch mit der
Verzweiflyung darüber, daß er sein Leben nicht so gelebt
hat, wie es hätte sein sollen, daß er vielen Menschen Kummer
und Ärger bereitet hat. Jetzt hat auch sein Leben einen Sinn
bekommen, weil Gott ihn annimmt in seiner Liebe. Das
Kindlein ist für ihn das Zeichen dieser großen Liebe Gottes
zu ihm und zu allen Menschen. Gott steht auf der Seite des
Menschen.
Am Anfang der Predigt hatten wir gesagt, daß jeder Mensch
Erwartungen und Hoffnungen hat und daß die Erwartungen und
Hoffnungen unter uns Menschen verschieden sein können. Aber
alle Erwartungen und Hoffnungen weisen darauf hin, daß der
Mensch ein ganz bestimmtes Ziel braucht, nach dem er sein
Leben ausrichtet, das seinem Leben einen Sinn gibt.
Wir stellten auch die Frage:
Was ist das Entscheidende für uns? Worauf kommt es an?
Dieser alte Simeon will uns helfen, den rechten Sinn unseres
Lebens zu erkennen und darum uns keine falschen Hoffnungen
machen, damit wie nicht unser ganzes Leben verspielen.
Seine Erwartungen und Hoffnungen waren darauf gerichtet, daß
Not und Verzweiflung, Krankheit und Tod, die über uns kamen,
weil wir in Feindschaft zu dem lebten, der uns geschaffen
hat und weil wir in Feindschaft miteinander uns das Leben so
schwer machten, von uns weicht und stattdessen sich Gott zu
uns als der uns liebende Vater im Himmel herabbeugt und uns
auch ein friedliches menschliches Miteinander unter uns
Menschen ermöglicht.
Als Simeon dieses Kindlein erblickt, weiß er, jetzt beginnt
die Zeit der Erfüllung der Hoffnung auf ein Leben in Friede
und Freude und Glück für alle Menschen.
"Denn meine Augen haben den Heiland gesehen."
Darauf kommt es an, daß unser Verhältnis zu Gott und zu
unseren Mitmenschen wieder in Ordnung kommt und da, wo ein
Mensch einen anderen haßt, da ist etwas heute noch nicht in
Ordnung. Das Leben kann wieder in Ordnung kommen, wir
brauchen nicht mehr zu hassen, denn Gott steht auf unserer
Seite. Er reicht uns die helfende Hand, die aller Not ein
Ende macht. Auf ihn können wir uns verlassen. Das ist die
gute Nachricht, die Jesus Christus uns sagt und am Kreuz
unter Beweis gestellt hat.
Da, wo wir leben, in einer Welt der Vergänglichkeit und des
Todes, da ist Gott auch da, selbst da steht er auf unserer
Seite.
Gott läßt uns selbst in den dunkelsten Stunden unseres
Lebens nicht allein. Seit Jesus Christus wissen wir es, Gott
ist gegenwártig.
Wir wollen bitten, daß er uns Mut schenke zum Warten und
Hoffen auf unsere Begegnung mit Gott, auf die feste
Gewißheit, Gott ist bei uns und führt uns selbst durch die
größte Not und durch die dunkelsten Stunden.
Nur in dieser Begegnung mit Jesus Christus, nur in dieer
Gegenwart Gottes erfüllt sich der Sinn unseres Lebens und
sind wir fähig, mit Simeon Gott zu loben und zu danken::
"Meine Augen haben deinen Heiland geshen, "
und gehen wir einer glücklichen Zukunft entgegen.
(Diese Predigt wurde erarbeit nach einer Lesepredigt.)