-2-Kirchenjahr bis Estomihi 35
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:18/01/1981
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Aldea Protestante, 1-2-1981
Castellar, 21-1-1990
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:4. Sonntag nach Epiphanias
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 8, 23 - 27
Skopus: Haben wir einen schlafenden Jesus?
-2-Kirchenjahr bis Estomihi 35 - Matthäus 8, 23 - 27
"Und Jesus trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm.
Und siehe, da erhob sich ein großes Ungestüm im Meer, also
daß auch das Schifflein mit Wasser bedeckt ward; und er
schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf
und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben! Da sagte er zu
ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und
stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; da ward es
ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und
sprachen: Was ist das für ein Mann, da ihm Wind und Meer
gehorsam ist."

Wohl, Heil den Menschen, in dessen Lebensboot Jesus
einsteigt. Wohl und Heil den Gemeinschaften und Gruppen,
Gemeinden und Kirchen, die Jesus in ihrer Mitte haben, denn
dann haben sie den bei sich, der ihnen überhaupt erst den
Sinn ihres Lebens aufzeigt und ihnen die Kraft zur
Ausführung dazu gibt und ihnen in ihren Nöten und Problemen
und Schwierigkeiten die notwendige Hilfe zur Verfügung
stellt.
Das haben seine Jünger in einer deutlichen Weise auch
erfahren, als sie hier nach unserer Geschichte mit ihm in
das Boot stiegen und auf den See Genezareth hinausfuhren.
Wir erinnern uns dazu auch daran, daß die meisten Jünger
Jesu von Beruf Fischer waren.
Wenn wir Jesus in unser Leben aufgenommen haben, wenn er in
einer Gruppe die führende Rolle übernommen hat, dann
bedeutet das in keinem Fall, daß alle gut und ohne Probleme
abgeht, dann leben wir noch nicht in einem Paradies oder im
Schlaraffenland, dann kann es trotzdem knüppeldick über uns
herabkommen, wie auch das Unglück über die Jünger im Boot
hereinbrach:
"Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See,
so daß auch das Boot von Wellen überspielt wurde."
Es steht ihnen gewissermaßen das Wasser bis an den Hals.
Haben wir es nicht selbst in der langen Geschichte der
Kirche erlebt, daß schwere Zeiten über sie hereinbrachen,
blutige Verfolgungen, politische Verdächtigungen, traurige
Streitigkeiten, sodaß mam manchmal meinte, das Schifflein
der Kirche bräche in den Stürmen auseinander und gehe unter.
Erscheint es uns manchmal nicht ebenfalls genauso wie in
unserer Geschichte, daß Jesus, der Himmel und Erde in seinen
Händen hält, der uns liebt, der bereit ist, uns zu helfen,
wohl bei uns, in unserer Mitte, ist, aber schläft?
Will er im Boot seine Jünger prüfen?
Will er auch uns prüfen, wenn über uns Zeiten kommen, da wir
bekennen müssen, wie es in einem Liede heißt:
"Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht."
Ist es nicht sogar manchmal so, daß wir froh sind, wenn wir
einen schlafenden Jesus bei uns und unter uns haben, weil er
uns dann im Hinblick auf unsere Mitmenschen keine Aufträge
geben, uns nicht für sich an die Arbeit stellen, uns mit
seinem richtenden Wort nicht belästigen kann? Ja, versuchen
wir nicht immer wieder, den unter uns weilenden Christus,
aus diesem Grunde mit allen möglichen und unmöglichen
Mitteln, einzuschläfern?
Haben wir nicht wirklich manchmal Sturm und Notzeiten nötig,
damit wir wieder zur Kenntnis nehmen, daß wir Christus und
sein Wort bei uns haben, daß er mit seiner Hilfsbereitschaft
auf uns wartet, daß wir uns helfen lassen.
Jedenfalls lohnt es sich, wenn wir in Nóten sind, wenn uns
auch das Wasser bis zum Halse geht, dasselbe zu tun, was die
Jünger im Boot auf dem See Genezareth getan
haben, uns zu erinnern, daß wir Christen sind; uns neu sagen
zu lassen, daß wir den bei uns haben, der alle Not wenden
kann und dann genauso handeln können wie die Jünger
gehandelt haben, von denen wir in unserem Text lesen:
"Und sie traten zu Jesus, weckten ihn und sagten: Herr,
hilf, wir verderben."
Ist es nicht das, was er eigentlich von uns erwartet, daß
wir Kontakt mit ihm aufnehmen, daß wir mit ihm sprechen, daß
wir ihm unsere Not sagen?
Haben wir nicht geradezu dadurch, daß wir als Christen das
Beten verlernt haben, Jesus Christus zu einem schlafenden
Jesus gemacht, der uns dann auch nicht hilft?
Jedenfalls ist damit, das wir mit ihm sprechen, daß wir ihm
unsere Probleme und Nöte sagen, bereits der erste Schritt
zur Lösung und zu Hilfe getan, selbst wenn wir aus seinem
Munde erfahren und hören müssen, daß er, der Herr,
eigentlich mehr Vertrauen von uns, seinen Jüngern, erwartet
hatte.
"Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so ängstlich?"
Diese kritische Bemerkung Jesu sagt aber nicht, daß er sein
Hilfsversprechen außer Kraft setzt. Nein, er steht dazu und
schon ein Wort beendet in einem Nu alle Gefahr, alle Not,
alle Probleme und alle Angst.
"Und Jesus stand auf und herrschte den Wind und das Meer an
und da entstand eine große Stille."
Alles wartet direkt darauf, daß dasselbe von uns in unseren
mannigfachen Sorgen unserer Zeit erlebt wird, vielleicht
eingeleitet durch uns Christen. Und wie dunkel liegt die
Zukunft vor uns, vor Millionen von Menschen. Und Jesus kann
auch in dieser Finsternis das hell- und heilmachende Wort
sprechen:
"Es werde Licht!"
Hat er dieses Wort nicht bereits gesprochen und wartet
darauf, daß wir es weitersagen, daß wir es vorleben, was es
heißt, einen Herrn zu haben, der den Sturm zur Ruhe bringt
und Finsternis licht macht, Probleme löst und
Schwierigkeiten überwindet, Nöte beseitigt und Hungernde
sättigt und Krankheiten heilt?
Die Jünger damals müßten das getan haben, wenn wir lesen:
"Die Menschen aber verwunderten sich und sagten: Was ist das
für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam sind."
Wir haben es schon angedeutet, daß durch diesen unseren Text
in der Vergangenheit und auch heute das Boot, das Schiff,
als die Kirche Jesu Christi oft gedeutet wird und es ist
schon etwas daran. Allerdings nur in diesem Sinne, daß wir
sagen, die Kirche ist dort, wo der Herr mit seinen Jüngern
erscheint. Die Kirche ist dort, wo der Herr den Kleinglauben
der Seinen beschämt. Die Kirche ist da, wo der Herr mit
seinen Jüngern in Vollmacht einer verzweifelten Menschheit
wieder neuen Mut und die notwendige Hilfe gibt und alle nach
diesem Herrn fragen. In einem neuen Lied heißt es:
"Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt,
fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist,
heißt Gottes Ewigkeit.
Das Schiff, es fährt vom Sturm bedroht,
durch Angst, Not und Gefahr,
Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg,
so fährt es Jahr um Jahr.
Und immer wieder fragt man sich,
wird denn das Schiff bestehen?
erreicht es wohl das große Ziel,
wird es nicht untergehen?
Bleibe bei uns. Herr,
denn sonst sind wir allein auf der Fahrt
durch das Meer. O bleibe bei uns, Herr!"