-2-Kirchenjahr bis Estomihi 24
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:01/01/1969
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Neujahr
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Jakobus 4, 13 - 17
Skopus: Grenzen und Möglichkeiten unseres Planens
-2-Kirchenjahr bis Estomihi 24 - Jakobus 4, 13 - 17
"Wohlan nun, die ihr saget: Heute oder morgen wollen wir
gehen in die oder die Stadt und wollen ein Jahr da liegen
und Handel treiben und gewinnen; die ihr nicht wisset, was
morgen sein wird. Denn was ist euer Leben? Ein Dampf ist's,
der eine kleine Zeit währet, darnach aber verschwindet er.
Dafür ihr sagen solltet: So der Herr will und wir leben,
wollen wir dies oder das tun. Nun aber rühmet ihr euch in
eurem Hochmut. Aller solcher Ruhm ist böse. Denn wer da weiß
Gutes zu tun, und tut's nicht, dem ist's Sünde."

Heute wünschen wir einander ein gutes neues Jahr und tun mit
solch einem Wunsch durchaus Rechtes. Was könnten wir
einander besseres sagen als daß wir uns Gutes wünschen? Wer
aber Wünsche ausspricht, blickt in die Zukunft. Er tut genau
das, was wir alle am Neujahrstage tun. Wir fragen: Wie wird
es weitergehen? Was wird geschehen?
Wir hängen den neuen Kalender auf und blättern darin.
Vielleicht liegt unser Blick sachon auf bestimmte Tage, an
denen wir etwas vorhaben. Wir planen das, was in dr nächsten
Zeit geschehen soll. Wir alle machen Pläne. Es gibt keinen
Menschen, der ohne Pläne auskommt.
Das fängt am Morgen mit der Überlegung der Hausfrau an, was
soll ich heute mittag kochen? Oder der Bauer fragt sich, was
werde und was kann ich heute auf dem Acker schaffen?
Heute kommt die Welt ohne ein großes Planen für die ganze
Welt nicht mehr aus. Es gibt in der Wirtschaft und in der
Politik 5-Jahres-Pläne oder sogar Pläne für 20 und mehr
Jahre. Das Planen ist nichts Neues auf dieser Erde. Wir
Menschen haben es seit Urzeiten getan und wenn es nur darin
bestand, zu bestimmten Jahreszeiten zu ackern und zu säem
mit der Hoffnung, zu einer bestimmten Zeit ernten zu können.
Hinter dieser Realität des Planens setzt nun der Apostel ein
Fragezeichen und stellt in aller Ruhe fest:
"Ihr wißt nicht, was morgen sein wird."
und dazu sagt er:
"Was ist schon euer Leben? Ein Dampf seid ihr, der eine
kleine Zeit währet, dann aber verschwindet."
Das sind sehr einfache, aber doch sehr klare Gedanken und
Sätze.
Auf Grund unserer Vernunft und unserer Erfahrungen sollten
sie selbstverständlich sein.
Das Schlimme ist nur:
Die meisten von uns leben und handeln so, als ob es die
Tatsache der Vergänglichkeiut nicht gäbe. Der Apostel faßt
das in den kleinen Satz zusammen:
"Nun aber seid ihr so stolz in eurem Übermut."
Die Geschichte der Menschheit bis auf den heutigen Tag ist
damit gekennzeichnet. Man braucht sicherlich keine
besonderen Beispiele anzuführen. Wie rühmen wir uns doch,
daß wir als Menschen es so herrlich weit gebracht haben.
Können wir Menschen jetzt nicht sogar bis zum Mond fliegen?
Haben wir nicht alle großartige Pläne für die Zukunft? Sind
wir nicht dabei, ein Paradies auf Erden vorzubereiten, die
Pläne liegen schon bereit?
Und dann -- dann kommen Naturkatastrophen, Überschwemmungen,
Trockenheiten. Häuser und Menschen werden vernichtet,
Millionen von Menschen in Kriegen gequält.
Unsere Vorfahren in den vergangenen Jahrhunderten und
Jahrtausenden machten auch Pläne und haben oft in
menschlichem Übermut Gott und den Tod vergessen. Aber aufs
ganze gesehen, haben sie doch etwas von der Vergänglichkeit
gewußt. In manchen Bauernhäusern in Deutschland stand auf
einem Balken geritzt der Spruch:
"Wir bauen hier so feste
und sind doch fremde Gäste
und wo wir sollten ewig sein,
da bauen wir so wenig drein."
Oder in manchen Gebieten gab es die Sitte, daß bei der
Hochzeit zur Aussteuer auch die Totenhemden gehörten. Sie
mahnten und erinnerten daran, daß sie die nächste Sekunde
die letzte sein könnte.
Ist das alles, worauf der Apostel hinweist, nicht
bedrückend? Müssen die Gedanken über Tod und Vergänglichkeit
uns nicht entmutigen und jede Tatkraft lähmen? Müssen wir
nicht folgern:
Wenn unser Leben mit einer Rauch- oder Dampfwolke verglichen
werden kann, die sich im Nu in Nichts auflöst, ist dann
nicht alles sinnlos? Ist es dann nicht richtiger, nur das
Allernötigste zu tun und im übrigen das Leben und die
Geschichte laufen zu lassen wie sie läuft?
Nein, sagt der Apostel zu solchen Folgerungen.
Warum?
Weil ihr das Gute kennt. Ihr wißt, was eure Mitmenschen
brauchen und was für euch selbst gut und schön ist. Gott
will das Gute für alle. Er will euch dabei haben als seine
Mitarbeiter. Er hat euch Kräfte des Geistes und des Körpers
gegeben. Ihr wisset doch, daß es im Alten Testament heißt:
"Machet euch die Erde untertan und herrschet!"
Uns Menschen ist schon ein großer Auftrag aufgegeben. Ein
Auftrag, kühnste Pläne auszuarbeiten und umwälzende Projekte
zu verwirklichen. Ein Auftrag, der noch mehr umfaßt als zum
Mond zu fliegen, der befähigt und verplichtet, alles in
unseren Kräften Stehende zu tun, um unseren Mitmenschen und
uns selbst und auch den Tieren und Pflanzen das Dasein so
angenehm und schön wie möglich zu gestalten.
Aber und nun kommt das große ABER. Aber wir könnten nur dann
wirklich gut füreinander tätig sein und miteinander leben,
wenn wir zweierlei nie vergessen:
1. Wir haben unsere Kräfte nicht von uns selbst. Alles, was
wir haben und können, ist Gabe des, der uns geschaffen hat.
Diese Erkenntnis nimmt uns den Hochmut und macht uns
demütig.
2. Alles, was wir sind und haben und tun, steht unter der
Realität, daß es jeden Augenblick mit uns zu Ende gehen
kann.
Das macht besonnen und weise.
Seit einiger Zeit wird unter uns Menschen viel von
Nüchternheit, Sachlichkeit und Wirklichkeit geredet. In
Wahrheit sachlich und wirklichkeitsnah können wir nur denken
und wirken, wenn wir alles sehen unter dem Vorzeichen der
Realität Gottes und unserer Nichtigkeit. Nie sind wir
realistisch, wenn wir uns die Welt und das Leben ohne Gott
denken. Lösen wir die Bindung zu Gott auf, dann wird alles
Gutgeplante zu unserem Unheil ausschlagen, dann wird die
ganze Schau unseres Lebens und dieser Welt und ihrer
Bedeutung schief und unrealistisch. Kommen wir aber von Gott
her, so wie Jesus uns ihn gezeigt hat, dann wissen wir:
Gott gab uns gute Kräfte, füreinander und miteinander zu
leben.
Da wir aber schuldige und darum sterbliche Menschen sind,
kann unser Leben auf dieser Erde jeden Moment zu Ende sein.
Wir werden dann Rede und Antwort stehen müssen.
Der Herr wird sich freuen, wenn wir aus der Kraft heraus,
die er uns geschenkt hat, hier und da, Gutes, Freundliches
und Rechtes getan haben und das liebevoll Getane wird Frucht
bringen in Ewigkeit.
So wünschen wir dann auch jetzt einander ein gutes neues
Jahr, das heißt aber, wir erbitten uns Freude und Geduld,
Mut und Demut, aus Gottes Händen und damit die Möglichkeit
eines reifen Lebens und die Gewißheit einer letzten
Geborgenheit.
(Diese Predigt wurde erarbeitet auf Grund einer fremden
Lesepredigt.)