-2-Kirchenjahr bis Estomihi 16
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:01/01/1973
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Meroú, 6-1-1973
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Neujahr
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Haggai 2, 5b
Skopus: Durch uns soll diese Welt eine heile Welt werden
-2-Kirchenjahr bis Estomihi 16 - Haggai 2, 5b
"Mein Geist soll unter euch Christen bleiben. Fürchtet euch
nicht."

Der Übergang aus einem alten in ein neues Jahr bringt uns
normalerweise immer in eine große Unruhe, einmal durch den
Rückblick auf die vergangenen Monate, mit dem Wissen unseres
mannigfachen Versagens, unserer Fehlschläge, unserer vielen
ungelösten Probleme, die wir mit in das neue Jahr geschleppt
haben. Zum anderen sind wir voller Sorgen über das, was
dieses neue Jahr uns dazu an weiteren Belastungen auferlegen
wird.
Es sind solche Befürchtungen durchaus berechtigt, denn die
Zeiten stehen auf Sturm, auch bei uns in Argentinien. Wir
können kaum die nächsten Schritte erkennen. Viel Hoffnung
zum Beispiel habe ich nicht, daß durch die in Aussicht
genommene Wahl die augenblicklichen undurchschaubaren
Verhältnisse mit unzählbaren Notleidenden und Arbeitslosen
geändert wird. Auch glaube ich nicht, daß die propagierte
Demokratisierung des öffentlichen Lebens durchführbar ist,
weil das Militär nicht bereit ist, seine Stellung als Staat
im Staate aufzugeben. Ich bin davon überzeugt, daß die
Verarmung der unteren Schichten des Volkes weiter
voranschreiten wird und damit die Radikalisierung des
Kampfes zwischen oben und unten, zwischen arm und reich,
zwischen Unterdrücker und Unterdrückte.
Die bestehenden Ordnungen für Staat und Wirtschaft, für das
allgemeine menschliche Miteinander genügen einfach nicht
mehr, um Millionen von Menschen das tägliche Brot zu
sichern; in keinster Weise wird es möglich sein, daß sich
das Leben, außer für einige wenige, für alle verbessern und
menschlicher wird.
Einige wenige nutzen die bestehende Ordnung aus, um sich auf
Kosten der Armen und Unterdrückten zu bereichern.
Die ganze Hühner- und Eier-Misere der letzten Zeit in
unserer Zone ist nur ein winziges Beispiel dafür.
Es eilt alles auf eine Katastrophe zu, denn die Armen und
Niedergehaltenen lassen sich nicht mehr alles gefallen.
Das Donnerrollen, die ersten Anzeichen einer schweren
Auseinandersetzung sind bereits tagtäglich in Argentinien zu
spüren, man braucht nur die Zeitungen zu lesen, oder den
Radio- beziehungsweise Television-Apparat anzustellen.
Ich habe große Sorgen für unsere Zukunft in Argentinien und
in Lateinamerika.
Stehen wir im Angesichte einer solchen Zukunft als Christen
besser da, als die anderen?
Ich glaube nicht, im Gegenteil sogar schlechter.
Ist nicht zum Teil die Situartion von heute durch uns
Christen direkt verschuldet worden?
Was wurde in der Vergangenheit nicht alles im Namen Christi
und der christlichen Kirche getan?
Und doch steht am Ende unseres Wortes:
"Fürchtet euch nicht!"
als zu uns gesprochen.
Warum?
Weil unter uns noch das Wort Jesu gehört werden kann, das
die Welt verändert, das noch Lösungen für unsere korrupte
Situation aufzeigt. Weil durch die Verheißung
"Mein Geist soll unter euch Christen bleiben!",
wir Christen immer noch die Möglichkeit haben, uns durch das
Wort Gottes, das mitten unter uns vorhanden ist, korrigieren
zu lassen.
Wir haben als Christen immer noch die Möglichkeit, unser
Leben in Übereinstimmung zu bringen mit dem Leben Jesu zum
Wohl aller Menschen, in dem Einsatz für die, die hungern,
die Ungerechtigkeit und Elend leiden müssen, die unterdrückt
werden.
Wir sollten Jesus mithelfen an der Schaffung einer neuen
Welt und eines neuen Menschen.
Durch unser Versagen als Christen in der Vergangenheit ist
viel Unrecht und viel Unheil auf Erden geschehen, aber
allein schon eine kleine Wendung hin zu Christus und mit ihm
hin zu denen, die heute als Menschen doch kein menschliches
Leben leben können, die daran gehindert werden, würde die
Welt bereits zum Guten verändert werden können.
Unser persönliches Leben und das unserer Familien mit den
Nöten, Problemen und Sorgen kann nur in rechter Weise als
eingebettet in den groen Zusammenhängen betrachtet werden.
Das Jahr 1973 kann durch uns Christen zum Jahr des Heils
werden, wenn wir recht verstehen, was es heißt:
"Mein Geist soll unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht!