-2-Kirchenjahr bis Estomihi 12
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:31/12/1969
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Jahresschluß
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Hebräer 13, 8
Skopus: Jesus Christus, der Herr auch unserer Zukunft
-2-Kirchenjahr bis Estomihi 12 - Hebräer 13, 8
"Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in
Ewigkeit."

Wieder geht ein Zeitabschnitt zu Ende. Die letzten Stunden
des Jahres 1969 sind gezählt.
Da wir alle in verschiedenen Situationen leben, der eine
jung ist und der andere alt, der eine viel Kummer und Leid
durchstehen mußte und der andere vielleicht das Ziel, das er
sich gesteckt hatte, erreichen konnte, sind unsere Gedanken
und Gefühle jeweils nach dem Erlebten verschieden.
Und doch können wir als Christen in dieser Abendstunde
bezeugen, daß Jesus Christus in seiner Liebe zu uns, die wir
zu ihm gehören dürfen, treu geblieben ist. Es wäre nicht
auszudenken, was geworden wäre, wenn er seine helfende Hand
ganz und gar von uns weggezogen hätte.
Langsam haben wir auch gelernt, nicht nur auf uns als
einzelne zu sehen oder als Familien, sondern auf das Große
und Ganze in der Welt und in der Menschhheit.
Da können wir als Menschheit in einer gewissen Weise stolz
sein, daß es uns gelungen ist, in diesem Jahr den Traum zu
verwirklichen, zum Mond zu fliegen. Wir haben auch auf dem
Gebiete der Technik, der Forschung und der Wissenschaft und
der Medizin in diesem Jahre solche Fortschritte gemacht, wie
sonst nicht in mehr als 100 Jahren. Dinge sind möglich, die
wir für unmöglich hielten, die fast an Zauberei grenzen. Und
es ist nicht verwunderlich, daß viele meinen, wir Menschen
seien bereits so etwas wie Götter geworden.
Für viele ist der Glaube an den einen Gott, der Himmel und
Erde geschaffen hat, zusammengebrochen.
Weil wir uns selbst als Götter dünken, denen nichts
unmöglich erscheint, lassen wir Gott nach unserer Meinung
sterben.
"Gott ist tot!",
so lautet der Titel eines Buches, den ein anglikanischer
Bischof geschrieben hat. Ihm wurde eine Antwort zuteil, die
aber nicht von einem Christen kam, sondern von einem
Kommunisten, der wußte, was es bedeutet, den Atheismus zu
praktizieren. Er antwortete mit einem Buch, das den Titel
trägt:
"Gott ist nicht ganz tot!"
Alles spürt und merkt, so wie bisher kann und wird es nicht
mehr weitergehen. Unser aller Leben ist bereits in einer
totalen Umformung begriffen, unabhängig davon, ob wir es
bejahen oder ablehnen.
Wir haben als Menschen die Möglichkeit, aus dieser Erde
einen Trümmerhaufen oder ein Paradies zu machen. Leider
besteht die große Tendenz dahin, alles vorzubereiten, um den
Knopf zu drücken, der die totale Zerstörung dieser Welt mit
allem, was da lebt, auszulösen.
Wo und wie wird alles noch einmal enden?
Ist es nicht traurig und enttäuschend, daß wir, die wir
unsere Füße auf den Mond setzen, es nicht fertig bringen,
unsere Füße über die Schwelle des Hauses eines Nachbarn,
eines Bekannten oder eines Familienangehörigen zu setzen,
der uns etwas oder dem wir etwas Böses angetan haben. Wir
bringen es nicht fertig, dieses Böse durch Vergebung aus der
Welt zu schaffen, darum wundern wir uns nicht, daß so viel
Haß und Feindschaft und Krieg und Blutvergießen auf Erden
herrscht.
Wann wird der Krieg in Biafra, Vietnam und im Nahen Osten
zwischen den arabischen Staaten und Israel beendet werden?
Von Tag zu Tag verbessert sich unser aller Leben. Es wird
immer angenehmer und schöner. Es bietet uns immer mehr
Bequemlichkeiten.
Wenn das nicht nur den einen Haken hätte, daß jedes Jahr
immer mehr Menschen Hungers sterben müssen, vielleicht auch
gerade deshalb, weil es uns gut geht.
Wenn wir so zurückschauen, dann mischt sich Freude und
Traurigkeit, Hoffnung mit einer großen Enttäuschung.
Allerdings sagt uns in einem solchen Fragen und Grüblen
unser Text:
Schaue in dieser Stunde auf alle Fälle einmal in eine andere
Richtung:
"Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in
Ewigkeit."
In seinem Kommen vor 2.000 Jahren liegt bereits der Grund,
der Ursprung des Fortschritts von heute. Jesus Christus hat
uns befreit von den unzähligen Mächten und Gewalten und
Göttern, die uns wie Sklaven festhielten, die uns daran
hinderten, das zu tun, wozu uns Gott geschaffen hat, nämlich
in seinem Auftrage sollten wir uns diese Welt untertan
machen, wie wir es schon auf den ersten Seiten der Bibel
nachlesen können.
Indem wir das akzeptieren, wozu uns Gott als Menschen
geschaffen und Jesus Christus neu beauftragt hat, können wir
ein volles Ja sagen zu allen Fortschritten der Technik, der
Forschung, der Wissenschaft und der Medizin und können uns
ihrer freuen. So können wir uns zum Beispiel freuen über die
Eroberung des Mondes. Ebenfalls haben ein volles Ja zu sagen
zu den vielen Veränderungen, die diese Fortschritte mit sich
bringen.
Von Anfang an erwartete unser Gott, daß wir nicht auf das
Vergangene stieren und uns daran binden, sondern daß wir mit
ihm in eine neue Zukunft zu gehen bereit sind.
Das Volk Gottes ist ein Volk im Aufbruch zu etwas Neuem, ein
Volk auf dem Wege in eine bessere Zukunft.
Und worin liegt es aber, daß wir immer in der Gefahr sind,
den Knopf der Zerstörung zu drücken, statt mitzuhelfen, daß
diese Erde ein Paradies wird, daß wir allen Fortschritt für
uns gern in Anspruch nehmen, aber nichts danach fragen, ob
es unseren Mitmenschen schlecht geht oder ob sie verhungern?
Wie kommt es, daß wir anstatt uns gegenseitig helfen, uns
hassen, gegenseitig quälen, uns das Leben zur Hölle machen,
bis hin zu grausamen Kriegen?
Es liegt einfach daran, daß wir wohl gern die Herren dieser
Welt sein möchten, aber nur zu leicht vergessen oder nicht
anerkennen wollen, daß wir das nur sein können, wenn wir den
einen Herren, dem wir für unser ganzes Tun verantwortlich
sind, anerkennen
Aber Gott sei Dank, daß es das auch in dem zu Ende gehenden
Jahr gegeben hat und es heute noch gibt, daß in der
Nachfolge Jesu Christi geliebt und nicht gehaßt wurde, daß
es Menschen gab und heute noch gibt, die nicht nur für sich
gearbeitet haben, auch das Wohl ihrer Mitmenschen bedachten,
die sich gegen die Grausamkeiten und das Morden in den
furchtbaren Kriegen gestemmt haben. Waren manchmal
revoltierende Studenten nicht bessere Zeugen der frohen
Botschaft als wir müden und ich-süchtigen Menschen?
In den Bemühungen und in den vielen Erfolgen der vergangenen
Monate, in den Bemühungen um Überwindung von Haß und
Feindschaft und im Einsatz für Menschen in Not und Armut war
Jesus Christus im vergangenen Jahr als der Heiland der
ganzen Menschheit tätig. Er war auch unser ganz persönlicher
Heiland, der uns in unseren Nöten beigestanden hat.
Er steht auch heute vor uns, die wir erkennen, wie
abgrundtief wir versagt haben, weil wir als Christen nicht
besser gewesen sind als die anderen, weil wir haßten und
nicht liebten, weil wir unsere Herzen und Ohren
verschlossen, weil wir auch aus Recht Unrecht und aus
Unrecht Recht bmachten, weil wir nicht bereit waren, ihm,
dem Herrn, mitzuhelfen an der Vorbereitung einer besseren
Welt und einer glücklicheren Menschheit. Und Er, der
Heiland, spricht zu uns:
Dein Versagen bis heute will ich dir nicht nachtragen,
stattdessen dir die Möglichkeit geben, mit mir neu
anzufangen, eine bessere Welt aufzubauen:
"Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde
nach seiner Verheißung, in welcher Gerechtigkeit wohnt."
Jesus Christus, der gestern war und heute ist und morgen
sein wird, wird schon zu seinem Ziele, das er versprochen
hat, kommen, mit oder ohne uns, zu unserem Heile wäre es
aber besser, mit uns.