-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 109b
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:25/12/1971
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Grabschental, 26-12-1971
Aldea Protestante, 26-12-1972
Grabschental, 26-12-1973
Reffino, 25-12-1977
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:1 Christtag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:1. Johannes 3, 1 - 6
Skopus: Von der Menschwerdung des Menschen
-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 109b - 1. Johannes 3, 1 - 6
"Text siehe bei 109a!"
Wenn das Weihnachtsfest allgemein unter nuns als ein Fest
der Liebe bezeichnet wird, so geschieht das vollkommen zu
Recht, begann doch dort vor 2.000 Jahren in der Heiligen
Christnacht in Bethlehem ein Geschehen, das bis heute
andauert:
Gott liebt uns Menschen und hilft uns, mit diesem Leben
fertig zu werden, untereinander fertig zu werden.
Dieser kleine Säugling dort im Rancho in der Futterkrippe
wird zum Zeichen dieser abgrundtiefen Liebe Gottes zu uns,
dieser Hilfe, die uns gilt.
Diese große Liebe und Hilfe umfaßt unser ganzes menschliches
Leben und Tun, unseren Körper und unseren Geist und unsere
Seele, unser Hab und Gut und Geld, unsere Gedanken und
Träume, umnser dauerndes Schuldigwerden und unser
Rebellieren gegen Gott und gegen unsere Mitmenschen.
In diesem Jesus von Nazareth begegnet uns diese Hilfe,
begegnet uns unser Helfer, unser Retter und unser Heiland.
So konnte den armen Hirten auf dem Felde in der
Weihnachtsnacht zugerufen werden:
"Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch große
Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute
der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der
Stadt Davids!"
Die Wahrheit dieses Wortes hat die Menschheit von damals
ganz persönlich von Angesicht zu Angesicht erfahren. Es
verkündigt in der Gestalt des Kindes Gottes Liebe zu uns in
seiner wahrsten Bedeutung. Es verstieß nicht die durch ihre
Bosheit ausgestoßenen Menschen. Es gab Hungernden das
tägliche Brot.
Dann später heilte Jesus Christus Kranke und half in
Todesnöten. In Situationen, in denen wir Menschen nicht aus
noch ein wußten, zeigte er den wirklichen Ausweg und die
rechte Richtung. Er schenkte uns Menschen die Möglichkeit,
in unserem Leben und mit unserem Leben neu anzufangen, indem
er uns unsere Schuld vergibt.
Er zeigt nicht nur den rechten Weg, sondern er begleitet uns
auch auf diesem Weg.
Er gibt nicht nur die Hilfe, sondern er selbst in seiner
Person, in seinem Tun und Wirken bis auf den heutigen Tag,
ist die Hilfe für uns in allen unseren Problemen, Nöten und
Schwierigkeiten.
Indem wir von Jesus Christus diese Hilfe annehmen, wird
Wirklichkeit, was Gott uns versprochen hat, daß er unser
Vater sei und wir seine Kinder.
Der Schreiber unseres Textes tut das mit den folgenden
Worten:
"Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater gezeiget, da wir
Gottes Kinder sollen heißen und es auch sind."
Aus diesem Grunde hat die alte Christenheit das
weihnachtliche Geschehen so gedeutet:
In der Krippe wurde Gott ein Menschenkind, damit wir Gottes
Kinder würden.
In unserem Text nun hat der Schreiber dieses geschrieben an
eine Gemeinde, die in einer großen Gefahr schwebte, falsche
Folgerungen daraus zu ziehen, daß wir durch das Kind in der
Krippe Gottes Kinder sein dürfen.
Sie sagte, wenn wir Gottes Kinder sind, dann sind wir jetzt
schon hier auf Erden Gott gleich. Wir können gar nicht
anders handeln als Gott handelt.
Und wenn ihnen verkündigt wurde, daß es, wenn jemand ein
Kind ist, sich gehört, immer wieder nach Gottes Willen
gefragt werden muß und man auch hinzugehen hat, um diesen
Willen Gottes zu erfüllen, dann wurde das mit einer
Handbewegung beiseite geschoben: was soll das schon, wir
sind doch als Gottes Kinder Gott gleich, darum wissen wir
selbst, was wir zu tun und zu lassen haben, ja, unser Tun
und Lassen ist göttliches Tun und Reden.
In solch einer Auffassung kommt der bereits im Turmbau zu
Babel dokumentierter Wille der Menschen zum Ausdruck, sich
an die Stelle Gottes zu setzen, selbst Gott zu sein.
Der 1. Johannesbrief aber bezeugt, daß die Auffassung und
Haltung aber auch gar nichts mit dem zu tun hat, was Gottes
Kindschaft bedeutet. Diese Gottes Kindschaft in der ganzen
Bedeutung werden wir erst in der Zukunft erfahren:
"Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder; aber es ist noch
nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn
es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden, denn wir
werden ihn sehen, wie er ist."
Stattdessen, das wir auf unsere Zukunft spekulieren, uns
hier auf Erden schon in den Himmel hineinversetzen möchten,
wäre das die rechte Art, genause wie der Sohn Gottes auf die
Göttlichkeit zu verzichten und wieder wahre Menschen zu
werden.
Was in der Heiligen Nacht geschah, daß Gottes Sohn Mensch
wurde, sollte sich bei allen denen, die Gottes Kinder
geworden sind, ebenfall jedesmal neu ereignen, die
Menschwerdung, das Weihnachtsfest unserer Menschwerdung.
Der 1. Johannesbrief wird nicht müde, zu bezeugen, daß durch
das Geschehen der Heiligen Nacht der Sohn Gottes als Mensch
die wahre und echte Liebe und Hilfe zu und für alle Menschen
beginnt zu praktizieren, Und wenn wir als Gottes Kinder auch
die Heilige Nacht unserer Menschwerdung erleben, dann wird
sich das gleiche auch in unserem Leben ereignen, die
Praktizierung der Liebe und der Hilfe für und zu allen, die
ein menschliches Angesicht tragen.
Wo das fehlt im Leben eines Menschen, der meint ein Kind
Gottes zu sein, da ist etwas in seinem Leben nicht in
Ordnung. Dieser Christ weicht von der Bestimmung seines
Lebens ab, er sündigt. Er hat das, was Christsein bedeutet,
noch garnicht verstanden.
Durch unseren Text werden wir, damit wir nicht in derselben
Weise von der Bestimmung unseres Lebens als ein Kind Gottes
abweichen, immer neu zur Krippe im rancho zu Bethlehem
gerufen, um auch immer wieder neu die Menschwerdung unseres
Lebens zu erfahren, die sich in der Hilfsbereitschaft zu
allen Menschen und in der Nächstenliebe manifestiert.
Wer bei dieser Krippe bleibt, wird diese Aufgabe nicht
vergessen und wer sie trotzdem vergißt, der hat noch nicht
Weihnachten erlebt, oder wie unser Text sagt:
"Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht, wer aber sündigt, der
hat ihn nicht gesehen noch erkannt."