-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 105a
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:25/12/1966
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 25-12-1966
Grabschental, 26-12-1966
Casmarero, 23-12-1967
Paraná, 21-12-1968, bei der Familie Meier
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:1 Christtag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 2, 15 - 20
Skopus: Gehen wir froh von der Krippe fort?
-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 105a - Lukas 2, 15 - 20
"Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die
Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und
die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr
kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria
und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es
aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu
ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam,
wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten.
Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem
Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten
Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn
zu ihnen gesagt war."

Ein Kindlein wurde geboren, wie es schon in millionenfacher
Weise geschehen ist und auch in Zukunft noch geschehen wird.
Diese Wirklichkeit der Geburt Jesu durch Maria ist noch
nicht das Besondere, auch nicht, daß die Geburt unterwegs in
einem Stall in großer Armut geschah.
Diese Geburt wird für uns zu einem ganz besonderen Ereignis
dadurch, daß Gott durch seine Boten verkündigen läßt:
Durch das Kind, das da in dem Stall bei Bethlehem in einer
Krippe liegt, beginnt der Weg des Heiles, beginnt die Hilfe
für alle Menschen:
"Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk
widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids."
Das Besondere des Christfests liegt darin, daß uns die
Nachricht aus dem Himmel zuteil wird:
Hier in der Krippe liegt der, der uns Gottes Hilfe
überbringt, ja, der selbst in Person Gottes Hilfe für uns
ist.
Der Nahme JESUS heißt übersetzt: GOTT HILFT.
Das Christfest recht feiern können, setzt voraus, daß wir
bereit sind, die Botschaft, daß dieses Kind in der Krippe
die Hilfe Gottes für uns, für mich und für dich, ist,
anzuerkennen und anzunehmen. Für die Hirten auf dem Felde
damals war diese himmlische Botschaft die Gewißheit, daß
Gott auch sie nicht vergessen hat. Mitten in ihrer Arbeit,
mitten in ihrer größten Armut, mitten aber auch in ihrer
verachteten Stellung als Hirten, ist diese Botschaft Grund
größter Freude.
Ob uns diese Botschaft, daß Gott uns in allen unseren Fragen
und Problemen, in allen Nöten und Sorgen und in allen
unseren Krankheiten und Kümmernissen helfend zur Seite
stehen wird, auch ein Grund größter Freude ist, und zwar so,
daß wir von dem Wunsche geprägt sind, die Wirklichkeit
dieser Hilfe, die Wirklichkeit dieser Liebe Gottes zu uns
noch besser zu verstehen?
Die Hirten, die die himmlische Botschaft gehört haben,
fordern sich nun gegenseitig auf, der Sache auf den Grund zu
gehen, die da um unsretwillen geschehen ist:
"Auf, laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte
sehen, die da geschehehn ist, die uns der Herr verkündigt
hat."
Ist nicht auch unter uns schon immer wieder der Wunsch laut
geworden, mehr zu erfahren, was es bedeutet, ein Christ zu
sein, mehr zu erfahren von dem, was Gott für uns durch
seinen Sohn Jesus Christus getan hat?
Für uns ist Bethlehem natürlich zeitlich und örtlich zu weit
entfernt.
Für uns bedeutet Bethlehem heute der Gottesdienst, die
Beschäftigung mit dem Wort Gottes durch das Lesen der
Heiligen Schrift und der Andachtsbücher, am besten Tag für
Tag.
Für uns bedeutet Bethlehem, stille zu werden vor unserem
Vater im Himmel und ihm unsere Nöte offen auszubreiten und
ihn um seine Hilfe zu bitten:
"Auf, lasset uns dahin gehen, wo wir das Wunder der
göttlichen Hilfe erhalten können."
Die Hirten haben der Botschaft des Heiles getraut und sind
dem Rufe gefolgt und sind nicht enttäuscht worden. Es wird
in unserm Text von ihnen gesagt:
"Sie kamen eilend und fanden beide Maria und Josef, dazu das
Kind in der Krippe liegen."
Die Hirten sind also der Sache auf den Grund gegegangen. Sie
wollten feststellen, ob sie der himmlischen Botschaft
vertrauen könnten.
Es lohnte sich jedenfalls, alles stehen und liegen zu lassen
und dahin zu eilen, wo Gottes Hilfe zu finden ist.
Was für Wunder würden wir alle miteinander noch erleben,
wenn auch wir unserem Glauben auf den Grund gehen, wenn wir
uns einmal konkret auf die Hilfe Gottes verlassen würden,
wenn wir alle Gelegenheiten ausnützten, die Probe aufs
Exempel zu machen, ob Gott denn wirklich zu seinem Worte
steht, ob Gott uns wirklich hilft.
Unser Wort gibt uns die ganz feste Gewißheit, daß wir von
Gottes Hilfe, von Gottes Wort nie enttäuscht werden, wie
auch die Hirten auf dem Felde nicht enttäuscht worden sind:
"Sie fanden das, was die Botschaft ihnen versprochen hatte."
Und nun kommt etwas bei den Hirten zu Tage, was eigentlich
immer zum echten Glauben gehört. Sie können das, was sie da
erlebt haben, nicht für sich behalten:
"Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus,
welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war."
Wem durch Gott geholfen wurde, kann das einfach nicht für
sich behalten. Er muß es weiter sagen nach dem Sprichtwort:
"Wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über."
Ist uns auch schon einmal der Mund übergegangen darüber, daß
wir überwältigt waren über eine göttliche Hilfe in einer
bestimmten Not?
Können wir es auch nicht lassen, vor anderen zu reden von
dem einen Jesus Christus, der unser Leben wieder froh und
hell gemacht hat?
Wenn die Hirten nicht zum Stall, zur Krippe, gegangen wären,
wären sie nicht dem Kind begegnet, daß nicht nur der Heiland
aller Menschen, sondern gerade auch ihr Heiland sein wollte?
Wenn wir uns nicht die Mühe machen, alle Gelegenheiten
auszunutzen, mit dem Wort Gottes in Berührung zu kommen,
begegnen wir auch nicht dem, der unser Leben aus der
Verzweiflung in ein frohes Glück führen will. Liegt es nicht
nur zu oft an der Tatsache, daß wir das nicht taten, was die
Hirten für selbstverständlich hielten, daß wir nicht die
Nähe des Wortes Gottes suchten, wenn uns vor anderen
Menschen der Mund vor Freuden nicht überlaufen kann darüber,
daß wir Jesu Jünger und Jüngerinnen sind?
Petrus und Johannes erhielten den richterlichen Befehl,
ihren Mund zu halten und nichts weiter zu sagen von dem, was
ihr Herz so vollgemacht hatte.
Da bekennen sie frei und öffentlich, daß niemand ihnen den
Mund verschließen kann:
"Wir können es ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten,
was wir gesehen und gehört haben."
Und mit der großen Freude in ihrem Herzen, daß der, den sie
in der Krippe im Stall zu Bethlehem gesehen haben, ihr
Heiland und Helfer ist, gehen die Hirten wieder zurück an
ihre Arbeit, zurück in den grauen Alltag ihres Lebens. Sie
gehen zurück anders als sie hergekommen waren. Sie sind
voller Freude. Jetzt fallen sie nicht mehr von einer
ausweglosen Lage in die andere. Jetzt wissen sie, daß der,
der ihnen helfen kann und will, bereits seine Hand nach
ihnen ausgestreckt hat, ja er geht mit ihnen durch dieses
Leben.
Sie sind voll Lob und Dank dann mitten in ihrer Arbeit,
mitten in ihrer Armut, mitten in der Stellung als verachtete
Leute. Sie sind voll Lob und Dank, daß sie trotzdem Gottes
geliebte Kinder sind.
Ob wir, so wie die Hirten, richtig Weihnachten gefeiert
haben, das zeigt sich bereits in den kommenden Tagen mit
allen Fragen und Problemen, nämlich darin, ob wir frohe und
lobende und dankbare Menschen sein können:
"Mit den Hirten will ich gehen,
meinen Heiland zu besehen,
meinen lieben, heilgen Christ,
der für mich geboren ist."