-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 100
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:25/12/1958
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 25-12-1958
Paraná, 28-12-1958
Camarero, 25-12-1959
Meroú, 25-12-1962
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Christfest
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 3, 16
Skopus: Unser Sehnen wird gestillt werden
-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 100 - Johannes 3, 16
"Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen
Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren
werden, sondern das ewige Leben haben."

Mitten unter uns ist wieder die Heilige Nacht angebrochen,
und zwar in einer müden und dunklen Welt, die aus tausend
Wunden blutet. Und eigenartig, diese Heilige Nacht, dieses
Weihnachtsfest, greift uns in irgendeiner Weise nach dem
Herzen. Manches mag dabei auch eine Rolle spielen,
vielleicht die Erinnerungen an vergangene glückliche Zeiten,
an liebe Menschen, die nicht mehr unter uns weilen;
vielleicht die Erinnerungen, an eine eigene fröhliche und
glückliche Jugendzeit: vielleicht ist es auch der Glanz der
Kerzen, der uns anspricht oder die alte Geschichte von den
Hirten auf dem Felde oder sind es die alten
Weihnachtslieder, die unsere Herzen höher schlagen lassen.
Das mag wohl alles wahr sein, aber das wäre das Schönste und
Beste, wenn uns davon das Herz ganz weit aufginge, daß es
von Weihnachten in der Heiligen Schrift heißt:
"Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen
Sohn gab."
Nur dann können wir Weihnachten recht verstehen und erleben,
wenn wir als zu uns selbst gesprochen akzeptieren:
"Gott hat die Welt geliebt."
Gott hat die Welt, hat uns lieblose, ungetreue und
selbstsüchtige Menschen lieb. Gott hat uns lieb, die wir
unser Leben ohne Gott, ja, sogar gegen Gott führen wollen.
In dem Kind in der Krippe im Rancho zu Bethlehem streckt
Gott uns seine liebende Hand entgegen, um unseren Krieg
gegen ihn zu beenden, um Frieden mit uns zu machen.
Wir wissen, wie bitter und schmerzhaft es ist, daß wir als
Menschen miteinander im Unfrieden und Haß und Feindschaft
leben. Wie kann doch solch ein Unfriede mit anderen Menschen
unser ganzes Leben verbittern!
Aber wir wissen auch, daß da, wo der eine dem anderen wieder
die Hand entgegenstrecken kann, echter und guter Friede
einkehrt.
So will Gott mit uns Frieden machen, mit uns, die wir gegen
Gott schuldig geworden sind.
Weihnachten fordert uns nun auf, die Hand zu ergreifen, die
er uns entgegenstreckt.
Was heißt es nun, die ausgestreckte Hand Gottes ergreifen?
Es heißt:
Ja zu sagen zu dem Jesus Christus, der in der Krippe seinen
Weg für uns begann und der diesen Weg weiterging bis zum
Kreuz auf Golgatha und dann durch das offene Grab
hindurchschritt.
Gottes ausgestreckte Hand ergreifen heißt:
Das Kind von Bethlehem mit in das eigene Leben hineinnehmen
und zum Mittelpunkt des Lebens zu machen und sich von ihm
führen zu lassen.
Wo ein Mensch das tut, da weicht alle Traurigkeit, alle
Verbitterung und aller Unfrieden, von ihm und da kehrt
göttlicher Weihnachtsfriede ein. Das Herz wird von einer
unbändigen Freude darüber erfüllt, daß nun das Verhältnis
mit Gott wieder in Ordnung gekommen ist.
Was ist das Wichtigste im Leben eines Menschen?
Es ist nicht der Erfolg im Beruf. Es ist nicht Geld und
Reichtum. Es ist auch nicht die Gesundheit.
Das Wichtigste ist und bleibt Jesus Christus selbst, daß er
unser Heiland ist und wird.
So liegt auch über dem Rancho zu Bethlehem ein gewisser
Ernst, der uns zur Entscheidung aufruft:
"Auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben."
Wir, du und ich, sind gefragt, ob wir mit zu denen gehören
wollen, die an dieses Kind glauben und dadurch gerettet
werden? Wir sind aufgefordert, die ausgestreckte Hand Gottes
zu ergreifen, damit auch zwischen uns und Gott der
Friedensschluß gemacht werden kann und in uns echte
Weihnachtsfreude einzieht.
Wenn wir einmal das Alte Testament durchlesen würden, wären
wir erstaunt darüber, wie es voll ist vom Sehnen und Hoffen
und Warten des alten Volkes Gottes auf den Heiland und
Messias. Der von den Frommen der damaligen Zeit erwartete
Messias und Heiland ist das Kind in der Krippe.
Vor diesem Kinde wollen wir zusammen mit den Hirten
niederknien und es anbeten und geloben:
"Mit dir selber, mein Befreier,
will ich halten Weihnachtsfeier,
komm, ach komm, ins Herz hinein,
laß es deine Krippe sein."
Wo das geschieht, da wird es im Leben eines Menschen
wirklich Weihnachten werden.
Von dieser Freude sprachen die Engekl, als sie sagten:
"Siehe, ich verkündige euch große Freude, denn euch ist
heute der Heiland geboren."
Von dieser Freude singen alle unsere Weihnachtslieder. Das
ist die Freude, die auch das Schwerste und dunkelste Leben
hell und fröhlich machen kann.
"Ich lag in tiefer Todesnacht, du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht,
Wie schön sind deine Strahlen."
So singt der Liederdichter Paul Gerhardt in den schwersten
Tagen seines Lebens.
Aber im Lichte dieser Weihnachtssonne ist es gut, auch das
andere unseres Textes zu hören:
"Aud daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben."
Damit wird uns, die wir Weihnachten feiern, ganz klar und
deutlich gesagt:
Unser Verhältnis zu diesem Kind in der Krippe entscheidet
darüber, wo einmal unser Lebensweg enden wird.
Wie wir zu ihm stehen, entscheidet über unsere Ewigkeit,
ewiges Leben oder ewige Verlorenheit; ewige Herrlichkeit
oder ewige Verdammnis.
Die Sehnsucht nach dem Retter und Heiland für Zeit und
Ewigkeit trieb die Hirten mitten in der Nacht zum Rancho in
Bethlehem. Die Frage nach dem ewigen Leben trieb den frommen
Pharisäer Nikodemus zu Christus. Das Sehnen nach dem ewiegen
Leben trieb den reichen Jüngling zu Jesus mit der Frage:
"Was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe."
Um diese Frage geht es auch heute. Es geht um die Frage nach
unserer Seligkeit.
Von den Hirten in der Weihnachtsgeschichte wird uns
berichtet:
"Sie kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles,
was sie gehört und gesehen hatten."
Sie gingen also anders wieder von Bethlehem fort als sie
gekommen waren.
Und das geschieht seitdem immer wieder bis auf den heutigen
Tag unter uns Menschen.
Wer dem Christus begegnet ist, wer vor dem Christuskind
seine Knie gebeutgt hat, geht anders von ihm fort, als er zu
ihm kam. Aus Angst und Furcht wird Geborgenheit, aus Streit
und Unfrieden und Verbitterung wird Frieden, aus Leid und
Traurigkeit wird Freude.
Das alles will uns durch Weihnachten geschenkt werden. Und
Gott, der Herr, schenke uns eine solche in Christus
fröhliche Weihnachtsnacht.
"Ich steh an deiner Krippe hier,
o, Jesu, du mein Leben,
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und laß dirs wohl gefallen."