-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 097
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:25/12/1971
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Reffino, 26-12-1971
Meroú, 30-12-1973
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Heiligabend - Gottesdienst
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Titus 2, 11 - 14
Skopus: Wir Christen sind Zeugen einer besseren Zukunft
-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 97 - Titus 2, 11 - 14
"Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen
Menschen und züchtet uns, daß wir sollen verleugnen das
ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig,
gerecht und gottselig leben in dieser Welt und warten auf
die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des
großen Gottes und unseres Heilandes, Jesu Christi, der sich
selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von
aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum
Eigentum, das fleißig wäre zu guten Werken."

Ein Mann unserer Tage hat ein Buch geschrieben mit dem
Titel:
"Die Zukunft hat schon begonnen."
Damit bringt der Verfasser zum Ausdruck, was heute alle Welt
plant und vorbereitet:
Eine neue bessere Zukunft.
Und diese neue bessere Zukunft ist bereits in den Köpfen der
Menschen als Idee geboren und Wirklichkeit geworden und
beginnt sich nach und nach zu erfüllen und Gestalt
anzunehmen.
Wir können also schon in dieser Weise sagen:
"Die Zukunft hat schon begonnen."
Allerdings zeigt es sich bei allen möglichen und unmöglichen
Gelegenheiten, daß unser Planen und Vorbereiten von
vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Wir können das
allein daran erkennen, daß manche Idee bei der
Verwirklichung sich genauso als das Gegenteil erweist.
Da, wo man ein Paradies schaffen wollte, denken wir nur an
Sowjetrußland, entstand eine Hölle; da, wo sich politische
Führer als die alleinigen Retter ihres Landes verstanden, da
wurden sie zu Diktatoren, die über Leichen hinwegschritten,
denken wir dabei an Hitler in Deutschland.
Wir können das vielleicht so sagen, daß da, wo man plant und
vorbereitet, ohne nach Gott zu fragen; daß da, wo man plan
und vorbereitet ohne echte Nächstenliebe, da ist alles
Planen und Vorbereiten zum Scheitern verurteilt. Da
verwandelt sich alles Gold in unseren Händen in Pech und
Schwefel. Alles Wirken für eine bessere Zukunft verkehrt
sich in ein Mitwirken an der Zerstörung der ganzen Welt und
der Vernichtung der Menschheit.
Und doch könnte das Buch von Jungk
"Die Zukunft hat schon begonnen",
mit Recht geschrieben sein, wenn wir einmal überlegen, warum
wir denn heute zu diesem Gottesdienst zusammengekommen sind.
Wir sind zusammengekommen, um das Christfest zu feiern, um
der Geburt Jesu Christi zu gedenken.
Als damals die Botschaft zum ersten Male über dem Hirtenfeld
in Bethlehem hörbar wurde:
"Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große
Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute
der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr",
da hat die
ZUKUNFT GOTTES MIT UNS MENSCHEN BEGONNEN.
Diese Zukunft ist die einzig mögliche für uns, sonst bleibt
für uns nur noch ein Ende mit Schrecken.
In dem Kind im Rancho zu Bethelehem wird Gottes
Zukunftswille mit uns erkennbar.
Trotz allem, was zwischen uns und Gott stand, kennt Gottes
Liebe zu uns keine Grenze. Nicht das Ende mit Schrecken ist
uns sicher, sondern eine bessere und schönere Zukunft.
Im Rancho zu Bethlehem hat die Zukunft schon begonnen, hat
Gottes Zukunft mit uns Menschen schon begonnen.
Wie heißt es in unserem Predigttext?:
"Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen
Menschen."
Wenn wir heute vom KIND IN DER KRIPPE sprechen, dann
umfassen wir damit das ganze Geschehen um Jesus Christus,
sein Reden und sein Leben in einer den Menschen zugeneigten
und liebenden Weise, sein Leiden und Sterben und sein
Auferstehen und die Gründung und der Dienst seiner Gemeinde.
Mit diesem Jesus Christus hat die Zukunft schon begonnen.
Das in der verschiedensten Weise zu bezeugen, wird die
Heilige Schrift nicht müde:
"Siehe, ich mache alles neu",
heißt es einmal, das andere Mal lesen wir so:
"Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen",
oder wie es unser Text sagt:
"Und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der
Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesu
Christi",
oder auch an anderer Stelle:
"Wir aber warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde,
in welcher Gerechtigkeit wohnt".
Diese Zukunft hat schon begonnen. Jeder Christ, der Jesus
Christus in seinem Tun und Reden nachlebt, ist ein Zeichen
dieser begonnenen neuen Zukunft, dieser neu heraufkommenden
besseren Welt.
Wenn wir am Anfang sagten, daß alles Planen und Vorbereiten
von unserer Seite einer besseren Zukunft zum Scheitern
verurteilt ist, dann meinen wir, daß das Planen und
Vorbereiten einer neuen Welt zum Scheitern verurteilt ist,
das keine Rücksicht nimmt auf Gottes Zukunft mit uns, das
neben oder gegen die Zukunft Gottes eine bessere Welt, ein
Paradies aufrichten will. Ein Planen und Vorbereiten einer
besseren Zukunft, das in Übereinstimmung mit Gottes Zukunft
für uns geschieht, ist allerdings nicht nur möglich, sondern
erwünscht, ja, sogar erforderlich.
Gott braucht Menschen, die mit ihm ans Werk der Vorbereitung
einer besseren Welt gehen. Diese bessere Welt kann durchaus
an vielen Punkten in Übereinstimmung sein mit unseren Ideen,
Wünschen, Sehnsüchten und Träumen, aber das, was von uns
Christen erwartet wird, kann kein anderer geben und das ist
ein fester Bestandteil zur Vorbereitung einer besseren Welt,
einer neuen Zukunft:
"Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen
und nimmt uns in Zucht, daß wir sollen verleugnen das
ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste und züchtig und
gerecht und gottselig leben in dieser Welt."
Wenn wir die verschiedenen Aussagen erklären würden,
brauchten wir viel Zeit, vielleicht greifen wir nur das auf,
was hinter
"weltliche Lüste und züchtig und gerecht"
steht. Es ist das menschliche Miteinander damit gemeint, die
Achtung, die Hilfsbereitschaft und die Liebe gegenüber
unseren Mitmenschen, gegenüber allen, die ein menschliches
Antlitz tragen.
Jedes Denken an eine bessere Zukunft ohne dieses menschliche
Miteinander im Auge zu behalten, ist unsinnig. Aber unsere
Mitarbeit an der Gestaltung einer neuen Welt, besteht gerade
darin, daß wir dieses nicht nur denken, sondern daß wir
dieses Miteinander in Achtung und Hilfsbereitschaft und
Liebe praktizieren und darstellen. In diesem Praktizieren
echter Nächstenliebe zeigt sich, daß die Zukunft Gottes mit
uns, die im Rancho zu Bethlehem begann, sich bereits heute
mitten unter uns immer mehr verwirklicht und wir Christen
Zeugen einer besseren und schöneren Welt werden.