-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 072
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:16/12/1962
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Paraná, 16-12-1962
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:4. Adventssonntag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Philipper 4, 4-7
Skopus: Adventszeit ist fröhliche Bußzeit
-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 72 - Philipper 4, 4 - 7
"Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich:
Freuet euch! Eure Lindigkeit lasset kund sein allen
Menschen! Der Herr ist nahe! Sorget nichts sondern in allen
Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung
vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher
ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in
Christo Jesu!"

Wir spüren es diesen Versen sofort im ersten Augenblick ab,
daß sie von einer übermächtigen Freude erfüllt sind:
"Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich
euch, freuet euch!"
Warum kann der Apostel Paulus an die Philipper solche Worte
des Jubels und der Freude schreiben? Und warum meint die
christliche Kirche, daß gerade dieses Wort der Freude für
uns in der Adventszeit das Wort sei, das wir zu hören
hätten?
Das Wort in unserem Text:
"Der Herr ist nahe."
zeigt uns in der Tat, daß er ein adventlicher Text ist. Der
Herr kommt, der Herr ist nahe, darum geht es doch gerade in
der adventlichen Zeit. Von Advent und über Advent zu
sprechen bedeutet, daß wir von einem 2-fachen Kommen Jesu,
von einem 2-fachen Advent sprechen müssen.
Der erste Advent mit seiner Erfüllung liegt tatsächlich
hinter uns, da sich die Verheißungen des alten Volkes Gottes
erfüllten und Gottes Sohn als das Kindlein Jesus zu uns auf
die Erde kam.
Die Krippe mit dem Jesuskindlein im Rancho zu Bethlehem ist
das Zeichen der Erfüllung der adventlichen Verheißungen des
alten Volkes Gottes. Mit der Erfüllung der adventlichen
Verheißung begannen die Bemühungen Gottes, uns Menschen
wieder seine ganze große Liebe zu beweisen und zu schenken,
trotz unserer Bosheit und am Ende dieser Bemühungen steht
unser Vater im Himmel, um uns mit offenen Armen in Empfang
zu nehmen.
Es ist schon so, vom Rancho in Bethlehem kommt der Ruf zur
Freude über Gottes große Liebe zu uns.
Aber wir wissen, daß manches in den Verheißungen des alten
Volkes Gottes noch nicht in Erfüllung gegangen ist. Diese
nicht erfüllten Verheißungen haben sich im Munde Jesu
verbunden mit neuen Verheißungen. Jesus Christus wird noch
einmal auf diese Erde wiederkommen am Ende der Tage, dann
aber nicht mehr als ein kleines Kind, arm in einem Rancho,
sondern als Richter der Lebendigen und der Toten, der Völker
und Staaten und aller Mächtigen.
Und wenn die alte Kirche im Kirchenjahr die Adventszeit
festgesetzt hat, dann meinte sie nicht damit die
Vorbereitunsgzeit auf Weihnachten, sondern dann hatte sie im
Auge das Wiederkommen Jesu Chrisri auf diese Erde als König
und Herr und Richter. Darum war die Adventszeit ursprünglich
eine Bußzeit, eine Zeit der Besinnung.
Auch die Christen wurden von der Frage getrieben: Wie wird
es uns ergehen im zukünftigen Gericht Gottes, wenn der
wiedergekommene Herr die Lebendigen und die Toten, die
Völker und die Staaten mit einem gerechten Gericht richten
wird? Wie wird es uns ergehen, wenn es nicht mehr heißen
wird:
"Der ist nahe",
sondern
"Der Herr ist da"?
Nun heißt es, das ist die Haltung unserer Verse, auch in der
Begegnung des zukünftigen Gerichtes mit dem Richter Jesus
Christus braucht unser Verhalten nicht von der Angst über
eine Verdammung geprägt sein, sondern von der Freude.
Gerade durch das Kommen Jesu Christi als König und Herr und
Richter und zum Gericht, wird das, was wir bisher geglaubt
haben, Wirklichkeit.
Aus dem Glauben kommen wir dann zum Schauen. Wir brauchen
dann nicht mehr an unsere Erlösung zu glauben, sondern dann
werden wir ja als erlöste Menschen leben.
Der Glaube an Jesus Christus, daß er mir bei seinem ersten
Kommen meine Erlösung erworben hat, bringt mich bei seinem
zweiten Kommen durch das letzte Gericht hindurch zur
Erlösung.
Darum, mag auch dieses letzte Gericht für die, die von Jesus
Christus nichts wissen wollen, die mit dem, was er für uns
Menschen tat, nichts anzufangen wissen, entsetzliches Grauen
bedeuten; für uns jedenfalls, die wir zu ihm halten,
bedeutet sein Kommen als König und Richter, sein Kommen zum
Gericht, Freude über Freude.
"Erhebet eure Häuper, darum, daß sich eure Erlösung naht",
so sagt es der Herr selbst einmal.
Diese Freude über die kommende Erlösung darf uns jetzt schon
auf allen unseren Wegen, in all unserem Tun, begleiten. Ja,
wir dürfen sogar unser jetziges Tun und Handeln und Reden
davon bestimmen lassen.
Das gilt in besonderer Weise in unserem Verhalten zu unseren
Mitmenschen:
"Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen! Der Herr
ist nahe."
Die Menschen, die uns in unserem Leben begegnen, die mit uns
ein Stück Lebensweg gehen, ganz gleich ob kurz oder lang,
sollten etwas davon merken, daß Gott uns liebt, daß auf uns
eine vollkommene Erlösung wartet, daß wir durch Gottes
Gericht hindurch eingehen werden zur ewigen Freude und
Herrlichkeit. Unsere Mitmenschen sollten es dadurch merken,
daß wir ihnen etwas von der Liebe, mit der uns Gott geliebt
hat, weitergeben.
Aber können wir das Ziel schon sehen, auf das wir als Kinder
Gottes, als Christen, zugehen, dann können wir uns auch
gegenüber all den Dingen und Ereignissen, die auf uns
einstürmen, anders verhalten als andere Menschen.
"Sorget nichts! sindern in allen Dingen lasset eure Bitten
im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden!"
Wir dürfen dann in allen Fragen, Nöten und Sorgen, zu dem
kommen, der uns geliebt hat. Er wird uns schon so helfen,
daß unsere Traurigkeit entweicht und wir wieder fröhlich und
dankbar unsere Straße ziehen können, dem einen
unverrückbaren Ziel entgegen.
Und wenn der Apostel Paulus schreibt:
"Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle
Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus",
dann denkt er nicht nur an die Philipper, sondern an uns
alle, die wir uns auf dem Wege zum 2. Advent, zum 2. Kommen
unseres Herrn, befinden. Er legt den Segen unseres Herrn und
Heilandes auf uns, das heißt ganz schlicht und einfach:
Es ist eine reale Sache, an die ihr euch festklammern dürft.
Gott bringt euch an das Ziel, die EWIGE HERRLICHKEIT, die
ERLÖSUNG heißt. Das ist so wahr, wie 2 x 2 = 4 ist.
Der Segen Gottes ist die Gewähr dafür, daß wir alle
miteinander am Ende der Tage wie die klugen Jungfrauen im
Gleichnis eingehen werden zu des Herrn Freude. So darf die
Adventszeit für uns eine fröhliche Bußzeit sein.