-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 071
Lugar/Ort:Castelar

Fecha/Datum:18/12/1988
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:4. Adventssonntag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Johannes 1, 19 - 28
Skopus: Der Täufer weist auf Jesus Christus
-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 71-Johannes 1, 19 - 28
"Und dies ist das Zeugnis des Johannes, daß die Juden
sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn
fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht;
und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten
ihn: Was denn? Bist du Elia? Er sprach: Ich bin's
nicht.-Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein! Da
sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben
denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst?
Er sprach: Ich bin die Stimme eines Predigers in der Wüste:
Richtet den Weg des Herrn! wie der Prophet Jesaja gesagt
hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern.
Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du
denn, so du nicht Christus bist noch Elia noch der Prophet?
Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser;
aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht
kennet. Der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir
gewesen ist, des ich nicht wert bin, daß ich seine
Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara jenseits des
Jordans, wo Johannes taufte."

Johannes ist eine markante Erscheinung zwischen den Zeiten,
zwischen dem Volk Israel und der Kirche Jesu Christi,
zwischen Gesetz und dem Evangelium. Er hat zu seiner Zeit
großes Aufsehen erregt. Ja, es hat damals große Gruppen im
Volk Israel gegeben, die sich nach ihm nannten, die in ihm
den Messias sahen, den Heiland der Menschen.
Diese Gruppen standen der jüdischen Sekte sehr nahe, von
denen vor wenigen Jahrzehnten in der Höhle zu Qumran
unzählige alte Schriften aus der damaligen Zeit gefunden
wurden.
Schon die damaligen Auseinandersetzungen zwischen der
werdenden jungen christlichen Kirche in Jerusalem und diesen
fanatischen Johannesgruppen, die in vielen ihrer
Anschauungen den Adventisten ähnlich sind, haben dazu
geführt, daß der Evangelist Johannes diesen unseren
Predigttext unbedingt durch sein Evangelium überliefert
wissen wollte.
Worum geht es in unserem Predigttext?
Als Vorläufer des Herrn hatte er eine harte und scharfe
Predigt der Buße und Umkehr gehalten und die, die von seiner
Predigt getroffen waren und umzukehren beschlossen, ließen
sich taufen.
Obwohl er in seinem Tun und Handeln und Predigen und Taufen
immer wieder darauf hinwies, daß dadurch er das Kommen des
Messias, des Heilandes der Welt vorbereiten soll, haben
viele geglaubt, er sei selbst dieser Messias. Zumal wir ja
wissen, daß, obwohl Jesus schon zu dieser Zeit lebte, noch
nicht mit seiner Botschaft der Freude und mit seinem
Heilandshandeln an die Öffentlichkeit getreten war. Vielen
Angehörigen des Volkes Isarels war es damals nicht so klar
wie dem Maler Grünewald, der auf einem Kreuzigungsbild den
Täufer Johannes mit einem langen Finger, der auf Jesus
zeigt, malte, als wollte Johannes sagen:
"Dieser muß wachsen und immer bedeutender werden, während
ich immer mehr in den Hintergrund zu treten habe."
Weil die Menschen damals dieses noch nicht erkennen konnten,
daß der Täufer auf den kommenden Messias hinweisen sollte,
er selbst aber dieser Messias nicht sein wollte und konnte,
schickten sie Priester und Leviten, also Tempeldiener mit
der Frage zu ihm:
"Wer bist du eigentlich?"
Da er von vornherein aus der Frage heraushörte, daß sie in
ihm meinten den Messias erkennen zu können, verneint er in
einer deutlichen und klaren Weise, daß er dieser von Gott
Gesandte sei, der einen totalen Wechsel in der Geschichte
der Menschheit, nicht nur in der Geschichte des Volkes
Isarels, einleiten wird. Da gibt es an der Antwort des
Täufers Johannes nichts zu rütteln:
"Ich bin nicht der Christus."
Er, der ein Zeuge, ein Verkündiger, ein Prediger Jesu
Christi, ist, verfällt nicht der Versuchung, sich selbst in
den Mittelpunkt zu stellen, wie nach ihm viele religiöse
Führer, auch christliche Persönlichkeiten, die so von sich
und ihren Erkenntnissen und Offenbarungen eingenommen
wurden, daß sie sich selbst als Christus oder genauso
wichtig wie Jesus Christus fühlten und zu Gründern neuer
religiöser Gemeinschaften oder christlicher Sekten wurden.
Johannes selbst ist jedenfalls nicht daran schuld, daß sich
nachher Gruppen gebildet haben, die sich nach ihm nannten.
Er bekräftigte mit starken Worten seine Aufgabe und seinen
Auftrag:
"Ich bin die Stimme eines Predigers in der Wüste, die ruft:
Bereitet und ebnet den Weg des Herrn!"
Wenn wir einmal genau hinhören auf das, was Johannes der
Täufer sagt, dann erkennen wir, daß damit zusammengefaßt ist
auch die Aufgabe und der Auftrag und Dienst jeder echten
Kirche und Gemeinde heute und jedes Verkündigers, ja, jedes
Christen, dem Herrn den Weg zu bereiten, damit er Einzug
halten kann in die Herzen und Häuser der Menschen, damit er
mitten in dieser Welt des Hasses und der Feindschaft sein
Reich der Liebe und der Freundschaft aufrichten kann, in dem
es sich lohnt als Mensch zu leben. Daran soll uns ja auch
die Adventszeit, in der wir wieder leben, erinnern.
Mit dieser Intention haben doch die Kirchenväter die
Adventszeit im Rhythmus des Kirchenjahres einen bedeutenden
Platz eingeräumt.
Jede echte Bezeugung durch Wort und Tat eines jeden Christen
weist auf Jesus Christus.
Wenn wir vielleicht auch allgemein sagen können, daß der
Unterschied zwischen dem Täufer Johannes und uns darin
liegt, daß er auf den hinweist, der noch kommen und handeln
wird und wir ihn bezeugen als den, der bereits zu uns
gekommen ist und gehandelt hat, so müssen wir doch dazu
ergänzen, daß wir ebenfalls den bezeugen, der nicht nur am
Ende der Tage kommen wird, um entscheidend in die Geschichte
der Menschheit einzugreifen, sondern heute schon immer
wieder neu durch sein Wort und Sakrament und durch das Tun
und Handeln der Seinen zu uns kommt und eingreift in unser
persönliches und familiäres Leben und sich bemerkbar macht
in der Geschichte der Menschheit und der ganzen Welt.
Und wir können gleichfalls nichts anderes tun als das, was
der Täufer getan hat, wenn der Botschaft nicht geglaubt
wird, wenn bezweifelt wird, daß diesem unseren Herrn Jesus
Christus die Zukunft gehört, wenn wir verachtet und
verspottet und vielleicht sogar
verfolgt werden, weil wir diesem unserem Herrn mehr
Vertrauen schenken als allen anderen Herren dieser Welt. Und
was tut in dieser Lage der Täufer Johannes?
Nichts anderes als weiter einladen, zu diesem Jesus zu
kommen, damit sie nicht nur glauben, daß der Herr kommen und
noch größere Werke tun wird, sondern erkennen, daß er
bereits am Werk ist und handelt. Der Täufer sagt:
"Er steht bereits schon mitten unter euch, nur ihr erkennt
ihn nicht. Nehmt ihn auf, dann werdet ihr die Fülle seiner
Liebe erfahren!"
So steht Johannes zwischen dem Volk Israel und der Kirche
und weist das alte und das neue Volk Gottes auf die einzig
mögliche Richtung hin:
"Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in
Ewigkeit."