-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 066
Lugar/Ort:Reffino

Fecha/Datum:16/12/1979
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Meroú, 16-12-1979
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:3. Adventssonntag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 11, 2 - 11
Skopus: Der Glaubende ist größer als der Täufer Johannes
-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 66 - Matthäus 11, 2 - 11
"Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte,
sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: Bist du,
der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget
Johannes wieder, was ihr sehet und höret: die Blinden sehen
und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die
Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das
Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir
ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an, zu reden zu dem
Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste
zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und
her bewegt? Oder was seid ihr hinausgegeangen zu sehen?
Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe,
die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern.
Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen
Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn
ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht:
Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg
vor dir bereiten soll. Wahrlich ich sage euch: Unter allen,
die von Weiber geboren sind, ist nicht aufgekommen, der
größer sei denn Johannes derTäufer; der aber der Kleinste
ist im Himmelreich, ist größer denn er."
Der springende Punkt unseres Predigttextes liegt in der
Frage des Täufers Johannes im Gefängnis:
"Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir eines
anderen warten?"
Wenn Johannes so fragt, dann muß er in eine große Anfechtung
gekommen sein, dann muß er in große Zweifel über die
Bedeutung Jesu geraten sein. Aber doch löst er die enge
Verbindung mit ihm, den er im Jordan getauft hat, nicht auf.
Weil er selbst durch seine Gefangenschaft Jesus die Frage
nicht vorlegen kann, schickt er seine Freunde mit dieser
Frage zu ihm. Wer anders als dieser Jesus Christus wird ihm
auch diese Frage beantworten können?
"Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir eines
anderen warten?"
Der Zweifel Johannes in Jesus ist durchaus verständlich,
wenn wir bedenken, daß er den kommenden Messias verkündigt
und erwartet hat als den Starken und Mächtigen, als den, der
mit eiserner Faust dreinschlägt und Gift und Galle spuckt
und mit Feuer seine Feinde niederschmettert und selbst ein
starkes und mächtiges Reich in Palästina aufrichten und die
römische Besatzungsmacht aus dem Lande jagen wird.
Und nun ist dieser Messias gekommen, hat sogar den Kontakt
mit ihm, Johannes, aufgenommen und nichts ändert sich nach
seiner Meinung. Dieser Jesus predigt Buße, wie er, Johannes,
ja auch, heilt Kranke, sammelt eine kleine Schar von Jüngern
um sich und bereitet sich auf ein Weg des Leidens vor.
Kann dieser schwache Jesus der Messias, der Gesandte Gottes
sein? Kann Gott als Hilfe zu uns in einem Menschen kommen?
Diese Frage bewegte nicht nur den Täufer Johannes damals,
sondern jede Generation von Christen wird immer neu von
dieser Frage geplagt, ob wir wirklich uns diesem Jesus
Christus anvertrauen können? Ist nicht unser Glaube an ihn
eine einzige Illusion? Ist nicht unsere Hoffnung, die wir
auf ihn gesetzt haben, schon oft enttäuscht worden?
Lauteten seine Antworten auf unsere Fragen so oft anders als
wir erwartet hatten? Wirkt er nicht in unserer Zeit so oft
anders als wir es aus Tradition von unseren Vorfahren
übernommen und gelernt haben?
Auch ihn, den Täufer Johannes, rührt diese Frage ganz
persönlich an. Wenn dieser Jesus wirklich der Messias Gottes
ist, dann hat er ihn bisher doch in einer falschen Weise
angekündigt und verkündigt? Seiner Verkündigung wegen sitzt
er im Gefängnis und nichts rührt sich, daß er daraus befreit
wird.
Während er im Gefängnis sitzt, lebt der König Herodes als
Feind Gottes weiter und die frommen Pharisäer sind weiter an
der Arbeit, das Volk zu betrügen und zu verführen.
Viele Christen heute, die ihre ganze Hoffnung auf Jesus
gesetzt hatten, daß er eine durcheinandergeratene Welt
wieder in Ordnung bringt, daß er allem Leid und Elend und
aller Not und aller Knechtschaft, ein Ende bereite, fragen
ebenfalls enttäuscht:
"Bist du es, der da kommen sollte oder ist alles umsonst
gewesen und wir müssen wieder auf einen anderen unsere
Hoffnung setzen?"
Es ist durchaus verständlich, daß so gefragt wird, wenn
besonders um dieser Hoffnung willen, ähnlich wie bei
Johannes dem Täufer im Gefängnis, gelitten werden muß. Und
wie lautet die Antwort Jesu auf die Frage des Johannes?
Zunächst gibt er nicht die Antwort, die Johannes erwartet
hatte, wie wir sie vielleicht auch in unseren Zweifelsfragen
erwarten. Jesus sagt nicht:
Ich bin trotz deiner Zweifel dieser Messias Gottes.
Sicherlich hätte ihm auch solch eine Antwort nichts genützt.
Stattdessen führt die Antwort Jesu den Täufer dahin, daß er
sich selbst die Antwort geben kann:
"Gehet hin und sagt Johannes wieder, was ihr gehört und
gesehen habt: Blinde sehen und Lahme gehen. Ausätzige werden
rein und Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird das
Evangelium gepredigt und selig ist, wer nicht an mir irre
wird."
Damit lenkt er die Gedanken des Johannes auf das, was durch
ihn, Jesus Christus, geschieht und was zeichenhaft die
Erfüllung verschiedener Prophezeiungen ist, besonders die
des Propheten Jesaja, die mit dem Kommen des Messias, des
Königs Gottes, verbunden ist.
Erkennbar ist in dieser Prophetie und ihre Erfüllung
erkennbar die Liebe und das Erbarmen Gottes zu uns Menschen.
Er will uns menschliches Leben ermöglichen. Er will allen
Menschen menschliches Leben ermöglichen und zerstörtes Leben
wieder erneuern.
Nach der Auferweckung von den Toten wird als Letztes die
Freudenbotschaft an die Armen erwähnt. Gottes Liebe und
Erbarmen gilt ja geradezu in erster Linie den Armen, den
Zurückgebliebenen, denen, die immer in diesem Leben bisher
zu kurz gekommen sind.
Daran, daß durch Jesus Christus dieses alles getan wird,
zeigt sich, daß mit ihm die HEILSZEIT angebrochen ist, daß
er wirklich der Messias ist und er fügt der Antwort an
Johannes noch die Mahnung bei:
"Selig ist, der sich nicht an mir ärgert!"
Ist das nicht auch die Mahnung an viele Christen in unserer
heutigen Zeit, die in ihrem Glauben unsicher und zum Teil
irre geworden sind, weil uns heute dieser Jesus Christus
nicht mehr nur als der begegnet, der für unsere Seele und
für ein Leben nach dem Tode verantwortlich ist, sondern auch
als der, der der Herr dieser Welt ist, dem wir unser ganzes
Tun und Handeln verantworten müssen.
Er erwartet unseren ganzen Gehorsam im grauen Alltag unseres
Lebens. Ihm gehören wir an mit Leib und Seele und mit allem,
was wir sind und haben und besitzen.
Wenn auch in dieser indirekten Antwort, sagt Jesus dem
Johannes doch ganz klar und deutlich:
Ja, ich bin, der da kommen sollte. Es gibt keinen anderen
außer mir, der Gottes Hilfe den Menschen bringt.
Und nun sagt Jesus zum Schluß noch ein Wort, das wir nur
demütig und dankbar als zu uns gesprochen annehemen können.
Er sagt, es stimmt, dieser Täufer Johannes ist ein großer
Mensch, nicht fern vom Reiche Gottes, aber noch der
Geringste derer, die den Weg mit ihm, Jesus, im Leben gewagt
haben, die ihr ganzes Vertrauen auf ihn setzen und aus
seiner Liebe und seinem Erbarmen die Kraft für das tägliche
Leben nehmen und ihre Aufgaben im Reich Gottes sehen und
anpacken, ist größer als dieser Johannes.
Als die begnadeten Sünder sind wir größer als Johannes, der
dieses Heil noch nicht erfahren konnte.
Der Geringste im Reich Gottes, das ist der,
"der da glaubet und getaufet wird, der wird selig werden".
Wenn wir das recht verstanden haben, dann gehören wir auch
zu denen, die größer sind als Johannes der Täufer.