-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 064a
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:05/12/1965
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Paraná, 5-12-1965 -deutsch-
Reffino, 19-12-1965 -deutsch-
Camarero, 19-12-1965 -spanisch-
Diamante, 4-12-1966 -spanisch-
Col. Nueva, 18-12-1966 -spanisch-
Paraná, 18-12-1966 -spanisch-
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:2. Adventssonntag
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:2. Thessalonicher 3, 1 - 5
Skopus: Die Aufgabe einer Gemeinde im Advent des Herrn
-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 64 a - 2.Thessal. 3, 1-5
"Weiter, liebe Brüder, betet für uns, daß das Wort des Herrn
laufe und gepriesen werde wie bei euch, und daß wir erlöst
werden von den unverständigen und argen Menschen. Denn der
Glaube ist nicht jedermanns Ding. Aber der Herr ist treu;
der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen. Wir
versehen uns aber zu euch in dem Herrn, daß ihr tut und tun
werdet, was wir euch gebieten. Der Herr aber richte eure
Herzen zu der Liebe Gottes und zu der Geduld Christi."

Die Adventszeit hat mit unserem 2. Thessalonicherbrief die
gleiche Blickrichtung:
DER KOMMENDE HERR.
Diese Zeit, da der Herr wiederkommen wird, ist nahe. In
vielen Schriftstellen wird uns in den buntesten Farben und
allerdings auch zeitgebunden geschildert, wie dieses Kommen
vor sich gehen wird. Doch ist dieses nicht wichtig und nicht
entscheidend.
Entscheidend ist das, was in unseren Versen anklingt:
Das Verhalten der Gemeinde Jesu Christi in der Zeit bis zu
seinem Wiederkommen.
Das ist deshalb wichtig, weil es uns zeigt, wie wir uns in
dieser Zeit, also heute, als eine christliche Gemeinde, als
eine christliche Kirche, verhalten sollen.
Das erste Entscheidende ist:
"Das Wort des Herrn muß laufen und gepriesen wie in den
schon bestehenden Gemeinden."
Die Gemeinde Jesu Christi ist also kein religiöser Verein,
der nur seine religiösen Bedürfnisse befriedigt, der nur für
sich selbst sorgt, der nur daran denkt, für sich selbst den
Himmel aufgeschlossen zu bekommen. Nein, die Gemeinde Jesu
Christi hat die Aufgabe und die Verpflichtung, Gottes Wort
allen Menschen zugänglich zu machen, damit alle Menschen die
Hilfe erhalten, die sie so nötig haben und die ihnen allen
in Jesus Christus als dem Heiland aller Menschen angeboten
und geschenkt wird. Eine Gemeinde, die das nicht sieht, die
sich nur um sich selbst dreht, ist in den Augen ihres Herrn
unnütz, nur leeres Stroh.
Diese Aufgabe kann in mannigfacher Art und Weise angefaßt
werden. Das Weitersagen der frohen Botschaft den Menschen
unserer nächsten Umgebung geschieht durch unser aller
Mithilfe. Aber das Weitersagen des Evangeliums an die
nächste Umgebung liegt ebenfalls in unserer Verantwortung.
Da wäre die Möglichkeit der Radiosendung zu erwähnen, auch
die Instalierung eines Pfarrers, der sich selbst erst seine
Gemeinde zusammensuchen muß in einem Gebiet, da es noch
keine Kirche und keine Gemeinde gibt. Und die anderen
Gemeinden müßten durch ihre finanzielle Unterstützung diese
Instalierung ermöglichen. So wurde es jetzt zum Beispiel auf
der Synodaltagung beschlossen.
Wir waren als deutsch-sprachige Gemeinden hier am La Plata
allein durch unsere Sprache daran gehindert, dafür zu
sorgen, daß in unserer argentinischen Welt das Wort des
Herrn laufen und gepriesen werde. Wir lebten in einem
Ghetto, in einer völligen Isolierung. Jetzt erst, durch das
Eindringen der spanischen Sprache in unsere Gemeinden kommen
wir langsam aus dieser Isolierung heraus und und können dem
Auftrage gehorsam werden:
"Ihr werdet meine Zeugen sein!"
Die Entwicklung hier in Südamerika läßt uns nicht mehr viel
Zeit. Entweder wird eine neue und moderne Welt aufgebaut, in
der keine Möglichkeit mehr für Gott besteht oder die neue
Zeit zieht bei uns ein, gestaltet von den Kräften, die
ausstrahlen von dem Herrn der Welt, Jesus Christus.
Die Zukunft hängt von uns als einer christlichen Gemeinde,
als einer christlichen Kirche, ab und von uns, die wir dazu
gehören.
Würde Jesus Christus, wenn er jetzt kommen würde, uns an der
Arbeit finden? Würde er bemerken können. daß wir keine Zeit
und kein Geld scheuen, um diese Aufgabe zu erfüllen. Würden
wir auch mit unserern Gebeten dahinter stehen?
Damit ist allerdings noch nicht die Aufgabe gesehen, das
Evangelium von Jesus Christus den Heiden in der ganzen
weiten Welt zu verkündigen. Vieles, sehr vieles, fehlt noch
in unseren Gemeinden, um echte verantwortliche Gemeinden
Jesu Christi zu sein.
Um Jesu Auftrag als eine echte Gemeinde, als wahre Christen,
recht ausführen zu können, muß sie selbst, müssen wir
selbst, die Verbindung mit unserem Herrn, die Verbindung mit
seinem Wort, noch viel enger gestalten.
Eine Gemeinde Jesu Christi lebt vom Worte Gottes her und ist
auf die Predigt von der Liebe Gottes zu uns Menschen
angewiesen. Nur die Gemeinde kann den Auftrag Jesu Christi
recht ausführen, die etwas davon erfahren hat, daß sie ganz
und gar auf die Hilfe ihres Herrn angewiesen ist und von
dieser Hilfe her das ganze Gemeindeleben ordnet und
gestaltet.
Das ist nämlich das zweite Entscheidende:
Die Gemeinde Jesu Christi bleibt fest gegründet im Wort
Gottes und lebt von seiner Hilfe.
Daran erinnert zu werden, ist sehr wichtig, weil es viele
Mächte und Gewalten gibt, die die Gemeinde Jesu Christi von
diesem Fundament, von dieser seiner Hilfe, wegreißen wollen.
Es können schwere Verfolgungen sein. Es können aber auch
Wohlstand und Reichtum, also gute Zeiten, sein, die uns von
unserer engen Verbindung mit Jesus Christus wegbringen
wollen. Aber selbst für diese Zeit, da die Gemeinde vor dem
Abgrund zu stehen scheint, will uns der Herr seine Hilfe
schenken:
"Der Herr ist treu, der wird euch stärken und bewahren vor
dem Argen."
Wir haben es sicherlich schon gemerkt, wie beides unlöslich
zusammenhängt:
1. Dafür zu sorgen, daß das Evangelium durch das Land laufe,
und
2. daß die Verbindung zum Herrn durch sein Wort sich immer
enger gestaltet.
Einer Gemeinde, die den Auftrag an die Welt sieht und
anpackt, aber selbst nicht weiß, was sie glaubt, ist keine
Frucht verheißen.
Das gilt auvh für eine Gemeinde, die den Auftrag an die Welt
nicht sieht, die nur ihrer eigenen Frömmigkeit lebt, ohne
Sinn und Inhalt. Darum gehört beides zusammen.
Das bedeutet für uns, die wir jahrzehntelang in unseren
Gemeinden nur uns selbst gelebt haben, eine völlige
Neubesinnung auf unsere Aufgabe, Lichtträger,
Evangeliumsboten in Lateinamerika, zu sein. So wäre es für
uns eine heilsame Besinnung, in dieser Adventszeit es
niemals zu vergessen, daß, wenn der Herr kommt, er uns als
eine christliche Gemeinde, uns als Christen, an der Arbeit
findet:
Lateinamerika für ihn zu gewinnen.
Wir dürfen dabei nicht vergessen, daß wir dazu nur fähig
werden, wenn wir selbst eng mit unserem Herrn Jesus Christus
und seinem Worte verbunden bleiben.
Herr Jesus Christus, verschaffe deinem Wort Sieg in der
ganzen Welt und laß uns dabei mithelfen.