-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 048a
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:20/12/1973
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Grl. Racedo, 29-12-1974
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:4. Advents-ANDACHT 1973
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Lukas 1, (45-46)
Skopus: Jesus verändert die Welt
-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 48a - Lukas 1, (46-56)
"Maria sprach: Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt
die Niedrigen. Die Hungrigen füllet er mit Gütern und läßt
die Reichen leer."
Normalerweise ist es so, wenn wir an Advent und Weihnachten
denken, daß wir in Stimmung geraten, zumal die von
Deutschland herkommende Art der Weihnachtsfeiern mit dem
Lichterbaum und der Kinderweihnacht stark ins Gemüt geht.
In diesem Sinne des weihnachtlichen Geschehens spielt Maria,
die Mutter Jesu, eine sehr große Rolle. Und es ist auch rein
menschlich durchaus verständlich, daß sie in der
röm.-katholischen Kirche eine solche alles überragende
Bedeutung bekommen hat, allerdings nicht im Sinne der
Heiligen Schrift und auch nicht in ihrem eigenen Sinne.
Wenn wir wirklich einmal alle die weihnachtlichen Berichte
in der Schrift eingehend betrachten, dann bleibt von der bei
uns so geliebten weihnachtlichen Romantik nichs mehr übrig.
Wir werden mit einer harten und grausamen Wirklichkeit
konfrontiert, die auch unsere Wirklichkeit ist.
Gerade der Lobgesang der Maria, nach der Verkündigung der
Geburt Jesu durch einen Engel, enthält Stellen, die
anzeigen, daß das Kind in der Krippe auf die harte und
grausame Wirklichkeit des menschlichen Lebens zu antworten
weiß.
In diesem Lobgesang der Maria, der unter der Bezeichnung
MAGNIFIKAT bekannt ist, finden wir diese Worte:
"Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen.
Die Hungrigen füllet er mit Gütern und läßt die Reichen
leer."
In diesem Lobgesang drückt Maria ihr Wissen darüber aus, daß
ihr Jesus den Kampf aufnimmt mit allen Mächtigen und
Gewalten, die uns Menschen knechten und unterdrücken wollen.
Jesus Christus steht immer auf der Seite der Hungernden und
Unterdrückten und der Verfolgten und tritt für sie ein. Und
Maria ist fest davon überzeugt, daß Jesus siegen wird über
diese Mächte, ganz gleich wie sie heißen mögen, staatliches
Tyrannentum im Kommunismus und im Kapitalismus, brutale
Ausbeutung der niedrigen Volksschichten in der Sucht nach
mehr Geld und mehr Gewinn, Rassismus, der die schwaren und
die braunen und gelben Rassen als minderwertig behandelt,
Militarismus, der das Töten als Beruf und Geschäft auffaßt:
"Jesus stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die
Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die
Reichen leer ausgehen."
Wenn man es recht bedenkt, muß man viel Verständnis für die
haben, die heute sagen:
Jesus sei auf dieser Erde der erste Revolutionär gewesen.
Wie schwer dieser sein Kampf gewesen ist, zeigt sich darin,
daß seine erste Revolution zusammengebrochen ist, er selbst
aufgehängt am Kreuz auf Golgatha. Aber seine Revolution ist
trotzdem nicht zum Stillstand gekommen. Sein Kampf gegen
alle die Gewalten, die verhindern wollen, daß Menschen als
Menschen Gottes leben können, geht weiter, durchgeführt mit
denen an seiner Seite, mit denen, die ihm nachfolgen, die
seine Jünger sind, die sich Christen nennen.
Maria ist fest davon überzeugt, daß am Ende dieser von Jesus
begonnenen Revolution der aus allen bedrückenden und
unterdrückenden Mächten befreite Mensch steht, so wie Gott
ihn sich bei der Schöpfung gedacht hat.