-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 002
Lugar/Ort:Meroú

Fecha/Datum:29/11/1981
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Año Eclesiástico/Kirchenjahr:1. Advent
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Jeremia 23, 5-8
Skopus: Wir warten auf die Vollendung des Heils
1-Kirchenjahr bis Weihnachten 2 Jeremia 23, 5 - 8
"Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß ich dem
David ein gerechtes Gewächs erwecken will, und soll ein
König sein, der wohl regieren wird und Recht und
Gerechtigkeit auf Erden anrichten. Zu seiner Zeit soll Juda
geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein
Name sein, daß man ihn nennen wird:
Der Herr unsere Gerechtigkeit.
Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, daß
man nicht mehr sagen wird: So wahr der Herr lebt, der die
Kinder Israel aus Ägyptenland geführt hat!, sondern: So wahr
der Herr lebt, der den Samen des Hauses Israel hat
herausgeführt und gebracht aus dem Lande der Mitternacht und
aus allen Landen, dahin ich sie verstoßen hatte, daß sie in
ihrem Lande wohnen sollen."
Es sind wahrlich keine schönen und rosigen Zeiten, in denen
wir heute leben. Nicht nur dunkel ist die Gegenwart, sondern
auch der Blick in die Zukunft. Wir fühlen uns verängstigt
über das, was noch über uns in naher und ferner Zukunft über
uns kommen kann. Dunkle Wolken zogen auch über das Volk
Israel herauf, als der Prophet Jeremia dieses Wort sagte. In
dem kommenden Kriege gibt es eine totale Niederlage, mit
einer Zerstörung des Landes und des Tempels in Jerusalem und
einer Wegführung des größten Teils der Bevölkerung in
babylonische Gefangenschaft.
Gerade Jeremia ist es gewesen, der nicht müde wurde, das
Volk zurückzurufen von dem Wege, der ins Unglück und ins
Verderben führte.
Er machte das Volk darauf aufamerksam, daß es so nicht
weitergehen kann. Ein Volk, das Gott, den Herrn, nicht mehr
respektiert und nichts nach seinem Willen fragt, ist dem
Untergang geweiht. Und charakteristisch ist dabei, daß die
Obersten in der Religion, in der Politik und im Geschäft,
noch weniger nach Gott fragte als das einfache Volk. Ja,
diese Obersten suchten sogar den Propheten mit seinen Mahn-
und Drohpredigtren zum Schweigen zu bringen. Er wurde
zeitweise ins Gefängnis geworfen, als Volksaufwiegler oder
als Vaterlandsverräter. Er kann aber nicht schweigen. Als
ein Mann Gottes muß er das verkündigen, was Gott ihm in den
Mund legt. Und das ist das, was dieser sein Gott, über sein
Volk, über dieses Volk Israel denkt und welche Möglichkeiten
er ihm gibt, die sich schon anbahnende und ankündigende
Strafe noch einmal wieder vorbeigehen zu lassen.
Wenn er auch als Hauptschuldiger des ganzen Übels, das
begründet ist im Ungehorsam gegen Gott, die Obersten des
Volkes erkennt, die eigentlich den Willen Gottes wissen und
erkennen müssen, so ist das einfache Volk doch an dem ganzen
Elend nicht unschuldig. Es hat diesen Obersten des Volkes
mehr geglaubt als Gott, der sie durch den Propheten rief,
ermahnte und sie zurückrief von einem Wege, der ins
Verderben führte. Es ging bei diesem Ungehorsam einmal um
eine falsche Außenpolitik, in der das Volk Israel immer mit
dem Stärkeren Bündnisse schloß, ohne die alten Bündnisse mit
Schwächeren zu halten.
Allerdings wurde das Volk Isarel dabei immer von den
Stärkeren um das Ohr gehauen, auch wenn es anfangs so
ausgesehen hatte, als ob diese Bündnisse wirtschaftliche
Fortschritte und Vorteile, also nationale Erfolge, bringen
würden. Weiter ging es bei diesem Ungehorsam, bei dieser
Sünde gegen Gott, darum, daß in den anfänglichen
wirtschaftlichen Erfolgen mit dem Motte
"Geld regiert die Welt!"
nichts nach den Armen gefragt wurde, ja man ihnen noch das
Letzte wegnahm, mit Geld die Richter kaufte, die aus Recht
Unrecht und aus Unrecht Recht machten. Mit Geld konnte mann
alles machen und alles bekommen. Das einfache Volk wurde
dabei am meisten gedrückt und unterdrückt, sodaß es stöhnte
und seufzte.
Dazu kam noch, daß durch eine falsche Propaganda das Volk im
Dunkeln gehalten wurde, damit es der Stimme dieser Obersten
gehorchte und nicht der Stimme Gottes durch den Mund der
Propheten.
Da aber diese Stimme Gottes zur Umkehr von einem falschen
Wege nicht gehört und erst recht nicht gehorcht wurde,
bleibt nichts anderes übrig als daß das angekündigte
Strafgericht Gottes, von dem wir schon am Anfang unserer
Predigt sprachen, sich verwirklicht.
Das geschieht nicht, ohne daß über die Obersten, die all das
verschuldet hatten, ein Wehe!, ein Verdammungsurteil
ausgerufen wird, wie wir es im 1. Vers unseres Kapitels
lesen können:
"Weh euch Hirten, die ihr die Herde meiner Weide umbringt
und zerstreut! spricht der Herr."
Für sie gibt es nur ein Ende mit Schrecken, für das Volk
selbst zeigt der Prophet, daß nach einer Zeit des Schreckens
und des Entsetzens, es wieder aufwärts gehen wird:
"Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher
wohnen."
Das bedeutet also nicht, daß das Gericht Gottes vorüber
gehen wird, ohne Katastrophen, sondern das Volk Gottes wird
seinen Ungehorsam gegen seinen Gott schwer büßen und
bezahlen müssen. Ein großer Teil wird getötet und ein
anderer Teil in die babylonische Gefangenschaft geführt
werden, aber das alles wird einmal ein Ende nehmen.
Mitten in aller Finsternis ist schon in weiter Ferne das
näherkommende Licht und die Erlösung zu erkennen.
Der Prophet Jeremia sieht also die Rettung des Volkes aus
allem Unglück, aus aller Not und Verzweiflung, bevor dieses
Unglück überhaupt erst hereingebrochen ist.
Diese Rettung des Volkes Israel bedeutet, daß die
Führerschicht im Strafgericht Gottes vernichtet sein und daß
ein neuer König kommen wird, von Gott eingesetzt, der das
Volk nicht verführt zum Ungehorsam gegen Gott, sondern es
unterrichtet, wie es am besten Gottes Willen ausführen kann
und der selbst in dem Volke für Recht und Gerechtogkeit
sorgt, wie der Text sagt:
"Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß ich aus dem
Königsgeschlecht des David ein gerechtes Gewächas erwecken
will, und der soll ein König sein, der wohl regieren und für
Recht und Gerechtigkeit eintreten wird."
Jahrhunderte sind darüber vergangen. Das Volk Israel mußte
Schweres erleiden. Ein großer Teil wurde getötet, der andere
Teil in die Gefangenschaft geführt. Alle Obersten des Volkes
sind grausam umgekommen. Erst nach Jahrzehnten konnte ein
kleiner Rest des Volkes Israels wieder aus der babylonischen
Gefangenschaft in die alte Heimat nach Palästina
zurückkehren. Ein Teil der Prophezeiung des Propheten ist
also bereits in Erfüllung gegangen, allerdings noch nicht
der Teil, der von dem König, der das Volk wohl regierte und
Recht und Gerechtigkeit im Lande praktizierte.
Darum wurde bei jedem neuen König danach in Israel gefragt,
bist du, der da kommen soll, oder müssen wir eines anderen
warten?
Und erst zur Zeit Jesu erfuhren viele aus dem Volk Israel
die Gewißheit, daß dieser Jesus von Nazareth der von dem
Propheten Jeremia verheißene König sei, der uns Menschen
zeigt, was es bedeutet, Gott gehorsam zu sein. Und der seine
Herrschaft allein auf Liebe aufbaut und dafür sorgt, daß
Recht und Gerechtigkeit herrscht.
Zu dieser festen Überzeugung kamen die Menschen damals, weil
er das alles mit und in seinem eigenen Leben bezeugte und
praktizierte.
Darum können wir mit der gesamten christlichen Kirche
bekennen, daß das Kommen Jesu vor 2.000 Jashren in der Tat
der Anfang der Verwirklichung unserer Prophezeiung bedeutet.
Allerdings ist diese Verwirklichung der Herrschaft Jesu
Christi auf Erden noch nicht zum Abschluß gekommen. Darum
warten wir auf diese Vollendung. Nein, mehr- wir arbeiten
mit Jesus Christus bereits an der Verwirklichung seiner
Herrschaft, die eine Herrschaft der Gottes Furcht, der Liebe
und Gerechtigkeit, ist.
Es steht bis zur Vollendung und Verwirklichung der
Verheißung noch manches aus, es fehlt noch vieles. Darum
hofft der einzige und wahre König des Reiches des Friedens
auf unsere Mitarbeit.
So ist unser Text schon im Volke Israel ein Adventstext
gewesen, der auf Zukünftiges hinweist. So ist dieser Text
auch für uns als Christen ein Text im Advent und weist uns
auf ein Geschehen hin, das durch Jesus Christus, mit unserer
Mitarbeit, sich noch verwirklichen wird.
"Der, der aus dem Gecshlecht Davids kommt, wird ein
Königreich aufrichten, in dem recht regiert wird und Recht
und Gerechtigkeit unter den Menschen herrschen wird."