-1-Kirchenjahr bis Weihnachten 001
Lugar/Ort:Aldea Protestante

Fecha/Datum:06/12/1964
Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
Diamante, 13-12-1964
Reffino, 21-11-1965
Meroú, 21-11-1965
Camarero, 19-12-1965
Grabschental, 30-11-1968
Año Eclesiástico/Kirchenjahr:1. Advent
Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Jesaja 63, 15 - 64, 4a
Skopus: Auf dem Wege zum letzten Advent
-1-Kirchenjahr bis Weihnachten-1-Jesaja 63, 15 - 64, 4a
"So schaue nun vom Himmel und siehe herab von deiner
heiligen, herrlichen Wohnung. Wo ist nun dein Eifer, deine
Macht? Deine große, herzliche Barmherzigkeit hält sich dort
hart gegen mich. Bist du doch unser Vater; denn Abraham weiß
von uns nichts, und Israel kennt uns nicht. Du aber, Herr,
bist unser Vater und unser Erlöser; von alters her ist das
dein Name. Warum lässest du uns, Herr, irren von deinen
Wegen und unser Herz verstocken, daß wir dich nicht
fürchten? Kehre wieder um deiner Knechte willen, um der
Stämme willen deines Erbes. Sie besitzen dein heiliges Volk
schier ganz; deine Widersacher zertreten dein Heiligtum. Wir
sind geworden wie solche, über die du niemals herschtest und
die nicht nach deinem Namen genannt wurden. Ach, daß du den
Himmel zerrissest und führest herab, daß die Berge vor dir
zerflössen (wie ein heißes Wasser vom heftigen Feuer
versiedet), daß dein Name kund würde unter deinen Feinden
und die Heiden vor dir zittern müßten durch die Wunder, die
du tust, deren man sich nicht versieht, daß du herabführest
und die Berge vor dir zerflössen! Wie denn von der Welt her
nicht vernommen ist noch mit Ohren gehört, auch kein Auge
gesehen hat einen Gott außer dir, der so wohltut denen, die
auf ihn harren. Du begegnest den Fröhlichen und denen, so
Gerechtigkeit übten und auf deinen Wegen dein gedachten."

Ein Tiefpunkt ohnegleichen ist in der Geschichte des alten
Volkes Gottes, des Volkes Israel, erreicht, tiefer scheint
es nicht mehr zu gehen, noch dunkler wird es wohl nicht mehr
werden können. Das Volk als solches existiert in Freiheit
nicht mehr.
Ein Teil ist in der assyrischen und der andere Teil in der
babylonischen Gefangenschaft. Der Tempel ist zerstört, die
wenigen, die zurückgeblieben waren, lebten in einem
zertrümmerten Lande zwischen Ruinen.
In dieser Situation des Elends haben die meisten den Glauben
an Gott, den Schöpfer, verloren, den Glauben an den Gott,
der sie in besonderer Weise geliebt und sie zu seinem
Eigentum erwählt hat. Man ist an Gott irre geworden. Es ist
eben nicht unbedingt wahr, was das Sprichwort sagt:
"Not lehrt beten."
Solche dunklen und tiefen Zeiten können durchaus dazu
führen, daß einem der Glaube an Gott nichts mehr wert ist,
daß sogar der Gedanke, daß es einen Gott überhaupt geben
könne, einem Menschen vollständig unsinnig erscheint.
Leben wir heute in der Menschheitsgeschichte nicht auch in
einer Zeit, da man meint, tiefer geht es nicht mehr, dunkler
kann es nicht mehr werden?!
Zwei furchtbare und grausame Weltkriege in diesem 20.
Jahrhundert haben gezeigt, was wir Menschen nicht alles
zerstören können. Der Nationalsozialismus in Deutschland und
der Kommunismus in Rußland haben uns vor Augen geführt, wozu
wir Menschen nicht alle fähiig sind. Was für Quälereien und
Grausamkleiten haben sich Menschen in den letzten 50 Jahren
doch angetan. Was geschieht im Augenblick nicht alles an
Menschen im Kongo in Afrika.
Wir haben es fertig gebracht, die Möglichkeit zur völligten
Vernichtung nicht nur der Menschen, sondern sogar aller
Lebewesen, zu schaffen und dazu breitet sich der Unglaube
immer weiter aus. Bei den einen wird der Glaube an Jesus
Christus ganz weggeworfen und bei den anderen bleibt vom
Glauben nur noch der Name,
nur noch die Form, übrig.
Es kann uns, die wir den Glauben ernst nehemn, schon so
ergehen wie dem Propheten in unserem Text, daß wir Gott
entgegenrufen:
"Schaue doch endlich vom Himmel herab auf diese dunkle Erde.
Warum lässest du uns irren von deinen Wegen und unser Herz
verstocken. Wir sind solche geworden, die annehmen müssen,
daß wir ohne dich leben zu müssen verdammt sind."
Allerdings läßt sich der Prophet durch die Not und die
Dunkelheit und die Gottlosigkeit um ihn her nicht in den
allgemeinen Unglauben hineinziehen. Er hält fest an dem
Bekenntnis der Väter:
"Du aber, Herr, bist trotzdem unser Vater und unser Erlöser,
von altersher ist das dein Name."
Mitten in aller Not und Dunkelheit und Gottlosigkeit gibt es
doch Menschen, die es nicht vergessen, was Gott, der Herr,
bereits für sie getan hat.
Ist das nicht das größte Wunder in dieser Zeit, daß es eine
Gemeinde Gottes, eine Schar von Menschen, gibt, die sich
durch nichts davon abbringen läßt, daß Gott auch heute noch,
trotz allem, uns Menschen liebt, nicht nur einige wenige,
sondern alle, selbst die, die nicht glauben können oder
wollen, daß es ihn gibt.
Das ist das größte Wunder in dieser Zeit, daß es eine
Gemeinde Gottes gibt, die sich nicht auf Philosophien über
Gott einläßt, ob er ist oder nicht, sondern die aus einer
persönlichen Begegnung mit ihm ihn vor aller Welt bezeugt
und predigt als den, der auch heute noch, diese unsere
durcheinandergeratene Welt wieder in Ordnung bringen kann.
Diese Gemeinde bezeugt ihn als den, der diese Welt trotz
aller menschlichen Zerstörungswut wieder heil machen kann,
der aber auch nicht zu groß ist, um ein kleines
Menschenleben hier in Aldea Protestante, das unter den
Widerwärtigkeiten stöhnt und seufzt, das nicht aus- noch
ein-weiß, zu helfen.
"Du, Herr, bist unser Vater und unser Erlöser, von alters
her ist das dein Name."
Dieser Prophet als Vertreter des Gottes Volkes zeigt auf
etwas, wozu auch wir als Volk Gottes in dieser unserer Zeit
aufgerufen sind.
Er ruft Gott um Hilfe an für diese unsere Welt, die im
Dunkeln liegt, die sich selbst zerstören will, in der einer
dem anderen den Kopf einschlagen will, in der Not und Elend
herrschen, in der der Glaube immer mehr dahinschwindet:
"Ach, Herr, daß du den Himmel zerrissest und führest herab,
daß dein Name kund würde durch die Wunder, die du tust, daß
du wohl tust denen, die auf dich warten!"
Ist diese Bitte des Propheten in Erfüllung gegangen?
Ja, alle Morgen neu, ganz besonders aber da, da Gott in der
Gestalt seines Sohnes als der Mensch Jesus von Nazareth zu
uns auf diese Erde kam, um uns Menschen zu helfen. Wir haben
ein Adventslied, das nach diesem unserem Predigttext
gedichtet wurde:
"O Heiland, reiß die Himmel auf".
In diesem Liede heißt es:
"Wo bleibst du Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, o komm vom höchsten Saal,
komm, tröst uns hier im Jammertal.
Hier leiden wir die größte Not
vor Augen steht steht der ewig Tod:
Ach komm, führ uns mit starker Hand,
vom Elend zu dem Vaterland!"
Wir glauben, daß das Gebet des Propheten dort im Stalle zu
Bethlehem in Erfüllung gegangen ist. Oder wir können und
müssen besser sagen, daß dort im Stall zu Bethlehem dieses
Wort begann, sich zu erfüllen. Auf die letzte Erfüllung
gehen wir zu, denn sie steht noch aus.
Dieser unser Heiland Jesus Christus ist bereits für uns der,
der uns alle Tage neu die Hilfe schenkt, die wir für diese
unsere Zeit nötig haben, um in ihr leben zu können, um den
Lebenskampf in ihr bestehen zu können.
Aber das Licht, das für alle sichtbar, alle Dunkelheit
vertreibt, die über uns liegt, erwarten wir noch.
Es erscheint am Ende der Tage, wenn Jesus Christus in seiner
ganzen Macht und Herrlichkeit auf diese Erde zurückkommen
wird. Wenn er, der Herr kommt, dann wird alle Angst über
unsere eigene Grausamkeit und Zerstörungswut von uns
weggenommen werden, alle Unwissenheit über Gott, aber auch
alle Gottlosigkeit. Aber dann werden wir auch in aller
Klarheit erkennen, daß trotz allem Versagen wir Gottes
geliebte Kinder sind.
In dieser frohen Hoffnung gehen wir dem letzten Advent
unseres Herrn entgegen.
Je fester wir auf diesen letzten Advent schauen, desto
heller wird unser Weg durch diese dunkle Welt und desto
fröhlicher wird unser Leben.
Die Christenheit aller Erdteile und aller Jahrhunderte hat
ihre Sehnsucht nach dem wiederkommenden Herrn in dem Gebet
zum Ausdruck gebracht:
"Komm, Herr Jesus, ja, komme bald!"