Persönliche Erinnerungen und Gedanken eines 82-jährigen Pfarrers
Aufsatz 166
Lugar/Ort: Buenos Aires
Fecha/Datum:19.99
Resumen/Skopus: Aufsatz von Karl Schwittay


PERSOENLICHE ERINNERUNGEN UND GEDANKEN
eines 82-jaehrigen Pfarrers
von
Karl Schwittay


Im Jahre 1917 am Ende des ersten Weltkrieges wurde ich in
Gelsenkirchen im Industrie-Ruhrgebiet geboren.
Meine Eltern Wilhelm Schwittay und Eva geb. Kopatz kamen vom Lande
aus der Provinz Ostpreussen. Das Gebiet (Masuren) gehoert heute zu
Polen. Mein Vater arbeitete als Bergmann auf der Zeche Bonifatius
in Essen-Kray. Ich wuchs in der Familie mit weiteren 3 Schwestern
und 2 Bruedern auf. Das Ambiente bestand in einer von der
Bergwerks-Gesellschaft gebauten Siedlung mit vielen weiteren
Bergmannsfamilien, jedes Haus mit einem kleinen Garten.
Das Charakteristische war, dass sich unser Leben zwischen
Fabriken, Zechen, und Bergarbeitersiedlungen abspielte, aber immer
auch dazwischen und um uns her die immer mehr zurueckgehende
Landwirtschaft und leicht zu erreichen eine schoene Landschaft mit
Wald, Fluss und Parkanlagen zwischen Ruhr und Lippe. Meine Mutter,
die die Arbeit mit uns 6 Kindern kaum bewaeltigen konnte, liess
uns sehr viel Freiheit in der Gestaltung unseres Lebens. Mein
Vater brauchte seine Zeit nach der Arbeit, um sich von dieser
schweren Arbeit in der Grube als "Hauer vor Kohle" zu erholen.
Meine Kindheit war auch dadurch sehr stark gepraegt, dass mein
Vater "ünter Tage" einen schweren Unfall erlitt, ein massiver
Stein ueber ihm loeste sich und schlug ihn nieder. Unter groessten
Schwierigkeiten konnte er sich von seinem Wirbelsaeulenbruch
wieder erholen, aber er litt sein Leben lang darunter und war nur
bedingt arbeitsfaehig.
Wir Kinder waren in unserer Freiheit zu einer gewissen
Selbstverantwortung gezwungen und lebten sehr stark in einer
geistigen Spannung, die dadurch gekennzeichnet war, dass meine
Mutter zu einer sehr engen pietistischen Gemeinschaft gehoerte,
die nicht viel von der evangelischen Kirche wissen wollte, aber zu
ihr gehoerte.. Mein Vater war Mitglied der Sozialistischen Partei
(SPD) und Atheist, ein Bruder von mir war in der Ausbildung als
Diakon, ein anderer war Funktionaer bei der ANTIFASCHISTISCHEN
AKTION.
Mehrere Jahre nahm ich am sonntaeglichen Kindergottesdienst teil
und mit 12 Jahren begann der 2-jaehrige Konfirmandenunterricht.
Behalten von diesem Unterricht habe ich allerdings nur, dass ich
einmal als Strafe die Bergpredigt 5x abschreiben musste. Ferner
weiss ich noch,, dass wir anstelle einer Unterrichtsstunde mit dem
Pfarrer an einer Versammlung der Gottlosenbewegung teilnahmen, die
Propaganda fuer den Atheismus machte und dazu gehoerte auch die
Propaganda fuer die Feuerbestattung. Dieser Propagandazug durch
Deutschland wurde immer begleitet und auf der gleichen Versammlung
bekaempft von einem Vertreter der Evangelischen Apologetischen
Zentrale in Berlin-Spandau. Als die ersten Bierglaeser bei den
heftigen Auseinandersetzungen flogen, sagte uns unser Pfarrer,
dass wir jetzt doch den Saal verlassen muessten, es wuerde langsam
fuer uns gefaehrlich. So wenig wichtig fuer mich der
Konfirmanden-Unterricht war, so entscheidend und wichtig war fuer
mich, dass ich durch diesen Unterricht in Verbindung mit der
Evangelischen Jugend dieser Gemeinde kam, zunaechst mit der
Jungschar des Evgl. Jungmaennervereins. Unsere Stunden fanden
statt im Gemeindehaus am Markt in Gelsenkirchen-Rotthausen, 100
Meter von den Oefen der Kokerei der Zeche Dahlbusch entfernt. Oft
umgab uns bei der Loeschung der Oefen eine feuchtheisse giftgruene
Wolke. Noch 1929 gruesste uns am Eingang des Evgl. Gemeindehauses
ein Gips-Relief vom letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. Nach der
Konfirmation gehoerte ich zur Jugendgruppe und spielte mit im
Posaunenchor. Inzwischen kam die Auseinandersetzung zwischen rot
und braun. Wie oft erlebten wir es, dass in einer Woche waehrend
unserer Zusammenkuenfte wir bewusst gestoert wurden durch die
kommunistische Jugend mit ihren Schalmeien und in der anderen
Woche durch die Hitlerjugend mit ihren Fanfahren, immer auch mit
Einschlagen der Fensterscheiben verbunden. Im Kreis der
Evangelischen Jugend, die sehr mit der Gemeindearbeit verbunden
war und deren Leiter fuer uns junge Menschen sehr offen war fuer
alles, was das Leben lebenswert machte, allerdings nicht fuer den
immer maechtiger werdenden Nationalsozialismus, kam ich in der
Bibelarbeit mit Jesus Christus in Beruehrung. ER liess mich nicht
mehr los. Diese Verbindung hat auch in der Zukunft mein ganzes
Leben gepraegt und gehalten.
Nach Beendigung der Volksschule begann ich eine Lehrzeit bei der
damaligen Deutschen Reichspost. Waehrend dieser Zeit bekam ich
entscheidende Impulse fuer mein Leben, besonders was die
Behandlung mit fremdem Geld angeht. Neben diesem Dienst besuchte
ich die Kaufmaennische Berufsschule in Essen-Steele.
Was nir besonders eindruecklich beim Bibelstudium erschien, war,
dass die Nachfolge Jesu immer mit einem Ruf zu einem Dienst in
seinem Reich verbunden ist.
Bald nach meiner Konfirmation verliess mein Konfirmator die
Gemeinde und es kam der junge Pfarrer Ernst Käsemann an seine
Stelle, Mit ihm waren wir als Evangelische Jugend sehr verbunden.
Er war der Vertreter der Bekennenden Kirche und vertrat sie in
unserer Gemeinde, die ein deutsch-christliches Presbyterium hatte
und das er in einem vorher beganntgegebenen Gottesdienst
entmachtete, trotz aller Drohungen der Nationalsozialistischen
Partei und der Geheimen Staatspolizei mit Aufmaerschen der SA.
Inzwischen war ja Adolf Hitler an die Macht gekommen, der sich
oeffentlich bei der Gemeindevertreterwahl der Evangelischen Kirche
fuer die Deutschen Christen eingesetzt hatte. Diese Deutschen
Christen waren Vertreter der Ideologie des nationalsozialistischen
Parteiprogramms, die Adolf Hitler wie Jesus Christus in den
Mittelpunkt stellten. Die Folge seines Einsatzes fuer die
Bekennende Gemeinde war Pfarrer Käsemanns Verhaftung. Waehrend
seines Gefaengnisaufenthalts in Gelsenkirchen haben wir ihm an
jedem Sonntagmorgen nach dem Gottesdienst mit dem Posaunenchor vor
dem Gefaengnis Choraele gespielt, die ihm sagten, dass wir hinter
ihm stehen. Trotz allen Widerstaenden und Verhinderungsversuchen
konnten wir waehrend seines ganzen Gefaengnisaufenthalts dieses
Bekenntnis zu ihm durchhalten.
In vielen Formen wurde die evangelische Jugendarbeit gestoert und
verhindert, Freizeiten verboten und Jugendlager
auseinandergetrieben und zum Schluss alle Arbeit an der Jugend
unter 18 Jahren der Hitlerjugend ueberfuehrt und dieses alles mit
der Unterschrift des deutsch-christlichen Reichsbischofs Müller.
Wir als Evgl. Jugend von Gelsenkirchen-Rotthausen nahmen an dieser
Ueberfuehrung nicht teil, sondern fuehrten unsere Arbeit geheim
weiter, aber jetzt unter der ausschliesslichen Schirmherrschaft
der Bekennenden Kirche als kirchlichen Unterricht.
Inzwischen hatte ich durch meine Arbeit bei der Post in Essen-Kray
den Kontakt mit der Bekenntnisgemeinde dort aufgenommen. Auch da
war der Kirchenkampf im vollen Gange. Es kam zu einem persoenlich
Kontakt mit dem Bekenntnispfarrer Hack, dem vom
deutsch-christlichen Presbyterium die Kirche fuer den Gottesdienst
verschlossen blieb, trotzdem wurden die Gottesdienste gehalten,
nun aber in anderen Saelen, immer an anderen Stellen.
Die evgl. Gemeinde Gelsenkirchen-Rotthausen gehoert zur
westfaelischen Landeskirche und ist uniert-lutherisch gepraegt,
die evangelische Gemeinde in Essen-Kray war Teil der rheinischen
Landeskirche und ist uniert-reformiert. In der schwierigsten Zeit
hat oft Pfarrer Heinrich Held aus Essen-Rüttenscheid hier den
Gottesdienst gehalten, der, was wir spaeter erfahren haben,
waehrend der ganzen Nazizeit unter groesster eigener Gefahr und
der seiner Familie den ehemaligen juedischen Mitarbeiter des
Oberbuergermeisters von Essen im Pfarrhaus versteckt gehalten
hat. Pfarrer Heinrich Held (1897-1954), Pfarrer in
Essen-Rüttenscheid. Nach dem Kriege Kirchenpräsident der Evgl.
Kirche von Rheinland, Vater des ehemaligen Präsidenten unserer
Evangelischen Kirche am La Plata.
In der Gemeinde Essen-Kray kam ich auch in einen engen Kontakt mit
einem pensionierten Missionar der Basler Mission, Georg Kehrer,
und seiner Tochter, einer aus China heimgekehrten
Missionsaerztin, die nun hier am Ort ihre Praxis ausuebte.
Ebenfalls entstand ein sehr freundschaftliches Verhaeltnis mit der
Familie meiner spaeteren Frau. Ich wurde zu ihrer Konfirmation
als 13 jaehriges Maedchen eingeladen, die am Weihnachtstag 1939
stattfand, unvorhergesehen in der Nachbargemeinde Essen-Steele,
und zwar durch den Superintendenten von Essen, weil ihr Pastor
Hack kurz vorher von der Geheimen Staatspolizei Redeverbot fuer
ganz Deutschland bekommen hatte. Er war aber bei der Konfirmation
dabei. Der Superintendent war gewissermassen sein Mund.
Dieses mein Verhaeltnis zur Evangelischen Jugend und zur
Bekennenden Kirche konnte meiner vorgesetzten Behoerde nicht
verborgen bleiben. Ich galt als einer, "der sich nicht
rueckhaltlos fuer den nationalsozialistischen Staat einsetzen
wuerde", auch wurde ich nicht zur Pruefung zugelassen.
Als solch ein unsicherer Kandidat wurde ich zu einem 14-taegigen
Kursus vom Amt fuer Beamte der NSDAP zur Gauschulungsburg
Muehlheim/Ruhr-Menden einberufen, der speziell fuer Beamte des
Staates der verschiedenen Arbeitsgebiete und Laufbahnen gedacht
war, die verdaechtig waren, sich nicht rueckhaltlos fuer den
NS-Staat einzusetzen. Hier waren wir zu ungefaehr 50 Beamten und
Beamtenanwaerter. Es begann eine radikale Doktrinierung in der
nationalsozialistischen Weltanschauung, besonders aber in der
Rassenlehre, bzw. im Rassenhass und in der Herausstellung des
Gegensatzes zum christlichen Glauben. Was mir noch in Erinnerung
geblieben ist:
"Die 10 Gebote sind so viel Wert wie der Dreck unter den
Fingernaegeln."
"Die Geschichte vom Getreidewucherer Josef."
Auf einem Ausmarsch:
"Kopf hoch, Kameraden, Jesus lebt, sehr Ihr nicht, wie er gerade
gen Himmel auffaehrt?"
Ein Beispiel des politischen Denkens gerade in der Zeit der
internationalen Muenchener Konferenz ueber das Sudetenland und
ueber die Tschechoslowakei:
"Weh Euch,, wenn Ihr in dieser Zeit wagt, zu sagen, dass bald die
deutsche Fahne ueber Prag und ganz Tschechoslowakei wehen wird,
wehe aber Euch auch, wenn Ihr nicht glaubt, dass bald die deutsche
Fahne ueber Prag wehen wird.!"
Als Fazit dieses Kursus wurde uns allen mitgegeben, dass daran
nicht zu ruetteln sei, dass als Beamter des
nationalsozialistischen Staates nur der tragbar sei, der
rueckhaltlos die nationalsozialistische Weltanschauung akzeptiert
und dafuer eintritt. Wer das nicht tun kann oder nicht tun will,
der muesse sich schon eine andere Lebensstellung suchen.
Fuer mich war da die Entscheidung klar:
Ich hatte schon erwaehnt, dass bei meiner Entscheidung fuer Jesus
diese verbunden war mit einem Dienst in der Nachfolge.
In der Zeit, da ich Klarheit brauchte fuer meinen Weg, kam ich
durch Schriften und Buechern und Missisonskonferenzen und
-vortraegen mit dem Missionsauftrag in Beruehrung und suchte
Kontakte mit verschiedenen Missions-Gesellschaften. Ich dachte
damals an China als Arbeitsfeld und als Begegnung mit Chinas
Kultur. Es kam dann zu vielen persoenlichen Kontakten mit der
Rheinischen Mission in Wuppertal-Barmen.Und schliesslich fuehrten
diese Kontakte dazu, dass ich nach meiner Volljaehrigkeit und nach
Ueberwindung mancherlei Schwierigkeiten am 1. April 1939 in das
Rheinische Missions-Seminar in Wuppertal-Barmen eintrat, das auch
durch die Bekenntnisbewegung gepraegt war. Leider dauerte dieser
Einstieg nicht lange, da ich schon im Februar 1940 zum
Kriegsdienst eingezogen wurde.
Wenn auch die Zeit des Anfangs des Theologiestudiums nur sehr kurz
war, hatte sie mir doch in einer gewissen Weise eine Grundlage
geschaffen, um meinen Glauben auch beim Militaerdienst, den ich im
Innersten meines Herzens ablehnte, nicht nur wegen des Missbrauchs
durch Hitler, und ihn wie ein deutscher Dichter, als
STAATSTIERDRILLANSTALT empfand und verstand, zu bewahren und zu
staerken. Gleichfalls gab mir diese theologische Grundlage die
Moeglichkeit, weiter an der theologisch-wissenschaftlichen
Erfassung des christlichen Glaubens, der durch den Pietismus und
durch die kirchliche Verkuendigung gepraegt war, zu arbeiten. Da
ich als Soldat bei der Nachrichtentruppe war, blieb mir viel Zeit,
besonders Karl Barth und Rudolf Bultmann zu lesen. Und es gab
innerhalb der Kompanie viele Kontakte und Gespraeche, da wir zun
groessten Teil mit Akademikern der verschiedensten Auspraegungen
zusammengesetzt waren, darunter 5 Pfarrer.
Der Krieg fuehrte mich zuerst nach Koenigsberg in Ostpreussen. Von
dort ueber den Truppen-Uebungsplatz Arys nach Luxemburg, Holland,
Belgien und Frankreich. Nach Beendigung des Frankreich-Feldzuges
ging es wieder zurueck nach Ostpreussen und nach einer Ruhepause
mit Beginn des Russlandkrieges ueber Litauen, Lettland, Estland
nach Russland in die Naehe der Stadt ((damals) Leningrad. Durch
das Erlebte, was ein Krieg alles verursachte, besonders bei der
Zivilbevoelkerung, wuchs noch mehr meine Aversion und mein
Widerstand gegen jede Form von Kriegshandlungen, die mich
veranlasste, eine Moeglichkeit der Vorbereitung fuer eine hoehere
Karriere bei den Soldaten abzulehnen, und die mich auch durch
Aeusserungen vor Kameraden vor ein Kriegsgericht in
Krasnogwardeisk bei Leningrad brachte, das allerdings wohlwollend
vor der Verhandlung mich unterrichtete, was ich sagen muesste,
damit ich nicht wegen Meuterei verurteilt wuerde. Mein
Kompaniechef war extra direkt von der Front im haertesten Winter
zur Gerichtsverhandlung gekommen, um fuer mich zu sprechen. Er
besuchte mich auch vorher in meiner Zelle. Das Schwerste fuer mich
allerdings war das Gespraech mit einem zum Tode verurteilten
Kameraden, den ich nach meinem Freispruch zu einer aerztlichen
Untersuchung in ein Lazarett begleiten musste. Das Gespraech habe
ich nicht mehr in meinem Leben vergessen koennen.
Schon bei der Vorbereitung fuer den Russlandkrieg wurde eine
Gruppe unserer Funkkompanie fuer den Abhorchdienst des russischen
Militaerfunks ausgebildet, zu der ich auch gehoerte, die dann in
Russland selbst ihren Dienst etwas hinter der direkten Front
versah. Das gab mir die Moeglichkeit, direkt in Verbindung mit der
russischen Bevoelkerung die russische Sprache zu erlernen.
Trotzdem waren die Jahre bis zu unserer Kapitulation nur schwer zu
ertragen. Sie erreichte uns eingeschlosen im Kurlandkessel
(Lettland).
Wir wurden als Gruppe von unserem Offizier zu einem offiziellen
Akt zusammengerufen, nach dem wir noch alle Fahrzeuge, Waffen und
Spezialgeraete fuer die Uebergabe reinigen mussten. Uns wurden die
Wehrpaesse uebergeben und mitgeteilt, dass wir mit diesem Tage aus
dem Dienst der Deutschen Wehrmacht entlassen seien und jetzt
machen koennten, was wir wollten. Auf uns warteten schon die
russischen Soldaten.
Und so endete fuer mich eine 5-jaehrige Kriegsdienstzeit und es
begann in verschiedener Hinsicht eine noch schwerere 2-jaehrige
Kriegsgefangenschaft. Von Kurland aus ging es langsam Woche fuer
Woche, zuerst zu Fuss und dann mit der Eisenbahn, von einem Lager
zum anderen, weiter in Richtung Moskau. Solch ein Lager bestand
meistens aus einem Stueck freien Feldes, umzaeunt von Stacheldraht
und weiter nichts. Schliesslich kamen wir da an, wo wir
hinsollten, in dem Lager ELECTROSTAL bei Moskau.
Auf diesen letzten Wegen wurden wir "gefilzt", das heisst, uns
wurden nach und nach alle wertvollen Sachen abgenommen. Sonst
wurden wir nicht so schlecht behandelt, wenigstens nicht so, wie
wir Deutsche die russischen Kriegsgefangenen behandelt hatten.
Wir dachten, dass das Kriegsgefangenenlager Electrostal bereits
fuer unsere Ankunft vorbereitet gewesen sei, leider mussten wir
das gesamte Lager erst aufbauen. Wir wohnten bis in den Winter
hinein auf freiem Felde und dann in Zelten. Dazu gehoerte
ebenfalls, dass wir in der ersten ganzen Woche ohne irgendwelche
Nahrungsmittel blieben. Man sagte, wir seien zu frueh angekommen,
sie haetten mit uns noch nicht gerechnet.
Wir hatten in den kommenden Wochen und Monaten immer Hunger. Man
schob die Schuld auf die Nordamerikaner. Sie haetten nach der
deutschen Kapitulation alle Nahrungsmittellieferungen an Russland
eingestellt. Oft haben uns gestohlene Kartoffelschalen, die wir
gebraten hatten, sehr gut geschmeckt, wenn wir sie nur immer
haetten kriegen koennen. Wir konnten den uns umgebenden Russen
keine Schuld geben, da sie selber Hunger litten. Ihre Verpflegung
war in den meisten Faellen noch schlechter als unsere. Auch
konnten sie sich Kino und Sauna nicht leisten, was wir alle 14
Tage hatten.
Was uns Kriegsgefangene allerdings sehr stark bedrueckte, war,
dass wir lange Zeit ohne Nachricht aus der Heimat blieben, am
Anfang konnten wir selbst an unsere Familien nicht schreiben. Eine
Heimkehr schien uns unbestimmt in weiter Ferne zu liegen.
So bereiteten wir, ein Kamerad und ich, unsere Flucht vor, die uns
ueber Gorki die Wolga hinunterfuehren sollte, und ueber den
Kaukasus weiter in die Tuerkei. Wir kamen aber nicht sehr weit.
Bei der Ueberquerung der Moskwa, wurden wir wieder gefangen
genommen und von einer Bahnstation zur anderen langsam ins
Polizeipraesidium nach Moskau gebracht. Auch hier, wie bis zur
Rueckfuehrung in unser bisheriges Lage wurden wir sehr tolereant
behandelt, im Gegensatz zu der Behandlung vieler anderer
Kriegsgefangenen in der selben Situation an anderen Orrten. Das
Schlimmste war, dass man mir meine kleine Bibel wegnahm, die ich
erst im naechsten Lager von einem Kameraden, mit dem ich viele
Gespraeche fuehrte, ein Mitglied der "Ernsten Bibelforscher", der
fuer den Ruecktransport vorgesehen war, fuer ein halbes Brot
ersetzen konnte.
In einem Schauprozess vor dem ganzen Lager wurden wir zu 30
Jahren Zwangsarbeit am noerdlichen Eismeer verurteilt. Fuer mich
selbst war es klar, dass dieser Schauprozess nur eine Farce war.
Fuer uns war wichtig und lebenssrettend, dass die russische
Feldschererin (Krankenpflegerin) des Lagers, oft im Widerstand
gegen den Lagerkommandanten, dafuer sorgte, dass wir
menschenwuerdig behandelt wurden. Sie sorgte dafuer, dass wir uns
nach der Flucht auf der Krankenstube mit einer besseren
Verpflegung wieder erholen konnten.
Nach unserem Abtransport zum "noerdlichen Eismeer" landeten wir
schon bald nach 30 km in einem Straflager, in dem es keine
Fluchtmoeglichkeit mehr gab. Die schwere Arbeit in einem
Steinbruch verbrauchte voellig unsere Kraefte. Wir Kriegsgefangene
wurden fast taeglich mit der Mahnung der russischen Regierung
konfrontiert, dass wir zum Aufbau des von uns zerstoerten Landes
dabehalten worden sind. Wir sollten wieder das in Ordnung bringen,
was wir zerstoert hatten und das war tatsaechlich fast das ganze
Gebiet westlich von Moskau.
In Electrostal haben wir ganze Ortsteile neu aufgebaut, im
Steinbruchlager haben wir Kalksteine gebrochen zur Herstellung von
Zement und in einem weiteren Lager haben wir Ziegelsteine
gebrannt.
Trotz der nachlassenden Kraefte wegen der schweren Arbeit ohne die
noetige Nachricht aus der Heimat, wurde ich am Weihnachsfest 1946
von meinen Kameraden gebeten, eine weihnachtliche Ansprache zu
halten. Ich tat es mit dem Wort des Philipperbriefes 4,4:
"Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich euch:
Freuet euch!"
Einen Tag spaeter wurde ich von der Antifa-Gruppe, die aus
kommunistischen deutschen Kriegsgefangenen bestand, angeklagt,
weil ich durch meine Weihnachtsansprache den anderen Gefangenen
etwas von einer besseren Zukunft vorgegaukelt haette, statt sie
aufzufordern, besser am Aufbau des russischen Landes
mitzuarbeiten.
Eine weitere Verlegung brachte mich in ein Lager, das bestimmt
war, Ziegelsteine zu brennen. Hier arbeiteten wir zusammen mit den
russischen Arbeitern und Arbeiterinnen, besonders russische
Maedchen wurden zu den schwersten Arbeiten am heissen Ringofen
herangezogen. Hier kamen wir in einen richtigen Kontakt mit der
russischen Zivilbevoelkerung. Fuer uns kam auf der einen Seite die
Zeit der schwersten korperlichen Erschoepfung, einer nach dem
andern brach zusammen und wurde Dystrophie geschrieben und fuer
eine Zeit von der Arbeit befreit. Dazu gehoerte auch ich. Und als
Kranke bekamen wir eine etwas bessere Verpflegung. Auf der anderen
Seite begann nach so langer Zeit die Moeglichkeit der Verbindung
und des brieflichen Kontaktes mit unseren Familien in der Heimat,
wenn auch nur spaerlich.
Da ich mich nach einer laengeren Zeit in meiner koerperlichen
Schwaeche nicht erholte, kam dann schliesslich im Juli 1947 total
geschwaecht (43 kg Koerpergewicht) der Heimtransport im Viehwagen.
Hier, bei der Ankunft, erfuhr ich, dass mein Vater inzwischen mit
anderen bei einem Brand ums Leben gekommen war. Meine Mutter tat
alles, dass ich wieder zu Kraeften kam. Sie verkaufte Gegenstaende
aus unserem Haushalt, um mein Essen zu verbessern und hat oft
selbst um meinetwegen gehungert.
Aber das war das ganz Aussergewoehnliche in dieser Zeit, das mich
sehr schnell wieder auf die Beine brachte, dass meine spaetere
Frau, Esther Meier, trotz der langen Ungewissheit, auf mich
gewartet hatte und das Einleben nach 5 Jahren Soldaten- und 2
Jahren Kriegsgefangenenzeit nicht nur erleichtert, sondern erst
ueberhaujpt ermoeglicht hatte.
So konnte ich schon Ende August 1947 ganz neu und ganz von vorne
wieder das Theologiestudium am Missisonsseminar in
Wuppertal-Barmen, das inzwischen im engen Kontakt mit der Kirchl.
Theol. Hochschule im selben Gebaeudekomplex stand, beginnen.
Die erste Zeit war nicht leicht und wenn das Essen absolut nicht
mehr ausreichte, mussten einige von uns aufs Land ins
pietisrtische Siegerland fahren und dort Gottsdienste halten. Das
Ergebnis war dann meistens ein Eisenbahnwagon voll mit Kartoffeln
und anderen landwirtschaftlichen Produkten, sodass fuer eine Zeit
die schlimmste Not im Seminar behoben war. Wir nannten diese
Predigten Kartoffelpredigten.
Es war fuer mich nicht leicht, nach den vergangenen 7 Jahren
wieder das Studium zu beginnen, besonders mit den 3 alten
Sprachen. Das Eigenartige war, dass ich in den ersten Monaten
meistens bei den Vorlesungen und beim Unterricht und bei der
Erlernung der Sprachen, wozu auch noch Englisch kam, einschlief
und auch wirklich geschlafen habe. Meine Studienkollegen, die 10
Jahre juenger waren, haben mich oft wecken muessen. Sie sagten
mir spaeter, dass sie nicht gedacht haetten, dass ich noch einmal
ans Ende kommen wuerde. Aber am Ende waren bei mir die Ergebnisse
der Studien nicht schlechter als bei ihnen auch. Ich weiss heute
selbst nicht, wie das moeglich sein konnte, aber es gibt ja das
Sprichwort:
"Der Herr gibt es den Seinen im Schlaf."
Meine Verlobte stand bei meiner Heimkehr bereits im Schlussexamen
an der Bibelschule in Bad Salzuflen. Als sie die Nachricht von mir
bekam, dass ich auf dem Wege nach Hause sei, war sie gerade bei
der schriftlichen Arbeit ueber "Rechtfertigung nach dem
Roemerbief", die ihr Schwierigkeiten bereitete und war dann durch
meine Nachricht so beflueget, dass sie doch noch eine sehr gute
Arbeit schreiben konnte. Sie arbeitete dann in der Gemeinde
Duisburg als Gemeindehelferin. Sie hatte nach dem Abitur Musik
studieren wollen, war aber durch die Begegnung mit mir auch zur
Theologie gekommen.
Ich kann wohl sagen, dass insgesamt die 4 Jahre meines Studiums
eine sehr schoene Zeit gewesen war. Die Vorlesungen ueber das Neue
Testament durch Dr. Georg Eichholz und ueber das Alte Testament
von Dr. Hans Walter Wolff haben mir die Botschaft der Heiligen
Schrift immer wichtiger werden lassen, als Massstab fuer das
kirchliche, aber auch fuer das soziale und politische und
persoenliche Leben.
Man darf nicht vergessen, dass das ganze oeffentliche Leben in
Deutschland, das von den Alliierten und den Russen besetzt war,
vor der Notwendigkeit stand, das verbrecherische Geschehen des
besiegten Naziregimes aufzuarbeiten, wie Judenverfolgung und
-mord, die nicht nach Recht und Gerechtigkeit fragende Diktatur
und die in der ganzen Welt verursachten Schaeden und Zerstoerungen
und die Millionen von Kriegstoten und
-verletzten auf allen Seiten, Das alles scheint bis heute beim
Jahrtausendwechsel nicht abgecshlossen zu sein. Und diese fuer
Millionen von Menschen entsetzliche und grausame Zeit der Diktatur
wird wohl nie aus der deutschen Geschichte geloescht werden
koennen und kaum einer von uns Deutschen, die damals in
Deutschland gelebt haben, kann behaupten, dass er voellig
schuldlos durch diese Zeit gegangen ist.
Es schien nun so zu sein, dass im Angesicht dessen, was durch uns
Deutsche geschehen war, in Deutschland nach der Niederlage wieder
mehr auf das Wort Gottes gehoert wurde, was auch dazu fuehrte,
dass dadurch das Grundgesetz (Verfassung) der Bonner Republik
mitgepraegt wurde. Das zeigte zum Beispiel unter anderem die
Bestimmung, dass kein Deutscher mehr gegen sein Gewissen zum
Kriegsdienst herangezogen werden durfte. Gerade das war schon
noetig. Da die Alliierten schon bald die Deutschen bedraengten,
wieder ein Heer aufzustellen und unter ihrer Fuehrung mit ihnen
ein Bollwerk zu bilden gegen die russische Sowjetunion, die ja
ebenfalls ein grosses Gebiet Deutschlands besetzt hielt.
In dem Zeitraum des Theologiestudiums nach dem Kriege wurde der
Schwerpunkt der Theologie immer mehr von Karl Barth auf Rudolf
Bultmann und seine Schule gelegt, was nach meinem Ermessen eine
groessere und erweiterte Moeglichkeit gab, auf die Probleme dieser
Welt und des Menschen in dieser Welt einzugehen. Ich sehe auch
darin die Voraussetzung der spaeter aufkommenden
lateinamerikanischen Theologie der Befreiung. Es ging also nicht
mehr darum, das Evangelium vor den Unbilden oder vor dem Hass der
Welt zu schuetzen und rein zu erhalten, sondern darum, die
konkreten Noete der Menschen in dieser Welt ernst zu nehmen und
sie mit dem Evangelium zu konfrontieren und von daher eine Hilfe
zu erwarten. Dieses machte sich selbstverstaendlich auch bald
deutlich in den Gottesdiensten und in der ganzen Gemeindearbeit
und fuehrte in Deutschland zur Bildung der sogenannten
"Bekenntnisbewegung", die Front machte gegen die neue
Theologengeneration.
Leider wurden auf dem konfessionellen Gebiet die Erfahrungen der
Bekenntnisgemeinden waehrend der nationalsozialistischen Diktatur
nicht beachtet und die neue Ordnung der Evangelischen Kirche
gestaltete sich in einer restaurativen Weise. Es setzte dabei der
fanatische Kampf der lutherischen Landeskirchen ein, die gesamte
Evangelische Kirche in Deutschland, die zusammengesetzt ist aus
lutherischen, unierten und reformierten Gemeinden, zu einer
evangelisch-lutherischen Kirche umzuformen, was ihnen allerdings
nicht gelang. Dieser Versuch ist allerdings bis heute noch nicht
beendet und hat seine Auswirkungen bis in unsere Kirche am La
Plata.
Ob die lutherischen Landeskirchen besonders damit kompensieren
wollten und wollen, dass sie mit dem Verstaendnis der lutherischen
Bekenntnisschriften (Zweireichelehre zum Beisspiel) die
Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Staat nicht in
der gebotenen Weise haben fuehren koennen oder wollen?
Vergessen kann ich nicht, dass bei einer Tagung von
Theologiestudenten verschiedener Universitaeten und
Missionsseminare es unmoeglich war, das Heilige Abendmahl
gemeinsam zu feiern, weil es den lutherischen Studenten von ihren
kirchlichen Autoritaeten verboten war, selbst auch mit den
unierten Lutheranern, zu denen ich mich selbst zaehle, gemeinsam
am Abendmahl teilzunehmen.
Waehrend des Studiums nahm ich an verschiedenen Kursen ueber
Psychologie und Seelsorge und auch ueber psychosomatische Medizin
teil. Jeder von uns hatte in seiner Obhut einen
Kindergottesdienst, oder leitete eine Bibelstunde oder einen
Jugendkreis in Wuppertal oder in der naeheren Umgebung des
Bergischen Landes. Wir suchten auch Kontakte und Gespraeche mit
den zahlreich entstandenen evangelischen Kreisen, die ins
Seketierertum abzugleiten schienen.
Ende Oktober 1951, nun nach dem Schlussexamen, waren wir, meine
Verlobte und ich, sehr froh, weil wir dachten, bald nach einem
Vikariat im Siegerland, an unsere vorgesehene Arbeit auf einer
Missionsstation in Suedwestafrika (jetzt: NAMIBIA) gemeinsam gehen
zu koennen. Leider kam es zum Bruch mit der Missionsleitung, weil
wir nicht akzeptierten, dass wir nach der langen Verlobungszeit
und ich schon mit 34 Jahren noch mit der Heirat warten sollten,
bis sie das erlaubte, eventuell sollte meine Verlobte erst nach
einer gewissen Zeit nach Afrika nachkommen. Wir heirateten am 19.
November 1951.
Trotz aller Schwierigkeiten der Missionsleitung setzte mich der
Superintendent meiner Heimatsynode, Ernst Kluge, schon gleich im
Januar 1952, in eine Vikarsstelle in der Gemeinde
Gelsenkirchen-Buer-Hassel/ Westfaelische Landeskirche ein. Hier
lernte ich, was es heisst, pfarramtlichen Dienst in einer
Bergarbeitergemeinde zu versehen, die immer noch schwere Not unter
den Folgen des Krieges litt und die aus ihrer Ablehnung jeglicher
kirchlichen Arbeit keinen Hehl machte, wohl in Notfaellen Hilfe
forderte und in Anspruch nahm. Mit dem Ortspfarerr hatte ich ein
sehr feines und vertrauensvolles Verhaeltnis und eine gute
Zusammenarbeit und als Vikar wurde ich zu allen pfarramtlichen
Diensten herangezogen, ausser Abendmahlsfeiern und Konfirmationen,
die waren den ordinierten Pfarrern vorbehalten. Besonders schwer
war die Arbeit mit den jugendlichen Bergarbeitern. Ich gab auch
Religionsunterricht an der bergmaennischen Berufsschule. Man
brauchte viel Geduld, um mit ihnen in einen naeheren Kontakt zu
kommen . Als ich am Anfang einer neuen Jugendarbeit mit ihnen die
Bibel aus meiner Aktentasche holen wollte, sagten sie mir
einstimmig, ich solle die "Schwarte" (altes wertloses Buch) ruhig
wieder einstecken, da stehe fuer sie als Jungbergleute doch nichts
drin. Erst nach einem mehrmonatigen Miteinander mit Spielen,
Waelzen von Problemen und Freizeiten und Radtouren und
Wanderungen, kam auf einmal von den jungen Leute die Frage, wie es
denn komme, dass sie, trotzdem sie eine evangelische Jugendgruppe
seien , von mir als als einem Geistlichen noch nichts von Jesus
gehoert haetten. Und jetzt, da die Frage von ihnen selbst kam, war
der Weg zu einer intensiven und fruchtbringenden Bibelarbeit nicht
nur moeglich, sondern erwuenscht, sie wollten in mir zuerst den
Menschen kennen lernen. Wozu diese Jugend in der
Bergamannssiedlung allerdings auch faehig war, erzaehlte mir der
junge katholische Kaplan aus unserem Ortsteil. Er und ich hatten
einen sehr guten Kontakt miteinander und lasen woechentlich einmal
am Abend das griechische Neue Testament und suchten dabei eine von
uns beiden akzeptierbare Erklaerung. An einem Abend kam er voellig
zerstoert zu unserem Treffen und fragte mich, was er da machen
koenne? Er hatte eine Jugendgruppe, die sich in der Sakristei
seiner Kirche versammelte. Er komme direkt daher. Als er an dem
selben sehr kalten und frostigen Tage hinging. - was hatten die
Jugendlichen da gemacht? Die Sakristei konnte wohl geheizt werden,
aber es fehlte das Heizmaterial, die Gemeinde hatte kein Geld
dafuer. Weil nun die Jugendlichen nicht frieren wollten, hatten
sie inzwischen die Tuer von der Sakristei zur Kirche herausgehoben
und fingen an, sie zu zerschlagen und damit den Ofen zu heizen.
Die Tuer war schon zur Haelfte verfeuert.
Ich wusste tatsaechlich fuer ihn auch keinen Rat in diesem
Augenblick.
Meine Frau hatte inzwischen eine Krankenpflegeausbildung in
Bielefeld wegen einer Erkrankung abbrechen muessen und arbeitete
inzwischen wieder als Gemeindehelferin in Gelsenkirchen-Schalke,
ebenfalls in einer Arbeitergemeuinde. Hier waren es
Fabrikarbeiter. Unter ihrer Verantwortung standen besonders die
Jugendlichen und die Frauengruppe und die chorische Arbeit.
Gelsenkirchen-Schalke hatte damals den Ruf wie heute hier der
Ortsteil BOCA von Buenos Aires. Bekannt war dieser Ort in ganz
Europa durch den Fussballklub SCHALKE O4. - Jetzt werden bei mir
die Spannungen in meiner Familie zwischen Boca und River aktuell.-
Am 30. Oktober 1954 wurde ich durch den Superintendenten Ernst
Kluge in Gelsenkirchen-Buer-Hassel ordiniert.

(Kirchenjahr 1953/54 - 30 - Apostelgeschichte 4, 32 - 35 -
Ordinationspredigt
"Die Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; auch
keiner sagte von seinen Gütern, daß sie sein wären, sondern es war
ihnen alles gemein. Und mit großer Kraft gaben die Apostel Zeugnis
von der Auferstehung des Herrn Jesu, und war große Gnade bei ihnen
allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wie
viel ihrer waren, die da Äcker oder Häuser hatten, die verkauften
sie und brachten das Geld des verkauften Guts und legten es zu der
Apostel Füßen; und man gab einem jeglichen, was ihm not war."

"Die Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele."
Dieser Satz der Apostelgeschichte, der das Leben der Urgemeinde zu
Jerusalem kennzeichnet, hat in der Geschichte unserer
Evangelischen Kirche viel heillose Unruhe, aber auch ein neues
gesegnetes Fragen nach der Echtheit der christlichen Gemeinde
inmitten dieser Welt gebracht. Denn das müßte doch wohl klar sein,
daß mit den Worten
"Die Menge aber der Gläubigen,"
nicht irgendeine selbstgeformte Vereinigung frommer und gläubiger
Seelen gemeint ist, auch nicht eine Vereinigung, in der sich
Menschen mit religiösen, vielleicht sehr tief religiösen
Interessen treffen. Wenn das so wäre, wie könnte sich solch eine
Gruppe, mag sie noch so christliche Namen tragen, unterscheiden
von den vielen Gruppen ringsum im Land, vom Fußballverein und
Kegelklub angefangen bis hin zum Kaninchenzüchter- oder
Großmütterverein und Nachbarschafts-Kaffeekränzchen. Wir haben
beileibe nichts gegen eine solche Vereinigung, zumal jeder
Deutsche am liebsten einen eigenen Verein bilden würde, in dem er
Vorsitzender, Kassierer, Organisator und einfaches Mitglied in
einer Person wäre. Nein, mit den Worten
"Die Menge aber der Gläubigen",
wird etwas grundsätzlich anderes gemeint als eine
Interessengemeinschaft oder irgendein Verein. Es wird damit die
Gemeinde Jesu Christi gemeint, die wir Menschen, auch wir
Christen, nicht bilden oder gründen können, sondern zu der wir
immer nur hinzugetan werden können, wie es beim Pfingstwunder
heißt:
"Und es wurden hinzugetan an dem Tage bei 3.ooo Menschen".
Von dieser Gemeinde Jesu Christi dort in Jerusalem wird uns durch
unseren Text bezeugt, daß sie
"ein Herz und eine Seele"
gewesen war.
Unwillkürlich legt sich dann sofort die Frage auf uns, gerade auch
auf uns hier in Hassel:
Sind wir in den vergangenen Jahren als Gemeinde Jesu Christi
"ein Herz und eine Seele"
gewesen? Ach, wieviel Not bricht doch da unter uns auf. Und wir
alle müßten uns gegenüber dieser Gemeinde zu Jerusalem in Grund
und Boden schämen, nein, gegenüber dem Herrn der Kirche Jesu
Christi. Und gerade für uns als die so angefochtene Gemeinde kommt
alles darauf an, daß es von uns heißen darf:
"Die Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele".
Aber dieses kann man nicht machen, so wie man etwa einem Haufen
Menschen eine einheitliche Uniform geben kann und schon wird dann
von einer Soldateneinheit gesprochen. Wenn einem schon über diesem
angeführten Einheitsbeispiel ein Grauen und ein Ekel ankommt,
wieviel gefährlicher wird es für die Gemeinde, wenn von
menschlicher Seite versucht wird, diese Einheit, von der in
unserem Text die Rede ist, selbst machen zu wollen. Nur solange
zum Beispiel die Bemühungen der Weltkirchenkonferenz dahingehen,
die Einheit geschenkt zu erhalten, solange steht dieses Bemühen in
der Tat unter einer großen Verheißung.
Aber im allgemeinen steckt bei uns allen das Bestreben, durch
unser eigenes Tun zu erreichen, was von einer Gemeinde gesagt
werden kann:
"ein Herz und eine Seele"
zu sein.
Da versucht der Pfarrer die Gemeinde nach einem Einheitsbilde zu
formen, das er sich selbst in seinem Kopf zurecht gemacht hat und
wehe, wer sich seinem Einheitsstreben entgegensetzt. Oder da
versucht ein Gemeindeglied oder Presbyter, sein erträumtes
Einheitsbild zu verwirklichen und wird gerade dadurch zu einem
Hemmnis oder sogar zu einem Zerstörer der echten Einheit.
Gerade das vergangene Jahrhundert war in besonderer Weise der
Versuch, auf menschliche Art zu erreichen, was in Jerusalem ein
Geschenk war,
"ein Herz und eine Seele"
zu sein. Und das Ergebnis war eine Zersplitterung und eine
Absonderung nach der anderen, Sekten ohne Zahl. Vielleicht kann
man die vielen Jahrhundertfeiern in dieser Zeit auch einmal von
solch einer Warte aus ansehen.
Jeder meinte zu wissen, wie ein Christ aussehen und leben muß,
damit er die Einheit verwirkliche. Wer solch einer Idealgestalt
eines Christen nicht entsprach, dem wurde sein Christsein
abgesprochen oder es wurde ein neues christliches Grüppchen
gebildet. Dieses vergangene Jahrhundert ist noch nicht abgetan,
sondern ragt noch bis in das heutige Leben unserer Gemeinden
hinein und fordert die Erfüllung bestimmter Glaubens- und
christlicher Lebensregeln. Manch eine Gemeinde ist schon über
solch einen Einheitsversuch in die Brüche gegangen. Oft sogar ist
gerade unsere Bibelstelle von dem
"einen Herzen und der einen Seele"
zum Aushängeschild dieses menschlichen Tuns geworden. Auf den
ersten Blick könnten wir es vielleicht auch annehmen, da doch die
beiden Worte HERZ und SEELE uns direkt dazu verleiten, an die
Christen heranzutreten:
Schaffe du es selbst, schafft ihr es selbst als Gemeinde!
Aber der Schreiber der Apostelgeschichte gebraucht die Worte Herz
und Seele in der Weise, daß er bezeugt, daß da die Einheit der
Gemeinde geschenkt worden ist, das da wirklich von einer Gemeinde
als von einem Herzen und von einer Seele gesprochen werden kann,
wo diese Gemeinde einen Mittelpunkt hat, der ihr das Gepräge gibt
und wo diese Gemeinde den bestimmten Grundstein besitzt, auf dem
sie erbaut ist.
In diesem Mittelpunkt und auf diesem Grundstein ruht die Einheit
der Kirche. Jetzt kann es für uns doch keine Frage mehr sein,
worin die Einheit der Kirche, die Einheit einer Ortsgemeinde, die
Einheit der Kirchen in der weiten Welt liegt, in Jesus Christus,
dem auferstandenen Herrn, Herrscher Himmels und der Erden.
Wo Jesus Christus Mittelpunkt und Grundstein einer Gemeinde ist,
da kann auch heute noch von einer Gemeinde gesagt werden:
"Die Menge aber der Gläubiugen war ein Herz und eine Seele."
Wenn dieser lebendige Herr Jesus Christus auch heute hier in
diesem Gottesdienst Mittelpunkt und Grund ist, dann kann auch
heute wieder von der Schar gesprochen werden, die eins ist in
ihrem Herrn. Es wäre doch zu furchtbar, wenn das nicht der Fall
wäre und wir alle miteinander nur Theater gespielt hätten, Spieler
und Zuschauer zugleich. Darum laßt uns jeden Tag aufs neue bitten,
daß Jesus Christus, der Herr der Kirche, nicht von uns gehe und
wir allein herumwurschteln müssen und ausgeben, daß wir eine wahre
Gemeinde seien und doch nur ein erbärmlicher Haufe sind. Und
glauben wir es ruhig, dieser Mittelpunkt und Grundstein der
Kirche, dieser lebende unter uns weilende Herr Jesus Christus ist
nicht stumm und nickt zu allem, was wir als Gemeinde tun und
denken. Jesus Christus meldet sich zu Wort und bittet um Gehör, o,
daß wir doch alle ihm das Gehör schenken, daß wir alle auf seine
Stimme hören, auch im grauen Alltag unseres Lebens; o, daß wir
noch freudiger alle miteinander am Sonntagmorgen zum Gotteshaus
eilen und unter der Kanzel auf das lauschen, was er uns zu sagen
hat, das Wort der Vergebung und der Ruf zum Dienst, zum Gehorsam.
Wir versäumen sehr viel, wenn wir nicht auf sein Wort achten; ja,
wir versäumen sogar alles, unser Heil, wenn wir unsere Ohren ihm
gegenüber verstopfen,
Das wird uns jedenfalls von der Gemeinde zu Jerusalem berichtet,
daß der Herr der Kirche zu Worte kommt und gehört wird.:
"Und mit großer Kraft gaben die Apostel Zeugnis von der
Auferstehung Jesu Christi."
Es tut uns bestimmt sicher sehr gut, einmal dieses so scharf
betont zu hören, denn nicht umsonst heißt es von der
abendländischen Kirche, daß das Kreuz auf Golgatha ihr Mittelpunkt
sei. Und wenn wir uns einmal all die vielen erwecklichen Lieder
ansehen, da steht das Kreuz Christi in der Tat in der Mitte.
Wenn hier nun die Betonung auf die AUFERSTEHUNG liegt, so soll
damit kein Gegensatz zwischen Kreuz und Auferstehung aufgezeigt
werden. Aber es tut doch gut, unseren Blick von Karfreitag
wegzulenken auf Ostern, vom Kreuz zur Auferstehung, vom Schmerz
über unseren Ungehorsam gegenüber Gott hin zur Freude, daß der
lebendige Herr uns zugerufen hat und noch zurufen will:
"Dir sind deine Sünden vergeben!"
Statt daß wir als Christen fröhlich durch diese Welt ziehen, gehen
wir mit einem gekrümmten Rücken umher, traurig in Sack und Asche.
Vergessen wir doch auf keinen Fall, daß Jesus Christus, der
Gekreuzigte, nicht mehr im Grabe liegt, sondern auferstand und uns
das Leben brachte und in unser Dunkel des Alltags das helle Licht
hineinstrahlen läßt. Lernen wir doch ein wenig von den Kirchen des
Ostens diese große Freude:
"Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!"
Mit ihm dürfen auch wir leben. Sieht die Umwelt es uns an, dir und
mir, daß unser Herr der lebendige Herr ist, der dem Tod, Teufel
und der Sünde die Macht genommen hat?
Lassen wir es uns ruhig von dem Spötter Nietzsche gesagt sein:
"Wenn wir Ungläubigen an Jesus Christus glauben sollen, dann
müssen die Christen erlöster aussehen."
Und wir Christen dürften in Wahrheit ein wenig erlöster und
fröhlicher durch dieses Leben gehen, wenn wir daran denken, wie
reich wir durch Jesus Christus geworden sind.
Wir sagten, daß Jesus Chrisus in der Gemeinde zu Jerusalem zu
Worte kommt und auch gehört wird. Wie bezeugt sich das Hören?
Indem wir hingehen und das Wort des Herrn tun:
"Und keiner sagte von seinen Gütern, daß sie sein wären. Es war
auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte, denn wieviele ihrer
waren, die da Äcker oder Häuser hatten, verkauften sie und
brachten das Geld zu der Apostel Füßen und man gab einem jeden,
was im not war."
Auf keinen Fall kann hier aus dieser Stelle ein allgemeiner
Liebeskommunismus abgeleitet werden oder etwa die Meinung,
jeglicher Besitz sei Sünde. Petrus sagt ja zu dem Lügner Ananias:
"Hättest du doch ruhig deinen Acker behalten mögen, er stand doch
in deiner Hand."
Aber doch muß ein anderes deutlich werden, daß es nämlich
unmöglich ist, Gottes Wort zu hören und womöglich zu sagen:
War das doch eine erbauliche Rede, sie war so richtig erhebend,
aber den Auftrag, den Jesus Christus gegeben hat, zu überhören
oder abzulehnen und zu sagen:
Ach, damit habe ich nichts zu tun, damit können sich ruhig andere
abgeben. Nein, wo Gott uns seine Liebe erweist, da öffnet er uns
auch den Blick für die Lieblosigkeit unserer Umgebung und bittet
uns, von dieser Liebe, die Gott uns erwiesen hat, etwas
weiterzugeben: Freude durch unseren Besuch in eine Krankenstube zu
bringen. Wenn Gott uns seinen Reichtum und seine Gaben geschenkt
hat, dann bittet er uns, von diesem unserem Reichtum dem etwas zu
geben, der auf die Hilfe Gottes angewiesen ist, wie wir.
So zeigt uns der Text, daß es beim Hören auch gleichzeitig immer
um ein Tun, um ein Gehorchendürfen geht. Es sähe in dem Leben
unserer Familien, im Leben unserer Gemeinde und im Leben unseres
Volkes entschieden anders aus, wenn statt der vielen frommern und
christlichen Wörter im Munde die Befehle Gottes durch uns
ausgeführt würden.
Wenn allein wir hier im Gottesdienst heute gehört haben, daß wir
zum Tun aufgefordert sind, zum Gehorsam und nun hingehen würden,
um Jesus Christus in seinem Worte zu gehorchen, welch eine
Veränderung der ganzen Welt um uns her würde zum Heil dieser Welt
entstehen. Gehe nun hin und sei gehorsam.

(Predigt zum Ordinationsgottesdienst in Gelsenkirchen-Buer-Hassel
am 19.10.1954.)

Meiner Frau und mir war es aber von vornherein klar, dass unsere
Lebensarbeit nicht in Deutschland sein wuerde, darum traten wir
bald in Kontakt mit dem Aussenamt der Evangelischen Kirche in
Deutschland in Frankfurt am Main, um die Moeglichkeit eines
pfarramtlichen Dienstes in einer deutschen Gemeinde im Ausland zu
erkunden. Anfaenglich dachten wir an Brasilien. Aber dann kam die
Nachricht vom Kirchlichen Aussenamt, ich moechte sofort nach
Frankfurt (2.Juni 1954) ins Aussenamt kommen, es sei dort Propst
Marczynski von der Deutschen Evangelischen La Plata-Synode, der
dringend einen Pfarrer suche fuer eine Gemeinde in Argentinien.
Durch diese Begegnung war es nach Ruecksprache mit meiner Frau
klar, dass wir das Angebot annehmen wuerden, obwohl wir von der
politischen Situation keine Ahnung hatten, auch nicht von den
kirchlichen und gemeindlichen Gegebenheiten, auch nicht viel
verstanden von dem, was Propst Marczynski uns von seiner Sicht
erklaert hatte. Wir wollten einfach den Sprung ins Ungewisse
wagen.
Wir gehoerten mit zu den Ersten, die ueberhaupt wieder vom
Kirchlichen Aussenamt aus Deutschland ins Ausland ausgesandt
werden konnten.
Nun folgten die Vorbereitungen fuer eine Ausreise im November
1954. Inzwischen war im August 1954 unsere Tochter Ruth geboren
worden. Weil meine Frau danach an einer Brustentzuendung
erkrankte, verlor sie voruebergehend die Tropentauglichkeit und
wir mussten bis zum 9. Maerz 1955 mit unserer Ausreise nach
Argentinien warten.
So kamen wir, meine Frau und unsere Tochter Ruth und ich Anfang
April 1955 im Hafen von Buenos Aires an. Selbstverstaendlich waren
wir voller Fragen, was uns nun in Argentinien und in der Deutschen
Evangelischen La Plata-Synode und in der Gemeinde "General Alvear"
in Entre Ríos erwarten wird. Allerdings fragten wir auch uns
selbst, ob wir als Pfarrfamilie dem entsprechen, was sich die
Kirche und die Gemeinde von uns erhofft und erwuenscht hatten.
Jedenfalls wurden wir im Hafen von Buenos Aires am Schiff LAENNEC
von Propst Ostrowski aufs herzlichste, ja aufs liebevollste
empfangen. Inzwischen war Propst Marczynski verstorben. Waehrend
dieser ganzen ersten Zeit machten Propst Ostrowski, seine Frau,
ja, sogar die ganze Familie, uns das Einleben in der Metropole
sehr verstaendlicher und leichter. Auch der Sekretaer unserer
Synode, Herr Gruenwedel, stand uns zu jeder Hilfe bereit.
Da schon abzusehen war, dass bis zur Erlangung des argentinischen
Personalausweises einige Wochen Aufenthalt in Buenos Aires
notwendig sein wuerden, hatte uns der Synodalvorstand in das Hotel
Viena in der Lavalle einquartiert.
Es war nicht leicht, nach der verwoehnenden Ueberfahrt in der
ersten Klasse, die Situation im Hotel Viena zu durchstehen.
Vergessen habe ich nie, wie Propst Ostrowski uns ins Gastzimmer
fuehrte und mit einem harten Fussschlag und den Worten: Was ist
das doch fuer ein schoenes Zimmer! eintrat. Zum Glueck hatte meine
Frau in diesem Augenblick Ruth auf dem Arm, nicht bemerkt, dass er
mit dem Fussauftritt 2 dicke CUCARACHAS schon gleich an der Tuer
zertreten hatte. Das Problem fuer uns alle fing aber erst richtig
an, als wir dann allein auf dem Zimmer zurueckblieben. Ausser dem
unbekannten Phaenomen Cucaracha musste meine Frau das Zimmer
reinigen und den Fussboden aufwischen. Ich forderte die
Hotelleitung auf, sofort das Klosett in Ordnung zu bringen, denn
man konnte das Badezimmer nur in Gummistiefeln betreten.Allerdings
waren wir entschlossen, wieder nach Deutschland zurueckzufahren,
als meine Frau in der Kueche des Hotels das Essen fuer das Kind
vorbereiten wollte. Meine Frau war der festen Ueberzeugung, dass
man um des Kindes willen diese Unreinigkeit des Kochgeschirrs
einfach nicht werde hiunnehmen koennen.Aber nicht nur Propst
Ostrowski und seine Familie , und Glieder aus der Gemeinde standen
uns helfend zur Seite. Wir wurden meistens zum Mittagessen dann
auch von Gemeindegliedern eingeladen.
Auch der Trost, dass alles in Aldea Protestante, unserem
zukuenftigen Pfarrsitz, alles anders sei, gab uns Mut, die Tage
bis zur Weiterreise auszuhalten. Es wurden auch andere
Moeglichkeiten gefunden, um unser Kind mit dem Essen zu versorgen.
Jedenfalls ist uns das Hotel Viena mit noch anderen Erlebnissen
als Trauma in unserem Leben haften geblieben.
Wir sehnten uns den Tag herbei, da wir die Fahrt nach Entre Ríos,
dem GELOBTEN LANDE, werden antreten koennen. Inzwischen hatte ich
auch das erlebt, dass man mir am Schalter des Hauptpostamtes 5
Centavos-Briefmarken fuer 5 Pesos verkaufte und dass man meiner
Frau am Schalter im Bahnhof RETIRO beim Loesen einer Fahrkarte
ihren Geldschein wegschnappte und im Nu war der Junge mit dem
Pesos-Schein im dollen Gedraenge verschwunden. Das alles hat sich
heute 1999 allerdings noch nicht geaendert. Allerdings gabe es
auch nette Begegnungen, so eine mit einem Polizisten auf der
Strasse. Heute sieht man sie ja kaum noch auf der Strasse. Beim
Versuch, das Stadtinnere kennen zu lernen, fand ich nicht zurueck
ins Hotel. Ich sah den Polizisten und stammelte vor ihm meine
Frage nach diesem Hotel. Ich tat es mit den spanischen Worten, die
ich aus dem Buechlein "30 Stunden Spanisch" auf dem Schiff gelernt
hatte. Das muss entsetzlich gewesen sein! Ein Sprachkursus war ja
in Deutschland nicht vorgesehen, auch spaeter wurden mir und
meiner Frau von der Synode kein Intensivkursus zugebilligt. Es war
kein Geld vorhanden. Als ich so stotterte vor dem Polizisten, sah
er mich ruhig an und sagte: "Sprechen Sie ruhig Deutsch, denn Ihr
Deutsch verstehe ich besser als Ihr Spanisch."
In der Gemeinde Villa Ballester hielt ich am Karfreitag 1955 den
ersten Gottesdienst in Argentinien, natuerlich in der deutschen
Sprache.

(Kirchenjahr 1954/55 bis Himmelfahrt-8- Johannes 19, 30
"Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: ES IST
VOLLBRACHT! und neigte das Haupt und verschied."

Jahr für Jahr hören wir am Karfreitag diese Nachricht, daß Jesus
sein Haupt neigte und verschied. Es könnte wahrlich bei dem einen
oder bei dem anderen unter uns so sein, daß er fragt:
Warum denn immer und immer wieder diese Geschichte von dem
sterbenden Jesus? Wird es denn nicht bald Zeit. daß wir auch ihn
vergessen, wie auch wir nach und nach unsere Toten vergessen, so
lieb sie uns gewesen sein mögen?
Endlich muß doch dieser Jesus ein für alle Male beerdigt werdem,
damit wir unter sein Leben den Schlußstrich setzen und seine
Geschichte zu den Akten legen können.
Viele Menschen unserer Zeit möchten in der Tat die Geschichte zum
Abschluß bringen, weil sie erkennen, daß da etwas ist, mit dem sie
nicht fertig werden können, daß sie nicht zur Ruhe kommen läßt.
Wie mögen die Schriftgelehrten und Hohenpriester in Jerusalem
gejauchzt und triumphiert haben, als sie den Mann, der ihnen so
unangenehm geworden war, wie einen Verbrecher sterben sahen? Ist
erst der Tod dieses Mannes eingetreten, dann haben wir endlich
Ruhe, dann erinnert uns niemand mehr daran, daß unser ganzes Leben
trotz aller scheinheiligen Frömmigkeit eine einzigartige Flucht
vor Gott gewesen ist.
Ist erst der letzte Atemzug dieses Jesus getan, dann ist niemand
mehr da, der uns die Maske vom Gesicht reißt und unsere ganze
Schändlichkeit aufdeckt.
Wo Jesus Christus einen Menschen anschaut, da sieht er durch alle
Äußerlichkeiten hindurch bis aufs Herz und durchschaut uns bis in
die entlegensten Winkel unseres Herzens und unserer Gedanken.
Niemand könnte vor ihm bestehen. Niemand könnte vor ihm stehen und
sagen:
Bei mir aber ist alles in Ordnung, denn ich habe immer das getan,
was du von mir wolltest.
Alle miteinander müssen wir bekennen:
Herr, ich habe gerade das Gegenteil von dem getan, was du
wolltest. Du wolltest, daß ich mich zur Gemeinde und seinen
Gottesdiensten halte, ich aber tat so, als ob ich zum Gottesdienst
gehen könnte wie ins Kino oder ins Theater, je nach Lust und
Laune. Du, Herr, wolltest, daß ich meine Hände zum Gebet falte und
ich hielt ein Gespräch mit dir nicht für notwendig. Du, Herr,
wolltest, daß ich dich vor allen Menschen bekenne und ich tat in
Freundeskreisen und in der Nachbarschaft so, als kenne ich dich
nicht. Du, Herr, wolltest, daß ich mich der Armen und Kranken
annehme und ich ging stattdessen mit einer hochnäsigen Haltung an
ihnen vorbei.
Das sind wir Menschen, die vor Jesus Christus stehen. Dabei spielt
es keine Rolle, ob wir den Namen CHRISTEN tragen oder nicht.
Sich so erkannt zu wissen, ist wahrlich kein Vergnügen. Darum
können wir nur zu gut verstehen, daß die Menschen damals mit den
Zähnen knirschten und die Fäuste ballten und Drohungen und
Verwünschungen ausstießen:
"Hinweg mit diesem!"
und:
"Kreuziget, kreuziget ihn!"
Die ganze Passionszeit unseres Heilandes ist der Versuch von uns
Menschen, ihn endlich loszuwerden, weil er uns durchschaut und
erkannt hat, wie erbärmlich wir da vor ihm stehen.
Der Ruf:
"Hinweg mit diesem, kreuziget, kreuziget ihn!"
erscholl nicht nur vor 2.000 Jahren, sondern dieser Ruf geht durch
alle Jahrhunderte und durch alle Länder der Erde bis auf den
heutigen Tag.
Auch heute ist Jesus uns Menschen unangenehm und wir versuchen,
ihn entweder mit einer Handbewegung beiseite zu schieben oder ihn
sogar mit Gewalt zum Schweigen zu bringen.
Wie oft haben wir Menschen es gewünscht und erwartet, daß wir
endlich von Jesus und seiner Botschaft sagen können:
"Und er neigte sein Haupt und verschied."
Ach, was sind wir Menschen doch für komische Kreaturen, wie
mißverstehen wir Gott, wie mißverstehen wir unseren Herrn und
Heiland. Haben wir denn überhaupt keine Ahnung mehr davon, daß
Jesus Christus, der da vor uns steht und uns anschaut und uns
unsere ganze Trostlosigkeit aufzeigt, daß dieser Jesus aber nicht
vor uns steht mit einem Verdammungsurteil. Das ist wohl die Weise
aller menschlichen Obrigkeit, daß sie den Übertreter des Gesetzes
bestraft und ins Gefängnis wirft. So handelt unser Herr nicht,
sondern indem er uns zeigt, wie weit wir von seinem Vater im
Himmel geflohen sind, zeigt er uns gleichzeitig auch den Weg zur
Rückkehr, den Weg zur Hilfe.
Wir haben im Neuen Testament kein Wort Jesu, mag er damit ein noch
so großes Gericht androhen, das nicht gleichzeitig noch eine
Möglichkeit aufweist, wieder zum Vater im Himmel zurückzukehren.
Jesus Christus ist in seinem ganzen Leben und Reden, in seinem
Leiden und Sterben, die ausgestreckte Hand Gottes, die uns als die
Verlorenen wieder heimführen möchte.
Diese Liebe Gottes zu uns Verlorenen hört selbst da nicht auf, wo
es nach einem Sieg der menschlichen Willkür aussieht. Wir Menschen
haben anscheinend doch gesiegt, wir haben Jesus Christus
beseitigt. Es heißt in unserem Text:
"Und Jesus neigte sein Haupt und verschied."
Müßte da in diesem Moment nicht Gott mit harter Faust zuschlagen
und seine Gerichtsandrohungen wahrmachen, da ja menschliche
Bosheit in der Ermordung des Sohnes Gottes ihren höchsten Triumph
feiert?
Nein, selbst in diesem Augenblick, da unsere Verderbtheit zum
Ausdruck kommt, gerade da keine Verdammung, da keine Verfluchung,
sondern durch allen Hohn und Spott, durch alle Marter und Qual
hindurch das Wort der Hilfe des Herrn für uns Menschen:
"Es ist vollbracht!"
Durch alle menschliche Grausamkeit hindurch reicht Gott uns seine
liebenden Vaterhände.
"Es ist vollbracht!"
ist das Wort, das uns rettet von aller unserer Schuld und uns von
unserer Flucht zurückholt zu Gott.
Unser Leben mit allen Irrungen und allen Fehltritten und mit
unserer Rebellion gegen Gott, ist noch kein verpfuschtes Leben.
Das dürfen und sollen wir wissen, denn Jesus Christus ruft auch
uns zu:
"Es ist vollbracht mein Erlösungswerk für euch Menschen!"
Dieses Wort des sterbenden Jesus dürfen wir für uns in voller
Wirkung in Anspruch nehmen und als das Wort des Heiles für unser
Leben erkennen:
"Gehe hin in Frieden, denn dir sind deine Sünden vergeben!"
Wir werden mit dem Worte:
"Es ist vollbracht!"
gerufen zu der Schar derer, die von diesem Vollbringer des
Heilswerkes leben und nun fröhlich durch das Leben gehen, auch in
den grauen Alltag hinein.
So liegt über Karfreitag trotz all der Qual und des Schmerzes
unseres Heilandes doch schon die große Freude darüber, dass Jesus
Sieger geblieben ist und uns durch sein Leiden und Sterben zu
Gottes Kindern gemacht hat.
Wir können nichts anderes tun, als auch an diesem Tage Gott für
seine große Liebe zu uns zu danken. Wir können nichts anderes tun
als uns in der großen Dankbarkeit von Jesus Christus in den Dienst
stellen lassen und als seine Jünger ihm nachzufolgen.
Wir können und dürfen aber auch dadurch unseren Dank zum Ausdruck
bringen, daß wir uns nachher zum Tisch des Herrn rufen lassen und
das Heilige Abendmahl miteinander feiern, da derselbe Herr Jesus
Christus der Gastgeber ist:
"Kommt, denn es ist alles bereit, sehet und schmecket, wie
freundlich der Herr ist!"

(Mein erster Gottesdienst in Argentinien am 8. 4. 1955 in Villa
Ballester.)

Wir gehoerten zu den ersten Pfarrfamilien, die nach dem Kriege
wieder von der Evangelischen Kirche in Deutschland ausgesandt
werden konnten. Ich war so der
16. Pfarrer in unserer Synode..
Nun kam doch endlich der Tag herbei, den wir so sehnlichst
erwartet hatten. Es fiel uns wirklich nicht schwer, Buenos Aires
hinter uns zu lassen. Nicht mit einem Omnibus ging die Fahrt nach
Diamante, sondern mit einem Flussschiff. Damals bestand noch eine
regulaere Schifffahrtslinie auf dem Fluss Paraná. Fuer diese
Moeglichkeit waren wir sehr dankbar, konnten wir doch wenigstens
ein klein wenig mehr von Argentinien sehen als bisher und meine
Frau konnte unser Kind Ruth besser versorgen. Wir spuerten etwas
von der Weite des Landes, obwohl das, was wir sahen, nur ein ganz
kleiner Ausschnitt war. Ab Rosario wurde es auf der
entrerrianischen Seite etwas huegeliger und interessanter.
Wir hatten in der Tat bis zu unserer Ausreise nicht viel von
Argentinien gewusst.
So kamen wir im Mai 1955 im Hafen von Diamante an.. Wir waren
erstaunt, in welch einer liebevollen Weise wir von der Gemeinde
Aldea Protestante empfangen wurden. Fast die ganze Gemeinde war
auf den Beinen.
Aldea Protestante ist ein kleines Dorf mit 2 Lehmstrassen und kaum
1ooo Einwohnern, das einem Dorf in Hessen aehnelte, das ich selbst
noch erlebt hatte.
Vom Hafen aus ging es ueber die damalige einzige Asphaltstrasse in
Entre Ríos bis zur Einfahrt in das Dorf. Dort erlebten wir, was es
heisst, auf schlammigen Wegen mit dem Auto hin und her zu
rutschen. Es hatte am Vortage sehr stark geregnet. Im Dorf gab es
nur wenige Autobesitzer, fast alle anderen hatten als Bauern
Pferdewagen,, die auch durch den groessten Matsch einigermassen
sicher fahren konnten. Das habe ich im Laufe der naechsten Jahre
zur Genuege kennenlernen koennen. Die Wege und Strassen erinnerten
mich sehr an die Wegeverhaeltnisse in Russland.
Nach einem grossen Festessen wurden wir natuerlich in das
Pfarrhaus gefuehrt, ein um die Jahrhundertwende gebautes Gebaeude,
ohne jede Bequemlichkeitt, das aber fuer viele Gemeindeglieder im
Verhaeltnis zu ihren eigenen Haeusern als Fortschritt galt. Wir
legten sofort Hand an, UNSER Haus wohnlich zu gestalten., zuerst
die haesslichen Lila-Waende zu ueberstreichen. In den naechsten
Wochen kamen notwendige Moebelsstuecke dazu, die wir in Paraná
kaufen konnten oder durch einen Schreiner aus dem Dorf hergestellt
wurden.
Jetzt waren wir da angelangt, wo wir unsere Kraefte zur Gestaltung
des Gemeindelebens einsetzen sollten und wollten und konnten.
Meine Frau als ausgebildete Gemeindehelferin hatte sich bald die
Sympathie des Dorfes dadurch erworben, dass sie mit einer grossen
Begeisterung die Chorarbeit uebernahm, die in der pfarrerlosen
Zeit nur notduerftig weitergeführt wurde, sodass der Chor schon
einige Tage spaeter am Himmelfahrtstage bei meiner offiziellen
Einfuehrung durch Propst Ostrowski singen konnte.

(Kirchenjahr 1954/55 bis Himmelfahrt-9c-Lukas 13, 6 - 9
"Jesus sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen
Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberge; und er kam und
suchte Frucht darauf und fand sie nicht. Da sprach er zu den
Weingärtnern: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang alle Jahre
gekommen und habe Frucht gesucht auf diesem Feigenbaum, und finde
sie nicht. Haue ihn ab! was hindert er das Land? Er aber
antwortete und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch dies Jahr, bis
daß ich um ihn grabe und bedünge ihn, ob er wollte Frucht bringen;
wo nicht, so haue ihn darnach ab."

Was mit diesem Text ausgesagt ist, erklärt die
selbstverständlichste Angelegenheit der Welt. Müßte das doch ein
dummer Bauer sein, der an seinem Hause einen großen Obstgarten
gepflanzt hat und garnicht danach fragt, ob er viele Früchte trägt
oder nicht.
Es geht dabei wirklich, ein Irrtum ist ausgeschlossen, bei diesem
Feigenbaum um die Frucht, auf die zu rechnen der Besitzer ein
Anrecht hat. Auch ohne Erklärung
ist es uns doch deutlich, daß Jesus uns mit diesen Worten keinen
Unterricht über rechte Obstbaumanpflanzung geben will, sondern daß
dieses Wort in einer ganz besonderen Weise uns alle meint, die wir
uns hier zu diesem Einführungsgottesdienst versammelt haben.
Wir sind solche Menschen, wir als Gemeinde GENERAL ALVEAR sind
solch eine Gemeinde, die von Gott dazu eingesetzt sind, Frucht zu
bringen.
Dazu habt ihr mich als Deutschland hergerufen und ich bin diesem
Rufe gefolgt. weil ihr im Angesichte Gottes erkannt habt, wie
erbärmlich in den vergangenen Jahren ohne einen Pfarrer, der das
Wort Gottes verkündigte, die Frucht gewesen ist. Wir aber wollen
solche Menschen und eine solche Gemeinde werden, die wieder Frucht
bringt.
Gott kann von uns in einer solch selbstverständlichen Weise diese
Frucht erwarten, wie der Besitzer eines Mandarinenbaumes
Mandarinen und eines Apfelbaumes Äpfel erwarten kann.
Was ist das denn, was Gott von uns als Frucht erwartet? Eigentlich
wäre es nicht nötig, so zu fragen. Eigentlich müßten das alle
Christen wissen. Frucht bedeutet ja nicht, große heldische und
mühevolle Taten zu tun, sondern Frucht bedeutet dieses so
Schlichte und Einfache, nämlich jetzt endlich nicht mehr von Gott
wegzulaufen, jetzt endlich nicht mehr seine Hand, die er uns in
seinen 10 Geboten ausstreckt, auszuschlagen, jetzt endlich unsere
Hände mit seinen reichen Gaben füllen zu lassen, damit wir diese
Gaben weiterreichen können.
So steht Gott vor uns und fragt uns als Gemeinde und als
Einzelchristen nach der Frucht.
Ob er sie bei uns, bei dir und bei mir, findet?
Oft stehen wir als Christen in der Gefahr, diese Frage nach der
Frucht an die zu richten, die nicht zur Kirche Jesu Christi
gehören, die meinen, uns als Christen ginge diese Frage nichts an.
Wir sind doch davon überzeugt, daß wir so tadellose Menschen sind.
Nein, wir wollen die Frage nach der Frucht für uns gelten lassen
und nicht hochmütig auf die draußen in der Welt zeigen. Das war ja
gerade die Haltung der Menschen, die da vor Jesus stehen und denen
er dieses Gleichnis erzählt hat. Sie waren zu ihm gekommen, um ihm
die Bosheit der anderen Menschen zu zeigen, damit sie selbst in
ein desto helleres Licht kommen würden. Sie haben Jesus gesagt,
was müssen das doch für böse Menschen gewesen sein, die damals
umkamen, als der Turm zu Siloah einstürzte.
Müssen wir hier in Argentinien doch sehr fromme Christen gewesen
sein, daß wir vom schrecklichen letzten Krieg in Europa nichts
gespürt haben. Gott verwehrt uns solches Reden und solches
Mit-dem-Finger-zeigen auf die anderen und gebietet uns, selbst
einmal stille zu stehen, damit er bei uns nach der Frucht suchen
kann.
Und da geschieht das Entsetzliche, das uns eigentlich bis in das
Innerste unseres Herzens erschüttern müßte:
"Und er fand sie nicht."
Vor seinen Augen wird unser ganzes Leben mit allen Dunkelheiten
offenbar, wie gerade unsere so hochgepriesene Frömmigkeit eine
einzige große Lüge ist.
Jetzt kommt alles darauf an, daß wir, die das Wort Gottes von den
Kanzeln zu verkündigen haben, daß wir, die wir in der Kirche
verantwortliche Ämter verwalten, daß wir alle, die zur Gemeinde
gehören, es uns gefallen lassen, daß das Kartenhaus unserer
Frömmigkeit zusammenbricht und nur noch ein Trümmerhaufen vor Gott
übrigbleibt.
Wir haben das Gerichtswort Gottes zu hören:
"Haue ihn ab, denn er schadet nur dem Land!"
Auch nicht einer ist unter uns, der vor Gott in dieser Stunde
treten könnte und ihm zurufen dürfte:
Was du da über uns beschlossen hast, ist ein großes Unrecht, wir
haben ein solch hartes Urteil nicht verdient. Du hast uns falsch
eingeschätzt. Wir können doch noch so viele Früchte des Glaubens
vorzeigen.
Aber nennen wir wirklich das faule Etwas, das wir vielleicht mit
uns herumschleppen, Frucht?
Verlassen wir ruhig das Versteckenspielen! Auf der ganzen Linie
ist es klar erkennbar, daß wir als Christen und als Gemeinde
versagt haben. Haben wir, Verkündiger, die wir Gottes Wort den
Gemeinden zu sagen hatten, nicht zu oft unsere eigene Meinung und
unsere eigenen Gedanken gepredigt, statt in Vollmacht die
Herrlichkeit Gottes zu verkündigen?
Kann überhaupt ein Christ vor Gott treten und sagen:
Wenn du, Herr, auch sonst nicht irrst, aber diesmal hast du dich
sicher vertan, wir sind immer und zu allen Zeiten deine treuen
Diener gewesen?
Wo ist der fromme Christ in unserer Gemeinde, der vor aller Welt
sich nicht scheut, Jesus Christus als seinen Herrn zu bekennen?
Nein, nein, Gott täuscht sich nie. Wenn sein durchdringendes Auge
uns anschaut, dann vergeht uns unser Ausreden und unser
Entschuldigen, dann bleibt nur noch sein Wort übrig:
"Haue ihn ab, was hindert er das Land!"
Gegenüber diesem Gerichtswort hilft auch kein Bitten und kein
Flehen und es gibt auch kein billiges um Gnade flehen, sondern
diesem Worte gegenüber gibt es für uns die eine Haltung, die
spricht:
Herr, tue mit mir, was du beschlossen hast, haue mich ab!"
Der Schweizer Reformator Calvin konnte einmal diese Haltung so zum
Ausdruck bringen:
"Herr, wenn du mich sogar in die Hölle hineinschicktest, so könnte
ich dir in deiner Entscheidung nur recht geben und dich ehren und
preisen."
Das ist ein ungeheuerliches Wort, aber doch kommt für uns alle
alles darauf an, daß wir Gott in seinem Urteil, das uns verdammt,
recht geben.
Allerdings kommt jetzt etwas, was unserem Denken und Empfinden
völlig übersteigt.
Wir sagten am Anfang. daß es für uns alle verständlich ist, wenn
der Bauer nach der Frucht seiner Obstbäume fragt. Hier im
Gleichnis wird aber etwas getan, was nicht nur alle Regeln des
Obstanbaues über den Haufen wirft, sondern etwas, was mit
menschlichen Begriffen überhaupt nicht zum Ausdruck gebracht
werden kann. Hier tritt doch tatsächlich der Gärtner auf und stößt
eine unfaßliche Bitte aus:
"Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis dass ich um ihn grabe und
bedünge ihn!"
Es soll noch einmal mit einem Baume versucht werden, der nach
Obstanbauregeln nur noch das Abhauen und das Verbrennen verdient
hat, von dem es nur noch heißen kann: Hinweg mit ihm!
Jedenfalls ist nicht mehr daran zu rütteln, diese Bitte um
Aufschub ist ausgesprochen:
"Laß ihn noch dieses Jahr!"
Haben wir es gehört, wir alle, die wir durch das Wort Gottes
gerichtet worden sind:
Uns ist eine Gnadenzeit geschenkt. Es ist einer bei Gott für uns
eingetreten, der das Unmögliche noch einmal möglich macht, der
noch hofft, das auch wir wieder Frucht bringen.
Allein seine Hoffnung ist unsere Hoffnung, allein sein Bitten gibt
uns noch eine Gnadenfrist. Der das erwirkt hat, ist kein anderer
als der, der am Kreuz auf Golgatha an seinem eigenen Leibe
erfahren mußte, was Gottes Urteilsspruch bedeutet:
"Haue ihn ab!"
Es ist kein anderer als der, den der Vater von den Toten
auferweckte und der, der zum Vater zurückkehrte und den
Königsthron bestieg und dessen Herrschaftsantritt wir am heutigen
Himmelfahrtsfest feiern.
Seit dieser Zeit läuft diese Botschaft von der großen Geduld
Gottes über diese Erde. Und es gibts nichts Köstlicheres für uns,
als daß wir, die wir versagt haben, die wir von Gott verdammt
worden sind, diese Botschaft der Geduld Gottes für uns geltend
machen dürfen. Diese Geduld Gottes wurde uns nicht geschenkt, weil
wir Gott darum gebeten haben, sondern diese Geduld, von der wir
uns heute auch aufrichten lassen dürfen, ist ausschließlich und
allein das Werk unseres Herrn und Meisters Jesus Christus. Er
tritt für uns beim Vater ein. So hebt uns der Sohn aus dem Staube
der Verdammnis wieder auf. Hören wir es recht:
Gott hebt uns aus dem Staube der Verurteilung wieder auf, sein
Sohn hat für uns gebeten.
Wir dürfen wieder frei stehen und atmen.
Aber wenn Jesus uns heraushebt aus dem Schmutz und Dreck und uns
unsere Schuld vergibt, dann will er nicht, daß wir den alten Weg
ins Verderben weitergehen, dann will er nicht, daß wir weiter auf
der Flucht vor Gott bleiben, dann will er nicht, daß wir weiterhin
nach unseren eigenen Neigungen und Wünschen handeln, sondern daß
wir jetzt die Hand Gottes ergreifen und mit ihm als Christen furch
das Leben gehen:
"Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden."
So könnte dieser so freudenreiche Tag für die Gemeinde und auch
für jeden einzelnen von uns zu einem anderen Tage der Freude
werden, zu einem Tage, da wir als die unter der Schuld
Zusammengebrochenen von Jesus Christus wieder aufgerichtet werden
und nun als die Begnadeten weiter durch das Leben ziehen und
sodann auch die Frucht bringen, auf die ja doch alles ankommt.
Unser Wort redet aber auch uns an, die wir vielleicht diesem Worte
so recht nicht trauen, die wir vielleicht meinen, was das Wort da
von der Frucht sagt, kann so schlimm doch nicht sein.
Hier ist allerdings die größte Vorsicht am Platze. Keiner darf
sich von dem Gedanken einschläfern lassen, daß die Geduld Gottes
unbegrenzt ist. Nein, diese Geduld Gottes hat eine Grenze:
"Laß ihn noch dieses Jahr!"
Wohl dürfen wir wissen, daß wir heute noch in diesem Raum der
Gnade Gottes leben und das wir uns von Jesus Christus noch zu
Menschen umgestalten lassen dürfen, die Frucht bringen.
Wann aber dann unsere Gnadenfrist beendet ist, wissen wir nicht.
Sie kann aber schon heute abgelaufen sein und dann müßte es von
uns wirklich heißen:
"Wo sie innerhalb der gegebeneen Frist nicht Frucht bringen, dann
haue sie ab!"
Aber das kann im Ernst nicht unser Wille sein, daß wir diese Frist
verstreichen lassen wollen, ohne mit Gott ins Reine gekommen zu
sein.
Laßt uns darum ringen, daß diese große Geduld Gottes unser Heil
wird und uns zu Menschen umgestaltet, die Frucht bringen.

(Diese Predigt wurde gehalten bei meiner Einfuehrung in Aldea
Protestante am Himmelfahrtstag-19-5-1955).


Es folgt auch noch eine andere Predigt ueber den gleichen Text,
die ich in Wattenscheid-Höntrop/Deutschland im Februar 1955
gehalten habe.

(Predigt -9b - in Höntrop 1955
Was uns mit diesen Worten des Gleichnisses vom Feigenbaum
berichtet wird, ist die selbstverständlichste Angelegenheit. Müßte
das doch ein dummer Bauer sein, der an seinem Hause einen großen
Obstgarten gepflanzt hat und gar nichts mehr danach fragen würde,
ob dieser Obstgarten seinen Keller mit Äpfeln, Birnen und Pflaumen
füllen und dazu noch manchen Zentner auf den Markt bringen würde.
Es geht hier bei dem Feigenbaum wirklich um die Frucht, auf die zu
warten der Besitzer ein Recht hat.
Auch ohne eine besondere Belehrung ist uns deutlich, daß Jesus uns
mit diesen Worten keinen Unterricht über Grundgesetze in der
Obstbaumanpflanzung geben will. Dieses meint etwas anderes, das
uns allen hier im Gottesdienst angeht.
Wir sind solche Menschen, die von Gott gesetzt sind, Frucht zu
bringen. Daß Gott diese Frucht von uns erwarten kann, ist so
selbstverständlich, wie der Besitzer eines Aofelbaumes im Herbst
Äpfel von seinem Baum erwarten kann.
Was erwartet Gott dann aber von uns?
Frucht bedeutet schlicht und einfach, eigentlich das
Selbstverständliche, daß wir jetzt endlich nicht mehr von Gott
weglaufen, jetzt endlich nicht mehr seine Hände, die er uns in den
10 Geboten entgegenstreckt, wegschlagen, daß wir jetzt endlich
unsere Hämde mit seinen reichen Gaben füllen lassen.
So steht denn Gott vor uns und fragt uns nach unserer Frucht. Ob
er sie bei uns findet?
Wenn wir solch ein Wort normalerweise hören, das von Frucht und
von Buße handelt, sind wir Christen nur allzuleicht geneigt, diese
Worte denen zuzurufen, die nicht zur christlichen Gemeinde
gehören. Es besteht die Gefahr, daß die Kirche der Welt die Frage
vorlegt:
Wo ist deine Frucht, die Gott, der Herr, von dir erwartet?
Nein, so geht das nicht. Was hier zu sagen ist, gilt gerade uns
Christen. Es ist nicht der Fall, daß wir mit dieser Frage nichts
zu tun haben. Es ist nicht der Fall, daß wir in allem tadellose
Menschen sind.
Wir sind aufgefordert, nun das sein zu lassen, daß wir uns vor
unseren eigenen Spiegel stellen und uns in diesem Spiegel erkennen
als besonders fromme Menschen, möglichst noch mit einem
Heiligenschein. Nicht auf die sogenannten bösen Menschen da
draußen laßt uns schauen und auf sie mit den Fingern zeigen,
sondern laßt und gerade erkennen, daß wir gemeint sind, du und
ich.
Das war ja die Haltung der Menschen, die da vor Jesus stehen und
denen er dieses Gleichnis erzählt hat. Sie waren ja auch zu ihm
gekommen, damit sie ihn aufmerksam machten auf die bösen Menschen
und damit er erkenne, wie tadellos doch sie wären. Was müssen das
doch auch für böse Menschen gewesen sein, die damals, als der Turm
zu Siloah einstürzte, umkamen. Und was müssen wir doch für gute
Menschen sein, daß Gott gerade uns in den vielen Bombennächten,
daß Gott gerade uns in den Strapazen und Unmenschlichkeiten der
Kriegsgefangenschaft, daß Gott gerade uns in der großen
Hungerszeit nach dem Kriege beschützt und beschirmt hat.
Gott verwehrt uns solches Reden und Sprechen und gebietet uns, vor
ihm stille zu stehen, damit er auch uns die Prüfung nach der
rechten Frucht unterziehen kann.
Wie sieht das Ergebnis dieser Suche bei uns als Christen aus?
Ach, nur mit einer Bestürzung ohnegleichen können wir das Urteil
Jesu über uns vernehmen:
"Und er fand diese Frucht nicht."
Es ist einfach erschreckend festzustellen, wie gerade bei uns im
Westen, im sogenannten christlichen Westen, mit einer sogenannten
christlichen Bundesregierung und mit sogenannten christlichen
Parteien und mit ungezählten christlichen Vereinen und Vereinchen
im letzten Grunde von einer solchen echten Frucht, wie sie Jesus
Christus meint, nichts zu finden ist.
Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit wird das Wort
"christlich" in den Mund genommen und mich sollte es nicht
wundern, wenn es bald eine christliche Wehrmacht und christliche
Atombomben gibt.
Aber täuschen wir uns nicht, das Wort "christlich" will nur unsere
eigenen persönlichen Unglauben verdecken. Wir haben trotz aller
Christlichkeit längst unseren Glauben an Jesus Christus verkauft
an die marschierenden Soldaten. Wir haben längst wieder das Gebot:
"Du sollst nicht töten!"
vertauscht gegen die Parole:
"Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den
Schädel ein."
Wo sind denn noch die Menschen, die in den Spannungen dieser Welt
zwischen Ost und West weder schielen nach Amerika noch nach
Rußland, sondern die ihr ganzes Vertrauen setzen auf ihren Herrn
und Heiland Jesus Christus?
Wo sind unter uns Christen, die noch das wissen, was der Präses
unserer Evangelischen Kirche, Dr. Heinemann, einmal bekannte:
"Die mächtigen Herren dieser Welt gehen, aber unser Herr kommt."?
Erschütternd ist es, diese Feststellung unseres Herrn über uns und
über unser ganzes faules, wenn auch sogenanntes, christliches
Abendland, hören zu müssen:
"Und der Herr fand die gesuchte Frucht nicht."
Vor seinem Auge wird unser ganzes Leben, im privaten ebenso wie im
öffentlichen Leben, mit allen Dunkelheiten und mit allem
Ungehorsam gegen den lebendigen Herrn offenbar. Er zeigt uns, wie
unsere ganze so hochgepriesene Frömmigkeit nur eine lackierte
Bruchbude ist.
Es ist mir einfach ein Rätsel, das Christen unter uns sind, die es
freudig begrüßen, wenn Amerika seine Atombomben bei uns in
Westdeutschland mit einer christlichen Regierung mit Richtung
gegen Ostdeutschland aufstellen. Alle anderen Regierungen in
Westeuropa haben die Aufstellung dieser satanischen
Mordinstrumente abgelehnt, nur uns blieb das vorbehalten, sie
sogar noch freudig zu begrüssen.
Genauso wie wir es einmal verantworten müssen, warum wir als
Christen während der Nazizeit nicht unseren Mund aufgetan haben
gegen die Ermordung von 5 Millionen Juden, gegen die
Konzentrationslager mit allen Unmenschlichkeiten, gegen die
Ermordung kranker Menschen, genauso werden wir es verantworten
müssen, wenn wir schweigen über die Aufstellung dieser
Atomkanonen.
Hoffentlich merken wir es, daß in der Tat unsere ganze
Christlichkeit hier im Westen ein Bruchladen ist und wenn die
anderen sich auch die Ohren zuhalten, so laßt uns jedenfalls dem
Worte des Herrn stille halten, der im furchtbaren Gerichtsernst
über uns ausruft:
"Haue den Baum ab, er schadet nur dem Land!"
Nicht einer ist unter uns, der vor Gott in dieser Stunde treten
könnte und ihm zurufen dürfte, was du da über einen jeden
einzelnen und über unser ganzes christliches Abendland beschlossen
hast, ist ein großes Unrecht. Wir haben ein solch hartes Urteil
nicht verdient, du, Gott, hast uns falsch eingeschätzt.
Lassen wir doch das Versteckenspielen, es liegt offen zu Tage, daß
wir als Christen auf der ganzen Linie versagt haben.
Haben wir Verkündiger wirklich nicht zu oft gegenüber dem Ernst
der 10 Gebote gekniffen und Angst gehabt, sie in aller Wahrheit zu
verkündigen; haben wir als Gemeindeglieder nicht nur zu oft
gemeint, unser Glaube sei etwas für die Seele, für das Leben
hinter verschlossenen Türen und haben dabei vergessen, daß unser
Glaube eine öffentliche Sache ist, die wir der ganzen Welt zu
bezeugen haben?
Wo ist der Christ in unserer Gemeinde, der an der Stelle, wo er
hingestellt worden ist, an seinem Arbeitsplatz oder in seinem
Verein oder in seiner Partei oder in seiner Gewerkschaft, ein
eindeutiges Bekenntnis mit Worten und Werken zu seinem Herrn Jesus
Christus abgelegt hat, sodaß die, die es hörten, von der Kraft
Gottes, die hinter diesem Bekenntnis stand, überwunden wurden?
Wo sind die Gemeindeglieder, die zur Stelle waren, wenn sie Gott
in seinen Dienst rief? Nein, nein, wir können Gott nicht täuschen.
Wenn sein durchdringendes Auge uns anschaut, dann vergeht uns
unser Ausreden und unser Entschuldigen, dann bleibt nur das Wort
übrig:
"Haue ihn ab, was hindert er noch das Land!"
Gegenüber diesem Gerichtswort gibt es auch kein Bitten und Flehen,
gibt es ebenfalls kein billiges um Gnade flehen, sondern diesem
Wort gegenüber gibt es für uns nur die eine Haltung, die spricht:
"Herr, tue mit mir, was du beschlossen hast. Haue mich ab!"
Der Schweizer Reformator Calvin konnte das einmal so etwa zum
Ausdruck bringen, daß er sagte:
"Herr, wenn du mich sogar in die Hölle hinein verdammst, so kann
ich dich wegen dieser deiner Entscheidung nur ehren und preisen,
denn ich bin in der Tat der, der von dir zu Recht verdammt worden
ist."
Das ist ein ungeheuerliches Wort, aber doch kommt für uns alles
darauf an, daß wir Gott in seinem Urteil über uns, das uns
verdammt, Recht geben.
Nun erleben wir nach diesem Bekenntnis aber etwas, was unserm
Denken und Empfinden völlig übersteigt.
Wir sagten am Anfang, daß es für uns verständlich ist, wenn der
Bauer nach der Frucht seiner Obstbäume fragt, hier allerdings wird
etwas getan, was nicht nur alle Regeln des Obstanbaues über den
Haufen wirft, sondern auch etwas, was mit menschlichen Begriffen
kaum wiederzugeben ist.
Hier steht der Gärtner auf und stößt eine unerhörte Bitte aus:
"Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis daß ich um ihn grabe und
bedünge ihn!"
Es soll noch einmal mit diesem Baume versucht werden, der nur wert
ist, abgehauen und verbrannt zu werden.
Diese ungeheuerliche Bitte um Aufschub des Gerichtes ist
ausgesprochen.
Haben wir es gehört, wir alle, die wir durch Gottes Wort gerichtet
werden, haben noch eine Gnadenfrist bekommen. Es ist einer bei
Gott für uns eingetreten, der das fast Unmögliche noch einmal
wagt, der noch hofft, daß aus uns noch einmal etwas wird. Noch
einmal ist diese Gnadenzeit über uns alle ausgesprochen, noch
einmal darf vielleicht auch die Christenheit bei uns in
Deutschland umkehren von den ungehorsamen Wegen der letzten Zeit
auf allen Gebieten.
Allein die Hoffnung Jesu Christi ist noch unsere Hoffnung. Allein
sein Bitten beim Vater im Himmel gibt uns noch diese Gnadenfrist.
Noch einmal, vielleicht zum letzten Male, ist uns in Deutschland
Gelegenheit gegeben zur Umkehr von unseren bösen Wegen und zur
Buße. Der das für uns erwirkt hat, ist kein anderer als der, der
am Kreuz auf Golgatha an seinem eigenen Leibe erfahren hat, was
Gottes Urteilsspruch bedeutet:
"Haue ihn ab!"
Seit dieser Zeit läuft die Botschaft von der großen Geduld Gottes
über diese Erde und seitdem gibt es für uns, die wir in der Tat
auf der ganzen Linie versagt haben und von Gott verdammt wurden,
nichts Köstlicheres als daß diese Botschaft von der göttlichen
Geduld auch uns noch heute gilt.
Diese göttliche Geduld wurde uns nicht geschenkt, weil wir Gott
darum gebeten hätten, sondern diese Geduld ist das Werk unseres
Herrn und Meisters Jesus Christus. Er tritt für uns beim Vater im
Himmel ein.
So hebt uns der Sohn aus dem Staube der Verdammnis wieder auf.
Hören wir es recht: Gott hebt uns aus unserer Schuld wieder auf.
Der Sohn hat für uns gebeten und hat es ermöglicht.
Wir dürfen nun wieder stehen, wir dürfen nun wieder frei atmen,
welch ein herrliches Geschenk, Gott vergibt uns unsere Schuld.
Als die, die wieder stehen durften, können wir allerdings nicht
wieder auf dem selben alten und ungehorsmane Fleck stehen bleiben.
Wir sollen unsere Triebe und Lüste, unsere privaten und
öffentlichen Ideale und unseren Schmutz, den wir vor die Füße Jesu
gelegt haben, nicht wieder mit uns herumschleppen.
Wenn Gott uns in seinem furchtbaren Gericht noch vor kurzer Zeit
die Waffen aus der Hand geschlagen hat, weil wir sie in
schändlichster Weise mißbraucht haben, um Millionen von Menschen
dahinzumorden, dann können bußfertige Christen jetzt nicht im
Ungehorsam gegen Gottes Gebot:
"Du sollst nicht töten."
diese Waffen wieder in die Hand nehmen, dann müßte es uns
unmöglich sein, im Angesichte der gegen den Osten aufgestellten
Massenmordgeräte der Atomkanonen, noch eine einzige ruhige Nacht
zu verbringen oder ruhig ohne Gewissensbisse in den Gottesdienst
zu kommen, unbekümmert, daß ein Druck auf diese Geräte Millionen
von Menschen durch die Unvernunft einiger weniger dahingemordet
werden können. Buße für uns als Christen bedeutet, sich nicht auf
Waffen und Atombomben zu verlassen, sondern allein auf den Herrn.
Jesus Christus hat uns aus dem Staube gehoben, nicht daß wir
wieder in die alte Gleichgültigkeit und den alten Trott verfallen,
sondern uns endlich zum Gehorsam gegen Gott und seine Gebote rufen
lassen. Auch von uns soll es heißen:
"Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden."
So will unser heutiges Hören auf Gottes Wort zu einem Freudentag
werden, zu einem Tage, da wir als die unter der Schuld
Zusammengebrochenen, aber von Jesus Christus wieder Aufgerichteten
und als die Begnadigten weiter durch das Leben ziehen und so auch
Frucht bringen, auf die es ankommt.
Wer allerdings diesem Worte nicht traut und meint, es sei ja
garnicht so schlimm mit uns, der muß wissen, daß er noch immer im
Gericht Gottes steht:
"Haue ihn ab, denn er nimmt den anderen den Platz weg!"
Keiner von uns darf sich durch den Gedanken einschläfern lassen,
daß die Geduld Gottes unbegrenzt sei. Vorsicht ist am Platze, denn
die Geduld Gottes hat eine Grenze:
"Laß ihn noch dieses Jahr!"
Wir dürfen wissen, daß wir heute noch in diesem Raum der Gnade
Gottes leben und daß wir noch heute uns von Jesus Christus zu
einem Menschen umgestalten lassen dürfen, der Frucht bringt, der
Gott gehorsam ist.
Wann unsere Frist, wann die Frist der Evangelischen Kirche in
Deutschland abgelaufen ist, wissen wir nicht, sie kann aber schon
morgen zu Ende sein und dann müßte es auch von uns heißen:
"Wo er innerhalb der Frist nicht wollte Frucht bringen, haue ihn
ab!"
Aber das kann doch nicht wahr sein, daß wir diese Frist
verstreichen lassen wollen.
Laßt uns darum ringen, daß diese große Geduld Gottes für uns, für
unsere Christenheit und fúr unser deutsches Volk zum Heil werde
und wir rechte Frucht bringen.)

_______________________


Es ging meiner Frau darum, den Chor und die Gemeinde an das neue
Liedgut aus Deutschland heranzufuehren. Das Besondere war, dass im
Dorf allgemein die deutsche Sprache gesprochen wurde und
ueberhaupt aller Dienst, auch in den Filialgemeinden, in der
deutschen Sprache geschah. Nur eine Schweizergemeinde, Col.
Nueva,, die unserer Gesamtgemeinde General Alvear angeschlossen
war, war schon ganz in die spanische Sprache uebergegangen, und
wurde in meiner ersten Zeit durch meine Vorgaenger,
P. Faber und P. Hoppe, in der spanischen Sprache betreut.
Fuer mich war es klar, dass ich eine laengere Zeit ueberhaupt
brauchen werde, um die Situation der Gemeinde und ihr bisheriges
Leben zu verstehen, auch um in ein naeheres Verhaeltnis zu den
anderen Gemeinden unserer Kirche in Entre Ríos und im ganzen
Arbeitsgebiet unserer Kirche in Uruguay, Paraguay und Argentinien
zu kommen. Wir versuchten auch in der ersten Zeit, uns an die
Gepflogenheiten der Gesamtgemeinde strikt zu halten.
Mein Tatendrang war am Anfang sehr stark gebremst dadurch, dass
ich kein Fahrzeug hatte und durch die schlechten Wege, die bei
Regenwetter und danach sogar nur mit dem Pferdewagen befahrbar
waren. Das bedeutete, dass ich schon bei ganz schwachen
Unwetterdrohungen von den Filialgemeinden zu den Gottesdiensten
nicht abgeholt wurde. Ganz selten wurde dazu ein Auto benutzt,
weil in verschiedenen von ihnen es hoechstens 1 oder 2
Autobesitzer gab..Die Filial- oder auch Teilgemeinden genannt,
waren ca. 10, 15, 30, 50 und 120 km vom Pfarrsitz Aldea
Protestante entfernt.
Wenn ich in der kleinen Gemeinde Meroú einen Gottesdienst am
Sonntagmorgen halten wollte, musste ich mich am Samstagmorgen
schon auf den Weg machen. Ein Abholen von Seiten dieser kleinen
Gemeinde mit dem Pferdewagen war schwer moeglich. Die Fahrt ging
normalerweise so vor sich:
Vom Pfarrhaus wurde ich von einem Glied von Aldea Protestante mit
dem Pferdewagen abgeholt und bis zu der Asphaltstrasse gebracht,
die nach Paraná fuehrt, wo ich einen Omnibus nahm. Dort stiueg ich
in einen anderen Omnibus, der mich auf dem Erdweg nach Crespo
brachte, wo die Gemeindegelieder der Filialgemeinden Reffino und
Meroú normalerweise ihre Geschaefte machten. Und dort nahm mich
ein Glied von Meroú, der dort seine Einkaeufe und Verkaeufe
getaetigt hatte, mit seinem Pferdewagen bis zu seinem Hof in
Meroú. Wie oft waren wir waehrend der ganzen Fahrt in einer
starken Staubwolke gehuellt. Das war nicht nur mit dem Pferdewagen
so, sondern auch, wenn ich mit dem Auto abgeholt wurde. Hier im
Bauernhaus konnte ich mich frisch machen und es kam zum
persoenlichen Kontakt mit der ganzen Familie. Waren Kinder
vorhanden, sangen und spielten wir. Am anderen Morgen ging es dann
mit der ganzen Familie auf dem Pferdewagen zum Gottesdienst. Nach
dem Gottesdienst nahm mich ein anderer Familienvater mit zum
Mittagessen und danach hattte ich die Gelegenheit zu einem
Mittagsschlaf. Den Nachmittag benutzte ich, die Kranken zu
besuchen oder machte allgemein Hausbesuche, die oft mit einem
Hausgottesdienst verbunden waren. Anschliessend ging es den selben
Weg, den ich auf der Hinfahrt gemacht hatte, wieder zuruek, sodass
ich spaet am Abend wieder zu Hause war. Was meine Frau zu Hause
inzwischen schwer verkraften konnte, war, dass das ganze Dorf
durch das Vieh, das zum Melken ins Dorf getrieben wurde, bei den
Lehmstrassen in eine Staubwolke eingehuellt wurde und damit auch
das Innere des Pfarrhauses. Interessant war von Anfang an, dass
die Gesamtgemeinde aus einer Dorf-, einer Stadtgemeinde und 4
Kampgemeinden bestand. Zu den letzteren gehoerte auch die bereits
erwaehnte Schweizergemeinde in Col. Nueva.
Diese Zusammensetzung sollte sich allerdings in den folgenden
Jahren noch veraendern und erweitern.
Vielleicht kann das erwaehnt werden , dass waehrend unseres ersten
Aufenthalts in Buenos Aires, uns auffiel, dass sehr viel
Propaganda fuer und um JUAN PERON, den Praesidenten von
Argentinien, und seiner bereits verstorbenen Ehefrau EVITA gemacht
wurde. Ueberall in der Oeffentlichkeit erklang der
Peronistenmarsch. Die Stadt war voller lebensgrosser Bilder von
den Beiden. In jedem Omnibus oder Zug gruessten sie uns. Besonders
Evita wurde fast wie eine politische Heilige verehrt. Eine gewisse
Aehnlichkeit in dem allen mit dem, was unter Hitler in Deutschland
geschah, lag auf der Hand. In der deutschen evangelischen Gemeinde
in Buenos Aires allerdings war eine sehr reservierte Haltung gegen
Peron und gegen den Peronismus zu spueren, gleichfalls wie bei den
Militaers und in den hoeheren Kreisen Argentiniens. Nicht zu
verkennen aber ist, dass beide Perons, mag auch aus nicht zu
erkennenden Gruenden, viel fuer die aermere Bevoelkerung und fuer
die Arbeiter getan haben.
Obwohl uns das alles auffiel, haben wir das alles zunaechst als
eine lateinamerikanische Mentalitaet etwas bei Seite geschoben. Es
gab ja so viel Anderes und Neues. Doch schon in der ersten Woche
am Pfarrsitz in Aldea Protestante wurden wir von einem
Vorstandsmitglied der Gemeinde zum Mittagessen eingeladen und
dabei herzlich und dringend gebeten, unter keinen Umstaenden
oeffentlich Krittik an Peron und Evita und der peronistischen
Bewegung und am peronistischen Staat zu ueben, das wuerde uns und
der Gemeinde teuer zu stehen kommen, er selbst habe schon bittere
Erfahrungen machen muessen. Man kann sich vorstellen, dass uns
manches klar wurde, denn wir hatten es schon zur Genuege in
Deutschland kennen gelernt.
Aber schon kurze Zeit danach war alles zusammengebrochen oder
durch das Militaer "zusammengebrochen worden ", obwohl der
Peronismus immer wieder im Hintergrunde brodelte und dann auch
wieder politisch offen bis heute zu Tage trat.
Das Militaer ging allerdings gegen jede demokratische politische
Macht in Argentinien vor und suchte den diktatorischen Staat als
eine Normalitaet einzusetzen und zu foerdern.
Wir, meine Frau und ich, hatten es bald gemerkt, dass sich unsere
Gemeindeglieden, mit wenigen Ausnahmen, ziemlich apolitisch
verhielten, aber in einer ueberhoehten Weise staatstreu war. Das
kommt sicher aus ihrer Situation als Immigranten, die doch nur
geduldet wuerden, wie sie meinten. Sie nahmen damals kaum am
politischen Leben teil und das hatte sich fuer viele weitere Jahre
auch nicht geaendert, weil sie einmal noch lange an der deutschen
Sprache festhielten und darum die ganze Realitaet nicht erfassen
konnten.. Mit einer Zeitung wussten sie nichts anzufangen. Langsam
durch die Kinder in den Regierungsschulen und durch die
oertlichen Radiosendungn wurden ihnen nach und nach das Leben
ausserhalb ihres Gesichtskreises immer etwas naeher gebracht.
So habe auch ich selbst in den ersten Jahren ohne Auto nicht
erfahren, dass die Bewohner der Hafenstadt Diamante am Fluss
Paraná, in der sich eine kleine evangelische Gemeinde bildete, zur
Haelfte in Huetten (ranchos) wohnen, die man aber normalerweise
nie zu Gesichte bekommt.
Die Heirat unserer Gemeindeglieder mit Argentiniern wurde
anfaenglich sehr geaechtet. Viele unserer Gemeindeglieder waren am
Anfang unserer Zeit nicht ein einziges Mal in ihrem Leben in der
Provinzhauptstadt Paraná (30 km von Aldea Protestante entfernt)
gewesen. Eine kleine Gemeinde besteht auch dort.
Da unter den damaligen Verhaeltnissen der Dienst in den
verschiedenen Teilgemeinden nur fuer die dringenden Faelle, das
heisst Krankenbesuche und Beerdigungen, und fuer den Gottesdienst
einmal im Monat moeglich war, haben wir den Dienst in der Gemeinde
am Pfarrsitz intensisviert. In jeder Woche ohne
Sonntagsgottesdienst gab es am Donnerstagabend einen
Wochengottesdienst, in dem fortlaufend ganze Buecher der Heiligen
Schrift ausgelegt wurden, wie z.B. das Markus-Evangelium, die
Propheten Amos und Jona, oder der Kolosserbrief. Diese
Wochengottesdienste wurden sehr gut besucht. Es konnten dabei auch
die textkritischen und theologischen Schwierigkeiten angesprochen
werden, von denen leider normalerweise die Gemeindeglieder nichts
erfahren. Der schon bestehende Chor konnte ganz neu aufgebaut und
mit dem damaligen neuen Liedgut aus Deutschland vertraut gemacht
werden .Fast die ganze maennliche und weibliche Jugend war im Chor
vertreten, auch aeltere Frauen und Maenner nahmen daran teil.
Diese Chorarbeit lag ganz in den Haenden meiner Frau, auch die
Kindergottesdienstarbeit, desgleichen die Bildung von 2
Blockfloetenkreise. Sie bildete auch 3 Maedchen in der Begleitung
des Gemeindegesangs mit dem Harmonium aus, die dann spaeter als
Organistinnen fuer den Gottesdienst zur Verfuegung standen. Bei
unserer Ankunft tat noch ein Deutscher in einer primitiven Weise
Deutsch-Unterricht in Anlehnung an den Kleinen Katechismus Martin
Luthers..
Um die Arbeit in den Teilgemeinden zu intensivieren, wurden die
Fahrten zu einem vollen
Dienst am ganzen Wochenende geplant. Er begann schon am
Freitagabend und wurde ausgefuellt mit Kranken- und normalen
Hausbesuchen, evtl. Hausgottesdiensten, mit Lichtbildvortraegen;
um die Gemeinde mit dem , was ums her und in der Welt und in der
Kirche geschah, vertraut zu machen, und es fanden dann auch
regelmaessig Bibelstunden statt. Besonders wurde der 14-taegige
oder 3-woechige Konfirmanden-Unterricht fuer die Gemeinde benutzt.
Ich wohnte dabei auf einem Bauernhof in der Gemeinde.
Normalerweise kam jeden Abend die Gemeinde zu einer Bibelstunde
oder einem Lichtbildabend oder zum Einueben der Gesangbuchlieder
zusammen. Hausbesuche waren selbstverstaendlich.
Leider wurde der Dienst eines Lektors fuer Lesegottesdienste zur
Belebung der Gemeindearbeit nicht angenommen, trotzdem ich gleich
am Anfang einige willige Maenner zu diesem Dienst ausgebildet
hatte. Der Grund der Ablehnung lag in den schlechten Erfahrungen,
die man allgemein in unseren Gemeinden in Entre Ríos mit den
aehnlichen Diensten gemacht hatte, die durch Glieder der
sogenannten BRUEDERBEWEGUNG durchgefuehrt wurden.
Wie konnte es anders sein, als dass die ganze Gemeindearbeit unter
dem Bekenntnis

JESUS CHRISTUS allein ist der HERR!

stand.
Wir sangen zum Schluss jeden Gottesdienstes das Lied:

1. Jesus Christus, Koenig und Herr,
sein ist das Reich, die Kraft, die Ehr!
Gilt kein anderer Name,
heut und ewig. Amen.
2. In den Juengsten Tages Licht,
wenn alle Welt zusammenbricht,
wird zu Christi Fuessen
jeder bekennen muessen:
3. Jesus Christus, Koenig und Herrr,
sein ist das Reich, die Kraft, die Ehr!
Gilt kein anderer Name,
heut und ewig. Amen

Ebenfalls galt fuer uns, was durch das Barmer Bekenntnsis bezeugt
wird.

Die evangelischen Gemeinden in Entre Ríos standen unter einer
doppelten Anfechtung:
1. Die Glieder, die zum groessten Teil Russlanddeutsche oder
Nachfahren von Russlanddeutschen waren, hatten in den Siedlungen
in Russland erlebt, dass in einer nicht guten Weise dort Pfarrer
und Polizist zur Aufrechterhaltung der Ordnung und der Sitte
zusammen arbeiteten, was sie innerlich im Grunde ihres Herzens
ablehnten und als sie hier in Argentinien ankamen, und die
Freiheit genossen, wollten sie sich nicht mehr durch die Vertreter
der Kirche in irgendeiner Form baendeln lassen, hier waren sie ja
nicht mehr dazu gezwungen. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis dass
sie merkten, dass keine Kirche mehr ihnen zur Seite stand. Und
zwar baten sie erst um einen Pfarrer aus Deutschland, nachdem sich
die ADVENTISTEN im Raum unserer Gemeinde in Puiggari niederliessen
und sie durch ihre Propaganda in Unruhe brachten. Ihren
tradionellen Glauben wollten sie sich durch sie dann doch nicht
nehmen lassen. Dieses Zentrum der Adventisten hat sich im Laufe
des Jahrhunderts immer mehr ausgebreitet mit Sanatorium, mit
Primaer- und Sekundaerschulen und verschiedenen
Universitaetsfakultaeten und Krankenpflege und bleibt immer noch
eine Anfechtung fuer unsere Gemeinde. Die ersten Adventisten in
Argentinien waren Russlanddeutsche gewesen. Es folgt eine
Bibelarbeit ueber "Jesus Christus und der Sabbath":
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JESUCRISTO Y EL SÁBADO
El sábado en el pueblo Israel:
En la legislación por Moisés, Dios ha dado a su pueblo Israel el
mandamiento del sábado, parte del decálogo. Tenemos los textos
fundamentales del decálogo:
Deuteronomio 5: 6 - 21
Éxodo 20: 2 - 17.
En el principio ya de ambos textos Dios se presenta. Es El que ha
librado a su pueblo Israel de la esclavitud de Egipto.
Deuteronomio 5: 6
Éxodo 20: 2
"Yo soy Jehová tu Dios, que te saqué de la tierra de Egipto,
de casa de servidumbre."
Este decálogo es fundamental para la relación de Dios con su
pueblo Israel:
Éxodo 19: 5 - 6:
"Ahora, pues, si diereis oído a mi voz, y guardaréis mi pacto,
vosotros seréis mi especial tesoro sobre todos los pueblos; porque
mía es toda la tierra. Y vosotros me seréis un reino de
sacerdotes, y gente santa. Estas son las palabras que dirás a los
hijos de Israel."
¿Por qué y para qué Dios ha dado el mandamiento del sábado a su
pueblo Israel?
La primera contestación nos da:
Deuteronomio 5: 15:
"Acuérdate que fuiste siervo en tierra de Egipto, y que Jehová tu
Dios te sacó de allá con mano fuerte y brazo extendido; por lo
cual Jehová tu Dios te ha mandado que guardes el día de reposo."
El pueblo Israel debe guardar el mandamiento del sábado en memoria
de su servidumbre en Egipto, un tiempo sin días de reposo y en
memoria de su liberación por Dios para poder reposar. El
mandamiento del sábado es fundado en la historia del pueblo
Israel.
Otra contestación nos da:
Éxodo 20: 11:
"Porque en seis días hizo Jehová los cielos y la tierra, el mar, y
todas las cosas que en ellos hay, y reposó en el séptimo día; por
tanto, Jehová bendijo el día de reposo y lo santificó."
De la historia del pueblo Israel, siendo una historia de Dios con
su pueblo viejo, también va la mirada al principio del mundo, a la
creación por Dios, el Creador.
El pueblo Israel, pueblo de Dsios, debe guardar el mandamiento del
sábado en la memoria de la creación del mundo por Dios.
En Génesis 2: 2-3 leemos que Dios reposó y bendijo y santificó el
séptimo para sí, no ha dado un mandamiento del sábado para todos
los hombres.
Según estos dos textos Deuteronomio 5: 15 y Éxodo 20: 11, el
mandamiento del sábado no es un mandamiento absoluto, tampoco
tiene validez para la eternidad y para todos los hombres, sino es
un mandamiento, dado de Dios en el monte Sinaí con los otros
mandamientos y dentro de la Ley completo de Dios por Moisés al
pueblo Israel. La Ley arregla la relación de Dios con su pueblo
Israel.
Según Éxodo 31: 12-17 y Ezequiel 20: 10-12, el sábado es la señal
entre Dios y los hijos de Israel.
El que profana de los hijos de Israel el sábado o quien trabaja es
un profanador del sábado y debe morir.:
Éxodo 31: 14+15:
"Así que guardaréis el día de reposo, porque santo es a vosotros;
el que lo profanare, de cierto morirá, porque cualquiera que
hiciere obra alguna en él, aquella persona será cortada de en
medio de su pueblo ....."
y
Éxodo 35: 1-3
".........Cualquiera que en él hiciere trabajo alguno, morirá."
Y en Marcos 15: 32-36 nos es contado que un violador del sábado
fue apedreado.
Por el sábado se podía reconocer al pueblo Israel, pueblo de Dios
entre todos los otros pueblos.
Por los píos, el pueblo Israel ha recibido muchas explicaciones
exactas del mandamiento del sábado:
Éxodo 35: 3
Jeremías 17: 21-27
Nehemías 10: 31
Nehemías 13: 15-22
Isaías 58: 13-14
Isaías 56: y muchos otros versículos.
También hay muchos libros no-bíblicos, por ej. MISCHNA o los
textos de Qumran, que explican el mandamiento del sábado.
Pero ya tenemos textos bíblicos-proféticos que critican al sábado:
Isaías 1: 13 "...día de reposo....no lo puedo sufrir."
Osea 2: 11 "Haré cesar todo su gozo, sus fiestas, sus nuevas
lunas y sus días de reposo, y todas sus festividades."
JESUS Y EL SÁBADO
Dios envió a su Hijo, hombre Jesús de Nazaret, en el pueblo
Israel, para dar la salvación, no solamente al pueblo Israel, sino
también a todos los otros hombres del mundo.
¿En qué forma, Jesús de Nazaret maneja con el mandamiento del
sábado?
Primero hemos de decir que Jesús vive claramente, siendo un
miembro del pueblo Israel, en la tradición de su pueblo, también
en la tradición del sábado. Los sábados, Jesús está predicando en
las sinagogas:
Marcos 1: 21
Marcos 6, 2
Lucas 4: 16 y otros.
Pero pronto ya acontecieron muchas contraversias muy graves entre
Jesús y los píos de su tiempo por el mandamiento del sábado.
TIEMPOS DE CONTROVERSIAS ENTRE JESÚS Y LOS PÍOS POR EL
SÁBADO.
Marcos 2: 23-28
Lucas 6: 1-5
Los discípulos, habiendo recogido espigas en el sábado, fueron
acusados por los fariseos, pero Jesús defiende a sus dicípulos:
"¿O no habéis leído en la ley, como en el día de reposo los
sacerdotes en el templo profanan el día de reposo y son sin culpa?
Pues os digo que uno mayor que el templo será aquí." -Mateo 12:
5+6-
Ya en el pueblo Israel y su historia, el mandamiento del sábado,
dice Jesucristo, no es absoluto, se podía quebrantar éste sin
culpa, es una situación especial, porque el Hijo de Dios,
legislador, está presente. Tampoco los discípulos tienen culpa,
quebrantando el
sábado.
En Marcos 2: 27, Jesús dice que Dios ha dado a su pueblo Israel su
mandamiento del sábado como ayuda, no como una ley absoluta.
"El día de reposo fue hecho por causa del hombre, y no el hombre
por causa del día de reposo."
Así el hombre es más importante que el sábado.
En los 3 textos, Jesús termina su defensa con la indicación que
los discípulos son discípulos del Hijo del Hombre ( del Mesías,
del Hijo de Dios) y como Hijo de Dios, Jesús es legislador y como
legislador puede hacer con un mandamiento lo que quiere, también
puede anularle. Como legislador Jesús no está bajo el mandamiento
del sábado.
Marcos 2: 28
"Por tanto, el Hijo del Hombre es Señor aun del día de reposo."
b) Mateo 12: 9-14
Marcos 3: 1-6
Lucas 6: 6-11
En estos textos tenemos la historia, en que Jesús ha sanado a un
hombre con una mano seca en el sábado. De los defensores del
sábado Jesús es preguntado:
"¿Es lícito sanar en el día de reposo?"-Mateo 12: 10-
Contesta:
"Es lícito hacer el bien en los días de reposo.? -Mateo 12: 12-
Con esta contestación Jesús no acepta el mandamiento del sábado
como un mandamiento de no trabajar, de no hacer. Una persona
siempre hace una cosa, por eso es muy importante lo que uno haga
en el sábado: mal o bien, ayudar o matar a otro.
Claramente esta explicación del mandamiento del sábado es contra
la explicación de los píos, por eso, según la opinión de estos
píos, Jesús es un violador del sábado que según Éxodo 31: 14 debe
morir.
"Y salidos los fariseos, tuvieron consejo contra Jesús para
destruirle." -Mateo 12: 14-
c) En Marcos 1: 21-28 leemos que en el sábado, Jesús sanó a un
hombre con un éspíritu inmundo que todos se asombraron.
d) De Lucas 13: 10-17 conocemos la historia que en el sábado en la
sinagoga, Jesús sanó a una mujer, enferma ya hace 18 años.
Acusando por el principal de la sinagoga por violación del sábado,
Jesús empieza defenderse con la palabra:
"Hipocritoa."-Lucas 13: 15-
e) Lucas 14: 1-6 nos predica que en el sábado en la casa de un
fariseo, Jesús sanó a un hombre hidrópico.
f) En el texto Juan 9: 1-41 hallamos una contraversia muy grave
entre Jesús y los píos del pueblo Israel por una curación de un
ciego de nacimiento en el sábado.
Al fin leemos así:
"Entonces algunos de fariseos decían: Ese hombre no procede de
Dios, porque no guarda el día de reposo." -Juan 9: 16-
g) La más grave contraversia sobre el sábado está escrita
Juan 5: 1-25.
Jesús no solamente ha quebrantado el mandamiento del sábado por la
curación de un hombre paralítico en el sábado, sino también ha
mandado:
"Levántate, toma tu lecho y anda."-Juan 5: 8-
Según el mandado de Jesús, el hombre está andando, el lecho sobre
sus hombros, por las calles de Jerusalén, provocando los fanáticos
del sábado. Esto fue una violación muy grave del sábado.
Se puede entender muy bien lo que se lee en Juan 5: 16:
"Y por esa causa los judíos perseguían a Jesús y procuraban
matarle, porque hacía estas cosas en el día de reposo."
Y un escándalo aconteció que Jesucristo dijo la palabra:
"Mi Padre hasta ahora trabajó, y yo trabajo también."-Juan 5: 17-
Por esta palabra Jesús dice que Dios, su Padre, ha trabajado todos
los sábados, hasta hoy, para el bien de su creación, para sus
hombres.
¿Qué acontecería con su creación, con nosotros, si Dios aceptaría
para si mismo el mandamiento del sábado?
Jesús de Nazaret, Hijo de Dios, hace lo que su Padre hace y quiere
lo que su Padre quiera, por eso, Jesús trabaja en los sábados como
su Padre, Creador, trabaja en los sábados. Y como Hijo de Dios,
Jesús es legislador del decálogo, es su Señor, por eso puede
anular la validez de un mandamiento para los hombres, por eso,
tiene autorización a decir al hombre, quebrantando el sábado:
"Levántate, toma tu lecho y anda."-Juan 5: 8-
Porque Jesús ha dicho esto, los píos no solamente le acusan por
quebrantar el sábado, sino también por blasfemia:
"Por esto los judíos aún más procuraban matarle, porque no solo
quebrantaba el día de reposo, sino que también decía que Dios era
su propio Padre, haciéndose igual a Dios." -Juan 5: 18-
Al fin queremos resumir estos textos de los 4 evangelistas:
1 Jesús, Hijo de Dios, vino en el pueblo Israel con sus
tradiciones, también con su tradición del mandamiento del sábado.
2 El, Hijo de Dios, en unión con su Padre, se sabe legislador y
por eso no está bajo la ley, o bajo el decálogo, o bajo el
mandamiento del sábado.
3 Por eso, Jesucristo trabaja y obra sin respetar el sábado, como
tampoco Dios, su Padre, en su obrar para nuestro bien, respeta el
sábado.
4 Jesús acepta que sus discípulos tampoco cumplen el mandamiento
del sábado.
5 A un hombre, sanado en el sábado, Jesús mandó para quebrantar el
sábado, provocando los fanáticos de la ley.
6 Jesús no ha mandado, ninguna vez, a sus discípulos o a otros que
deben cumplir el mandamiento del sábado.
7 El último motivo de la muerte de Jesús en la cruz de Gólgota por
los judíos píos, es su quebrantar, su anulanción del mandamiento
del sábado para sí, para sus discípulos y para otros.
8 De la acusación de un violador del sábado se desarrolla la
acusación de los judíos que Jesucristo se un blasfemo, porque en
las controversias sobre el sábado ha dicho que Dios es su Padre y
El, Jesús de Nazaret, Hijo de Dios.

Carlos Schwittay

(Ponencia, dada an la Conferencia Distrital de Entre Ríos en
Crespo el día 11-9-1965)


2. Weitere Anfechtung kam durch die Spaltung der Gemeinde in
Aldea Protestante bei einem meiner Vorgaenger, verursacht durch
einen befreundeten Lehrer, der im Osten Deutschlands arbeitete,
den der Vorgaenger aus Deutschland zur Unterstuetzung seiner
Arbeit geholt hatte. Nach kuzer Zeit sammelte dieser Lehrer sich
unter unseren Gliedern eine Personalgemeinde und machte sich zzum
Pastor. Diese Personalgemeinde ging spaeter zu der
Kongregationalkirche ueber und erschwerte die ganze
Gemeindearbeit. Aehnliches geschah in vielen anderen Gemeinden
unserer Kirche in Entre Rios, dass durch die Propaganda und durch
Versprechungen Glieder der Gemeinden unserer Kirche zu der
Kongregationalkirche oder zu der Lutherischen Missourierkirche
uebertraten.und unsere Gemeinden in grosse Schwierigkeiten
brachten.
Auch das ist eine Realitaet, dass viele unserer russlanddeutschen
Gemeindeglieder aus Entre Ríos und aus dem Innern unseres Landes,
die in Buenos Aires oder in anderen Staedten Arbeit gefunden
hatten, weil das zur Verfuegung stehende Land fuer die ganze
Familie zu klein geworden war oder auch durch Heirat, sich der
roemisch-katholischen Kirche anschlossen, oder einer anderen
evangelischen Denomination, ja, sogar zu Sekten uebergingen, wie
den ERNSTEN BIBELFORSCHERN, oder ganz einem christlichen Leben
fernblieben. Die meisten von ihnen waren fuer ein Leben in der
Stadt nicht vorbereitet, auch nicht in Kenntnis gesetzt worden,
wo ueberall unsere Kirche Gemeinden gebildet hatte oder dass sie
sich also in der Freiheit von der Kirche sehr wohl fuehlten.
Natuerlich war und ist es noch heute die Aufgabe der
russlanddeutschen Gemeinden, ihre Glieder auf die Situation in
Buenos Aires und in anderen Staedten aufmerksam zu machen und
vorzubereiten. Allerdings kann das nicht verteidigt werden, damals
nicht und auch heute nicht,, was der russlanddeutsche Pfarrer
Riffel damals in einem Vortrag in Aldea Protestante als Massstab
fuer die Russlanddeutschen aufstellte:
" Ihr seid als Russlanddeutsche fuer die
Landarbeit bestimmt,
auf dem Lande habt ihr zu leben und da ist eure
Arbeitsstelle,
da hat Gott euch hingestellt. Wenn ihr in die
Stadt geht, seid
ihr verloren! "
Am Anfang meiner Gemeindearbeit hielt ich anlaesslich eines
Frauentages unserer Gesamt-
Gemeinde folgenden Vortrag:

Die evangelische Frau im Haus und im Hof.

Ihr lieben Frauen!
Am Anfang meines Vortrages möchte ich ein Wort aus der Heiligen
Schrift lesen, das die Grundlage des Vortrages sein soll.
Lukas 10, 38-42:
"Es begab sich aber, da sie wandelten, ging Jesus in einen Markt.
da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus.
Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria, die setzte sich zu
Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel
zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr,
fragst du nicht darnach, daß mich meine Schwester läßt allein
dienen? Sage ihr doch, daß sie es auch angreife! Jesus aber
antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge
und Mühe; eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das
soll nicht von ihr genommen werden."

Wir erinnern uns noch,
daß heute morgen in der Predigt gesagt wurde, daß erst durch das
Kommen Jesu Christi die Frau aus der Verachtung der damaligen Zeit
herausgenommen wurde und in gleicher Weise wie der Mann ein Kind
Gottes sein konnte und als ein Kind Gottes auf dieser Erde leben
durfte. Erst durch Jesus Christus wurde auch der Frau der Himmel
aufgeschlossen.
Auch in dieser Geschichte, die wir gehört haben, konnten wir es
spüren, daß Jesus die Verachtung der Frau damals nicht mitgemacht
hatte und sich nicht schämte, als der Sohn Gottes in das Haus der
beiden Schwestern Maria und Martha einzukehren.
Merkwürdig, wie verschieden sich die beiden Frauen Jesus gegenüber
verhalten. Martha läßt es sich nicht nehmen, vom ersten Augenblick
an, Jesus helfend und dienend zur Verfügung zu stehen. Wir alle
können sicherlich nichts anderes tun, als dieser Frau Martha
unsere volle Anerkennung auszusprechen. Sie hat doch dasselbe
getan, was wir auch tun würden, wenn Jesus in unserem Hause in
Aldea Protestante oder sonst wo einkehren würde.
Aber da ist noch ihre Schwester Maria. Sie verhält sich so ganz
anders. Sie läßt alles stehen und liegen, auch die so wichtigen
und nötigen hauswirtschaftlichen Arbeiten, und kennt nur eines,
möglichst in der Nähe des Besuchers zu sein, möglichst kein Wort
überhören von dem, was dieser Jesus von Nazareth sagt, der der
Sohn Gottes ist.
Wer von diesen beiden Frauen hat recht gehandelt: Maria oder
Martha?
Nach unserem eigenen persönlichen Gefühl würden wir wohl alle
sagen: Martha hat recht gehandelt, die sich mit allerlei Arbeiten
für Jesus zu schaffen macht.
-Das Zuhören der Maria ist doch keine gute Sache, ist doch nicht
Weiberangelegenheit!!-
Aber was sagt Jesus dazu? "Martha, Martha, du hast dir zwar viel
Arbeit mit mir gemacht, aber etwas anderes, ein einziges wäre viel
nötiger gewesen und das hat deine Schwester Maria getan."
Jesus sagt also zur Arbeit, zum Tun der Martha ein Nein und zum
Hören der Maria sagt er ein klares und deutliches Ja. Warum
entscheidet Jesus so ganz anders als wir? Das kann doch nicht
möglich sein, daß Jesus es nicht haben will,daß eine Frau für ihn
arbeitet.
Nein, das soll auch nicht mit dieser Geschichte gesagt werden und
das will Jesus selbst auch nicht sagen. Hier in dieser Geschichte
Jesu mit Maria und Martha geht es nicht darum, ob die Frau für
Jesus etwas tun soll oder ob sie nur zuzuhören braucht. Hier geht
es darum, was der Mensch zuerst zu tun hat, wenn ihm Jesus
begegnen will.
Am Anfang einer Begegnung mit Jesus Christus muß immer das Hören
auf sein Wort stehen. Vor einem jeden Tun für Jesus Christus steht
imme das Hören auf das, was wir von ihm gesagt bekommen, was wir
zu tun haben.
Unser Vertrag heißt:DIE EVANGELISCHE FRAU IM HAUS UND IM HOF.
Mit einer evangelischen Frau ist nun die Frau gemeint, die das
tut, was zuerst Maria getan hat. Eine evangelische Frau ist die
Frau, die vor aller Arbeit, vor allem Tun im Haus und in der
Familie und in der Gemeinde zuerst hinhört auf das, was Jesus
Christus ihr sagt, was er ihr zu tun befiehlt.
Wer nicht zuerst hinhört auf das, was Jesus Christus zu sagen hat,
der weiß ja gar nicht, was Jesus von ihr haben will. Wer nicht zum
Gottesdienst der Gemeinde kommt und darum Gottes Wort nicht hört,
ist keine Christin, solch eine Frau ist keine evangelische Frau.
Eine Frau, die zu Hause einen Haushalt von 15 Personen führen
würde und sich nicht die Zeit nimmt, auch an Wochentagen die Hände
zu falten und mit Jesus Christus zu sprechen, die würde ihre ganze
Arbeit umsonst getan haben, selbst wenn es áußerlich so aussehen
würde, als ob es gut wäre. Alles, was wir so erarbeiten würden,
wäre umsonst getan. Mit einem einzigen Worte könnte Gott alles
wieder wegnehmen. Wir haben also bei der Begegnung mit Gott dieses
niemals zu übersehen, daß eine echte Jüngerin Jesu, eine Christin,
eine evangelische Frau immer nur eine Frau ist, die bereit ist,
auf Gottes Wort zu hören und immer wieder neu zu hören und dann an
die Arbeit zu gehen.
Ach, daß ihr als Frauen der Gemeinde General Alvear, als
evangelische Frauen dieses ganz ernst nehmen würdet,
daß es für eine Christin unbedingt und vor allen Dingen notwendig
ist, Gottes Wort im Gottesdienst der Gemeinde zu hören, Gottes
Wort zu Hause zu lesen und jeden Tag neu die Hände zum Gebet zu
falten. Wenn ihr das einmal ernsthaft versuchen würdet, dann
könntet ihr es erleben, daß Jesus Christus euch heute die ganze
Freudigkeit und Freiheit für euren oft so schweren Tageslauf mit
den vielen Sorgen und Nöten geben wird.
Nachdem wir so davon gesprochen haben, worin denn die Grundlage
besteht, wenn ihr evangelische Frauen sein wollt, diese Grundlage
besteht im Hören auf Gottes Wort, können wir nun zeigen, wie wir
in unseren Haus und Hof leben dürfen als evangelische Frauen.
Unser Leben in unserem Haus und Hof ist ja in ganz besonderer
Weise dadurch bestimmt, daß Gott uns als evangelische Frauen nicht
allein gelassen hat, sondern neben uns Menschen gestellt hat, die
mit uns mehr oder weniger verbunden sind und zu uns gehören.
Ich will nur einige Gruppen von Menschen nennen, die neben uns
stehen und mit uns verbunden sein können. Da sind unser Mann,
unsere Kinder, unsere Schwiegertöchter oder unsere
Schwiegermütter. Gerade im Zusammenleben mit diesen Menschen, die
Gott neben uns gestellt hat, zeigt es sich, ob wir evangelische
Frauen sind, das heißt Frauen, die bereit sind, auf Jesu Wort zu
hören, wenn es darum geht, mit diesen unseren Mitmenschen am
Alltag wie am Sonntag zusammenzuleben, zusammenzuarbeiten,
zusammen sich zu erholen und zusammen Feste zu feiern.
Die engste Verbundenheit, die es je zwischen 2 Menschen geben
kann, ist ja nach Gottes Willen die Verbindung von dem einen Mann
und der einen Frau in der Ehe. Die Verbindung ist so eng, daß Gott
von ihr sagt, daß beide, Mann und Frau der eine Mensch ist, den
Gott geschaffen hat und über diesen Menschen, der als Mann und
Frau in der Ehe besteht, gilt das Wort:
"Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden."
Laßt mich hier zu euch als evangelische Frauen sagen, was ich im
besonderen auch immer wieder jungen Eheleuten sage. Wenn das Wort
auch gilt:
"Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht
scheiden.",
so wissen wir alle, die wir Eheleute sind, daß jeder Tag neu
dieses gemeinsame Leben von Mann und Frau auseinanderzubrechen
droht.
Da bereitet der Mann der Frau und die Frau dem Mann Kummer und
Ärgernis und oft kommen Zeiten und Tage und Stunden, wo Mann und
Frau so weit innerlich auseinander sind, daß sie beide sich nicht
mehr verstehen. Ist es nicht erschütternd, wenn wir hören und
lesen, wieviele Ehen, die einmal mit dem besten Vorsatz
geschlossen wurden, in Feindschaft und Haß auseinanderbrechen.
Sind wir so sehr davon überzeugt, daß das bei uns nicht passieren
kann? Glauben wir vielleicht, daß das deswegen bei uns nicht
passieren kann, weil unser Mann ein solch tadelloser und guter
Mann ist und wir solche guten Ehefrauen sind? Mit einer solchen
Meinung haben wir noch keinen Garantieschein in unserer Tasche,
daß unsere Ehen nicht auseinanderbrechen können.
Solange wir Menschen sind, die immer wieder von Gott abfallen,
solange steckt in jeder Ehe der Todeskeim, der unsere Ehe
zerstören kann.
Aber wir sind hier als evangelische Frauen zusammengekommen. Wir
haben gehört, daß wir dadurch evangelische Frauen sind, daß wir
von einer Begegnung mit Jesus Christus herkommen, der uns unsere
ganze Schuld unseres Lebens vergeben hat und vergeben wird. Die
Vergebung unserer Schuld ist der Mittelpunkt unseres christlichen
Glaubens. Und das Zusammenleben von Mann und Frau in der Ehe ist
nur dann nicht dem Zusammenbruch und der Zerstörung ausgeliefert,
wenn diese gegenseitige Vergebung von Mann und Frau im Mittelpunkt
steht. Daß Mann und Frau sich einmal Böses antun, wird keiner
verhindern können, aber das können evangelische Frauen verhindern,
daß sie in ihrem Herzen wochenlang, monatelang und vielleicht
jahrelang gegen ihren Mann Verachtung, Groll, Zorn und
abgrundtiefe Enttäuschung herumtragen und dadurch das ganze
Zusammensein mit dem Mann vergiften. Evangelische Frauen können
das verhindern, in dem sie über das, was der Mann ihr angetan hat,
sprechen:
Du, ich vergebe dir!
Sie können aber auch verhindern, daß ihr Mann in derselben Weise
den Groll mit sich herumschleppt über das, was sie als Frau ihm
angetan hat, in dem sie ihren Mann bittet:
Du, vergib mir, was ich dir Böses angetan habe.
Eine Frau, die dieses immer neu wahr macht in der Ehe, die darf
mit ihrem Mann dann jedesmal neu Hochzeit feiern. Wo in einer Ehe
dieses Zentrum unseres evangelischen Glaubens, die gegenseitige
Vergebung, erlebt wird, da gibt es aber auch nichts mehr, was
diese Ehe zerstören kann. Evangelische Frauen sind solche Frauen,
die damit in ihrer Ehe anfangen.
Es hat einmal in der evangelischen Christenheit eine Zeit gegeben,
da glaubte man, daß eine Frau, je frömmer sie ist, desto
schlechter müßte sie gekleidet sein, möglichst nach einer Mode aus
dem vergangenen Jahrhundert. In dieser Christenheit war man auch
der Meinung, daß bei einer Frau, je frömmer sie ist, desto
schmutziger müßte es in ihrem Haushalt und in ihrer Küche
aussehen.
Gottlob, ich kenne keine Bibel, in der das geschrieben steht. Ich
kenne nur die Heilige Schrift, in der es als selbstverständlich
vorausgesetzt wird, daß die Frau sich sogar für ihren Mann
schmückt und schön macht.
Eine Frau, die den ganzen Tag in den Spiegel sieht und darüber die
Arbeit vergißt, ist eine unmögliche Ehefrau, eine Frau aber, die
niemals in den Spiegel schaut, um sich für ihren Mann schön zu
machen, ist ebenfalls als eine rechte Ehefrau unmöglich. Sie kann
nicht als besonders fromm, sondern höchstens als besonders
schlampig angesehen werden.
Nicht bei allen, aber doch bei vielen Ehen, in denen der Mann ein
regelrechter Säufer ist und in den Bolitschen seine Heimat hat,
ist nicht der Mann schuld, sondern die Frau, die schmutzig und
schlunzig herumläuft und ihren Haushalt verkommen läßt und dem
Manne nichts anderes übrigbleibt, als in eine Bolitsche zu
flüchten. Dieses Sich-schön-machen für ihren Mann ist auch keine
Geldfrage, keine Frage von reich und arm, denn auch in der Armut
kann sich eine Frau eben mit etwas weniger Geld für den Mann schön
machen.
Viele Frauen glauben manchmal, daß ihre Männer sie nicht mehr so
liebhaben wie am Hochzeitstage und sie haben dann den Eindruck,
daß das Miteinander von Mann und Frau in der Ehe doch eine
langweilige Angelegenheit sei. Liegt dieses Auseinanderleben von
Mann und Frau aber nicht meistens daran, daß die Frau es nicht
mehr versteht, den Mann an sich zu fesseln und zu binden, sodaß er
wie von selbst zu seiner Frau immer wieder zurückkommt und sie in
seine Arme schließt? Ein Professer in Deutschland, der Spezialist
in Ehefragen ist, sagte einmal das gewagte, aber doch sehr gute
Wort:
"Die Ehefrau muß es immer wieder fertig bringen, die Verführerin
ihres eigenen Mannes zu werden. Dazu hat Gott sie geschaffen und
dazu hat Gott ihr wahrhaftig die Fähigkeiten und Gaben verliehen.
Wenn ein Frau das fertig bringt, dann braucht sie keine Angst zu
haben, daß der Ehemann und sie selbst die Ehe langweilig findet
oder der Mann gar untreu wird."
Wir sagten, daß der Mittelpunkt einer Ehe, der jede Ehe wieder
gesund werden läßt, das Wort von der gegenseitigen Vergebung ist.
Selbstverständlich ist eine Ehe, in der der Ehemann kein Christ,
kein evangelischer Mann ist, immer in Gefahr, daß sie ohne das
Wort von der gegenseitigen Vergebung leichter zu Bruch gehen kann.
Darum ist es für ein Mädchen, daß eine evangelische Frau werden
will, das einmal in einer christlichen Ehe leben will, sehr
wichtig, daß es nur bereit ist, mit einem Manne die Ehe zu
schließen, der ein evangelischer Mann ist, der weiß, wie er als
ein evangelischer Christ zu leben und zu handeln hat. Sich
irgendeinem Man an den Hals zu werfen, nur weil man Angst hat,
keinen Mann mehr mitzubekommen, ohne nach seinem evangelischen
Glauben zu fragen, ist für ein heiratsfähiges Mädchen ein böses
Ding. Ob sie sich mit solch einem Mann, mit dem sie nicht
gemeinsam die Hände zum Gebet falten kann und nicht gemeinsam zum
Gottesdienst gehen kann, einmal glücklich wird, ist sehr sehr
fraglich. In einem solchen Falle wirft meistens das Mädchen mit
der Heirat den evangelischen Glauben weg, wird dem Herrn Jesus
Christus untreu und wird mehr und mehr eine Heidin.
Und wenn das Mädchen von einem Manne zur Ehe begehrt wird, der zu
den Methodisten oder den Kongregationalen, zu den Missouriern oder
zu den Baptisten gehört? Wohl gemerkt, wir haben gesagt, daß ein
Mädchen danach zu sehen hat, ob der zukünftige Mann an Jesus
Christus glaubt und einmal mit seiner Frau gemeinsam beten kann.
Wir haben nicht gesagt, daß der zukünftige Mann ein
La-Plata-Christ sein muß. Diesen La-Plata-Christen gibt es gar
nicht.
Was soll nun geschehen? Soll das Mädchen nach der Verheiratung zu
der anderen Kirche hinüberwechseln oder soll der Mann zu unserer
Kirche kommen? Ich meine, daß man darüber kein Gesetz aufstellen
kann und darf, auch nicht dieses Gesetz, daß das Mädchen immer zur
Kirche des Mannes übertreten muß. Sondern hier gilt es, daß
ausschließlich und allein der Bräutigam und die Braut vor der
Eheschließung oder als Ehemann und als Ehefrau spätestens kurz
nach der Hochzeit selbst gemeinsam beschließen, zu welcher Kirche
sie fortan gemeinsam gehören wollen. Es sollten sich die Eltern
und die ganze Verwandtschaft und auch die Pastoren der beiden
Kirchen möglichst aus dieser Entscheidung heraushalten.
Es ist schon eine gute Sache, wenn sich die beiden jungen Leute
bei diesem Entscheidungskampf erproben und vielleicht die erste
echte gemeinsame Entscheidung ihrer Ehe in Verantwortung fällen.
Selbstverständlich stimmt mich das traurig, wenn sich ein Mädchen
dann nach der Entscheidung aus unserem Kirchenkreis ausscheidet,
aber umbringen kann mich das doch nicht, auch wird unsere
La-Plata-Kirche darüber nicht zerbrechen, wenn ich nur weiß, daß
diese junge Frau in der Nachbarkirche, in der Jesus Christus
genauso der Herr ist wie bei uns, eine Heimat gefunden hat.
Eine Entscheidung, daß die beiden jungen Eheleute weiterhin zu
ihrer Kirche gehören und die Frau dorthin und der Mann dahin zum
Gottesdienst geht, halte ich um der Ehe dieser Beiden willen auf
die Dauer nicht für glücklich.
Was ich hier gesagt habe, gilt für die Eheschließung mit Männern
aus den Kirchen der Kongregationalisten, Missourier, Methodisten
und Baptisten. Das gilt nicht für die Eheschließung mit Männern
von den Adventisten und der katholischen Kirche. Bei den
Adventisten und Katholiken ist größte Vorsicht geboten. Die
adventistische Gemeinschaft und die katholische Kirche verlangen
bei einer Eheschließung von dem evangelischen Mädchen völlige
Unterwerfung unter ihre Lehre, die wir in beiden Fällen als nicht
evangelisch und nicht biblische ablehnen müssen. Ein evangelisches
Mädchen, das durch eine Heirat adventistisch würde, könnte nicht
mehr allein dem Herrn Jesus Christus dienen, sondern müßte neben
der Stimme Jesu Christi auf die Stimme von Frau Ellen White als 2.
Offenbarungsquelle hören. Frau Ellen White hat dazu sogar in ihrem
Buche "Testimonies"-364- erklärt, daß der Himmel es einem
Adventisten verbiete, sich mit einem "Ungläubigen" (die Glieder
anderer christlicher Gemeinschaften werden von den Adventisten als
"Ungläubige" bezeichnet) zu verehelichen.
Ein evangelisches Mädchen, das durch die Heirat katholisch werden
würde, könnte nicht mehr allein dem Herrn Jesus Christus dienen,
denn es müßte neben Christus noch dem Herrn Papst in Rom
gehorchen. Dazu wird die katholische Kirche immer mehr von einer
christlichen Kirche zu einer Maria-Kirche und fällt dadurch immer
weiter und tiefer in das Heidentum zurück. Daß bei einer Heirat
eines Mädchens mit einem Adventisten es möglich sein könnte, daß
das Mädchen evangelisch bleibt und der Mann adventiustisch, halte
ich bei der Engherzigkeit der adventistischen Sonderlehren fast
für unmöglich.
Obwohl wir es selbst in unserer Gemeinde hier und da erleben, daß
Mädchen einen katholischen Mann geheiratet haben und dabei gute
evangelische Frauen geworden sind und eine gute Ehe geführt haben
und noch führen, muß hier doch offen ausgesprochen werden, daß das
nicht das Normale ist, sondern Ausnahmefälle sind. In den
allermeisten Fällen wird von katholischer Seite am Anfang alle
Freiheit versprochen, aber schon nach kurzer Zeit, meistens beim
ersten Kind, beginnen dann die Auseinandersetzungen, da das
Mädchen ja nicht nur den katholischen Mann heiratet, sondern auch
die ganze katholische Verwandtschaft. Wir brauchen uns nur ein
wenig umsehen, um festzustellen, wieviele evangelische Mädchen
schon Mariaanbeterinnen geworden sind. Wenn schon eine Heirat mit
einem katholischen Mann angestrebt wird, dann nur so, daß man den
festen Willen hat, evangelisch zu bleiben und bereit ist, selbst
die schwersten Auseinandersetzungen mit der katholischen
Verwandtschaft zu durchstehen. Ein Mädchen jedenfalls, das um des
Mannes Willen katholisch wird oder die Kinder katholisch werden
läßt, hat sich damit gegen Jesus Christus entschieden.
Wir haben mit diesen Gedanken einmal kurz das Verhältnis
besprochen zwischen einer evangelischen Frau und ihrem Mann und
zwischen einer werdenden evangelischen Frau und ihrem zukünftigen
Mann.
Selbstverständlich ist es, daß da, wo Mann und Frau in herzlicher
Liebe miteinander zugetan sind, Gott in den allermeisten Fällen
das Wunder der Menschwerdung durch das Ehepaar geschehen läßt und
der Frau ein oder auch mehrere Kinder auf den Arm legt. Und
evangelische Frauen wissen, daß wir in der Taufe unserer Kinder
anerkannt haben, daß sie nicht nur uns, sondern auch Gott gehören.
Wir können mit unseren Kindern nicht machen, was wir wollen. Im
eigentlichen Sinne gehören sie gar nicht mehr uns, sondern Gott
hat sie uns in den Schoß gelegt, damit wir ihm mithelfen bei
seinem Werk, da aus diesen Kindern erwachsene Menschen werden, die
sich im Leben zurechtfinden und Gott die Ehre geben. Bei all
unserem Tun als Mütter an unseren Kindern haben wir zu fragen: Wie
können wir als Mitarbeiterinnen Gottes unseren Kindern helfen?
Wer nur fragt: Wie können uns unsere Kinder helfen? Und: Was
haben wir von usneren Kindern? der fragt nicht als eine
evangelische Mutter. Das bedeutet nun nicht, dass die Töchter die
vornehmen Damen und die Söhne die feinen Herren sein sollen,
während die Eltern sich abarbeiten. Im Gegenteil sollen und müssen
die Kinder das Arbeiten lernen. Aber daß das möglich sein sollte,
daß um der Arbeit willen Kinder von der Schule ferngehalten
werden, waere doch völlig ausgeschlossen. Ebenfalls ist es eine
unmögliche Sache, wenn Kinder von ihren evangelischen Müttern
nicht eine einzige Geschichte aus dem Leben Jesu erzählt bekommen
und nicht zum Gebet angehalten werden und nicht den Katechismus
auswendig lernen. Auch dürfte das nicht vorkommen, daß eine
evangelische Mutter ihr Kind in den Konfirmandenuntertricht
schicken will, ohne daß das Kind den Katechismus gelernt hat und
als Entschuldigung sagt, das Kind habe nicht lernen könnemn, weil
es zu Haus hat arbeiten müssen. Die evangelische Mutter zusammen
mit dem evangelischen Vater sind dafür verantwortlich, daß ihre
Kinder einmal verantwortliche evangelische Menschen werden, die
etwas vom Zentrum ihres Lebens und vom Zentrum ihres Glaubens
wissen. Wo eine gute evangelische Mutter und ein guter
evangelischer Vater in einem Hause sind, da entsteht auch eine
gute evangelische Familie, in der man arbeitet und in der man auch
fröhlich ist und dabei doch die Hände zum Gebet falten kann, in
der unsere schönen Kirchenlieder gesungen werden und die Heilige
Schrift gelesen wird. In einer solchen Familie wachsen dann auch
die Kinder als evangelische Christen auf, so wie Gott sie haben
will. Ihr wißt doch als evangelische Mütter, was ihr einmal bei
der Taufe eurer Kinder versprochen habt. Ihr wurdet gefragt:
"Versprecht ihr, nach bestem Vermögen dafür zu sorgen, daß dieses
euer Kind im evangelischen Glauben erzogen werde? so antwortet mit
Ja." Auf diese Frage habt ihr mit Ja geantwortet. Es ist gut, wenn
evangelische Frauen dieses Versprechen und Gelöbnis nicht
vergessen.
Im Haus und Hof begegnet der evangelischen Frau nicht nur der
eigene Mann, nicht nur die eigenen Kinder, sondern die andere
evangelische Frau, oder anders ausgedrückt: Im Haus und Hof
begegnen sich Schwiegermutter und Schwiegertochter.
Nicht wahr - beide sind evangelische Frauen, beide haben sie einen
Mann, beide haben sie oder erwarten sie Kinder, beide wissen, wie
gearbeitet wird, beide wissen, wie Brot und Kuchen gebacken
werden.. Eigentlich müßte nun alles in bester Ordnung sein, beide
müßten nun ein Herz und eine Seele sein. Aber was finden wir
stattdessen bei uns vor? Es ist nicht von ungefähr, daß dieses
sogenannte Schnärchsystem in den letzten Jahren immer mehr
zurückgegangen ist.
Und es ist auch kein Geheimnis mehr in Entre Ríos, daß heute von
Schwiegermüttern viele Tränen über ihre Schwiegertöchter geweint
werden, ebenso von Schwiegertöchtern über ihre Schwiegermütter.
Und manche Familiengemeinschaft ist wegen eines schlechten
Zusammenlebens von Schwiegermutter und Schwiegertochter mit Haß
und Feindschaft auseinandergebrochen. Wer ist daran schuld, die
Schwiegermutter oder die Schnärch? Natürlich sagt die
Schwiegermutter immer, die Schwiegertochter ist schuldig und die
Schwiegertochter sagt, daß die Schwiegermutter die ganze Schuld
hat. Aber ich wage zu sagen, daß in den meisten Fällen weder die
Schwiegermutter noch die Schwiegertochter schuldig sind, wenn sie
sich nicht verstehen und im Unfrieden miteinander leben. Es liegt
einfach daran, daß unsere Zeit schnellebiger ist als vor 50 oder
vor 100 oder sogar vor 200 Jahren. Auch die Meinungen über das
rechte Leben verändern sich rasend schnell. Was unsere Großeltern
und vielleicht noch unsere Eltern als Luxus und Verschwendung
ansahen, ist heute bereits für uns eine Selbstverständlichkeit.
Wir brauchen dazu nur durch unsere Häuser zu gehen und sie zu
vergleichen mit den Häusern vor 50 Jahren. Heute schon gehen bei
den älteren Menschen und bei der Jugend die Auffassungen über das
Leben so auseinander, daß man nur staunen kann. Während die Eltern
von uns zum Beispiel noch immer nicht verstehen, daß es möglich
ist, mit dem Flugzeug durch die Luft zu fliegen, zumal die meisten
noch nicht mit der Eisenbahn gefahren sind, träumen die ganz
Jungen bereits davon, sich ein Sommerendhäuschen auf dem Mond zu
bauen, um ihre Ferien dort zu verleben. Wer von uns will es diesen
jungen Menschne verwehren, daß sie mit der überschnellen
Entwicklung unserer Zeit mitgehen? So sind aber auch in den
meisten Fällen die Meinungen der jungen Mädchen über
Kindererziehung, über Lebensart und -form, über das Kochen und
Putzen und dergleichen Dinge sehr verschieden von denen der
Eltern, vielleicht auch im guten Sinne fortschrittlicher.
Wir können uns sogar durchaus freuen, daß unsere Jugend offen ist
und bleibt für alles Neue, das besser ist als das Alte.
Aber dann geschieht es, daß dieses offene Mädchen durch die Heirat
als Schwiegertochter, als eine junge evangelische Frau in das Haus
der Schwiegermutter kommt, die mit ihrer ganzen Seele in der alten
guten Zeit vor 40 oder 50 Jahren hängt. Und was geschieht dann??
Es geschieht das, was mir in den ersten Wochen meines Hierseins
auf die Frage, wie sich die Schwiegertochter im Hause eingelebt
habe, von der Schwiegermutter geantwortet wurde mit einem Ton der
Enttäuschung über diese Frage: Es geht ausgezeichnet, meine
Schwiegertochter tut alles, was ich sage.
Hier ist die Schwiegertochter zur Magd der Schwiegermutter
herabgesunken.
Damals wagte ich es nicht zu sagen, aber ich dachte bei mir im
Herzen:
Was geschieht aber, wenn deine Schwiegertochter das nicht tut, was
du sagst?? Na, wir wissen es, dann ist der größte Familienstreit
da. Beides aber ist für Christenfrauen eine unwürdige Sache, daß
die Schwiegertochter zur Magd der Schwiegermutter wird und daß die
Familien durch solche Streitigkeiten auseinanderbrechen.
Da es nur sehr wenige Fälle gibt, in denen im Verhältnis von
Schwiegermutter und Schwiegertochter ein anderes ist als in den
beiden angegebenen Fällen, scheint es mir, daß das
Schnärchsystem, das schon aus der Zeit vor 200 Jahren aus
Deutschland stammt, für die kommende Zeit keine Zukunft mehr hat,
es sei denn, daß über das Verhältnis von Schwiegermutter und
Schwiegertochter neu nachgedacht und neu geordnet und nicht mehr
in der alten Weise verfahren wird.
Dieses hier und da doch vorhandene gute Verhältnis von
Schwiegermutter und Schwiegertochter ist nur dadurch möglich, daß
sie sich nicht mehr als Señora und Magd begegnen, sondern als
ältere evangelsiche und als jüngere evangelische Frau. In solch
einem guten Verhältnis betrachtet die Schwiegermutter ihre
Schnärch gleichwertig als ihresgleichen, beide besprechen in
voller Verantwortung einer jeden alle Dinge, die zu tun und nicht
zu tun sind. Es wird von der Schwiegermutter nicht
herumkommandiert und nicht von der Schwiegertochter
herumgeschimpft, sondern da nimmt die Schwiegermutter ihre
Schnärch oder die Schnärch ihre Schwiegermutter ganz ernst. Da
wird durchaus freiwillig von der Schnärch ein gewisser Respekt vor
der Schwiegermutter beachtet werden als von der "jüngeren"
evangelischen Frau zu der "älteren" evangelischen Frau. Aber dann
ist eine gute Schwiegermutter durchaus bereit, manches Neue von
der Schwiegertochter zu lernen, das durchaus besser sein kann als
das, was die Schwiegermutter vor 30 Jahren gelernt hat. Dann wird
es von selbst nicht möglich sein, daß die Schnärch nichts machen
kann, wie sie es einmal auch gerne hätte und dann wird die
Schwiegermutter auch nicht sagen: So habe ich es gelernt, so haben
das meine Großeltern und meine Urgoßeltern auch schon gemacht und
so mußt du es auch machen! - Und dabei hat die Schnärch solch ein
gutes und schmackhaftes Rezept, wie man eine andere Torte oder
eine andere erstklassige Wurst macht.-
Wenn wir jedenfalls noch für die Zukunft eine Schnärch haben
wollen, weil es vielleicht für die Arbeit auf dem Kamp
ökonomischer ist, dann dürfen wir mit ihr nicht in der alten
angegebenen Weise verfahren. Die Schwiegermutter hat also die
Schwiegertochter in ihrem Hause mit ihren Meinungen und Ansaichten
ganz ernst zu nehmen und beide haben dann miteinander zu
beratschlagen, was zu tun sei. Und dann möchte ich einmal die
Schwiegertochter sehen, die nicht gerne im Hause der
Schwiegermutter ist und auch gerne bereit ist, ihr den nötigen
Respekt als einer "älteren" Frau zu geben und in vielen Dingen
gern zu tun, was nach der Meinung der Schwiegermutter richtig und
gut ist. Schwiegertöchter und Schwiegermütter begegnen sich nur
recht, wenn sie sich gegenseitig als evangelische Frauen begegnen,
sich gegenseitig respektieren, beide voneinander lernen, beide
auch nachgeben können und beide bereit sind, gemeinsam die Hände
zu falten und von der gegenseitigen Vergebung der Schuld zu leben.
Das waren nur einige Ausführungen über das Zusammenleben der
evangelischen Frau mit anderen Menschen im Haus und im Hof. Wir
nannten den Ehemann, die Kinder, die Schwiegertöchter und
Schwiegermütter. Es gibt durchaus noch andere Personen, denen wir
begegnen, aber diese sollten genügen.
Erinnern wir uns, was wir bei der Geschichte von Maria und Martha
gesagt haben, daß es in dem Leben eines evangelischen Christen,
einer evangelischen Frau an erster Stelle darauf ankommt, daß sie
auf Gottes Wort hören kann.
Nur die Frau hat ein gutes Verhältnis zu ihrem Mann, zu ihren
Kindern und zu ihrer Schwiegermutter und zu ihrer
Schwiegertochter, wenn sie das tut, was Maria getan hat, auf
Gottes Wort gehört und immerwieder gehört.

Karl Schwittay)

Der Vortrag wurde gehalten auf einem Frauentag der Gemeinde und
veröffentlicht am 10-9-1957 im
LANDBOTEN.)


Die Arbeit in der Gemeinde wurde schon nach 3 Jahren (1958)
dadurch gebremst, dass ich bei einem Unfall im Pfarrhaus, die
Petroleumslampe in der Hand, (wir hatten noch keinen Strom im
Dorf) eine Netzhautabloesung am rechten Auge erlitt, die zu einer
voelligen Erblindung des Auges fuehrte, das linke war auch bereits
in Mitleidenschaft gezogen. Die noetige Behandlung mit Operationen
in Buenos Aires und in Tuebingen in Deutschland hielten mich fuer
einige Monate von der Gemeinde fern. Allerdings konnten die
notwendigen Dienste in der Gemeinde durch die Nachbarpfarrer,
durch den Propst und auch durch meine Frau aufrechterhalten
werden. Ein Gutes hatte diese leidvolle Geschichte. Nach
Wiederaufnahme der Arbeit wurde mir ein Auto fuer die Arbeit zur
Verfuegung gestellt, sie wurde dadurch nicht nur normalisiert,
sondern sogar intensiviert.
So nach und nach spuerte man bereits im Kontakt mit
Gemeindegliedern und Kollegen, die hier in der Nazizeit ihren
Dienst getan hatten, eine gewisse Ratlosigkeit heraus, mit dieser
ihrer Vergangenheit fertig zu werden, die einmal dazu fuehrte,
ueber diese Zeit zu schweigen, manches bewusst zu verschweigen.
Unter den Kollegen spuerte man auch Spannungen, die das
Miteinander spaeter noch immer belasteten.So habe ich erst in
diesem Jahre erfahren, was zufaellig herausgekommen ist, dass sich
damals in unserer Kirche die Vereinigung DEUTSCHE CHRISTEN
gebildet hatte, mit namhaften Kollegen an der Spitze. Es wurde
spaeter alles versucht, in neuen Statuten und Kirchenordnungen
diese Vergangenheit zu ueberwinden oder wenigstens zu verbergen,
wenn auch heute noch hier und da diese Vergangenheit zu merken
ist.
Da ich mich zuerst in das Ambiente hier einleben musste und mich
ganz der Gemeindearbeit widmete und wegen der weiten Entfernungen,
blieb keine Moeglichkeit, mich mit dem gerade erwaehnten Aspekt
mit den Kollegen auseinanderzusetzen..
Eine Auseinandersetzung begleitete uns hier vom Anfang bis heute,
der Versuch, unsere Kirche, die in ihrer Zusammensetzung eine
unierte Kirche war und ist, ganz in das lutherische Lager zu
ueberfuehren, wie es in Brasilien gelang. Der Versuch ging einmal
von der Vereinigten Evgl.-Lutherischen Kirche in Deutschland und
zum anderen vom Lutherischen Weltbund aus. Bereits Dez. 1958
besuchte der amerikanische Vertreter des Lutherischen Weltbundes
mit unserem Propst Gemeinden unserer Kirche, so auch unsere
Gemeinde in Aldea Protestante, um durch Vortraege den Beitritt zum
Lutherischen Weltbund schmackhaft zu machen. Es hat dabei immerhin
in Aldea Protestante eine harte Auseinandersetzung gegeben.
Zum anderen kam dieses Bemuehen selbst aus der eigenen Kirche,
konnte doch dadurch wenigstens etwas vom propagierten und
verteidigten Deutschtum gerettet werden, indem
man den "deutschen" Luther zum Symbol erhob.
Heute kann man sagen, dass dieses ganze Konfessionsproblem in
unserer Kirche einen gewissen Abschluss gefunden hat und wir
unseren unierten Charakter stark bekraeftigten und zwar dadurch,
dass wir die Leuenberger Konkordie fue uns bindend erklaerten und
dass wir gleichzeitig als volle Mitglieder dem Lutherischen und
dem Reformierten Weltbund beitraten. Dass das vom Lutherischen
Weltbund akzeptiert wurde, ist sehr erstaunlich gewesen.
Erfreulich ist es auch, dass auf unserer letzten Synodal- und
Generalversammlung wieder staerker neben den lutherischen die
reformierten Bekenntnisschriften in unseren Statuten und in der
Synodalordnung zum Ausdruck gebracht worden sind.
Man kann wohl sagen, mit allen Vorgegebenheiten, die vorhanden
waren, brauchten wir die ganze erste Periode von 6 Jahren, um die
komplette Situation der Gemeinde, des Bezirks Entre Ríos, der
Kirche und des Landes mit seiner Politik zu erfassen und daraus
Schluesse zu ziehen, wie eine Gemeindearbeit auszusehen hat, und
zwar durchaus auch mit der Respektierung der bestehenden
Traditionen.
Die finanzielle Lage konnte auf eine etwas sichere Basis gestellt
werden und durch das Auto wurden die Dienste in den
Filialgemeinden vermehrt. Wir erlebten eine gewisse
Aufbruchsstimmung, die dazu fuehrte, dass neue Filialgemeinden
entstanden, wie Diamante, Grabschental und Grl. Racedo.
Waehrend meiner ganzen Dienstzeit in der Gemeinde stand fuer die
Konsolidierung der Gemeinde das Bestreben der Nachbargemeinde
CRESPO, Glieder aus unserer Gemeinde abzuwerben, im Wege. Es kam
ihr dabei gut zustatten, dass sie durch ihre Gemeindesituation die
Moeglichkeit hatte, ihren Gemeindebeitrag sehr niedrig zu halten
und darum fuer unsere Glieder immer eine grosse Anfechtung
bedeutete. Selbst eine Absprache vom 28.9.1976 der Vorstände und
Pfarrer der Gemeinden von Crespo, General Rfamírez und Generla
Alvear zzur Beachtung der Gemeindegrenzen und über Fragen der
Mitgliedschaft wurde nicht beachtet.
In der Konsolidierungsphase mit einer Aufbruchsstimmung, zu der
auch gehoerte, dass die Bauern von ihrer Monokultur abgingen und
sich mehr nach den Beduerfnissen des Marktes richteten und die
Regierung ihnen etwas mehr als ueblich vom erhaltenen
internationalen Preis der Produkte uebrig liess, konnten sie ihren
Hausstand verbessern und ihre Arbeitsgeraete erneuern. Sie
fuehlten sich nach langer Zeit eines sehr engen Lebensstiles etwas
wohler und waren auch gebefreudiger fuer die Gemeindearbeit und
fuer gesamtkirchliche Aufgaben. Sie stellten fest, dass die
Raeume, die fuer die Gottesdienste und sonstigen gemeindlichen
Zusammenkuenfte nicht mehr ihrer eigenen Lebenssituation
entsprachen. Als dann fuer die neu gegruendete Filialgemeinde
Diamante die Kirchenleitung sich fuer den Bau einer Kirche beim
Gustav-Adolf-Werk in Deutschland einsetzte und eine finanzielle
Hilfe zur Verfuegung stellte und der Kirchbau in Diamante "wuchs",
waren auch anderen Fialialgemeinden nicht zu halten, neue, den
heutigen Verhaeltnissen entsprechende Gotteshaeuser zu bauen.
Ausser der Beihilfe vom Gustav-Adolf-Werk in Deutschland und der
Evgl. Kirche von Westfalen haben die Gemeinden Aldea Protestante,
Camarero/Puiggari, Grabschental und Reffino das meiste Geld selbst
dazu beigetan, um ihre gottesdienstliche Raeume zu bauen, auch ihr
Arbeitseinsatz beim Bauen war einfach erstaunlich. Auf Initiative
der Kirchenleitung wurde zum Schluss das alte Pfarrhaus durch ein
neues direkt neben der Kirche ersetzt.
In diesem Jahrzehnt der Kirchneubauten und des Pfarrhausbaues in
unserer Gemeinde, da es den Kleinbauern etwas besser ging, nahm
nicht nur in der ganzen Welt die Armut zu, sondern auch auf
unserem Kontinent und in unserem Land Argentinien. So hoerte auch
fuer unsere Kleinbauern die gute Zeit wieder auf. Der Peronismus
hatte sich schon vorher der Arbeiter und der Armen angenommen,
wurde allerdings von den Militaers durch Staatsstreiche an die
Wand gedrueckt und machtlos gemacht.. In dieser Ratlosigkeit
sahen viele Kreise in einem revolutionaeren Sozialismus die
einzige Moeglichkeit, eine Loesung der anstehenden Probleme zu
finden. Das geschah nicht nur in unserem Lande, sondern in der
ganzen Welt. Besonders waren die Studenten davon erfasst, auch die
Theologiestudenten der verschiedenen evangelischen Denominationen
und der roemisch-katholischen Kirche, die durch einen
Aufklaerungsfeldzug (proceso de conscientización} die Bevoelkerung
auf die Situation der Armen und Unterdrueckten in der Welt
aufmerksam machten.
Dass bei der Kirchwerdung der Evgl. La Plata-Synode von vornherein
klar war, dass diese Kirchwerdung nur moeglich sein wird, wenn die
Pfarrer nicht mehr aus der deutschen Heimatkirche, sondern aus
unseren eigenen Gemeinden kommen muessen. Darauf haben schon
gleich nach Beendigung des Weltkrieges die aus Deutschland
ausgesandten Pfarrer hingewiesen. Es standen uns bereits die Evgl.
und die Lutherische Theologische Fakultaet in Buenos Aires zur
Verfuegung.
Dass natuerlich die junge Theologengeneration, die aus den
hiesigen Fakultaeten kamen, dann hier und da Unverstaendnis
entgegennehmen mussten und vielleicht sogar Unruhe hervorriefen,
war klar. Zumal die verschiedene Sicht von reich und arm, Norden
und Sueden, Kolonialismus und Ausbeutung, Versklavung und
Unterdrueckung, Stellung der Kirche und der Christen in solchen
Situationen, um nur einige wenige Stichpunkte, zu nennen, des
Kommunismus verdaechtigt und diffamiert wurde. Der Peronismus mit
seiner arbeiterfreundlichen Haltung hatte ja jahrzehntelang den
kommunistischen Eingang in Argentinien aufgehalten, weil er viele
Ziele des Sozialismus zu seinen eigenen Zielen gemacht hatte. So
wurde jetzt der Kommunismus wie der Peronismus gleichermassen als
Unruhefaktoren in Argentinien angesehen und von den Gutsituierten
angegriffen und Militaer und Polizei auf sie angesetzt. Die
Bewusstseinsbildung, "conscientización", der Bevoelkerung ueber
das, was in unseren Laendern Argentinien. Uruguay und Paraguay und
ueberhaupt in ganz Lateinamerika geschehen war und noch geschieht,
war schon sehr weit fortgeschritten. Allerdings, wie schon
erwaehnt, hatte die junge Theologengeneration in unseren Gemeinden
mehr Widerstand als Erfolg. Unsere Gemeindeglieder hatten von
ihrer Vergangenheit als Immigranten her wenig Verstaendnis fuer
die allgemeine Situation und sie hatten auch Angst vor den Folgen,
die sie daraus haetten ziehen muessen.
In dieser Zeit, da durch Misswirtschaft und Korruption im eigenen
Land und durch politischen und wirtschaftlichen Druck von
Nordamerika und Europa, das Leben immer beschwerlicher und die
Armut immer groesser wurde, geschah an den evangelischen und
katholischen Fakultaeten etwas, was man fast nicht glauben konnte,
es entstand ein neues christliches Liedgut, das melodisch nicht
abhaengig war von der ueberlieferten pietistischen Form , aber
auch nicht mit den Massstaeben, sagen wir, des deutschen Chorals,
gemessen werden konnte.. Dieses Liedgut ist gepraegt durch die
alten und neuen Stilelemente unserer lateinamerikanischen Laender
und hat als Hintergrund das hier gelebte Leben. Es wollte Zeugnis
sein von unserem Herrn Jesus Christus, der allen Menschen, nicht
nur einigen wenigen, auf dieser Erde eine Lebensmoeglichkeit
vorbereitet hat und uns befreit von aller Sklaverei und Bindung
jeglicher Art und von derUnterdrueckung und uns wieder als wahre
Menschen leben lassen will, also das in Ordnung bringen will, was
wir zum Teil willkuerlich ausser Kraft gesetzt hatten. Wenn wir
das verstanden haben, haben wir etwas verstanden, von dem, was
THEOLOGIE DER BEFREIUNG
bedeutet.
Das ganze Tun Jesu Christi ist ja gepraegt durch seinen Einsatz
fuer die Unterdrueckten und an die Seite gedrueckten und
versklavten Menschen.. Er will ihr Heiland, ihr Helfer und ihr
Befreier von allen sklavischen Bindungen sein. Er kaempfte ja
dafuer,. Dass wir auf dieser Erde wider als Menschen menschlich
leben koennen.
Alle theologischen Voraussetzungen meines Lebens und meines
Studiums gaben mir die Moeglichkeit, offen fuer die Probleme und
Noete unserer Laender und des ganzen Kontinentes zu sein, auch
meine Frau begleitete mich in dieser meiner Haltung. Sie war es
denn auch, die durch ihre chorische Arbeit in Aldea Protestante de
Gemeinde selbst, uebrigens als erste Gemeinde in Entre Ríos, fuer
das neue Liedgut oeffnete und vorbereitete. Das war nicht immer
leicht.
Da der groesste Teil der Gemeinde General Alvear Kleinst- und
Klein-Bauern sind, und die Zeit, da es auf den internationalen
Maerkten fuer ihre Produkte einen annehmbaren Preis gab, nur sehr
kurz war, der Kampf durch die auslaendischen Grosskonzerne immer
haerter wurde und unsere Regierung die Landwirtschaft nicht in den
Griff bekam, litten unsere Bauern sehr grosse Not. Und sie wussten
sich nicht zu wehren. Ich will nur 2 Beispiele nennen, durch die
viele Bauern in den Ruin gezogen wurden. In unserer Zone hatten
viele kleine Bauern angefangen, durch die Huehnerzucht einige gute
Erfolge zu erzielen, die Eier hatten einen guten Preis, auch das
Huehnerfleisch. Und durch die Erweiterungen der Anlagen hatten sie
Hoffnung, ihr Leben als Bauern zu ermoeglichen oder sogar zu
verbessern, auch mit wenig Land. Da setzte ein ausländischer
Konzern zur Eroberung dieses Marktes an. Er kaufte zu einem
aeusserst ueberhoehten Preis alle zu erreichenden Eier auf und
setzte sie in seine Frigorificos (Kuehl- und Schlachthaeuser). Und
als er nach etlichen Monaten die Zeit fuer gekommen hielt,
ueberschwemmte er den Eiermarkt mit einem Preis, der die Haelfte
eines normalen Preises ausmachte. Mit diesem Preise konnten unsere
Huehnerzuechter nicht mithalten und blieben voellig verschuldet
auf der Strecke. Inzwischen hatte der Konzern an anderer Stelle
die groessten eigenen Huehnerzuchtanlagen eingerichtet. Und dazu
kamen noch nach einer gewissen Zeit die Agenten des Konzerns zu
den ehemaligen selbstaendigen Huehnerzuechtern und boten ihnen die
Moeglichkeit an, fuer den Konzern zu arbeiten, und zwar fuer die
Haehnchenproduktion. Der ehemalige Bauer sollte nur seine
Stallungen zur Verfuegung stellen und seine Arbeitskraft, alles
andere wurde frei Haus geliefert, die Kueken, das Futter und die
Medizin und auch das Abholen der schlachtreifen Haehnchen. Der
Lohn wurde kiloweise gemaess den abgelieferten Haehnchen
berechnet, der aber so niedrig war, dass der ehemalige Bauer jetzt
zum einfachsten Landarbeiter geworden war, mit einem Erloes, womit
er nicht leben und nicht sterben konnte. Aus Not haben eine ganze
Reihe von ehemaligen Huehnerzuechtern dieses schmaehliche Angebot
angenommen, andere in Entre Ríos haben ihr Bauernsein verschuldet
aufgeben müssen.
Der andere Fall sah so aus.
Die Bauern, die in unserer Zone Milchwirtschaft betrieben,
lieferten die Milch an einen bekannten internationalen Konzern in
die Stadt Nogoyá, der sie normalerweise sogar vom Bauernhof
abholte. Die Milch wurde nach ihrem Fettgehalt bezahlt, den die
Fabrik selbst feststellte. Aber unsere Bauern konnten nicht
verstehen, dass dieser immer, bei guenstiger oder bei schlechter
Weide, sehr niedrig war. Sie hatten keine Moeglichkeit, die
Richtigkeit der Feststellung des Fettgehalts selbst nachzupruefen.
Verschiedentlich haben sie die Milch von Spezialisten der INTA
kontrollieren lassen und dabei gesehen, dass sie schon seit langem
uebers Ohr gehauen wurden. Die Bauern waren oft ratlos. Es war
jahrzehntelang niemand da, der den kleinen Bauern zu ihrem Recht
verhalf, die groesseren landwirtschaften Betriebe hatten mehr
Moeglichkeiten, auch von Seiten des Staates.
Gerade in dieser Zeit begann die internationale Organisation FAO,
die sich besonders um die armen Landarbeiter und die kleinen
Bauern bemuehte, ihre Arbeit auch in Argentinien. Sie, in
Verbindung mir der roemisch-katholischen Kirche, bildete junge
Menschen fuer diesen Hilfsdienst aus, damit diesen Landarbeitern
und den kleinen Bauern eine wirkliche Stelle der Hilfe zur
Verfuegung stand.
Und so stand einer von diesen jungen Leuten vor der Pfarrhaustuer
in Aldea Protestante und warb um Verstaendnis fuer die Gruendung
der Ligas Agrarias Entrerrianas, denen er als Generalsekretaer der
Organisation Impulse gab, die im Raume der Gemeinde bei den Bauern
der Gemeinde ein gutes Echo fand. Er selbst als ein bekennender
Katholik suchte weiterhin den Kontakt mit mir und wir fanden uns
oft im Pfarrhaus zusammen und berieten, wie den kleinen Bauern
geholfen und sie vor den Manipulationen der groesseren
landwirtschaftlichen Betriebe usw. geschuetzt werden koennten. Bei
Streikvorhaben gingen die Ueberlegungen vor allem dahin, alles zu
vermeiden, was Sachschaden, besonders aber Koerperverletzungen,
bedeuten koennte.. Die Landbevoelkerung bekam neuen Mut, wenn es
auch Gemeindeglieder gab, denen diese Ligas nicht gefielen.
Allerdings habe ich wegen meiner bejahenden und foerdernden
Haltung gegenueber dieser Arbeit nie in der Gemeinde
Schwierigkeiten gehabt, nur ein Pfarrkollege aus der Nachbarschaft
klagte bei "Brot fuer die Welt" in Deutschland an, die die Arbeit
als foerderunswuerdig anerkannte, dass ich eine kommunistische
Organisation unterstuetzen wuerde. Der Kollege soll aber eine
harte Antwort von Brot fuer die Welt bekommen haben.
Mitten in der guten Arbeit, die geleistet wurde, kam der
Militaerputsch im Maerz 1976, der alle soziale Arbeit, alles
Eintreten fuer Arme und Notleidende ein Ende setzte. Schon vorher
waren Staatsstreiche durch Militaers geschehen. Es ging dabei
meistens um ihren Hass gegen den Peronismus, der die Herzen der
armen Leute Argentiniens erobert hatte, besonders natuerlich
dadurch, dass er erstaunliche Sozialgesetze durchgesetzt hatte,
wie z.B. Versicherungen verschiedener Art, Krankenfuersorge, eine
angemessene Entlohnung etcta. Bereits war auch durch den "proceso
de conscientización" von verschiedenen Seiten, auch von der
christlichen Botschaft her, die Verantwortung fuer die
Zukurzgekommenen und fuer die Armen gesehen worden und die das
Offenlegen der staatlichen Stellen, die durch Korruption die
Gelder, die fuer das Wohlergehen der minderbemittelten
Bevoelkerung bestimmt waren, in die eigene Tasche wirtschafteten,
forderte. Ebenfalls wuchs der Kampf gegen die grossen
Gesellschaften (empresas), die auf Kosten der Arbeiter immer
reicher wurden und die Arbeiter immer aermer. Es entstand im Lande
eine unruhige und unsichere Situation, als unter den Peronisten
und den Linken sich die Gruppierungen Montoneros und ERP bildeten,
die durch Gewaltaktionen gegen einen unfaehigen und korrupten
Staat und gegen eine Gesellschaft kaempfte, die nur sich selbst zu
erhalten suchte, ohne nach dem Leben der anderen Menschen zu
fragen. Um Verstaendnis fuer diesen Kampf warb auf Weltebene von
einer christlicher Seite her eine Theologie der Revolution, die
aber bald, wie schon erwaehnt, in der Theologie der Befreiung,
entstanden unter Theologen der roemisch-katholischen Kirche in
Brasilien, bessere Impulse fuer ganz Lateinamerika, auch fuer
Argentinien, im Sinne Jesu Christi gab und mehr ihre Aufgabe nicht
im Kampf mit Gewalt sahen, sondern in einem helfenden Kontakt mit
der leidenden Bevoelkerung und einer weiteren conscientización.
Es war schon eine unfaehige Regierung, die nach dem Tode des als
Idol verehrten Prasidenten Juan Peron, seine 2. Ehefrau Isabelita
fuehrte. Es herrschte ein Durcheinander auf allen Gebieten, die
Gewaltaktionen nahmen immer mehr zu. Dazu kam, dass die
revolutionaeren Kraefte ueberall mehr Macht gewannen und so unter
Studenten und Arbeitern grossen Anhang fanden. Es war schon so
weit, dass in der Provinz Tucumán bereits ein kleiner Teil von den
Revolutionaeren beherrscht und regiert wurde und sie dabei waren,
dieses Gebiet als selbststaendigen Staat auszurufen.
In dieser Zeit dachten viele an einen Staatsstreich, die einen
wuenschten ihn und die anderen befuerchteten ihn.
Da die Argentinier schon einige Male einen Staatsstreich erleben
und erleiden mussten, dachten viele, das sei nicht so schlimm, wie
der augenblickliche Zustand. Niemand aber hatte damit gerechnet,
dass er sich diesmal in solch grausamer Weise vollziehen wird, mit
einer Sprachregelung, die alles, was ein Hohn fuer den
christlichen Glauben ist, vertuschen und verbergen sollte. Aus
Massaker und Morden und das Einbeziehen von unschuldigen
Angehoerigen der Bekaempften in das Ermorden und das verheimlichte
Abgeben von Saeuglingen der Frauen, die ermordert wurden an andere
Familien, alles das wurde als ein schmutziger Krieg bezeichnet und
aus meuchlings Hingemordeten wurden Verschwundene (desaparecidos),
jegliche soziale Arbeit wurde als Terrorismus verdaechtigt und
bekaempft. Und was man als Staatsstreich bezeichnen muss, war
nicht nur ein bestimmter Augenblick, sondern dauerte jahrelang und
machte unzaehlige Argentinier heimatlos, die als Verfolgte fliehen
mussten.
Im Maerz 1976, am Tage vor dem besagten Militaerputsch, kam unser
Freund von den Ligas Agrarias Entrerrianas ins Pfarrhaus und wir
fuhren aufs Land und setzten uns an einem Feldweg nieder und er
erzaehlte, was er von dem Militaerstreich am kommenden Tage
erfahren hatte. Es war uns klar, dass damit die
Arbeitsmoeglichkeit der Ligas zu Ende sei, da ein Widerstand gegen
eine brutale Militaermacht unmoeglich und sinnlos ist und der
Landbevoelkerung nur unnuetze Leiden auferlegen wuerde. Wir hatten
gerade in dieser Zeit geplant, in unserer Zone einen
Landmaschinenpark einzurichten, da der Kauf dieser Maschinen von
einzelnen Bauern einfach unmoeglich war, selbst mittlere Bauern
wurden durch den Kauf zum Beispiel eines Traktors in den Ruin
getrieben. Beim Abschied befahlen wir uns, er als Katholik und ich
als Evangelischer, in die Haende unseres Gottes und dankten auch
uns gegenseitig fuer die gute Zusammenarbeit - und warteten der
Dinge, die da kommen werden. Gleich am Anfang der
Militaerregierungszeit wurden mit anderen Organisationen die Ligas
Agrarias Entrerianas verboten , allerdings gab es fuer sie nur an
wenigen Stellen von Entre Ríos Schwieirgkeiten. Jedenfalls war ein
Versuch der Hilfe fuer die aermere Landbervoelkerung gescheitert
und sie musste ihren Weg allein weitergehen, bis heute.
Es ist sicher nicht noetig, ueber die grausame Militaerzeit 1976 -
1982 mehr zu schreiben, da das schon in irgendeiner Weise von
anderer Seite geschehen ist, z. B. durch den Schriftsteller SABATO
und durch den Gerichtsprozess gegen die Militaers mit ihren
Formationen, die daran beteiligt gewesen waren.
Allerdings sollen doch einige wenige Erlebnisse familiaerer Art
noch erwaehnt werden.
Unser Sohn Joachim, geboren 1956 musste sein Psychologiestudium
mit den anderen Psychologiestudenten an der Fakultaet in La Plata
in Gegenwart schiessbereiter Soldaten durchfuehren. Sein Wohnraum
in einem lutherischen Heim wurde von geheimer Militaerpolizei in
Zivil durchwuehlt.
Sohn Ruben,geboren 1956, waehrend seiner Militaerdienstpflicht als
Sanitaetssoldat bekam die ganze Grausamkeit dieser Militaerepoche
zu spueren. Wenn Sanitaetsgruppen starteten, um nach angeblichen
Kaempfen zwischen Miltaers und guerrilleros in Aktion zu treten
und gefragt wurde, warum sie kein Material mitbekaemen, um
Verwundeten zu helfen, war die Antwort: Ach das sind ja doch nur
die guerrilleros und wenn sie noch nicht tot sind, dann muesst ihr
sie noch ganz totschiessen, psychologisch und koerperlich krank,
beendete er seine Militaerzeit. Ruben hatte in dieser ganzen Zeit
wegen des Militaerdienstes und wegen des Beagle-Konfliktes und des
Malvinen -Krieges 3x das Eintrittsexamen, das jaehrlich stattfand,
fuer die Universitaet in La Plata machen muessen.Obwohl alle
bestanden wurden, konnte er erst nach dem 3. Examen das
Biologie-Studium beginnen .
Da in dem vor dem Staatsstreich liegenden.Zeitabschnitt die
verschiedenen Kirchen in die soziale Arbeit eingestiegen waren,
weil die immer groesserwerdende Armut es erforderte, gehoerte die
gesamte kirchliche Arbeit zu den Terrorismus-Verdaechtigen, selbst
Teile der Arbeit der roemisch-katholischen Kirche gehoerten zu
diesen Verdaechtigten. Durch den Staatsstreich sollte auch die
Arbeit der christlichen Kirchen unter Kontrolle genommen werden.
Gottesdienste, andere Gemeindezusammenkuenfte, Kurse,
Vorstandssitzungen, Jugendstunden und Gemeindefeste sollten erst
nach Genehmigung der betreffenden Militaerstellen erlaubt sein.
Da ich den Dienst der Gemeinde und in der Gemeinde nicht vom
Militaer abhaengig wusste, habe ich mich waehrend dieser Zeit in
der ganzen Gemeindearbeit von diesen Anordnungen nicht
beeinflussen lassen, was manchmal wohl bei den Verantwortlichen
der Gemeinde nur mit Angst akzeptiert wurde.
Bei unseren normalen Entre Ríos-Pfarrfamilientreffen tagten wir im
Pfarrhaus, waren aber bereit, wenn wir Nachricht bekamen, dass
eine Militaerstreife in der Naehe sei, uns in die Kirche zu
begeben, um zu singen und zu meditieren und zu beten

Probleme entstanden mir dadurch, dass ein junger Chilene, der nach
dem Militärputsch dort in Chile verhaftet und gefoltert wurde,
dann nach Argentinien floh, von meiner Frau, beim Besuch unseres
Sohnes im Studentenheim in La Plata, zu einem mehrwöchigen
Aufenthalt zur Erholung ins Pfarrhaus eingeladen wurde, dass auch
ich einen von den Militärs gefälschten, angeblich von
Firmenich-Montoneros, an Pfarrer und Priester gerichteten Brief
erhielt, dass ich in Vertretung zur Beerdigung eines von einem
Wachsoldaten in Crespo, Mitglied der dortigen Gemeinde,
erschossenen Mannes, ebenfalls Glied der dortigen Gemeinde,
gerufen wurde, dass während dieser Zeit in einer verdächtigen
Weise in Crespo der Tempel der Zeugen Jehovas angezündet wurde und
verbrannte, ohne dass von irgendeiner Seite, auch nicht von
unserer Seite, ein Widerstand sich regte. Die Zeugen Jehovas haben
ja ein zwiespältiges Verhältnis zum Staat und besonders zum
Militär und verweigern auch den geforderten Respekt vor der
argentinischen Fahne.

In dem Zusammenschluss COCO hatten die Kirchenfuehrer von
verschiedenen evangelischen Kirchen sich eine Moeglichkeit
geschaffen, im Falle aussergewoehnlicher Zusammenstoesse oder
Probleme durch die Militaerrs, gemeinsam Front zu machen und in
der Oeffentlichkeit aufzutreten.
Allgemein muss man sagen, dass innerhalb unserer Kirche, besonders
aber in Entre Ríos, nur vereinzelt Schwierigkeiten aufgetreten
sind, was wohl daran lag, wie ich es schon erwaehnt habe, dass
unsere Glieder wohl apolitisch, aber staatstreu waren .
In unserer Gesamtgemeinde ging waehrend dieser ganzen Zeit das
Gemeindeleben normal weiter. Selbstverstaendlich sah ich auch
meine Aufgabe darin, sie in Predigten und sonstigen
Zusammenkuenften auf die furchtbare Situation in unserem Land, ja
in ganz Lateinamerika, aufmerksam zu machen und versuchte, dass
sie das alles im Lichte des Evangeliums sehen und erkennen und
ihre Stellung dazu beziehen konnten. Leider gab es im Beagle-
Konflikt (1978 mit Chile) und im Malvinen-Krieg (1982 mit
Grossbritannien) nationalistische Kraefte, die sich in einer
gewissen Kriegsbegeisterung gegen die Englaender auswirkten und es
gab dadurch auch einige Schwierigkeiten, weil wir als
Pfarrersleute diese Begeisterung nicht mitmachen konnten. Diese
Schwierigkeiten loesten sich aber bald auf, als der Malvinen-Krieg
schmaehlich endete. Durch dieses Ende war auch das Ende der
grausamen Militaerdiktatur eingelaeutet. Und dieses Ende fiel
auch zusammen mit dem Ende meines Dienstes als Pfarrer in der
Gemeinde General Alvear durch meine Pensionierung vom 1 Juli 1982
ab. Wir schieden im vollen Einvernehmen mit der Gemeinde, in der
wir 27 Jahre unseren Dienst taten. Wir taten ihn sehr gerne, auch
in und durch alle Schwierigkeiten und Probleme hindurch. Aber wir
waren etwas muede geworden und so zogen wir bald nach Buenos Aires
in den Vorort ITUZAINGÓ, wo uns unsere Kirchenleitung eine
Wohnung fuer unseren Ruhestand zur Verfuegung gestellt hatte.


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Reseña de los 27 años de servicios pastorales en esta congregación
GENERAL ALVEAR.
Ya hoy de mañana en el culto hemos escuchado que en una
congregación cristiana siempre debe ser oída la Palabra de Dios,
para que dé la posibilidad a nosotros ser obediente a ésta.
El apóstol Pablo escribe:
"Que el mensaje de Cristo llene completamente sus corazones.
Instrúyanse y anímense unos a otros con toda sabiduría",
y el apóstol Santiago:
"Pero hagan lo que el mensaje enseña, y no lo oigan solamente".
Este objeto y destino no puede ser destruido.
Claramente todos esto:
"Anunciar el mensaje alegre de Jesucristo",
no se realiza en el o del cielo como un milagro extraordinario,
sino en medio de este mundo, con sus culturas, estados e idiomas y
por personas como Uds. y yo.
En nuestra
IGLESIA EVANGÉLICA DEL RÍO DE LA PLATA
juega un rol muy grande el servicio pastoral para anunciar la
Palabra de Dios.
Este servicio solamente es aceptable si es comprendido como un
servicio de ayuda para que cada cristiano verdadero pueda ser por
su vivir y hablar un anunciador del mensaje alegre de Cristo.
Dando una reseña de los servicios pastorales de los últimos 27
años, sabemos que estos servicios son una continuación de que
empezara oficialmente en el año 1896, en que fue instalado el
primer pastor.
Pensamos en esta hora con agradecimiento a los muchos
colaboradores que han servido hace 27 años y antes acá, en nuestro
ambiente y en toda la provincia de Entre Ríos que han servido con
su vida y con su testificación de la Palabra de Dios, inclusive
todos los pastores y sus familias.
¿Qué seríamos sin la nube de los testigos antepasados?
Llegando hace 27 años en este lugar, mi esposa y yo, teníamos la
pregunta casi sin solución:
¿Cómo podemos cumplir nuestro servicio sin conocimiento del idioma
nacional y de la situación espiritual, nacional y eclesiástica?
Nosotros aún no teníamos la posibilidad, como entonces los
pastores extranjeros, participar en un curso intensivo para
aprender el idioma nacional con una introducción en la historia
argentina.
Nos ayudó mucho que todos los servicios se realizaron en el
principio en alemán y nos recibió la comunidad de Aldea
Protestante y toda la congregación de General Alvear con cariño.
Hemos reconocido enseguida claramente en que manera aún vivíamos
en un gheto, en un circulo cerrado de otra cultura e idioma, sin
influencia en un mundo que nos rodeaba.
Pocos miembros habían cumplido la Escuela Primaria, aún menos
tenían estudios secundarios.
Durante todos los 27 años de nuestro servicio pastoral nos
acompañó la ruptura de las cadenas del circulo cerrado del idioma
y de la cultura, lo que se realizó y aún se realiza también en
nuestra iglesia.
Esto tenía y tiene consecuencias para toda la vida de la
congregación.
Porque esta ruptura se realizó en la forma de un proceso podíamos
abrirnos más fácil para el idioma nacional y el ambiente.
En los primeros años estában sobre mi escritorio la Biblia en
castellano y en alemán,
la gramática del idioma nacional, el libro de la historia de la
Argentina y
el diario DEMOCRACIA de Buenos Aires.
Atención: Con este diario yo no quiero hacer propaganda política.
La DEMOCRACIA era el periódico de los peronistas.
Hoy se realizan 80% de todos los servicios en castellano.
No solamente en los primeros tiempos era el destino de todos los
esfuerzos para el contacto de todos los miembros de la
congregación con la Palabra de Dios por cultos, mayores y menores,
meditaciones bíblicas, cultos de adviento y pasión, por encuentros
juveniles y por reuniones de cine. Pronto podíamos comprar un
auto, lo que facilitó la obra.
Existió dentro de la congregación únicamente un camino de algunos
kilómetros de asfalto, de Tablillas a Diamante, parte de la ruta
asfáltica de Paraná a Victoria.
Muchas veces estaba imposible a utilizar los otros caminos de
tierra por lluvias.
Al principio formaron la congregación de General Alvear los
lugares siguientes:
Aldea Protestante,
Camarero,
Reffino,
Meroú,
Paraná,
Col. Nueva,
Hernadarias y
Vizcacheras. Más tarde se hizo cargo de Hernandarias y Vizcacheras
la congregación de Viale y hace pocos años formaron Paraná y Col.
Nueva una propia congregación.
Se fundaron pronto Grabschental y Diamante y como lugar de
predicación la estación General Racedo.
En el curso de los tiempos, por un cambio de la forma de trabajo
en el campo, nuestros miembros alcanzaron un nivel cierto de la
vida, también en la construcción de sus casas.
Pronto notaron que sus capillas etcta. no estaban en el mismo
nivel y por eso vino la idea de construir nuevas iglesias, siempre
según los planos de profesionales. Nos ayudaron mucho en la
construcción de nuestros nuevos templos en
Aldea Protestante,
Camarero/Puiggari,
Grabschental,
Reffino y
Diamante,
subsidios de la Obra de Gustavo Adolfo y de la Iglesia Evangélica
de Westfalia en Alemania. Estos subsidios nos animaron colaborar
intensivamente en la construcción y con donaciones.
En estos tiempos casi todos los miembros colaboran personalmente
en la construcción.
Al elaborar el techo de hormigón de nuestro templo en Aldea
Protestnate, conté una vez 120 miembros bajo las instrucciones del
miembro Wilczynski.
En el curso de los años, en que nosotros nos sentimos siempre más
como parte de nuestro ambiente, siempre más debían ser tratado
también por predicaciones y meditaciones lo que se realiza
alrededor de nosotros y los problemas y alegrías de nuestro país.
Aún no vivimos en el cielo, sino en la tierra y la Palabra de Dios
piensa en nosotros en nuestra situación concreta como persona,
familia, aldea, colonia o país.
La Palabra de Dios debe ser explicada siempre de nuevo en cada
otro caso.
Solamente el ha escuchado bien la Palabra de Dios, quién sabe,
disgustado o alegremente, que el texto bíblico piensa
personalmente en mí, en mis problemas o en mis alegrías.
En los años del Concilio Vaticano Segundo nos hemos reforzado a
comprender lo que se realizó en la Iglesia Católica Romana y su
concilio.
Para ayudarnos en estos esfuerzos, nos dio una conferencia en el
templo en Aldea Protestnate, el arzobispo de Paraná, Dr. Tortolo.
Para hallar una única dirección en todos los trabajos, nos juntó
para 2 decenios de años nuestro boletín LA VENTANA ABIERTA.
Este boletín podía abrirnos para la vida de las congregaciones de
nuestro destrito y de nuestra iglesia, pero también para todas las
otras iglesias en nuestro país y en el mundo.
Este ABRIRSE para el ecumenismo significó pero también
diferenciarnos de las iglesias o de los grupos que se han separado
del fundamento común de nuestra fe cristiana, como los
ADVENTISTAS, que han tentado, siempre y siempre, perturbar a
nuestros miembros.
Sabemos que la Palabra de Dios no solamente nos consuela sino pide
también la colaboración en iglesia, comunidad y sociedad.
Para saber lo que significa esto, yo estaba 3 años miembro del
CONSEJO MUNICIPAL PARA LA PROMOCIÓN DE LA COMUNIUDAD DE DIAMANTE,
también estaba al lado de nuestros campesinos pequeños y medianos
que se han organizado en las LIGAS AGRARIAS ENTRERRIANAS. Muchos
años nosotros en relación con la SOCIEDAD ALEMANA DE BENEFICENCIA
nos sabíamos responsables también para los leprosos en Fidanza bei
Paraná.
Los tiempos del peligro de revolución, gritos de guerra y guerra,
no pasaron sin huellas por nuestra congregación. Pidieron una
contestación del lado de la Palabra de Dios.
Yo podría referirme aún en muchas otras realidades, pero no quiero
olvidar que durante de todos estos 27 años el coro de Aldea
Protestante fielmente hizo su servicio, no solamente por cantar,
sino también en otros aspectos. Muchos años nos ayudó también el
coro de Camarero/Puiggari y algunos tiempos también el de Reffino
y un conjunto de Meroú, como un grupo de guitarristas en Aldea
Protestante y los muchos grupos de flautas dulces del mismo lugar.
¿Qué sería ya nuestra congregación de General Alvear sin los
muchos colaboradores en la Comisión Directiva de General Alvear y
en cada lugar, como ordenanza o presidente o como ayudante en la
escuela dominical o en el grupo de los niños o como organistas y
en muchos otros aspectos, también los que han preparado esta
fiesta?!
A todos agradezco mucho por la buena colaboración, tampoco
quisiera olvidar a los que han dado el cargo a otros o son
fallecidos.
Hoy no puedo olvidar a mi esposa que era mi colaboradora y mi
acompañante en todos los trabajos en estos 27 años.
Terminando ahora nuestro trabajo de 27 años, estamos consolados
porque sabemos que esta congregación está en las manos de su Señor
Jesucristo y vive en la comunidad de muchas otras congregaciones
de nuestra Iglesia Evangélica del Río de la Plata, especialmente
en la de las congregaciones de nuestro distrito de Entre Ríos.
Hasta que tendrá el nuevo pastor, estas congregaciones de Entre
Ríos nos darán sus pastores para todos los servicios. El programa
está preparado ya para el tiempo hasta noviembre.
Así no nos faltará la Palabra de Dios en los próximos tiempos y
podría realizarse lo que el apóstol Pablo escribe:
"Que el mensaje de Cristo llene completamente sus corazones.
Instrúyame y anímense unos a otros con toda sabiduría",
y el apóstol Santiago:
"Pero hagan lo que el mensaje enseña, y no lo oigan solamente."
Sus servicios como pastor de la Congregación "General Alvear",
termina el 27 de junio de 1982 en Aldea Protestante, separandose
nuestros caminos, pero sabemos que también en el futuro somos
juntados por nuestro Señor y Salvador Jesucristo. Su bendición sea
con todos nosotros hoy y para siempre.
Carlos Schwittay

Dada en la Fiesta de Despedida, despúes de 27 años de
trabajo en la Congregación de General Alvear? Entre Ríos, el 27 de
junio de 1982 en Aldea Protetsante.

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El sermón en el culto de despedida en Aldea Protestante, el 27 de
junio de 1982:

3 Monatsspr. bis 1981 21 -Mayo 1981-

Colosenses 3:16
"Que el mensaje de Cristo llene completamente sus corazones.
Instrúyanse y anímense unos a otros con toda sabiduría."

El apóstol Pablo había explicado a los colosenses, según nuestro
capítulo, un secreto, el secreto que el ser humano por el bautismo
va a ser una nueva creación:
"Pasó lo viejo y todo se renueva."
El bautismo es un ejemplo de todo esto que Jesucristo por sus
padecimientos y muerte y resurrección, a favor de nosotros obró y
nos dió.
Por estas expresiones simbólicas nos es dicho que en el bautismo
el ser humano viejo, nuestro ser viejo, muere. Este viejo ser no
pregunta nada por Dios, andando sus propios caminos, hacia el
cumplimiento de sus propios deseos, anhelos e ideas, sin preguntar
por los otros que padecen, tienen hambre, y están en situaciones
sin salidas.
El hombre viejo anda su camino de egoísmo para alcanzar sus
objetivos y si también se destruye el mundo.
El viejo hombre que debe ser matado por el bautismo es furioso,
malo, habla mal contra sus prójimos, miente, vive en adulterio y
está avaro.
Por otros textos bíblicos aún podríamos ampliar este catálogo. Por
el bautismo, por ser un cristiano, muere este hombre viejo, el
cual conoce solamente a sí mismo y se realiza la resurrección del
nuevo hombre.
Y este ser nuevo puede ser caracterizado así:
En la relación con los otros, el practica misericordia, es amable,
humilde, paciente, sociable y está listo para perdonar.
El cristiano deja impulsarse por el amor que tiene su modelo en el
amor de Jesucristo. Porque nosotros, cristianos, por nuestro
bautismo, somos resucitados con Jesucristo, el nuevo hombre
gobierna nuestra vida y somos invitados a realizar lo que este
nuevo ser manda.
El que fue bautizado, el que es un cristiano, no actúa
automáticamente como un nuevo hombre, sino el recibió la
posibilidad y capacidad para escuchar y oír la voz del nuevo
hombre y hacer lo que esta voz dice.
Cuanto más vivimos en la cercanía de Jesucristo y su Palabra,
tanto más obra por nosotros el nuevo hombre, practicando lo que
significa el amor.
Y en esta realidad quiere indicar nuestro texto de predicación:
"Que el mensaje de Cristo llene completamente sus corazones.
Instrúyanse y anímense unos a otros con toda sabiduría."
Nosotros, bautizados, nosotros, cristianos, necesitamos, por eso,
la Palabra de Dios en sus formas diferentes, si aceptamos que el
nuevo hombre asume la responsabilidad de nuestra vida.
El que busca el contacto con esta Palabra de Dios realiza siempre
más por su vida lo que significa ser una nueva persona, estar en
la cercanía de su Señor Jesucristo.
El que descuida y renuncia a este contacto con la Palabra de Dios,
siempre más es gobernado, sí, tiranizado por el viejo hombre.
Pero, no puede ser esto, dice el apóstol Pablo a los colosenses,
porque ustedes ya por el bautismo han afirmado al nuevo hombre.
Deben dar al nuevo hombre más autoridad para poder gobernar mejor
sus vidas por el contacto más intensivo con la Palabra de Dios.
"Que el mensaje de Cristo llene completamente sus corazones.
Instrúyanse y anímense unos a otros con toda sabiduría."
El apóstol Pablo nos dice:
¡Qué tesoro grande y valioso nosotros tenemos en la Palabra de
Dios!
Pensando, por ejemplo, en los Evangelios diferentes y en los
Hechos de los Apóstoles, sabemos que ellos nos anuncian en muchas
maneras lo que recibimos por Jesucristo. Esto basta para que se
renueve nuestro mundo actual que está en destrucción.
El mensaje de Jesucristo puede hacer nuevamemnte esta vida a una
vida digna para todos los seres humanos.
Y las Epístolas de los Apóstoles, escritas hace casi 2 mil años, a
comunidades concretas, con sus exhortaciones, consejos, mensajes y
consuelos, tienen validez aún hasta hoy, para nosotros.
También mencionamos el libro APOCALIPSIS del visionario Juan,
donde Jesucristo fortalece y consuela a los cristianos que son
perseguidos por los enemigos de Dios y de su Iglesia.
Y por el Antiguo Testamento sabemos como Dios ama a su pueblo
antes del tiempo de Cristo, preparándoles para el obrar de su
Hijo.
En todo esto pensamos, escuchando la palabra del apóstol Pablo:
"Que el mensaje de Cristo llene completamente sus corazones.
Instrúyanse y anímense unos a otros con toda sabiduría."
Hemos de decir aún más para describir la riqueza de la Palabra de
Dios, sabiendo que esta Palabra viene a nosotros en formas y
maneras múltiples, como por ejemplo de una predicación en el culto
o de una meditación bíblica o de una historia bíblica en la
escuela dominical o de una explicación en la doctrina de
confirmación o por leer la Biblia o un libro devocional o por
cantar un himno.
La Palabra de Dios puede venir a nosotros también en la forma que
otro cristioano nos exhorta, castiga o consuela personalmente.
"Que el mensaje de Cristo llene completamente sus corazones.
Instrúyanse y anímense unos a otros con toda sabiduría."
Abriéndonos siempre más para esta Palabra de Jesús, dice el
apóstol Pablo, siempre más también se forma nuestro nuevo ser y
asume la responsabilidad de nuestra vida con el resultado que
vamos a ser siempre más misericordiosos, amables, pacientes,
sociables y listos para perdonar.
"Que el mensaje de Cristo llene completamente sus corazones.
Instrúyanse y anímense unos a otros con toda sabiduría."
En el fin de los 27 años de mis servicios pastorales en esta
congregación GENERAL ALVEAR puedo confesar que me sentí
comprometido a esta Palabra de Dios que quiere cambiarnos en
nuevos seres humanos.
Este es mi deseo que en esta congregación nunca está ausente esta
Palabra y que siempre hay personas, aceptandola y cambiándose en
una nueva creación de Dios.
_________________________

Nach ungefaehr 1 ½ Jahren wirklichen Ruhestands in Ituzaingó, in
dem wir, meine Frau und ich, uns ganz der Familie und des
Einrichtens des Hauses und des Gartens widmeten, formierte sich
die Kommission des Ökumenismus (CODEC) unserer Kirche, zu deren
KOORDINATOR mich die Kirchenleitung berief. Diese Kommission war
die Fortsetzung der Kommission, die im Auftrage der Kirchenleitung
das LIMA-Document des Weltrates der Kirchen fuer unsere Kirche
beriet und eine Stellungnahme erarbeitete. Hier folgt die
Stellungnahme:

COMISION DE DIALOGO ECUMENICO.
Observaciones y Conclusiones resultantes del estudio realizado
sobre el documento "Bautismo, Eucaristía y Ministerio" del Consejo
Mundial de Iglesias.
La Comisión de Diálogo Ecuménico integrada por los pastores Karl
Schwittay, Dieter Thews, Jürgen Denker, Atilio Hunzicker, Federico
H. Schäfer y el vicario Rubén Yennerich pone por la presente en
manos de la Junta Directiva de la Iglesia Evangélica del Río de la
Plata las observaciones y conclusiones que ha arribado luego del
análisis detallado de todos los artículos del documento así
llamado de Lima del Consejo Mundial de Iglesias intitulado
"Bautismo, Eucaristía y Ministerio". Para el análisis se han
tenido en cuenta el "Régimen Eclesiástico de la I.E.R.P." y las
"Normas de la Vida Eclesiástica de la I.E.R.P." como así también
la "Concordia de Leuenberg". La comisión entiende que con el
presente informe aún no está concluida la tarea de estudio en
torna al documento en cuestión. En virtud de ello recomienda que:
- las observaciones y conclusiones subsiguientes sean facilitadas
a todos los pastores y congregaciones de nuestra iglesia como
consideraciones a tener en cuenta durante el estudio a nivel local
del documento.
- las observaciones y conclusiones sean enviadas al Consejo
Mundial de Iglesias antes del 31 de diciembre de 1984 como
resultado provisorio del estudio del documento por parte de
nuestra iglesia.
- sea aprovechado a modo de experiencia el bosquejo de liturgia
para la celebración de la Santa Cena que ofrece el documento en
ocasión de celebraciones de la Santa Cena relacionadas con
conferencias distritales, conferencias pastorales, sínodos,
conferencias ecuménicas.
- sean recogidos los resultados del estudio del documento a nivel
local y puestos en manos de la Comisión de Diálogo Ecuménico a los
efectos de la redacción de un informe final a ser enviado al
Consejo Mundial de Iglesias previo despacho por la Conferencia
Sinodal de 1986.
BAUTISMO.
Sobre la parte referente al Bautismo la comisión ha llegado a las
siguientes conclusiones:
1.- Comparando nuestras confesiones, el Régimen Eclesiástico, las
Normas de la Vida Eclesiástica y los puntos de vista de la
Concordia de Leuenberg sobre el bautismo con lo expuesto en el
documento, encontramos que el mismo toma en cuenta el
entendimiento de nuestra iglesia.
2.- Notamos que el documento refleja una posición amplia sobre los
artículos doctrinales referentes al bautismo como a sus
consecuencias prácticas y litúrgicas. Por ello recomendamos su
estudio para el enriquecimiento propio de la vida de nuestra
iglesia, sin que ello signifique perder de vista el entendimiento
de nuestra iglesia
3.- Notamos que el documento manifiesta un profundo respeto por
iglesias con prácticas y posiciones doctrinales distintas a las de
nuestra iglesia. Este espíritu fraternal nos agrada, pues
posibilita comuniones eclesiásticas también deseadas por nuestra
iglesia.
4.- Compartimos las expresiones de comprensión de iglesias de
confesión similar a la nuestra frente a otras prácticas y
posiciones doctrinales, pues concuerda con nuestro respeto y
espíritu fraternal con el que deseamos colaborar en la causa
ecuménica.
5.- Consideramos que la problemática del bautismo de los párvulos
merece una atención especial. El documento cuestiona en base a su
entendimiento del bautismo el sentido de la confirmación tal como
es practicada por nuestra iglesia, poniendo en tela de juicio la
exclusión de los niños de la Santa Cena mientras no hayan sido
confirmados (Bautismo, art. 14, comentario; Eucaristía, art. 19,
comentario). En esta punto el documento nos desafía a una
fundamentación mas profunda de nuestro entendimiento y a una
reflexión sobre posibles cambios en nuestra práctica. En nuestra
tradición el bautismo siempre ha sido entendido como don de Dios
por lo cual no se lo podía negar a los niños. En el bautismo Dios
acepta a los niños como a sus hijos dándoles su espíritu. Será
necesario investigar sí esta relación ha sido mantenida
inequívocamente a través de todo el documento.
A modo de ejemplo: En Bautismo, art. 1 no se menciona la entrega
del Espíritu Santo, pero si la incorporación a Cristo, el Señor
crucificado y resucitado. En Bautismo, art. 4 se podría deducir de
la primera oración que los niños quedan excluidos del bautismo. En
Bautismo, art. 5 la relación entre la entrega del Espíritu Santo y
el bautismo no pareciera estar descripta como una unidad firme e
inseparable.
SANTA CENA.
Sobre la parte referente a la Eucaristía la comisión ha llegado a
las siguientes conclusiones:
1.- Expresamos nuestra satisfacción por el enriquecimiento que
significa para nuestra iglesia la consideración de todos los
aspectos tratados en esta parte del documento máxime su amplia
fundamentación bíblica. En esta sentido merecen una especial
mención los art. 22 y siguientes que hablan de la Santa Cena como
convite del Reino, así mismo el redescubrimiento de la "epiclesis"
-invocación del Espíritu Santo- en relación con la celebración, lo
cual le quita la posibilidad de ser interpretada como, un rito
mágico (Eucaristía art. 14, comentario). También es digno de
mención el énfasis puesto en el aspecto trinitario de la Santa
Cena que permite incluir también a la creación en la alabanza
(Eucaristía, art. 4 y art. 14).
2.- Manifestamos, por otra parte, que el estudio de esta parte del
documento nos ha resultado difícil por el hecho de sumarse en él
gran cantidad de entendimientos acerca de la Eucaristía
provenientes de otras tantas tradiciones eclesiásticas alrededor
del mundo entero. Esta diversidad sin duda enriquecen el
entendimiento de la Santa Cena, pero también diluyen su
significado esencial.
3.- En cuanto a la reflexión sobre la celebración concreta de la
Santa Cena en las congregaciones de nuestra iglesia instamos a
tomar en cuenta la recomendación expuesta en el art. 28 y por ende
el bosquejo de estructura litúrgica ofrecido en el art. 27.
4.- También nos parece necesario destacar que echamos de menos una
consideración más profunda del significado de la Santa Cena como
perdón del pecado. Dos veces se habla del perdón del pecado
(Eucaristía, art. 9 y art. 21). En la presentación de los
elementos de la liturgia de la Santa Cena (Eucaristía, art. 27) se
mencionan el acto de arrepentimiento y la proclamación del perdón,
pero faltan el "Agnus Dei" -oh cordero de Dios... - y las palabras
de administración personal -el cuerpo/la sangre de Cristo dado/a
por ti para perdón de tus pecados -. En la tradición común de la
Reforma se pone énfasis especial en la administración personal del
perdón del pecado. Nos parece que debería incluirse un artículo
especial que tome en cuenta la importancia de este aspecto.
5.- Sin lugar a dudas la celebración de la Santa Cena es un acto
central en el culto. Parece que los cristianos de la antigüedad
siempre incluían en sus cultos la celebración de la Santa Cena.
Sin embargo calificar la Eucaristía como el acto central del culto
significa restar importancia a la proclamación de la palabra de
Dios por otros medios que no sean los sacramentales.
6.- Esta parte del documento usa el término "sacrificio"
(Eucaristía, art. 4 -comparar Ministerio, art. 17) y lo defina
como "sacrificio de alabanza". Unos afirmamos que de esta manera
el documento retoma el lenguaje de nuestra tradición (Lutero), que
ve en los himnos y las oraciones el sacrificio de los fieles
(Romanos 12: 1-2). Otros proponemos eliminar el término
"sacrificio" para excluir cualquier posibilidad de hablar de una
repetición del sacrificio de Cristo en la Santa Cena.
7.- Pensamos poder responder afirmativamente respecto de la
pregunta formulada por esta parte del documento en el comentario
al art. 13 si pueden o no coexistir las dos posiciones que
insisten por un lado en la presencia real de Cristo en los
elementos de la Eucaristía -pan y vino- y por otro lado en la
presencia real de Cristo en todo el acto de la comunión.
8.- Consideramos que el énfasis que ponen ciertas iglesias en la
perduración de la presencia de Cristo en los elementos consagrados
caristía, art. 32) no debería obligar a otras iglesias a asumir
prácticas hasta el momento desconocidas o rechazadas. Se
sobreentiende que en cualquier caso se dará un uso respetuoso a
los elementos sobrantes.
MINISTERIO.
Sobre la parte referente al ministerio la comisión ha llegado a
las siguientes conclusiones:
1.- Manifestamos nuestra conformidad con el punto de partida de
esta parte del documento que ubica al ministerio en la vocación de
todo el pueblo de Dios según la correspondiente fundamentación
bíblica. Estamos de acuerdo en que el ministerio puede ser
desempeñado de diversas formas de acuerdo al contexto histórico,
incluso bajo la forma del triple ministerio ordenado del obispo,
del presbítero y del diácono. No dudamos que esta forma del
ministerio tripartito puede servir de expresión de la unidad que
buscamos o un medio para llegar a ella. Pero es necesario destacar
que es apenas una forma posible en concordancia con el art. 19 de
esta parte del documento. En general creemos que la búsqueda de la
unidad en cuestiones referidas al ministerio deberían estar
constantemente supeditadas a la vivencia de las comunidades de su
compromiso con el Evangelio. En este sentido no podemos coincidir
con la línea expresada en esta parte del documento que finalmente
solo desarrolla las posibilidades del ministerio tripartito.
2.- Consideramos problemáticas las afirmaciones sobre la sucesión
episcopal. Estamos de acuerdo que la sucesión apostólica se da a
través de la proclamación de la palabra y la celebración de los
sacramentos (Ministerio, art. 34). Vemos "la necesidad de afirmar
también que la continuidad de la tradición apostólica está dada en
el Nuevo Testamento y que a partir de esta afirmación la
continuidad en la transmisión regular del ministerio ordenado como
guardián de la tradición apostólica pierde su imprescindibilidad.
En este sentido unos no vemos ninguna posibilidad de hablar de una
sucesión episcopal, si bien se desarrolla en esta parte del
documento hasta el artículo final, Otros pensamos que la
proposición del documento abre una perspectiva de acercamiento
entre las iglesias, siempre que se entiende que es el ministerio
del pastor el que ejerce funciones de la "episcope" -supervisión-.
3.- Consideramos necesario estudiar más profundamente al eventual
carácter sacerdotal del ministerio ordenado según el Nuevo
Testamento (Ministerio, art. 17) e igualmente el significado del
término "sacerdotal" que aparece varias veces en esta parte del
documento.
4.- Con respecto a lo expresado en el art. 18 de esta parte del
documento sobre la función de descubrir que ministerios pueden ser
ejercidos por un varón y que ministerios pueden ser ejercidos por
una mujer, nos inclinamos a pensar que la iglesia en todo caso
debería descubrir cuando un ministerio puede ser ejercido por uno
u otro. Con relación al sexo de los ministros también queda como
una pregunta abierta en el art. 50 de esta parte del documento, si
el sexo también puede llegar a ser un "handicap" -impedimento para
el ejercicio del ministerio.
5.- Tenemos dudas acerca del significado de la formulación: "Esta
ordenación, puede implicar diferentes intenciones en relación con
las tareas específicas de los obispos, los presbíteros y los
diáconos...." (Ministerio, art. 39), porque parece suponer
diferentes ordenaciones. Entendemos que hay una sola ordenación,
pues hay un solo ministerio para el cual se ordena . Este
ministerio puede encerrar diferentes aspectos y servicios y por lo
tanto exigir diferentes actos de instalación para cargos
concretos. Por otra parte la ordenación de los diáconos es para
nuestra iglesia una novedad, pero digna de ser estudiada.
6.- En relación con los art. 9 y 10 de esta parte del documento
preferimos una fundamentación del ministerio ordenado y de su
apostolicidad que contemple con mayor equidad todas las vertientes
neotestamentarias, también las paulinas.
7.- En relación con el art. 12 de esta parte del documento la
oración que reza "Su presencia recuerda a la comunidad la
iniciativa divina y la dependencia de la iglesia en relación con
Jesucristo que es la fuente de su misión y el fundamento de su
unidad", proponemos se enmiende de la siguiente manera: "En su
función de mensajeros del Evangelio su presencia recuerda..."
8.- En relación al art. 13 de esta parte del documento la oración
que reza: "La función específica del ministerio ordenado es la de
reunir y construir el Cuerpo dé Cristo, por la proclamación y la
enseñanza de la Palabra de Dios..." proponemos que se enmiende de
la siguiente manera: "la función específica, pero no exclusiva del
ministerio ordenado es la de reunir...."
9.- Con respecto al art. 53 de esta parte del documento en el que
se proponen líneas de trabajo para las iglesias en vistas a la
unidad y el acercamiento notamos que el esfuerzo requerido a la
tradición de nuestra iglesia implica aceptación y cambios en la
forma de desempeñar el ministerio. Por el contrario no sucede lo
mismo con las iglesias que conservan la sucesión episcopal cuya
tarea consiste apenas en una aceptación limitada de los
ministerios de las otras iglesias.
A partir de esta observación solicitamos una mayor consideración
del ordenamiento ministerial en las iglesias de la Reforma en toda
la parte del documento referida al ministerio.

Buenos Aires, 3 de Octubre de 1984.

Karl Schwittay Dieter Thews
Jürgen Denker Atilio Hunzicker
Federico E. Schäfer Rubén Yennerich



In der 10-jaehrigen Arbeit der Comisión de Ecumenismo ging es mir
darum, dass wir in unserer Kirche eine einheitliche Richtung auf
dem Gebiete der Oekumene erreichen, aber besonders auch eine
groessere Annaeherung und Zusammenarbeit zwischen den
verschiedenen Kirchen, besonders aber zwischen den evangelischen
Denominationen. Meine Erfahrung war bisher, dass dieser Wunsch bei
allen Kirchen vorhanden war, dass aber im letzten Grunde das
Problem darin dann bestand, dass wir in den Glaubensfundamenten
nicht uebereinstimmten. Es ging uns in der Kommission also darum,
dass die verschiedenen evangelischen Kirchen eine gemeinsame
Glaubensgrundlage erarbeiten, und sie anerkennen, ohne dabei
unsere konfessionellen Sonderheiten aufzugeben. Wir fanden sie in
der Leuenberger Konkordie. Aber darueber werden wir spaeter noch
hoeren.
Vielleicht kann noch alles besser einen Einblick in die
oekumenische Arbeit der Bericht für die Synodaltagung unserer
Kirche im Jahre 1992 geben:


INFORME de la COMISIÓN de ECUMENISMO

Motivación del Ecumenismo

Describir en pocas palabras la tarea de la Comisión de Ecumenismo
-CODEC- en los últimos 3 años, según el sentido de nuestra Junta
Directiva, no es solamente fácil, sino casi imposible.
Esta tarea tiene su causa en lo que una iglesia, queriendo ir su
camino en la obediencia a su Señor, no puede marchar sola.
Independiente de los motivos de esta realidad que existen en el
mundo tantas iglesias diferentes, sabiendo empero, que Jesucristo
en el primer Pentecostés en Jerusalén fundó una única Iglesia
Cristiana, se puede escuchar hace algunos
decenios de años en todas las iglesias la llamada hacia la unidad.
Se hacen muchos esfuerzos para alcanzar esta meta, cada iglesia
según su entendimiento. Todos estos esfuerzos los reunimos bajo el
término ECUMENISMO.
Relaciones ecuménicas existentes
Tenemos áreas diferentes dentro de este ecumenismo.
Primeramente mencionamos los esfuerzos por la unidad eclesial en
organizaciones mundiales, por ejemplo en el Consejo Mundial de
Iglesias -CMI-. Toman parte casi todas
las iglesias del mundo.También colabora intensivamente la Iglesia
Católica Romana-ICR-,sin ser miembro directo de esta organización.
Hemos de nombrar también las Federaciones Confesionales Mundiales,
las cuales ahora, después de algunas resistencias defienden el
camino hacia la unidad.
Ya hace muchos años, nuestra iglesia es miembro del Consejo
Mundial de Iglesias y est;a representada en el Comité Central de
este C onsejo. Y hace pocos meses, nuestra iglesia, por su
solicitud, fue aceptada como miembro de la Federación Luterana
Mundial -FLM- y de la Alianza Reformada Mundial -ARM-.
Segundamente hemos de decir que la participación en el Consejo
Latinaamericano de Iglesias -CLAI- pide una atención. CLAI es una
organización de características diferentes que hace muchos
esfuerzos para reconocer, comprender y solucionar problemas y
necesidades en América Central y de Sur.
Una área tercera muy voluminosa también son las actuaciones por
la unidad dentro de
nuestro ambiente del Río de la Plata. Mencionamos el Consejo
Consultivo de Iglesias -COCO-; son iglesias, las cuales son
interesadas por el sostén y progreso de la Facultad Teológica
Evangélica -ISEDET-, pero especialmente en el tiempo de militares
habían buscado conjuntamente soluciones para muchos problemas.
Ya hace decenios de años, iglesias y grupos evangélicos diferentes
se han creado la posibilidad de contactos mutuos por la Federación
Argentina de Iglesias Evangélicas -FAIE- para tener una plataforma
legal en común especialmente en la relación con el ESTADO, el cual
es caracterizado por la fe católica. En esta Federación
participan, lo que es muy importante, también iglesias y grupos
pentecostales y fundamentalistas.
En los últimos años se formó la Comisión Ecuménica de Iglesias
Cristianas en la Argentina -CEICA- Con la importancia
significativa que, además de Iglesias Evangélicas, también
comprende las diferentes Iglesias Ortodoxas y la Iglesia Católica
Romana. Tampoco podemos olvidar que, además en la Argentina, se
formaron en Paraguay y en Uruquay semejantes organizaciones
ecuménicas.
Especialmente las Iglesias Evangélicas en el ambiente del Río de
La Plata que han firmado la Concordia de Leuenberg y entre se han
aceptado la Comunión Eclesial, las cuales son
Iglesia Luterana Unida -IELU-,
Iglesia Valdense del Río de La Plata -IEVRP-,
Iglesia Reformada Argentina -IRA- y nuestra
Iglesia Evangélica del Río de La Plata -IERP-,
que hacen muchos esfuerzos para aceptar en el sentido de la unidad
las consecuencias de una colaboración muy estrecha.
Por la aceptación de la Concordia de Leuenberg también del lado de
la Iglesia Evangélica Metodista Argentina -IEMA- existe la
posibilidad que este grupo de las Iglesias de Leuenberg con una
colaboración estrecha se amplía.
Nuestra iglesia participa también en la Comisión Teológica con la
Iglesia Católica Romana y la Iglesia Luterana Unida. Esta comisión
busca soluciones para problemas teológicos entre nuestras
iglesias, como ya se realizó con el Bautismo o en la aceptación de
la Bendición Nupcial Ecuménica o en el tratamiento del
entendimiento de la Santa Cena o del Evangelio.
Igualmente hemos aceptado como observador la invitación para
participar en los diálogos por la unidad entre Iglesias y
Congregaciones Luteranas del Río de La Plata. Nuestra iglesia fue
invitada también a participar en los diálogos por una unidad
orgánica entre las Iglesias Metodistas de la Argentina, de Uruguay
-IEMU- y la Iglesia de Discípulos de Cristo -IDC-.
Además de estos esfuerzos por la unidad en el área mundial,
continental y ambiental juegan un rol muy importante , como cuarto
punto, 1a colaboración en los grupos y organizaciones ecuménicas
que cumplen conjuntamente trabajos y tareas especiales.
Pensamos en este sentido en la Facultad Evangélica de Teología y
de Música -ISEDET-, en la cual las iglesias participantes dejan
formarse sus pastores, colaboradores y organistas.
Pensamos en este sentido en la Junta Unida de Misión -JUM- que
trabaja con los paisanos Tobas, también en el Consejo para la
Misión Conjunta -CMC- que se centra en Residencia/Chaco con el
trabajo con estudiantes universitarios del Norte de la Argentina
con sede en Corrientes.
Casi en todas las ciudades mayores de nuestros países hay puntos
de contactos con otras iglesias, no siempre solamente amistosos.
Se debe decir ya que por la democratización de nuestros países con
un empobrecimiento muy fuerte de la población, vivimos un
estancamiento en el aspecto ecuménico.
Bajo ninguna circunstancia podemos olvidar que tenemos una
relación muy estrecha con la Iglesia Evangélica en Alemania
-EKiD-, nuestra Iglesia-Madre-, igualmente con la Iglesia
Evangélica de Confesión Luterana del Brasil -IECLB-, una iglesia
hermana que tiene la misma relación con la EKiD.
Todo esto debe bastar para aclarar la situación ecuménica de
nuestra iglesia, sabiendo que se necesitaría adjuntar muchos
trabajos y relaciones más con otras iglesias.
Tarea de la Comisión de Ecumenismo
Nuestra iglesia vive en relaciones ecuménicas sobredimensionadas
que tampoco son estáticas sino dinámicas y siempre en movimiento.
Una iglesia hoy no puede vivir sin utilizar todas las fuerzas a
favor de la una única Iglesia de Jesucristo. Hoy practicar
ecumenismo en una iglesia como "hobby" no es posible más, sino los
esfuerzos por la unidad deben ser aceptado como elemento
constitutivo para toda la vida eclesiástica.
La Junta Directiva de nuestra iglesia nos dio a nuestra comisión
la tarea siguiente:
1 A observar todas las relaciones ecuménicas para reconocer la
importancia o no para nuestra iglesia y para nuestras
congregaciones.
2 En este sentido pide la Junta Directiva nuestro asesoramiento.
3 A presentar y recomendar en preguntas, problemas y dificultades
posibles soluciones y contestaciones.
4 Hemos comprendido nuestra tarea también a esforzar en nuestra
iglesia, especialmente en las congregaciones y entre nuestros
pastores y colaboradores, el pensamiento ecuménico con el fomento
de todos los trabajos a favor de la unidad de la Iglesia de
Jesucristo. Falta en este aspecto aún mucho.
Para poder cumplir, más o menos. nuestra tarea en los últimos 3
años, nuestra comisión se reunió 15 veces en sesiones de 2 días y
es formada de
Cristine Bösenberg,
Jerónimo Granados,
Atilio Hunzicker,
Bruno Knoblauch,
Norberto Rasch,
Rodolfo R. Reinich,
Juan A. Schvindt,
Carlos Schwittay,
Dieter Thews,
Hartmut Winkler y
Rubén Yennerich.
Meta para el próximo período.
Después de lo que hemos informado sobre lo actuado en los últimos
tres años, deseamos exponer lo que vemos como meta para el próximo
periodo:
1 Así como hoy nos podemos solamente entender como Iglesia en la
zona del Río de La Plata, en su contexto ecuménico vemos como gran
necesidad contribuir para que sea más vivo el Espíritu Ecuménico
en nuestra Iglesia hasta en las bases también de nuestras
congregaciones.
2 Buscar de conseguir un foro en la Revista Parroquial para
mantener informado a los lectores con importantes noticias del
mundo ecuménico sea nacional como internacional.
3 Seguir entendiendo el trabajo como asesoramiento y una ayuda
para el trabajo de la Junta Directiva de la IERP.
4 Fomentando una relación más estrecha con la Junta a través de un
delegado asesor en caso de un requerimiento de parte de la Junta o
de la Comisión de Ecumenismo.
5 Acompañamiento de nuestros representantes en Instituciones
Ecuménicas o en Conferencias.
6. Elaboración de un folleto sobre Ecumenismo para la divulgación
en las Congregaciones, para material de trabajo y el conocimiento
de nuestra identidad ecuménica y nuestro compromiso ecuménico.

Firmado: Comisión de Ecumenismo.
(Elaborado por P. Schwittay y P. Thews.)

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Ich bin schon oft gefragt worden, ob sich seit 1955 in unserer
Kirche etwas veraendert habe. Allgemein muss man sagen, dass sie
sich mehr als nur etwas veraendert hat. Aber eine andere Kirche
ist sie nicht geworden, denn sie hat immer noch den gleichen
Herrn, der Jesus Christus heisst, wenn er auch manchmal in einem
fuer uns unbekannten Gewande erscheint und vielleicht so, wie er
erscheint und erscheinen will, von uns nicht erkannt wird oder
nicht erkannt werden will.
Ich will nun das, was mir als Differenz von damals und heute
erscheint, ohne zu entscheiden oder zu unterscheiden, was
wichtiger oder was weniger wichtig ist, anfuehren:
Wir sind aus einer Deutschen Evangelischen La Plata-Synode eine
Evgl. La Plata-Kirche, aus einer von der Evgl. Kirche in
Deutschland abhaengigen eine selbstaendige, aus einer durch die
deutsche Sprache gepraegte Kirche eine Kirche geworden, die fast
ganz in einem natuerlichen Prozess in die nationale Sprache
uebergegangen ist.
Das Letztere ist einfach die Folge der Situation unserer
Gemeindeglieder, die den Kontakt mit ihren Kindern und erst recht
nicht mit ihren Enkelkindern in der deutschen Sprache aufrecht
erhielten , auch nicht aufrecht erhalten konnten. Allerdings
muessen wir auch sagen, dass jetzt neben der spanischen Sprache
die auslaufende deutsche Sprache, die portugiesische der Glieder,
die von Brasilien in unseren kirchlichen Raum kamen und kommen und
die Tobasprache der Urbevoelkerung (paisanos), die zu unserer
Kirche gehoeren, immerhin beachtet werden muessen.
Fuer alle ist es bereits eine feste Tatsache, dass nicht mehr die
ESMERALDA, sindern die SUCRE das Zentrum unserer Kirche ist und
dass der Vorsitzende unserer Kirche nicht mehr Propst genannt
wird, sondern Kirchenpraesident.
Schon 1955 bestanden oertliche Beziehungen zu Gemeinden anderer
Kirchen, allerdings von 1956 ab auch direkte oekumenische . Unsere
Kirche stellte den Antrag auf Aufnahme in die FAIE (Bund
Evangelischer Kirchen in Argentinien), ebenfalls auf Aufnahme in
den Oekumenischen Weltrat der Kirchen. Die oekumenischen Kontakte
wurden zuerst besonders zu den evangelischen Denominationen
hergestellt, dann auch mit der roem.-katholischen und der
orthodoxen Kirche.
Unsere Kirche hat inzwischen ein Dokument unterschrieben zur
Anerkennung der Ordination mit der reform., methodistischen,
valdenser Kirche und der Kirche der Juenger Jesus Christi
{Discípulos de Cristo) und den Presbyterianern, gleichfalls haben
die Leuenberger Konkordie angenommen die IELU, die reform., die
valdenser und die method. und unsere Kirche, die die volle
Kirchengemeinschaft ermoeglicht.
In einer gemeinsamen theologischen Kommission mit der IELU, der
roem.-kath. Kirche und unsere IERP haben wir ein gemeinsames
Dokument ueber die Taufe und ueber das Abendmahl erarbeitet,
ebenfalls wurden Moeglichkeiten ueber eine gemeinsame Trauung bzw.
die Anerkennung der Trauung in der jeweilig anderen Kirche
aufgezeigt.
Ebenfalls sind wir als eine bewusst unierte Kirche simultan dem
Lutherischen Weltbund und der Reformierten Welt-Allianz
beigetreten. Auch gehoeren wir dem lateinamerikanischen
Kirchenbund an und arbeiten mit in der Ecumenischen
Arbeitsgemeinschaft zur Verteidigung der Menschenrechte (MEDH).
Vergessen duerfen wir benfalls nicht die Mitarbeit beim
Lateinamerikanischen Kirchenbund.
Ich koennte auch noch die vielen oekumenischen Beziehungen auf
gemeindlicher Ebene aufzaehlen, aber das wuerde doch zu weit
fuehren.
Ein Pfarrer hat einmal etwas ungeduldig gesagt:
"Wir sind oekumenisch bereits so verzahnt, dass wir fast alles nur
noch zusammen mit einer anderen Kirche machen koennen."
Man kann das allerdings auch in einem gewissen Sinn als einen
grossen Hoffnungsschimmer fuer die Zukunft der Kirchen sehen, wenn
wir im Zuge der sich immer mehr ausbreitenden
Christus-Gleichgueltigkeit, ja -feindschaft und der sonstigen
Saekularisierung, immer kleiner werden und einfach zusammenruecken
muessen. Uns ist es ja nicht verheissen, die ganze Menschheit zum
Christusglauben zu fuehren, sondern Jesus Christus hat uns ein
anderes Kirchenverstaendnis vor Augen gefuehrt:
"Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich
mitten unter ihnen."
Unser Verhaeltnis zur Evangelischen Kirche in Deutschland bedeutet
schon etwas mehr als ein oekumenisches Verhaeltnis, es hat sich ja
inzwischen auch grundlegend geaendert. Aus einer
Mutter-Tochter-Verbindung ist eine Verbindung von
Schwesternkirchen geworden. Wir sind gewiesen, unseren Weg als
selbstaendige Kirche zu gehen, wenn auch mit ihrer Hilfestellung.
Und nur zu gerne strecken wir immer noch unsere offene Hand nach
ihr aus.
In der Gestaltung unserer Kirche waren unsere Gemeinden auf die
direkte Verbindung mit der Kirchenleitung angewiesen. Nur die
Gemeinden in Entre Ríos bildeten einen festen Bezirk. Dadurch
hatten sie die Moeglichkeit, bestsimmte Probleme in eigener
Verantwortung zu loesen, auch konnten ihre Fragen gemeinsam an die
Kirchenleitung gerichtet werden. Dieses hatte sich so bewaehrt,
dass das ganze Arbeitsgebiet unserer Kirche jetzt in feste Bezirke
aufgeteilt ist und diese Bezirke uebernehmen immer mehr
kirchenleitende Verantwortungen. Unsere Kirche ist in den letzten
Jahrzehnten sehr gewachsen . Gemeinden haben sich neu gebildet
oder bestehende haben sich geteilt, sodass die ganze Verwaltung
nicht mehr nur von einer Stelle aus wahrgenommn werden kann. Wir
haben die verschiedenen Kommissionen, die besondere kirchliche
Aufgaben uebernehmen, wie z.B. Liturgie,, Erziehung, Oekumene,
Literatur etcta., die es frueher nicht gab.
Als ich 1955 nach Argentinien kam, war ich der 16. Pfarrer unserer
Synode, heute zaehlen wir ca. 93 Pfarrer, einschliesslich Vikare
und pensionierte Pfarrer. Dazu hat sich die diakonische Arbeit von
ehemals dem einen Waisenhaus in Baradero in einer Weise vermehrt,
dass dadurch ganz neu ein Diakonen- und Diakoninnenstand mit einer
besonderen Vorbildung ins Leben gerufen wurde. Zu den Aufgaben
gehoeren jetzt auch ein Sanatorium, Altersheime, eine
landwirtschaftliche Schule und ein Schuelerheim und anderes
mehr.Ich habe nach dem Adressenverzeichnis bereits 14 Diakone bzw.
Diakoninnen gezaehlt.
Die Vermehrung der Gemeinden und der diakonischen Arbeit erscheint
mir wie ein Wunder. Was ich ebenfalls erstaunlich und als einen
Fortschritt empfinde, ist, dass Diakone/innen und Parrer/innen
gleichgestellt sind im Sinne unserer Kirchenordnung. Sie sind nur
verschieden in ihren Aufgaben. Die Gesamtpfarrkonferenz hat
daraufhin ihren Namen geaendert.
Wenn wir die Schar der Pfarrer heute ansehen, dann ist das zu
sehen, dass nur noch eine Minderheit von Deutschland ausgesandte
Pfarrer ihren Dienst tun, alle anderen sind bereits hier in der
Theol. Schule in Camacuá bzw.in der ehemaligen Lutherischen
Fakultaet ausgebildete Pastoren.
Damit ist das, was wir als ausgesandte Pfarrer damals vor ca. 40
Jahren geplant und vorbereitet hatten, jetzt zum Ziel gekommen:
Eine bodenstaendige Pfarrerschaft. Wir haben bereits den 2.
bodenstaendigen Praesidenten.
Dazu ist auch noch zu sagen, dass der Uebergang der Praegung der
Pfarrerschaft durch die ausgesandten zu den bodenstaendigen
bruederlich abgelaufen ist und von den Gemeinden auch gut
akzeptiert worden.
Was etwas schwerer, auch von den Pastoren selbst, die vor 40
Jahren noch sehr maennerbetont ("machistisch") eingestellt waren,
hingenommen wurde, war die Erweiterung des Pfarr(er)kollegium
durch Pastorinnen. Sie haben sich ueberhaupt selbst durch eigenes
Engagement einfach durchgesetzt. Wir zaehlen heute bereits 16
Pastorinnen und 7 Diakoninnen. Auch wurden durch Pastorinnen und
Diakoninnen unsere Gemeinden ueberhaupt mit dem Kampf der Frauen
um ihre Gleichberechtigung im Verhaeltnis zu den Maennern
konfrontiert. Das zeigt sich darin, dass Frauen jetzt auch immer
mehr in verantwortlicher Stellung in den Gemeinden praesent sind.
Leider sind aber in die Junta Directiva unserer Kirche, auch bei
der Wahl 1998, nur 2 Frauen gewaehlt worden, was allerdings
dafuer durch 3 Reservekandidatinnen ausgeglichen wird.
Man muss schon sagen, dass durch die Praegung unserer Kirche durch
den bodenstaendigen Pfarrerstand die ehemalige Isolierung inmitten
der realen und politischen Wirklichkeit weitgehend durch ein
kritisches Miterleben des Geschehens um uns her, im eigennen Land
und auf dem selben Kontinent und in der ganzen Welt aufgehoben
worden ist, was allerdings von den Gemeinden nur schwer
mitvollzogen wird. Ich denke an die diktatorische Zeit im ganzen
Cono Sur mit den grausamen Menschenrechtsverletzungen, ebenfalls
an den Beagle-Konflikt und an den von Argentinien begonnenen
Malvinen-Krieg mit England.
Langsam lernen wir auch innerhalb unserer eigenen Kirche, u.z. am
eigenen Leibe, was es heisst KIRCHE DER ARMEN zu sein und bekommen
immer mehr Verstaendnis fuer die Noete in der Welt, die sich unter
dem Namen der GLOBALISIERUNG als Heil fuer die Zukunft der
Menschheit, in einer unbeschreibbaren Weise ausbreitet und fuer
viele Millionen in der Welt die Zukunft vollkommen verdunkelt. Wir
sind bereits in eine andere antichristliche Aera uebergegangen.
Wenn wir nicht Jesus Christus haetten, den wir in unserer Kirche
verkuendigen wollen, saehe ich auch schwarz fuer sie in die
Zukunft.


Es faellt mir nicht leicht, an die Zukunft der christlichen
Kirchen in der Welt mit ihrer Botschaft vom Heil in Jesus Christus
im naechsten Jahrtausemd und damit an die Zukunft unserer Kirche
im naechsten Jahrhundert zu denken.
Viele Realitaeten der jetzigen Zeit werden sich immer mehr
durchsetzen und das Christsein und das Gemeinde- bzw. Kirchesein
total veraendern, bzw. in der alten Form unmoeglich machen. Dass
dieser Prozess bereits zugange ist, zeigen ueberall die
Gottesdienste, an denen wir Christen uns immer weniger beteiligen,
weil wir sie nicht ernst nehmen. Ebenfalls wird kaum noch das
Wort, das die Kirchen in die Oeffentlichkeit hineinsprechen,
wahrgenommen, geschweige denn ernst genommen., hoechstens wenn es
dieser Oeffentlichkeit selbst nuetzlich erscheint. Von sogenannten
Volkskirchen, ganz gleich ob katholisch, evangelisch oder
orthodox, kann man schon gar nicht mehr reden.
Wir leben in einer Welt, die wieder trotz aller Fortschritte
zurueckfaellt auf das, was im alten roemischen Reich das Leben
praegte: BROT UND SPIELE, zu mehr bleibt ausser der Arbeit keine
Moeglichkeit Werden wir heute als gesamte Menschheit, ohne die
wenigen zu rechnen, die sich, ausserhalb dieser Menschheit
stehend, als die Herren der Welt auffuehren, nicht direkt auch
gezwungen, uns mit diesen 2 Notwendigkeiten wie Brot und Spiele,
Existenzminimum und Vergnuegen, wenn auch noch so primitiv, zu
befassen, um dieses sogenannte globale Zeitalter, das uns als
einzige moegliche Zukunft angepriesen wird, zu durchstehen, bzw.
zu ueberleben.
Und gleichzeitig sind wir ebenfalls auf einem getriebenen Rueckzug
von einer gewissen Groesse des sogenannten Christentums in die
Anfaenge unseres christlichen Glaubens, da es noch nicht die so
unglueckliche Verbindung von Staat und Kirche oder von Thron und
Altar gab.
Immer, wenn in der Heiligen Schrift von der christlichen Gemeinde
bzw. Kirche die Rede ist, handelte es sich um kleine Gruppen von
Christen, die Jesus Christus nachfolgten, um Aktionsgruppen, die
sich zum Dienst berufen wussten. Das, was wir jetzt allgemein
erfahren, ist schmerzhaft und wird noch schmerzhafter werden, aber
es fuehrt alle, die es wirklich ernst meinen mit ihrer Nachfolge
Jesu, immer naeher zu ihm, dem einzigen Herrn dieser Welt.
Die Grossartigkeit der Kirchen mit den vielen Erscheinungsformen
geht wieder zurueck auf die anfaengliche Form der Urchristenheit,
die kleine Gruppe. Diese kleinen Gruppen koennten fuer das neue
Jahrtausend die Grundlage fuer eine total neue Entwicklung des
christlichen Glaubens sein, durch die Jesus Christus seine
Herrschaft ausueben wird.
Zunaechst aber haben wir das Ende einer Epoche wahrzunehmen und zu
akzeptieren.
Nun gilt es, diese zukuenftige Einzigartigkeit unseres Glaubens
allein oder in Gruppen vorzubereiten, zu praktizieren und zu
erleiden. Wir haben aber die Verheissung unseres Herrn, die
wichtiger ist als aller Glanz und alle Herrlichkeiten und der
Erscheinungsformen der bisherigen und der noch bestehenden
Kirchen, wir haben das schon erwaehnte Wort:
"Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich
mitten unter ihnen."
Es es gut, kurz darauf einzugehen, wie es zu dieser Ablehnung des
Christentums, einschliesslich des echten christlichen Glaubens
gekommen ist und noch kommt.
Ich sehe das an 3 Fakten:
1. Der Fortschritt (oder wie man es auch nennen mag) der
Wissenschaft und der Technik usw., der uns ein vollkommen anderes
Bild von der Welt und von uns Menschen gibt, das nicht in
Uebereinstimmung ist mit dem, was uns die Heilige Schrift
ueberliefert. Das erfordert eine grundsaetzliche theologische
Auseinandersetzung. Weil das noch nicht oder nur an wenigen
Punkten geschehen ist, ohne die Gemeinden damit zu konfrontieren,
fuehlt sich der Mensch von heute durch den christlichen Glauben
nicht mehr angesprochen und verlaesst die Kirche und gibt zum
groessten Teil seinen Glauben auf. Er gibt sich einer
verschwommenen Religioesitaet hin.
2. Das 2. Faktum, das uns heute und in der kommenden Zeit auf die
Probe stellen wird und uns in unserem Glauben an den Herrn dieser
Welt, Jesus Christus, ins Wanken bringen will und wird, ist der
uns Christen und den Gemeinden und Kirchen gegebene Auftrag, uns
der Armen, Notleidenden und Unterdrueckten und der auf dieser Erde
Zukurzgekommenen anzunehmen und uns fuer sie einzusetzen, d.h.
auch gegen die Ursachen und Maechte, die dahinterstehen, wie auch
gegen eine Geldpolitik, die nur auf viel Gewinn aus ist, wie
Korruption, Verschleuderung von Staatsgeldern, wie Regierungen und
besonders Diktaturen mit ihrem menschenfeindlichen und
verbrecherischen Gehabe, wie die Fortschritte, die mit der
Vergiftung der Umwelt einhergehen. Das Gleiche gilt fuer das, was
aus diesem allem folgt, Verbrechen jeglicher Arft, Alkoholismus,
Drogenabhaengigkeit. Zu diesem Kampf sind die wirklichen
Nachfolger und Nachfolgerinnen aufgerufen. Aber dieser Kampf
fuehrt uns als Christen und als Kirchen in eine grosse Feindschaft
und Veraechtlichmachung durch die angefuehrten Maechte. Dadurch
werden wiederum im grossen Stile viele schwachen und
Namenschristen dazu gefuehrt, besonders natuerlich die, die mit
diesen Maechten zusammenarbeiten, den christlichen Glauben
aufzugeben und die christliche Gemeinde zu verlassen.. Die
Gemeinden und Kirchen werden immer kleiner.
3. Das 3. Faktum, mit dem in der Zukunft gerechnet werden muss,
heisst:
Wir werden immer mehr ebenfalls eine "arme" Kirche, die
ehemals eine Kirche fuer
mittelstaendische Gemeindeglieder war, nun aber bereits auf
dem Wege ist, eine Kirche
zu werden, die aus Gliedern besteht, die an der Armutsgrenze
leben und kaum mehr etwas finanziell zur
Gemeindeerhaltung, geschweige zur Ausfuehrung des der Gemeinde
bzw. der Kirche gegebenen Auftrags finanziell beizutragen in der
Lage sind..
Dazu kommt, dass die grossen Hilfen aus der Evangelischen Kirche
in Deutschland mit den verschiedenen Verzweigungen und anderen
Hilfsorganisationen immer geringer ausfallen bzw. ganz eingestellt
werden. Sie hat durch die Herrschaft des Neokapitalismus,
ausgedrueckt auch durch das Wort Globalisierung dieselben Probleme
wie wir, wenn auch in einem geringeren Masse. Diese Hilfen haben
uns wirklich in mancherlei Hinsicht geholfen, aber gleichzeitig
daran gehindert, die wirkliche Situation unserer Kirche zu
erkennen oder auch zu akzeptieren und danach zu handeln.
Aus dem allem folgt. Dass wir die Organisation der Kirche und der
Gemeinden, einschliesslich der dazu gehoerenden Werke in dem
gleichen Umfange wie bisher aus eigenen Mittel nicht mehr halten
koennen. Was geschieht mit den vielen Pfarrstellen und
diakonischen Diensten und kirchlichen Gebaeuden, die im Stile der
mittelstaendischen Epoche entstanden und jetzt auch
dementsprechend unterhalten werden muessen.
Die Grossgemeinde Buenos Aires mit ihren 9 Pfarrern,
einschliesslich der Gemeindezentren etcta. zaehlt nur 2000
Gemeindeglieder, nur als Beispiel erwaehnt. Um alles das, was wir
in unserer ganzen Kirche in Argentinien, Uruguay und Paraguay
laufend unterhalten, muss bald aus unseren Gemeinden selbst kommen
oder wir muessen vieles aufgeben. Kein Wunder zur Loesung dieser
Probleme kann man erwarten, aber schier uebermenschliche Wunder
erwarten zu wollen, grenzt an Verantwortungslosigkeit.
Es gibt heute bereits viele Familien, z.B. in Buenos Aires, im
Umfeld unserer Gemeinden, die nicht einmal das Fahrgeld fuer den
Omnibus zur Verfuegung haben, um am Gottesdienst der naechsten
Gemeinde teilzunehmen, geschweige den Gemeindebeitrag zu bezahlen.
Wir stehen also bereits in einem Prozess hin zu einer Kirche der
Armen und haben ganz neu zu lernen, was es zunaechst heisst, eine
"arme" Kirche fuer noch Mittelstaendler und gleichzeitig fuer
Menschen an der Armutsgrenze zu sein.
Wenn wir das bisher Gesagte ernst nehmen, das uns gewissermassen
einen Einblick nicht nur in unsere Kirche, sondern in die meisten
Kirchen der Welt, gibt, dann muss uns von vornherein klar sein,
dass der Weg einer 2-tausendjaehrigen Geschichte der Kirche Jesu
Christi, den man mit Thron und Altar oder Staat und Kirche
charakterisieren, ferner unter dem Aspekt der VOLKSKIRCHE mit
ihren verschiedenen Erscheinungsformen sehen kann, sich seinem
Ende naehert. In dieser Geschichte sind viele Irrtuemer und
Abwege, auch Verleugnung des christlichen Glaubens unter einem
christlichen Gewand, erkennbar. Allerdings hat es immer wieder
aufs neue bis auf den heutigen Tag Beweise eines echten Zeugnisses
des Evangeliums von Jesus Christus gegeben und dass seine Stimme
gehoert und seinem Wort gefolgt wurde.
Die Abloesung dieser 2-tausendjaehrigen Geschichte wird einmal ein
langjaehriger Prozess sein und zum anderen nicht ohne Probleme und
Schwierigkeiten und Noete selbst innerhalb der Christenheit vor
sich gehen. Aber wir duerfen als Christen, die es mit ihrem
Glauben an Jesus Christus ernst nehmen, trotzdem getrost nicht nur
in die Zukunft blicken, sondern sogar gehen, weil auch in diesem
Umbruch Jesus Christus an unserer Seite mit uns den Weg gehen
wird. Das Endziel dieses Weges ist noch nicht erkennbar, es liegt
ausschliesslich und allein in SEINEN Haenden. Aber was erkennbar
erscheint, ist, dass wir als Christen, als Kirchen und als gesamte
Christenheit an den Ursprung unseres Weges zurueckgefuehrt werden.
Dieser Weg begann vor 2000 Jahren dort im Lande Palaestina mit den
bekannten Orten Bethlehem und Nazareth und Jerusalem, da dieser
Jesus von Nazareth wirkte und um sich eine kleine Schar von
Nachfolgern sammelte und dieselben wiederum beauftragte, nach
seinem Tode und nachdem er sich als lebend erwiesen hatte,
ebenfalls Aktionsgruppen zu sammeln, um die Botschaft vom Heil
fuer uns Menschen, das uns die Moeglichkeit gibt, als Menschen
menschlich zu leben, weiter zu sagen und selbst zu praktizieren.
Wenn in dieser ersten Zeit der Urchristenheit von Gemeinden und
Kirchen die Rede ist, dann sind eben solche Aktionsgruppen oder
auch Hausgemeinden oder Hauskirchen gemeint, in denen Mitlaeufer
sich nicht halten konnten, sondern alles auf echte Nachfolge
eingestellt war. Es wird um die echte Nachfolge eines jeden
gerungen und das Wort Jesu von jedermann ernst genommen:
"Wollt Ihr auch weggehen?"
Aber gleichzeitig wird auch das andere Wort Jesu akzeptiert:
"Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."
Das ist etwas anderes als unser Bemuehen um jedes Mitglied unserer
Gemeinden, um finanziell ihre Strukturen moeglichst aufrecht zu
erhalten. Wie schon gesagt wurde, der Weg in die erwaehnte
Zukunft, auf dem wir uns schon befinden, wird ein langer Prozess
sein und je nach der Situation sich anders gestalten und unter
keinen Umstaenden in voelliger Uebereinstimmung von uns allen
gegangen werden, mehr gezwungen als freiwillig, der "Not
gehorchend und nicht dem eigenen Triebe." Das gilt fuer die ganze
Christenheit, fuer alle Kirchen in der Welt. Das gilt
selbstverstaendlich auch fuer unsere Evangelische Kirche am La
Plata.
Wie koennte die Vorbereitung dieses Weges fuer alle, die wirklich
glauben und Verantwortung zu uebernehmen bereit sind, die
wirkliche Nachfolger Jesu sein wollen, aussehen?
1. In Zukunft sollte noch mehr als bisher das, was wir als
verschiedene Gemeinden gemeinsam tun koennen, auch getan werden
oder wenigstens probiert werden.
2. Das Niveau der theologischen Ausbildung sollte auf alle Faelle,
solange es noch moeglich ist, auf voller Hoehe aufrecht erhalten
werden, damit die Auseinadersetzung mit der Modernitaet in den
wissenschaftlichen Erkenntnissen intensiv ausgefuehrt, bzw. unter
Umstaenden sollten diese Erkenntnisse auch von uns akzeptiert
werden und ihren Ausdruck auch in Liturgie, Predigten, Katechesen
und sonstigen Verlautbarungen finden.Alle, die Christen sein
wollen, sollten damit vertraut gemacht werden. Trotzdem muss aus
ehrlichen Gruenden bei der zukuenftigen Theologenausbildung darauf
hingewiesen werden, dass dieser Dienst in Zukunft nur part-time
ausgeuebt werden kann, vielleicht sogar ganz ohne Bezahlung. Dann
waere zunaechst als Bedingung zur Berufung in einen pfarramtlichen
Dienst die Erlernung eines 2.Berufes zu stellen. Mit dem
diakonischen Dienst ist ja bereits immer als Voraussetzung die
Ausbildung in einem sozialen Beruf gegeben, der auch allgemein
anerkannt wird.
3. Alles, was zum Verstaendnis der Botschaft vom Heil fuer uns
Menschen in der Heiligen Schrift dient, sollte in der naechsten
Zeit in den Gemeinden intensiviert werden, damit jeder der zur
augenblicklichen Form der Kirche gehoert und ein Christ sein will,
weiss, an wen und was er glaubt und was von ihm erwartet wird. Um
das zu ermoeglichen, sollten alle Wege genutzt werden. Ziel sollte
sein, jeder Christ ein Zeuge Jesu Christi.
4. Das waere auch eine gewisse Voraussetzung dafuer, dass der
professionelle Dienst in der "armen" Kirche immer mehr und
kontinuierlich aufgegeben werden kann, ja muss, weil diese Dienste
einfach in Zukunft finanziell nicht mehr zu halten sind, ebenfalls
das nicht, was an Ausgaben fuer die Erhaltung der Pfarrhaeuser,
Gemeindezentren, Kirchenleitungs- und auch diiakonischen Dienste,
die wir nur durchfuehren konnten, weil wir das Geld aus der
Heimatkirche etcta. bekommen hatten. Wir koennen nur das ausgeben,
was wir als Christen in einer Gruppe oder in einer Gemeinde oder
in einer Kirche durch eigene Mittel auszugeben in der Lage sind
und wozu uns unser Herr willig macht.
5. Diese Entwicklung am Ende einer Zeitepoche, gekennzeichnet
durch Thron und Altar und Staat und Kirche und was wir unter
Volkskirche verstehen, kann und sollte dazu fuehren, dass jeder,
der sich Christ nennt, auch als ein gehorsamer Juenger Jesu lebt.
Dazu werden immer nur wenige gehoeren, die, wenn es hoch kommt,
zur Bildung von kleinen Aktionsgruppen fuehren. Massen in den
Kirchen sind Ergebnisse der vergehenden Epoche, die einem echten
Juengergehorsam selten helfen, meistens aber im Wege stehen, unter
Umstaenden sogar verhindern. Ich stehe dem Versuch, sich durch die
Entwicklung der sogenannten "charismatischen Bewegung" der
angegebenen Entwicklung entgegen zu stemmen und die Massen wieder
dem christlichen Glauben naeher zu bringen, wie z.B. durch
Krankenheilungen, sehr kritisch gegenueber. Letzten Endes geht es
doch um die Erneuerung, wenn auch in einer anderen Form, einer
Volkskirche. Hoffentlich ist es nicht eine Parallele zu dem, was
heute unter der Bezeichnung Pop-Musik oder Pop-Star ueberall in
der Welt hochkommt und Massen begeistert zusammenbringt und im Nu
ist alles wieder in ein Nichts zerronnen. Meines Erachtens wird
auch der Versuch der roemisch-katholische Kirche, krampfhaft an
diesem Modell Thron und Altar, sogar mit der Variante KIRCHE IST
STAAT (Vatikanstaat) scheitern.
6. Das, was Jesus Christus von einem gehorsamen Juenger erwartet,
koennen wir in einer dreifachen Weise beschreiben, einmal, dass er
sein Leben als Einzelner, in der Ehe, in der Familie und in der
Gesellschaft als ein Christ im Sinne Jesu fuehrt, zweitens, dass
er vor anderen Menschen in Wort und Tat bezeugt, dass er zu dem
Herrn Jesus Christus gehoert und dass nur in ihm das Heil fuer sie
und alle Menschen liegt, und drittens, dass er da, wo er steht,
lebt und arbeitet, sich um die Armen und Notleidenden,
Zukurzgekommenen und Kranken bemueht, selbst wenn das nur mit den
ihm verliehenen Faehigkeiten und Moeglichkeiten geschehen kann,
selbst wenn er einem Durstigen nur ein Glas Wasser reichen kann.
Dazu gehoert auch der Einsatz, wenn er auch noch so klein ist,
fuer die Erhaltung dieser Erde, die bereits durch uns Menschen so
geschaedigt ist, dass sie als Grundlage fuer das Leben der
Menschen und der Tiere und der Pflanzenwelt in Gefahr ist. Diese
angefuehrten Auftraege im Dienste unseres Herrn sind
selbstverstaendlich leichter auszufuehren, wenn einige mehr da
sind, die den gleichen Weg mit uns gehen, die eine Aktionsgruppe
bilden, sich gegenseitig im Dienst helfen und stuetzen und auch
ermahnen und die vielleicht gemeinsam an die Ausfuehrung ihres
Auftrages gehen koennen und gemeinsam ihren Herrn durch die
Heilige Schrift konkret fragen, was sie tun sollen.

JESUS SAH EINEN MANN AM ZOLL SITZEN, DER HIESS
MATTHAEUS; UND ER SPRACH ZU IHM:
FOLGE MIR!
UND ER STAND AUF UND FOLGTE IHM. -Matth.9, 9-

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Die vorausgehenden Gedanken sind entstanden durch folgende
Orientierungsfragen fuer eine Reihe von Gespraechen mit Dr.
Alejandro Zorzin

1. Angaben zum eigenen Lebenslauf (wichtigste Daten; soziale
Herkunft/ Elternhaus; Schulbildung; Jugendzeit/ Stellung zu
Kirche und Politik; der zweite Weltkrieg)
2. Angaben zum theologischen Werdegang (VerhaELTNIS ZUM
Ortspfarrer/ E. Kaesemann - Kirchenkampf?; praegende Dozenten;
Vikariat - erstes Pfarramt in Deutschland)
3. Der Entschluss in den Auslandsdienst der EKD zu treten
(Gruende?;Erwartungen?; warum in die La Plata Synode?)
4. Die pastorale Taetigkeit in der Landgemeinde Aldea Protestante
- die Entwicklung der Gemeinde (u. Gemeindearbeit) in den Jahren
der Amtstaetigkeit (Problemfelder, Herausforderungen, Gefahren,
Erfolge)
Der Einfluss (od. Gravitation) der Russlanddeutschen
(Tradition) innerhalb derIERP?
5. Die Einbindung (od. Das Einfuehlen) in die nationale Realitaet
Argentiniens (welche sozialen oder politischen Ereignisse waren
fuer die Entwicklung deiner theologischen Einstellung hier
praegend?)
6. Einige deiner Predigten, die fuer dich einen besonderen
bleibenden Wert behalten haben.
7. Bedeutende Veraenderungen innerhalb der La Plata Synoder u.
Kirche in den v ierzig letzten Jahre (Auffallendes beim Vergleich
ihreer Wahrn ehmnung der synodalen Taetigkeit im Jahre 1955 und im
Jahre 1955: Enttaeuschungen?
8. Hoffnungen und Erwartungen im Hinblick auf die naechsten 50
Jahre dieser (unserer) Kirche am La Plata. (Worin bestuende ihr
proprium, ihr unverzichtbarer Beitrag im Rahmen des
oekumenisch-evangelischen Wirkungskreis am La Plata, der ihre
Existenz -ueber die Eigendynamik ihrer Traditionss od.
Sprachgebundenheit hinaus- rechtfertigt?)
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(Anmerkung: Alle meine Ausfuehrungen und Gedanken muessen in
verschiedener Hinsicht noch korrigiert und evtl. noch ergaenzt
werden und sind aus diesem Grunde nicht reif zur Veroeffentlichung
ohne mein Einverstaendnis. Karl Schwittay)


Buenos Aires, den 31. Dezember 1999