Die Kirchenleitung berichtet über Ökumene
Exposición, 112
Lugar/Ort:Revista Parroquial
Fecha/Datum:1984
Resumen/Skopus: Die Kirchenleitung berichtet: Kirchenpräsident Rodolfo Reinich.


Die Kirchenleitung berichtet:

Liebe Schwestern und Brüder!
Die Woche vor Pfingsten, das wir in diesem Jahr am 10. Juni
feierten, ist vom ökumenischen Rat der Kirchen dem wir 1958
beitraten - und der Römisch-Katholischen Kirche zur Gebetswoche
für die Einheit der Christen festgelegt worden. Dieser Ruf zum
gemeinsamen Gebet hat überall auf der Welt Wurzeln geschlagen und
wird durch ökumenische Veranstaltungen auf vielerlei Weise
gefeiert. Wir sind dessen eingedenk, daß die Einheit zu der uns
Jesus Christus ruft weder durch Gespräche noch überhaupt durch
menschliches Tun erreicht werden kann.
Unsere Kirche ernannte einen Ausschuß für ökumenische Gespräche,
das von einem unserer "Kirchenväter", dem emeritierten Pfarrer
Karl Schwittay, geleitet wird, der wie andere Emeritierten uns
tatkräftig hilft. Dieser Ausschuß hält einerseits Gespräche mit
dem Ökumenischen Sekretariat der Argentinischen Bischofskonfernz
der Römisch-Katholischen Kirche. Im Zusammenhang der Gebetswoche
für die Einheit der Christen ist am 8. Juni ein ökumenischer
Gottesdienst in der Abtei des Heiligen Benedictus in Buenos Aires
gefeiert worden. Es war eine Feier des Wortes und des Gebetes, an
der Vertreter unserer Kirchen und auch der Vereinigten
Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Evangelisch-Methodisten
Kirche, der Anglikanischen und eben der Katholischen Kirche,
teilgenommen haben. Es war erneut eine Erfahrung, an Hand derer
wir feststellen konnten, daß wir verschieden sind, sowohl in der
Art der Auslegung und auch in der Art der Bezeugung des
Evangeliums. Gleichzeitig war sie ein Beweis dafür, daß es möglich
ist, uns an dem gleichen Ort zu treffen, um gemeinsam zu beten und
nachzudenken mit dem Ziel, Wege zu entdecken, auf denen wir auch
miteinander gehen können.
Andererseits sind schon mehrere Sitzungen bilateraler Gespräche
zwischen unserer Kirche und der Vereinigten
Evangelisch-Lutherischen, wie auch zwischen uns und den Waldensern
durchgeführt worden, in denen vor allem die Leuenberger Konkordie
(siehe Gemeindeblatt 7/83) herangezogen wurde. Es werden außerdem
auch mehrere gemeinsame Gesprächsrunden gehalten, an denen
Waldenser, Methodisten, Anglikaner, Jünger Christii, Reformierte,
Presbyterianer, Vereinigte Lutheraner und wir teilnehmen, in denen
es um die gegeneitge Anerkennung des Pfarramtes geht. Außer der
Leuenberger Konkordie kommt hier auch das sogenannte Lima Papier -
"Taufe, Eucharistie und Amt" zum tragen. Letzteres hält Mindest-
Übereinstimmungen fest, zu denen die Mitgliedskirchen des
Ökumenischen Rates der Kirchen über drei grundlegende Themen,
zwecks eines móglichen gegenseitigen Anerkennung gekommen sind.
Wenn auch mehrere evangelische KIrchen, und auch die
rómisch-katholische KIrche, in verschiedenen diakonischen
Projekten bereits zusammenarbeiten, so finden sie nicht immer eine
Art der Zusammenarbeit, die auch für die einzelnen Ortsgemeinden
fruchtbar gemacht werden kann. Trotzdem vertrauen wir darauf, daß
vermittels dessen, was jetzt schon móglich ist, nämlich das
gemeinsame Gespräch und das gemeinsame Gebet, der Heilige Geist
uns zum gegenseitigen kennenlernen führt, zum Abbau von
Vorurteilen und zur Erweiterung unseres Horizonts. Hierbei werden
wir erkennen, daß das Reich Gottes weit größer ist als unsere
kirchlichen und konfessionellen Grenzen.
Zwischen dem 12. und 14. Juni nahm ich an einer Evalutionstagung
des Programmes für Christliche Hilfe (PAC), in Hernandarias,
Paraguay, teil. Sicher erinnern Sie sich daran, daß es sich
hierbei um ein Projekt handelt, das den Bauern des nordöstlichen
Paraguay auf 4 Ebenen Förderung angedeihen lassen will:
Erziehung, Gesundheit, Rechtsbeistand, Produktion. Diesen
diakonischen Dienst hat unsere Kirche seit 3 Jahren in
Zusammenarbeit mit der katholischen Diosöse Alto Paraná -
Canendiyú. Nach nun dreijähriger Tätigkeit ist beschlossen worden,
einmal innezuhalten, das Getane zu prüfen und die Art der
künftigen Arbeit festzulegen. Beide Kirchen haben die Einsicht
gewonnen, daß sie diesen diakonischen Dienst an den Ärmsten der
Armen nicht unterlassen dürfen. Es geht darum, diesen
paraguayischen und brasilianischen Bauern ein Landlos
sicherzustellen, auf dem sie eine endgültige Bleibe und den
Lebensunterthalt für ihre Familien finden können. In dieser Gegend
hat sich die Lage letzthin aus zwei Gründen verschlimmert. Einmal
sind hunderte von Familienväter arbeitslos, seit der BAu des
Staudammes Itaipú beendet wurde. Zum anderen sind
Großgrundbesitztümer in die Hände von einigen wenigen gekommen,
die meist im Ausland wohnen, aber nicht bereit sind, den Bauern,
die oft Hunger leiden, Parzellen zu vernünftigen Preisen zu
überlassen.
Vor 2 bzw. 3 Wochen haben tausende Familien unbebautes Land
besetzt und sich dabei auf das paraguayische Verfassungsrecht
berufen, welcher (Artikel 83) so lautet: "Jede Familie hat Recht
auf eine auf eigenem Boden gegründete Wohnung." Dies hat die
Verhaftung von vielen von ihnen, Brandstiftung und Vergewaltigung
durch Unbekannte, verursacht. Als Folge davon sind nun viele
Familien mit Kleinkindern schutz-, obdach- und lebensmittellos.
Im Zusammenhang der genannten Evaluationstagyng ist ein Treffen
von Pfarrern und Priestern beider Kirchen, die mit der Gegenwart
der Bischöfe Van Aaken und Bockwinkel und meiner selbst zählte,
veranstaltet worden. Auf dieser Sitzung wurde vereinbart in
Anbetracht der verschlimmerten Not weiterhin zusammenzuarbeiten.
Außerdem wurde beschlossen, über die Situation dieser Familien
einen Bericht mit fotographischen Zeugnissen vorzubereiten, um es
der paraguayischen Regierung vorzulegen. und der Bitte um eine auf
den Grund gehende Hilfsmaßnahme. Diese Evaluationstagung, auf der
auch intensive Bibelarbeit getrieben wurde, hat uns gezeigt, daß
zwei verschiedene Kirchen durch das Evangelium vereint werden
können, um ein gemeinsames Zeugnis des Dienstes zu geben. Ich bin
der Meinung. daß dieses Zeugnis der Einheit auch missionarische
Wirkung haben wird: "Dann wird die Welt glauben. daß Du mich
gesandt hast. (Johannes 17, 21)." Diese Gelegenheit scheint mir
ferner günstig, um Ihnen von einem Treffen zu berichten, zu dem
die Vertreter der Evangelisch-Kongregationalen Kirche in
Argentinien, Pfr. Arnoldo Breitkreuz, Emilio Schmeck, Rodolfo
Bullmann und Gerardo Arndt und die Pfr. Karl Schwittay, Atilio
Hunzicker, Vikar Rubén Yennerich und ich selbst in Vertretung
unserer Kirche zusammen kamen. Bei diesem Treffen ist ein kurzes
Memorandum erarbeitet worden, in dem Folgendes festgehalten wurde:
1) Allein die Treue gegenüber Jesus Christus und die Verbundenheit
mit ihm (Joh. 15,5) führten uns zu diesem Gespräch mit dem Ziel
uns kennenzulernen.
2) Beide Kirchen ernennen Vertreter zur Gründung eines Ausschußes,
der die Grundlagen beider Kirchen durchstudieren und und
bestehende Übereinstimmungen feststelle.
3) Beide Kirchen werden gegenseitige Fürbitte tun, damit sich de
Gespräche so aufrichtig und offen wie nur möglich entwickeln
können.
4 Beide Kirchen werden ihren Pfarrern und Gemeinden in den
verschiedenen Bezirken nahelegen, gegenseitige Annäherung und
gemeinschaftliche Teilnahme am Leben zur geistlichen Bereicherung
zu suchen.
5) Beide Kirchen äußern den Wunsch, gegenseitig zu Bezirks- und
Sybodaltagungen eingeladen zu werden.
Mit der Hoffnung, daß viele Elterm ein wenig Zeit finden, während
der nächsten Winterferien, sich ihren Kindern zu widmen, wünsche
ich Ihnen Gottes Segen und grüße Sie bis zur nächsten Ausgabe.
Ihr

Rodolfo R. Reinich
Kirchenpräsident

Revista Parroquial 1984