Einführung in den Entwurf der neuen Kirchenordnung
Referat 065
Lugar/Ort:Buenos Aires
Fecha/Datum:1968
Resumen/Skopus: Vortrag auf der Gesamtpfarrkonferenz 1968 in Buenos Aires 16-10-1968


Einführung in den Entwurf der neuen Kirchenordnung.

Der Beschluß der letzten Synodaltagung in Rosario ging dahin, daß
die dazu gewählte Kommission eine vom Rat der Kirche vorgelegte
Kirchenordnung so bearbeiten sollte, daß sie der diesjährigen
Synodal- bzw. General-Versammlung zur Beschlußfassung vorgelegt
werden könnte, und zwar sollte auch den Gemeinden durch
rechtzeitige Zusendung der Entwürfe die Möglichkeit gegeben
werden, sie durchzusprechen und evtl. Änderungswünsche anzuzeigen,
damit auf der Generalversammlung selbst langwierige
Einzelbesprechungen vermieden würden.
Es sind dann in der Tat eine ganze Reihe von Änderungswünschen
eingegangen und zum größten Teil auch berücksichtigt worden.
Zu der Kommission gehörten Herr Fiedler, Obermüller als
Vorsitzender und die Br. Friedrich Kaufmann und Gürke und ich,
ebenfalls nahmen von der Kirchenleitung Br. Hoppe, Held und Herr
Knoblauch teil.
Im Februar dieses Jahres fand die 1. Kommissionssitzung statt. Es
wurde vom Rat der Kirche eine bereits ausgearbeiteter Entwurf zur
Bearbeitung vorgelegt. Dieser Entwurf ging aus von der
Kirchenordnung der Evgl. Kirche in Westfalen und war bereits an
die Verhältnisse in unserer Kirche angepaßt und angeglichen
worden.
Diese Tatsache der Anlehnung an eine schon bestehende
Kirchenordnung hat eine negative und eine positive Seite. Die
negative Seite liegt darin, daß keine Möglichgkeit bestand, einer
eigenen Konzeption nachzugehen;, z.B. war es nicht immer leicht,
dem Gefälle einer institutionell geprägten Kirche wie der in
Westfalen, die ja unter ganz anderen Umständen ihren Dienst tut,
zu widerstehen, ganz ist es uns bestimmt nicht gelungen, aber mit
Haut und Haaren haben wir uns ihm auch nicht verschrieben.
Die Ausarbeitung einer neuen Kirchenordnung von Grund auf mit
eigenen Konzeptionen wäre sachlich gesehen besser gewesen, hätte
aber jahrelang intensiver Arbeit vielleicht der
Gesamtpfarrkonferenz bedurft.
Die positive Seite war darin zu sehen, daß wir uns auf Vorlagen
berufen konnten, die bereits jahrelang praktiziert und deren
Vorlagen bis ins Letzte theologisch und juristisch hieb- und
stichfest waren.
Durch den festumrissenen Auftrag aber der Synodalversammlung war
uns eine Entscheidung über beide Möglichkeiten von vornherein
abgenommen worden, sodaß es ausschließlich galt, die
Transformation auf unsere Verhältnisse des uns vorgelegten
Entwurfs weiter zu vervollständigen. Sie mag uns 100%ig nicht
befriedigen, aber ich glaube doch, daß sie eine echte Hilfe für
unseren Weg als Evangelische Kirche am La Plata bieten und sein
kann.
Es ist durchaus berechtigt, die Frage zu stellen, wieso ist denn
überhaupt eine Kirchenordnung notwendig, da wir doch bereits auf
der Synodaltagung in Rosario die neuen Statuten angenommen haben
und seit Jahren eine Lebensordnung unserer Kirche im Gebrauch ist.
Wir wissen, daß die neuen Statuten das Ziel hatten, die
Voraussetzungen zu schaffen, um vom Staat die Personería Jurídica
zu erhalten. Diese Statuten sind die Legitimation unserer Kirche
vor dem Staat und erfüllt die Pflichten, die der Staat von uns
fordert. Wir fühlen uns selbstverständlich in dieser unserer
Stellung als Kirche unter einem Vereinsgesetz nicht wohl und
benachteiligt gegenüber der römisch-katholischen Kirche. Wir
fassen gewissermaßen diese Stellung unter dem Vereinsgesetz als
ein nicht zu übergehendes notwendiges Übel auf, darum sind
allerdings auch in den Statuten nur die Dinge geordnet, die der
Staat als unumgänglich ansieht.
Die bestehende Lebensordnung will sagen, was das in unserer Kirche
und in unseren Gemeinden bedeutet, an Jesus Christus zu glauben
und diesen Glauben zu praktizieren.
Zwischen Statuten und Lebensordnung besteht eine Lücke, daß wir
nämlich das ordnen, was der Staat in unserem kirchlichen
Miteinander nicht ordnen kann und nicht ordnen darf, wozu die
Kirche allein selbst berufen ist, wenn sie nicht aufhören will,
Kirche Jesu Christi zu sein. Diese Lücke soll die neue
Kirchenordnung schließen.
Sie erfaßt die kirchliche Wirklichkeit des Miteinanders von
Christen und Gemeinden in unserer Einheit als Evangelische Kirche
am La Plata, in der wir nicht dem Staat, sondern dem Herrn unserer
Kirche, Jesus Christus, verantwortlich sind.
In etwa hat der Staat die Möglichkeit der Besonderheit unserer
Stellung als Kirche dadurch gegeben, daß er eine interne Ordnung
erlaubt, die nicht seiner Beaufsichtigung oder Einmischung
unterliegt. Für uns ist diese neue Kirchenordnung als interne
Ordnung das Entscheidende und wir verstehen sie so, daß sie für
die Erfassung unserer kirchlichen Wirklichkeit den Statuten
vorgeordnet ist.
Aus dieser Zweigleisigkeit, Kirche Jesu Christi und VEREIN nach
argentinischem Gesetz, gibt es z.B. eine Synodal- und eine
General-Versammlung. An die Generalversammlung können nur die
Gemeiunden (und die Kirchenleitung) Anträge einreichen, an die
Synodaltagunga aber nach der Kirchenordnung auch die regionalen
Vertretertagungen und die Gesamtpfarrkonferenz.
Unsere Doppelgleisigkeit ist keine schöne Sache, muß aber getragen
werden, da wir uns von unserer Situation nicht distanzieren
können.
Sie wird uns im Verhältnis von Statuten und Kirchenordnung immer
wieder begegnen. Ich brauche es wohl nicht besonders zu betonen,
daß ich erfreut darüber bin, daß im Grundartikel der
Kirchenordnung im Gegensatz zu den Statuten nun die Wirklichkeit
der Existenz des Heidelberger Katechismus in unserer Kirche und
die konfessionelle Offenheit zu den Reformierten sachgemäß ihren
Ausdruck gefunden haben; meines Erachtens sogar besser als in den
alten Statuten, sodaß trotz ausdrücklichen Beschlusses der
Kirchenleitung auf die Einführung des Abschnitts aus den alten
Statuten:
"Sie hat ihren besonderen Charakter in der Gemeinschaft des
kirchlichen Lebens mit den angeschlossenen reformierten Gemeinden,
in denen der Heidelberger Katechismus Gültigkeit hat."
in die Kirchenordnung verzichtet werden konnte. Die Kontinuität
ist mit den vorhandenen Aussagen bereits festgehalten.
Besonders hervorzuheben ist die Verankerung des Kirchenbezirks und
des Bezirkspfarrers in der Kirchenordnung.
Ich glaube, daß daran am meisten gearbeitet wurde.
In welcher Weise die Frage des Bezirkspfarrers durchdacht wurde,
kann man an den verschiedenen Entwürfen sehen. Ich will es einmal
aufzeigen, wie geändert wurde:
1. Entwurf: "Die Kirchenleitung bestimmt immer für 2(3) Jahre
einen Bezirkspfarrer für jeden Bezirk, der für die Einberufung der
Gemeindevertretertagung und der Bezirkskonferenz verantwortlich
ist. Die Pfarrer des Bezirks werden vorher gehört."
Im 2. Entwurf ist die Zeit für 3 Jahre vorgesehen und neben den
Pfarrern sollen auch die Gemeidnevorstände des Bezirks vor der
Bestimmung gehört werden.
Der 3. und letzte Entwurf besagt dann, daß die Kirchenleitung ihn
auf Vorschlag der Pfarrer und Gemeinden des Bezirks für je 3 Jahre
ernennt.
Gestrichen wurden im letzen Entwurf gegenüber dem ersten:
"Die Bestimmung zum Bezirkspfarrer kann nicht abgelehnt werden.",
und
daß er der Kirchenleitung "Probleme, Nöte und Sorgen der
Kirchenleitung vorträgt". Er soll nicht Aufpasser seiner
Amtsbrüder oder der Gemeinden sein. Und als selbstverständlich
wurde gestrichen, daß er zur loyalen Zusammenarbeit mit der
Kirchenleitung verpflichtet ist.
Aus "Wo der Bezirkspfarrer Mängel oder Nachlässigkeit im Amt oder
unbrüderliches Verhalten, oder wo ihm begründete Beschwerden
vorgebracht werden, soll er zur Besserung mahnen und brüderliche
Weisung geben. Liegt nach seinem Ermessen ein
dienststrafrechtlicher Tatbestand vor, so berichtet er der
Kirchenleitung",
wurde im letzten Entwurf:
"Wo dem Bezirkspfarrer Mißstände in der Amtsführung begegnen oder
wo ihm begründete Beschwerden vorgebracht werden, soll er zur
Besserung mahnen und brüderliche Weisung geben. Liegt nach seinem
Ermessen ein Tatbestand vor, den er selbst nicht ordnen kann, so
hat er der Kirchenleitung zu berichten."
Vielleicht ist es nicht unwichtig, darauf hinzuweisen, daß durch
den Lektorenabschnitt die Entfaltung des Dienstes von fähigen
Gemeindegliedern auch in der Verkündigung möglich ist.

Karl Schwittay

Vortrag, gehalten auf der Gesamtpfarrkonferenz in Buenos Aires am
16-10-1968.