Kurze Einführung in die Entwürfe der Kirchen- und Pfarrdienstordnung
Documento 064
Lugar/Ort:Viale
Fecha/Datum:1968
Resumen/Skopus: Vortrag auf der Entre Ríos-Vertretertagung im August 1968 in Viale. 14-8-1968
Eine kurze Einführung in die Entwürfe der Kirchen- und der
Pfarrdienst-Ordnung.

Auf der letzten Synodaltagung unserer Kirche in Rosario war eine
Kommission aus Gemeindevertretern und Pfarrern gewählt worden, die
eine Kirchenordnung und eine Pfarrdienstordnung, die ihr vom Rat
der Kirche vorgelegt werden wird, so geprüft und bearbeitet haben
sollten, daß sie die Wirklichkeit unseres kirchlichen Miteinanders
wiedergibt und ordnet und Wege in die Zukunft weist und der
nächsten Synodaltagung zur Beschlußfassung empfohlen werden
könnten. Die Gemeinden sollten die Möglichkeit bekommen, sich vor
der Synodaltagung mit diesen beiden Ordnungen zu befassen, um
evtl. Änderungswünsche einzureichen. Die Kommission tagte im Laufe
dieses Jahres einige Male und wird in der kommenden Woche
voraussichtlich zur letzten abschließenden Sitzung in Buenos Aires
zusammenkommen, um über die von den Gemeinden und besonders auch
von der Entre Ríos-Pfarrkonferenz eingereichten Änderungswünsche
zu beraten und sie evtl. in die Ordnungen einzuarbeiten.
Es sollte das Ziel sein, auf der Synodaltagung nicht mehr über die
einzelnen Paragraphen der beiden Ordnungen zu diskutieren, sondern
sie möglichst einstimmig als Ganzes zu beraten und was zu hoffen
ist, anzunehmen. Die Kommission hat in ihren Sitzungen, an denen
auch Glieder des Rates teilnahmen, im ernsten Ringen versucht,
unserer kirchlichen Situation und der Verantwortung vor unserem
zukünftigen Wege gerecht zu werden.
Vorausgeschickt werden muß, daß die Kommission diese beiden
Ordnungen nicht vollklommen neu erarbeitet hat, sondern ihr wurde
eine bereits angepaßte Kirchenordnung vorgelegt, die sich an die
Kirchenordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen anlehnt und
eine Pfarrdienstordnung, die sich an die der Evangelischen Kirche
deutscher Herkunft in Brasilien anschließt.
Diese Anpassung an schon bereits vorliegende Ordnungen hat einmal
den großen Vorteil, daß nicht Paragraph für Paragraph, Punkt für
Punkt, Problem für Problem geplant, durchdacht, besprochen und
formuliert werden mußte, wozu einige Jahre nötig gewesen wären,
und daß die meisten Paragraphen und Abschnitte und Ordnungen durch
jahrelanges Ringen in Deutschland und Brasilien ausgereift
dastehen. Zum anderen hat es allerdings den Nachteil, daß
Ordnungen aus Deutschland und Brasilien nur sehr schwer, trotz
aller Bemühungen, auf unsere Situation übertragen werden können
und eine Transformatioan nie 100%ig befriedigt. Es hätte manches
in den Ordnungen, wenn ausschließlich und allein von unserer
Situation ausgegangen worden wäre, kürzer und konkreter und unsere
Aufgabe besser erfassend erarbeitet werden können.
Da der Kommission durch den Auftrag der Synodalversammlung einer
Entscheidung über beide Möglichkeiten nicht gegeben wurde,
versuchten wir, diese vorgegebenen Ordnungen, so gut wie es eben
möglich war, zu transformnieren. Und wir glauben, daß sie uns
viele und gute Impulse geben kann, unseren Weg als Evangelische
Kirche am La Plata in rechter Weise fortzusetzen.
Vielleicht ist es gut, darüber zu sprechen, warum eine
Kirchenordnung und eine Pfarrdienstordnung (Ordnung des
Pfarramtes) nötig erschien.
Zunächst einmal die Kirchenordnung:
Wir haben ja, ich erinnere daran, bereits die Statuten, die auf
der letzten Synodaltagung in Rosario angenommen wurden und wir
haben auch eine "Lebensordnung" unserer Kirche, die seit Jahren
Gültigkeit hat.
Warum dann eine Kirchenordnung?
Die neuen Statuten hatten das Ziel, die Voraussetzungen zu
schaffen, daß wir vom Staat die Personería Jurídica erhalten
können.
Die Statuten sind das Aushängeschild unserer Kirche vor dem Staat
und erfüllt die Pflichten, die der Staat von uns fordert.
Hier muß gesagt werden, daß diese unsere Stellung als Kirche unter
einem Vereinsgesetz unserer kirchlichen Situation nicht gerecht
wird und uns aufgezwungen worden ist und eine Benachteiligung
gegenüber der röm.-kath. Kirche bedeutet.Darum sind in den
Statuten nur die Dinge geregelt, die der Staat durch das
Vereinsgesetz, wenn wir die Personería Jurídica erlangen wollen,
als unbedingt erforderlich für uns erzwingt.
Die Lebensordnung wiederum gibt uns eine Auslegung dessen an die
Hand, was es heißt, in unserer Kirche und in unseren Gemeinden an
Jesus Christus zu glauben und diesen Glauben zu praktizieren.
In der Erfassung unserer kirchlichen Wirklichkeit besteht eine
Lücke, daß wir nämlich das ordnen, was der Staat in unserem
kirchlichen Miteinander nicht ordnen kann und nicht ordnen darf,
wozu die Kirche allein berufen ist und der kirchlichen
Lebensordnung, die mehr eine Erklärung unseres Glaubens darstellt.
Diese Lücke soll die neue Kirchenordnung schließen. Sie erfaßt die
kirchliche Wirklichkeit des Miteinanders von Christen und
Gemeinden in unserer Einheit als Evangelische Kirche am La Plata,
in der wir nicht dem Staat, sondern dem Herrn unserer Kirche,
Jesus Christus, verantwortlich sind.
In etwa hat an dieser Stelle der Staat dadurch die Besonderheit
unseres Weges anerkannt, daß er die Möglichkeit dazu durch eine
interne Ordnung gegeben hat, die nicht seiner Beaufsichtigung und
seiner Einmischung unterliegt. Für uns ist diese neue interne
Ordnung die eigentliche Ordnung und wir verstehen sie so, daß sie
für die Erfassung unserer kirchlichen Wirklichkeit den Statuten
vorgeordnet ist.
Diese Statuten sind für uns im letzten Grunde ein notwendiges
Übel.
Aus diesem Zwiespalt heraus, daß wir Kirche Jesu Christi sind,
aber nach dem argentinischen Gesetz ein Verein sein müssen, gibt
es zum Beispiel eine Synodal-Versammlung und eine
General-Versammlung.
Nach den Statuten können nur die Gemeinden Anträge einreichen,
nach der Kirchenordnung aber auch die regionalen Vertretertagungen
und die Gesamtpfarrkonferenz. Unsere Doppelgleisigkeit ist keine
schöne Sache, muß aber getragen werden. Sie wird uns im Verhältnis
von Statuten und Kirchenordnung immer wieder begegnen.
In den Grundartikeln dieser neuen Kirchenordnung kommt die
Wirklichkeit des Miteinanders von lutherischen und reformierten
Christen gerade bei uns hier in Entre Ríos besser und richtiger
zur Sprache als in den Statuten, auch die regionalen
Vertretertagungen, die ja ihren eigentlichen Ursprung in Entre
Ríos haben, sind zum festen Bestandteil der Kirchenordnung
geworden.
In der Frage des Bezirkspfarrers und seiner Stellung und Aufgabe
ist noch keine klare Antwort gefunden worden, das muß der Zukunft
überlassen und die offenen Fragen sollten ruhig noch für einige
Zeit unbeantwortet gelassen bleiben.
Wenn ich ein Urteil über die Kirchenordnung abgeben soll, dann
wäre es dieses, daß sie eine brauchbare Ordnung ist, die uns hier
am La Plata die Möglichkeit gibt, unseren Dienst für unseren Herrn
Jesus Christus als eine evangelische Kirche recht ausrichten. Sie
ist die Frucht bewährter Vorbilder und ernsten Ringens um unsere
eigene Wirklichkeit.
Wir kommen nun zur Ordnung des Pfarramtes. Wir sind bisher ohne
eine solche Ordnung ausgekommen, weil fast 100%ig die Pfarrer aus
Deutschland kamen und durch Verträge weiterhin mit der
heimatlichen Kirche verbunden blieben.
Nun ist die bessere Entwicklung im vollen Gange, daß der
Pfarrerstand aus unseren eigenen Gemeinden kommt. Das bedeutet,
daß wir all das, was damit zusammenhängt, neu ordnen müssen. Es
geht um die Vorbildung und Voraussetzungen, die einer, der dieses
Pfarramt ausüben will, mitbringen muß, seine Einführung, seine
Verantwortung, seine AuFgabe, sein Lebensunterhalt, das Verhältnis
von Pfarrer und Kirchenleitung, von Pfarrer und Gemeinde, Gemeinde
und Pfarrer.
All diese Dinge müssen geordnet werden. Der Pfarrer soll wissen,
was seiner in unserer Kirche und in unseren Gemeinden erwartet und
unsere Gemeinden sollen es auch schwarz auf weiß in der Hand
haben, was sie von ihren Pfarrern erwarten können.
Ich möchte meinen, daß diese bis heute erarbeitete Ordnung des
Pfarramtes jungen Mánnern Mut machen kann, den Dienst eines
Pfarrers als Lebensaufgabe zu ergreifen und den Gemeinden
ebenfalls Mut machen kann, auf dem Wege fortzuschreiten, Pfarrer
aus ihren eigenen Reihen im Dienst zu wünschen.
In dieser Ordnung kommen die Gemeinden und die Pfarrer zu ihrem
jeweiligen Recht. Es wäre fein, wenn unsere Gemeinden zu der
Überzeugung kommen könnten, daß diese beiden Ordnungen eine gute
und wünschenswerte und hilfreiche Sache sei, zu der sie vollstes
Vertrauen haben können.

Karl Schwittay

Vortrag auf der ER-Vertretertagung in Viale am 14-8-1968