KONFESSIONSWECHSEL am LA PLATA?
Referat 061
Lugar/Ort:General Ramírez ER
Fecha/Datum:1966
Resumen/Skopus: Referat gehalten auf der ER-Pfarrkonferenz in General Ramírez vom 13.-15.4.1966 im Kampf gegen eine Lutheranisierung unserer Kirche.


Konfessionswechsel am La Plata?

Im November 1965 sind auf der Synodaltagung der Deutschen
Evangelischen La Plata - Synode in Rosario neue Statuten
beschlossen worden, die den bisherigen Bekenntnisstand unserer
Kirchen verändern. Mit der an sich guten Namensänderung in
Evangelische Kirche am La Plata hat der Wechsel stattgefunden, der
aber am veränderten Namen noch nicht erkennbar ist.
Um den Unterschied in der Bezeugung des Glaubensfundamentes
unserer Kirche in den neuen Statuten im Verhältnsis zu den alten
erkennen zu können, ist es selbstverständlich notwendig, daß wir
jeweils die alten bzw. die neuen Statuten für sich betrachten.
Allerdings müssen wir zuvor noch einen Blick werfen auf die
Vorgeschichte unserer Statuten, d.h. auf die Entstehung unserer
Kirche. Wir sind dabei angewiesen auf das, was in den
verschiedenen Veröffentlichungen der Vergangenheit darüber
berichtet worden ist.
Nach der Festschrift von P. Hermann Schmidt "Deutsche Evangelische
La Plata - Synode 1899 - 1949" finden sich in den Gemeinden bei
der Gründung unserer Kirche einmal Lutheraner, Reformierte und
Unierte gemischt vor. Sie gehörten zum anderen den verschiedneen
deutschen Volksgruppen an, ja, wir finden darunter auch Schweizer
und Schweizerdeutsche. Die verschiedenen deutsche Dialekte wurden
gesprochen.
Diese Gemeinden fanden sich zu einer Kirche (Synode) zusammen.
Damals mußte man sicher erst von einem Zweckverband sprechen. Es
ist klar, daß diese Kirche auf eine breite gemeinsame Grundlage
gestellt werden mußte. Das geschah dadurch, daß sie sich "über
alle interkonfessionellen Unterschiede hinwegsetzte" und die
gemeinsame Grundlage unter dem einigenden Namen "evangelisch"
fand.
Diese neugegründete Kirche "folgt darin dem allgemeinen Brauch der
Gemeinden". Die Verschiedenheit der landschaftlichen Herkunft
bekam einen gemeinsamen Namen "deutsch" .
Auf dieser gemeinsamen Basis "evangelisch" und "deutsch" ist die
Deutsche Evangelische La Plata-Synode ihren Weg als Kirche
angetreten.
Manchmal war es allerdings nicht klar erkennbar, ob "evangelisch"
die erste Stelle einnahm, oder "deutsch". Normalerweise gingen
"deutsch" und "evangelisch" eine solch enge Verbindung ein, daß
man "deutsch-evangelisch"sagen konnte.
Die Gemeinden in ihrer Zusammensetzung aus lutherischen,
reformierten und unierten Gliedern hatten, bevor sie sich zur
Kirche vereinigten, bereits Beziehungen zur Kirche der
Altpreußischen Union. Dieser Teil der Heimatkirche entsprach in
seiner konfessionellen Struktur der Lage der hier bestehenden und
entstehenden Gemeinden. Was lag näher, als daß die neu entstandene
Kirche als solche ebenfalls die Verbindung mit der Kirche der
Altpreußischen Union aufnahm. In der oben erwähnten Festsschrift
schreibt P. Herm. Schmidt auf Seite 22/23 "..... aber noch ein
zweiter Grund empfahl, die Verbindung mit der Preußischen
Landeskirche aufzuznehmen. Es ergab sich aus der
innerkonfessionellen Gemischtheit der Gemeinden. Ihre Glieder
waren aus sich selbst "zu derjenigen evangelischen Union gekommen,
die weder ein Sonderbekenntnis zugunsten eines anderen beseitigen,
noch an Stelle beider ein neues Bekenntnis setzen will, sondern
jedem Bekenntnis sein Recht läßt, aber über die Unterschiede das
Gemeinsame des Glaubens pflegt." "Dieser Besonderheit entsprechend
brauchten die Gemeinden Geistliche, die nicht durch lieblose
Lehrstreitigkeiten spalteten und zerschlugen, was sich auf breiter
Glaubensgrundlage zusammengefunden hatte und sich einig wußte,
sondern den Dienst an der selbstgewachsenen Union mit innerer
Überzeugtheit und Hingabe ausführten, Wort und Sakrament mit
gleicher Liebe ihren lutherischen und reformierten, deutschen,
schweizerischen und französischen Gemeindegliedern darboten. Zu
solchen Pfarrern konnte die Preußische Landeskirche verhelfen, die
ihrer Verfassung nach uniert ist."
Von daher ist es unverständlich, wie Prof. Dr. Held nach kurzem
Aufenthalt in Argentinien in seinem Aufsatz "Ruf zur
Verantwortung"in "Kirche in der Zeit" behaupten kann, daß sich die
hier in Lateinamerika bestehenden Kirchen deutscher Abstammung nur
auf Grund der von der Evangelischen Kirche der Altpreußischen
Union durch den Evangelischen Oberkirchenrat in Berlin über sie
ausgeübten Kirchenleitung als "evangelisch", - sprich "uniert"-
verstanden.
P. Jakob Riffel weist in seiner Festschrift "Rußlanddeutsche 1878
- 1928" darauf hin, daß die Situation der Rußlanddeutschen, die
von der Wolga-Synode hierher kamen, sich darum gern dem
Oberkirchenrat in Berlin der Evangelischen Kirche der
Altpreußischen Union unterstellten, weil diese Kirche nach ihrer
Auffassung der Wolgasynode am nächsten stand. Er schreibt:
"Die kombinierte Wolgasynode der Berg- und Wiesenseite war zwar
dem Evangelisch-Lutherischen Konsistorium in Moskau unterstellt,
nahm aber onsofern eine Sonderstellung ein, als sie in ihrer Mitte
lutherische und reformierte Gemeinden hat und bedient. Das war an
der Wolga nicht anders möglich und nur dadurch, daß der
ursprünglich konfessionelle Hader beigelegt wurde, war eine
gedeihliche Entwicklung gewährleistet. Der Evangelische
Oberkirchenrat stand dieser Ordnung der Dinge nach seine
Auffassung am nächsten."
So bekennt sich die erste rußlanddeutsche Gemeinde "General
Alvear" in Entre Ríos in ihren Statuten 1899 in Lehre,
Gottesdienst und Kirchenzucht -sustancialmente- zum Bekenntnis,
zur Liturgie und Ordnung der Evangelischen Kirche Preußens."
Nach der faktischen Wirklichkeit, Zusammensetzung und Struktur der
Gemeinden und damit der Kirche, die damals ihren Weg antrat,
bedeutet das alles bekenntnismäßig, daß Lutheraner, die ihren
Glauben nach ihren Bekenntnisschriften bekannten, in kirchlicher
Gemeinschaft in einer Gemeinde und in einer Kirche mit den
Reformierten, die ihren Heidelberger Katechismus bekannten,
lebten. Das alles war mit dem Namen "evangelisch" gemeint.
Wenn man auch vielleicht allgemein annehmen muß, daß aus rein
praktischen Erwägungen heraus in den meisten Gemeinden der
Heidelberger Katechismus zugunsten des luth. Kleinen Katechismus
zurückgedrängt wurde, so bleibt es doch eine bekannte Tatsache,
daß in den rußlanddeutschen Gemeinden in Entre Ríos von den
reformierten Gliedern der Heidelberger Katechismus unbeirrbar
festgehalten wurde. Die 2 Pfarrbezirke in San Antonio würden z.B.
heute nicht zu unseren Gemeinden gehören, wenn nicht 1905 die
reformierten Glieder, als die Gemeinde von der Missourier-Synode
zerschlagen wurde, fest auf den Heidelberger Katechismus bestanden
hätten. Gleichfalls in Meroú waren es die reformierten
Kirchenbrüder, die nach dem Abfall zur Missourier-Synode wieder
den Weg zu uns zurückfanden. Von dem Streit in San Antonio
schreibt P. Jakob Riffel in der erwähnten Festschrift:
".... Anfangs haben die Missourier nach dem persönlich abgelegtne
Geständnis des zweiten von der Missourier-Synode entsandten
Pastors Meyer das Bekenntnis der Reformierten unangetastet
gelassen, auch die Kinder den reformierten Katechismus lernen
lassen, in der Hoffnung, sie allmählich für das Bekenntnis der
Missourier-Synode zu gewinnen. Nachdem aber schon der erste
Missourier-Pastor schwer unter dieser Unaufrichtigkeit gelitten
und wohl deshalb schon nach kurzer Zeit die Stelle wieder
aufgegeben hat, wollte P.Meyer klare Verhältnisse schaffen und
verlangte von allen Gemeindegliedern die Annahme des missourischen
Bekenntnisses. Da sagten sich die Reformierten los und baten
wieder um Bedienung von Aldea Protestante aus, sodaß nun wieder
eine zeitlang der Pfarrer von Aldea Protestante die ganze Provinz
Entre Ríos zu versorgen hatte."-Seite 75 der Festschrift-
Im Zuge der Neuordnung der Deutschen Evangelischen Kirche und mit
der Gründung des Kirchlichen Außenamtes schloß sich die Deutsche
Evangelische La Plata - Synode als Vertreterin aller
angeschlossenen Gemeinden der DEK am 1. Oktober 1934 an. Das
machte notwendig, daß neue Synodalstatuten erarbeitet wurden. Der
Art. II -Glaubensfundament- bekam folgende Fassung:
"Der gemeinsame Glaubensgrund der Gemeinden der Deutschen
Evangelischen La Plata - Synode ist das Evangelium von Jesus
Christus, wie es uns in der Heiligen Schrift offenbart und durch
die Reformation neu ans Licht gebracht worden ist."
Hier sind erfreuliche konkretere Aussagen über das
Glaubensfundament unserer Kirche gemacht worden, allerdings wird
bewußt die bekenntnismäßige Zuammensetzung der Gemeinden auf der
breiten Grundlage gelassen:
"Wie es in der Reformation neu ans Licht gebracht worden ist."
Ohne bewußt ein bestimmtes Bekenntnis zu nennen, kam hier die
ganze konfessionelle Offenheit zum Ausdruck.
In gleicher Weise wie in Deutschland ging in unserer Kirche
während der Zeit der Vergötterung des Deutschtums eine stärkere
Betonung des Deutschtums vor sich. Ein Zeichen dafür ist der
Vorspruch der Ordnung des kirchlichen Lebens. Diese Ordnung wurde
auf der Synodaltagung 1937 beschlossen. Die Predigt dieser
Synodaltagung konnte so beginnen:
"Liebe Gemeinde! Deutsche evangelische Kirche in den Großstädten
von Argentinien, Uruguay und Paraguay, deutsche evangelische
Kirche in den Wäldern von Misiones und Paraguay, deutsche
evangelische Kirche in den weiten Kampgebieten von Argentinien und
Uruguay, fast überall in den 3 La Plata- Staaten, die unsere
Synode umfaßt, wo deutsche, evangelische Menschen wohnen, ist
deutsche, evangelische Kirche."
Besonders kennzeichnend für die Herausstellung des Deutschtums in
der Kirche war die Beschäftigung mit dem "deutschen" Luther. Es
ist in dieser Weise zum ersten Male ein Gefälle zum Luthertum
spürbar. In einem Vortrag von Propst Marczynski auf der
Gesamtpfarrkonferenz 1935, die sich besonders mit Martin Luther
beschäftigte, konnte gesagt werden:
"Man redet heute so viel von artgemäßem Christentum. Als Kirche
der Deutschen im Ausland wird ganz deutlich auszusprechen sein,
daß für uns artgemäßes Christentum ein Christentum lutherischer
Prägung ist."
In diesem Vortrag, der unter dem Titel "DELPS (Deutsche
Evangelische La Plata-Synode) - Zweckverband evangelischer
Gemeinden oder Kirche? gehalten wurde, kommt Propst Marczynski
auch ausführlicher auf unsere Bekenntnisgrundlage zu sprechen:
"Die Bekenntnisgrundlage, die wir mit den anderen christlichen
Kirchen gemeinsam haben, sind die 3 altkirchlichen Bekenntnisse,
im besonderen das sogenannte Apostolikum. Dazu kommen für uns die
reformatorischen Bekenntnisse, von denen ich nur den Luth. und
Heidelberger Katechismus hervorhebe, weil diese für unsere
praktische Arbeit allein in Betracht kommen. Wir haben in unserer
Synode ausgesprochen lutherische Gemeinden und solche mit starkem
reformierten Einschlag. Die meisten nennen sich kurzweg
"evangelisch", weil ihre Glieder oder deren Familien aus
lutherischen, reformierten und unierten Gemeinden kommen. Ich gehe
wohl richtig, wenn ich sage, daß in den meisten Gemeinden nach
Luthers Kleinem Katechismus unterrichtet und der Heidelberger Kat.
nur verschwindend wenig benutzt wird. Wir sollten in allen unseren
Gemeinden darauf hinarbeiten, daß Luthers Katechismus allein dem
Unterricht zu Grunde gelegt wird. Und wir sollten dahin kommen,
daß wir in unserer Synodalordnung klar, kurz und einfach zum
Ausdruck bringen: "Der gemeinsame Glaubensgrund der Gemeinden der
La Plata-Synode ist Bibel, Apostolikum und Luthers Kleiner
Katechismus."
Wir spüren die Tendenz hin zum Luthertum, wenn auch noch in
Verquickung mit dem Deutschtum. Die Kreise, die sich um den
Heidelberger Katechismus scharen, sollen in unserer KIrche
absorbiert werden. Eigenartig berührt es den Leser des Vortrages
von Propst Marczynski, daß er feststellt, die Gemeinden, die den
Heidelberger Katechismus haben, unterscheiden sich in der
Abendmahlsfeier, bzw. -lehre nur darin von den Lutheranern, daß
sie Brot und Wein in die Hand nehmen, während den Lutheranern aber
die Elemente an dem Mund geführt werden. Daraus folgt, daß sie
eigentlich den Heidelberger Katechismus nicht mehr brauchten und
darum sich auch auf den Kleinen Katechismus Luthers stellen
könnten. Meines Erachtens hätte die Reaktion eines Kirchenführers
einer Kirche, die
"das Evangelium bekennt, wie es in der Reformation neu ans Licht
gebracht worden ist",
die Meinung sein müssen, daß die Reformierten ihren Heidelberger
Katechismus ernster als bisher praktizieren.
Es gibt durchaus die Möglichkeit, daß in einer Kirche ein
Bekenntnis das andere absorbiert, aber dann wäre es
bekenntnismäßige Wahrhaftigkeit, dieses absorbierte Bekenntnis
auch weiterhin im Glaubensfundament an einer wichtigen Stelle zu
lassen.
Daß das Gefälle zum Luthertum dann losgelöst vom sogenannten
"deutschen" Luther sich weiter hält, ist nach Beendigung des 2.
Weltkrieges an Hand der Erarbeitung von wieder neuen Statuten
erkennbar.
In dem mir vorliegenden zweiten Entwurf heißt der Art. 3:
"El fundamento común de la fe del Sínodo Evangélico Alemán del Río
de la Plata es el Evangelio de Jesucristo, como lo revela la
Sagrada Escritura del Antiguo y del Nuevo Testamento. Sus
testimonios son los símbolos de la Iglesia Primitiva y de la
Reforma, especialmente los Catecismos de Lutero y la Confesión de
Augsburgo."
Wären die Statuten so angenoemmen worden, wären wir schon damals
aus einer unierten Kirche eine lutherische Kirche geworden.
Wenn wir diesen Entwurf uns ansehen, fällt uns auf, daß gegenüber
den vorherigen Statuten die Kirche der Reformation näher bestimmt
wurde durch den großen und kleinen Katechismus Luthers und der
Augsburger Konfession. Es sind die Bekenntnisse einer lutherischen
Kirche. Der Blick zum reformierten Heidelberger Katechismus ist
aufgegeben. Allderdings wurde auf der Synodaltagung 1953 in Buenos
Aires besonders durch den Einspruch der Gemeinde San Antonio der
Heidelberger Katechismus in die Statuten aufgenommen. In dem
Protokollbuch der betreffenden Tagung heißt es auf Seite 111:
"..... sehr eingehend wurde Art. 3 besprochen und da besonders die
Frage, ob der Heidelberger Katechismus als Fundamento de Fe für
die der Synode angeschlossenen Gemeinden reformierten
Bekennstnisses aufgenommen werden sollte. Dieser Passus war auf
Antrag der Gemeinde San Antonio, die zu 2/3 aus Reformierten
besteht, eingefügt worden. Es wurde in der Aussprache betont, daß
die Gemeinschaft kirchlichen Lebens mit den Reformierten zu den
Kennzeichen unserer Synode gehört und ihr Wesen und ihre Situation
zur Darstellung bringt. Art. 3 wurde in der vorgeschlagenen
Fassung mit einer Stimmenenthaltung angenommen."
So mußte denn der Synodalvorsitzende Marczynski in seinem
Synodalbericht S. 26 ausführen:
"Die Synode hat weiter die Linie verfolgt, die ihr durch die
Verbindung mit dem Evangelischen Oberkirchenrat der Altpreußischen
Union und später mit dem Kirchlichen Außenamt der DEK und der EKiD
vorgezeichnet war. Sie ist entsprechend ihrer Tradition eine
Kirche der lutherischen Reformation, die ihren besonderen
Charakter in der Gemeinschaft kirchlichen Lebens mit den zu ihr
gehörigen reformierten Gemeinden hat, oder anders gesagt, eine
unierte Kirche, in der Lutheraner und Reformierte
Abendmahlsgemeinschaft und Gemeinschaft des kirchlichen Lebens
miteinander halten."
Der Art. 3 bekamm folgende Fassung:
"Das Glaubensfundament ist das Evangelium von Jesus Christus, wie
es uns im Alten und Neuen Testament der Heiligen Schrift gegeben
ist. Durch die Anerkennung dieses Glaubensfundamentes bekennt die
Deutsche Evangelische La Plata - Synode ihren Glauben zu dem Herrn
der einen, heiligen und apostolischen Kirche. Die DELPS bekennt
ihren Glauben in Übereinstimmung mit den Bekenntnissen der alten
Kirche und der Kirche der Reformation, besonders mit dem Kleinen
Katechismus Luthers und der Augsburgischen Konfession. Sie hat
ihren besonderen Charakter in der Gemeinschaft des kirchlichen
Lebens mit den angeschlossenen reformierten Gemeinden, in denen
der Heidelberger Katechismus Gültigkeit hat. Die Synode weiß sich
im Glauben mit der Evangelischen Kirche in Deutschland verbunden
und mit allen Kirchen, die den Herrn Jesus Christus als Gott und
Heiland anerkennen."
Durch diesen 3. Artikel wurde unsere Kirche ausgewiesen als das,
was sie in Wirklichkeit ist; eine Kirche, in der einmal Gemeinden
vorhanden sind, die ihren Glauben bekennen in Übereinstimmung mit
der Urchristenheit, der lutherischen Reformation mit besonders dem
Kleinen Katechismus und der Augsburger Konfession und in der zum
andern Gemeinden vorhanden sind, die ihren Glauben bekennen in
Übereinstimmung mit der Urchristenheit, der reformierten
Reformation mit dem Heidelberger Katechismus und daß diese beiden
Gruppen von Gemeinden in Kirchengemeinschaft miteinander stehen.
Daß dieses der Synodalvorstand so verstanden hat, geht aus dem
Entwurf für Gemeindestatuten hervor, der den Gemeinden noch vor
wenigen Jahren zugesandt worden ist.
Diese Bekenntnisgrundlage, daß Augsburger Konfession mit Kleinem
Luth. Katechismus und der Heidelberger Katechismus unvermischt
nebeneinander bestehen, wurd auch vom verstorbenen Vorsitzenden
unserer Kirche, Propst Ostrowski, in seinem Aufsatz "Das
Selbstverständnis einer Auslandskirche"-Evgl. Diaspora 27.
Jahrgang, Heft 3, Seite 142 unterstrichen:
"Wir verkennen nicht den großen Wert der verschiedenen
überlieferten Bekenntnisse. Aber wir halten sie nicht für
kirchentrennend, sondern wir meinen, daß das unvermischte
Beieinander des lutherischen und des reformierten Bekenntnisses
innerhalb einer Kirche tragbar ist. In einem übersteigerten
konfessionellen Bewußtsein sehen wir die Gefahr, aus
Bekenntnisunterschieden Kirchenschranken zu machen."
Wie der Synodalvorstand 1956 den konfessionellen Stand der Kirche
verstand, geht aus einem Gegenantrag hervor. Die Gemeinde Leandro
N. Alem hatte folgenden Antrag gestellt:
"Die Synodaltagung wolle den Anschluß der DELPS an den
Lutherischen Weltbund beschließen."
Der Gegenantrag des Synodalvorstandes lautete:
"Die DELPS wünscht auch in Zukunft ihren jetzigen unierten
Charakter zu erhalten und tritt deshalb dem Luth. Weltbund nicht
bei."
Dem Gegenantrag wurde stattgegeben.
In einem Faltblatt, das über die Kirche in spanischer Sprache
unterrichtete, wird festgestellt, daß unsere Kirche eine unierte
(iglesia unida) sei, in der lutherische und reformierte Gemeinden
Kirchengemeinschaft und Abendmahlsgemeinschaft pflegen und daß man
90% als Lutheraner und 10% als Reformierte bezeichnen kann. Dieses
bewußte Nebeneinander von lutherischen Bekenntnisschriften und
Heidelberger Katechismus hatte auch Folgen. In Bezug auf die
neugegründete Luth. Fakultät José C. Paz schrieb der
stellvertretende Vorsitzende unserer Kirche, Prof. D. Obermüller
an die Vorstände der Gemeinden und Pfarrer am 15. September 1956:
Beschlüsse des Verwaltungsrates der Fakultät:
"Es wird anerkannt, daß
a) die La Plata-Synode wegen Art. 3 ihrer Statuten (Heidelberger
Katechismus) sich nicht auf Art. 4 (Konkordienformel), Art. 6 und
Art. 12 der Fakultätsstatuten festlegen kann. Es wird anerkannt,
daß auf beiden Seiten Gewissensbedenken zu beachten sind; daß
b) die Synode nicht mehr als konstituierendes Mitglied der
Fakultät figuriert und daher der Art. 6 geändert wird."
Abschließend zum 3. Art. der alten Statuten ist zu sagen, daß er
voll und ganz genügte, um herauszustellen und zu bekunden, welch
eine Stellung in unserer Kirche der Kl. Katechismus Luthers mit
der Augsburger Konfession und dem Heidelberger Katechismus haben;
sie stehen nebeneinander als gleichwertige wenn auch andersartige
Bezeugungen des einen Evangeliums von Jesus Christus. Sie
schließen sich gegenseitig nicht aus und das Nebeneinander wird
nicht als kirchentrennend empfunden, auf der anderen Seite muß
bekannt werden, daß der Zusatz in Art. 3 "sie hat ihren besonderen
Charakter in der Gemeinschaft des kirchlichen Lebens mit den
reformierten Gemeinden, in denen der Heidelberger Katechismus
gültigkeit hat", nicht ganz unsere Situation trifft, da es neben
den Gemeinden, die sich reformiert nennen
können, auch noch in Entre Ríos Gemeindegruppen von Reformierten
mit dem Heidelberger Katechismus neben den anderen Gruppen mit dem
lutherischen kleinen Katechismus gibt. Besser wäre der Zusatz
gewesen:
"Sie hat ihren besonderen Charakter in der Gemeinschaft des
kirchlichen Lebens mit den angeschlossenenn Gemeinden, in denen
der Heidelberger Katechismus gültigkeit hat."
Man hätte dadurch die Unterscheidung reformiert und lutherische
beiseite lassen können. Allerdings sachgemäßer wäre es gewesen,
wenn aus der Achtung vor den Vätern, die als Lutheraner,
Reformierte und Unierte unsere Kirche gründeten und sich
"evangelisch" nannten, der Heidelberger Katechismus in einer
Reihe neben Augsburger Konfession und kl. Katechismus Luthers ohne
alle Zusätze als Glaubensfundament genannt worden wäre. Das hätte
möglich sein müssen, wenn es wahr ist, was Propst Ostrowski
schreibt (sein Aufsatz in der Zeitschrift Ëvgl. Diaspora, Seite
142):
"Unsere Kirche ist eine evangelische Kirche der deutschen
Reformation; in ihr sind Lutheraner, Unierte und Reformierte
gleichberechtigte Glieder."
Neben den reformierten Gemeindegliedern der verschiedenen
Gemeinden, die als Einzelne im Laufe der Zeit in den Gemeinden mit
dem Kleinen Katechismus Luthers ihren besonderen
Bekenntnischarakter als Reformierte verloren haben, gibt es in den
Entre Ríos-Gesamtgemeinden Gruppen und Gemeinden, die heute noch
am Heidelberger Katechismus festhalten. Die beiden Pfarrbezirke
San Antonio mit den verschiedenenen Gemeinden sind in der
überwiegenden Mehrzahl als reformiert anzusprechen. Pfarre Riffel
schreibt im Gemeindebericht dieser Gemeinde für die Synodaltagung
Buenos Aires 1949:
"Die Gesamtgemeinde San Antonio besteht in ihrer überwiegenden
Mehrzahl aus evangelisch-reformierten Christen. Die Lutheraner
sind in der Minderzahl."
Pfarrer Winkler von der Gesamtgemeinde Viale teilte mit, daß es in
dieser Gemeinde Gruppen gibt, die nicht bereit sind, den
Heidelberger Katechismus aufzugeben. Ebenfalls reformiert ist die
Schweizer Gemeinde Col. Nueva, die angeschlossen ist an die
Gesamtgemeinde "General Alvear". Daneben ist zu sagen, daß es nur
wenige Gemeindeglieder gibt, die, würde man sie offen fragen, ob
sie eine Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft mit den reformierten
Brüdern, die den Heidelberger Katechismus haben, ablehnen, diese
Frage mit Nein beantworten könnten.
Nun sind auf der 22. ord. Synodaltagung in Rosario vom 11. - 14.
Novemeber 1965 wiederum neue Statuten beschlossen worden, die mit
einer Namensveränderung verbunden war: "Evangelische Kirche am La
Plata" heißt es jetzt statt: "Deutsche Evangelische La
Plata-Synode".
Im 2. Art. dieser neuen Statuten, der Aufgaben, Wesen und
Glaubensgrundlage bestimmt, ist der ganze Abschnitt:
"Sie hat ihren besonderen Charakter in der Gemeinschaft des
kirchlichen Lebens mit den angeschlossenen reformierten Gemeinden,
in denen der Heidelberger Katechismus Gültigkeit hat."
nicht mehr enthalten. Es ist geblieben nur:
"Sie bekennt (diesen Glauben) in Übereinstimmung mit den
Bekenntnissen der alten Kirche und den Glaubensartikeln der
Reformation, besonders mit dem Kleinen Katechismus Luthers und der
Augsburgischen Konfession."
Diese Charakterisierung "Glaubensartikel der Reformation, bes. mit
dem Kleinen Katechismus Luthers und der Augburgischen Konfession
weist uns aus als eine lutherische Kirche. Damit können wir die
Aufnahme in den Luth. Weltbund beantragen, können als volles
Mitglied in der Luth. Fakultät fungieren und würden von der
Vereinigten Lutherischen Kirche von Argentinien als eine
lutherische Kirche anerkannt werden (Art. 2 c der Statuten der
Vereinigten Lutherischen Kirche von Argentinien).
Mit dem jetzigen Art. 2 der Statuten unserer Kirche hat sie ihren
Bekennstnisstand als eine unierte Kirche aufgegeben und ist eine
lutherische Kirche geworden. Die Möglichkeit einer Interpretation
von "Glaubensartikel der Reformation" unabhängig von den folgenden
genau bestimmten Bekenntsschriften "Kleinen Katechismus Luthers
und Augsbyurgische Konfession" als "gesamtreformatorisch" ist
ausgeschlossen. Das wäre nur möglich, wenn es heißen würde:
"den Glaubensartikeln der Reformation, besonders mit dem Kleinen
Katechismus Luthers und der Augsburggischen Konfession UND DEM
HEIDELBERGER KATECHISMUS."
An der Definierung unseres Glaubensfundamentes nach den neuen
Statuten als einer konfessionell gebundenen lutherischen Kirche
kann auch nicht gerüttelt werden, wenn es weiter heißt:
"mit einer besonderen Hinneigung zur Gemeinschaft mit den Brüdern
der reformierten Bekenntnisse."
Dieser Zusatz sagt aus, daß man bei dem Bekenntnis als eine Kirche
lutherischer Prägung mit der Augsburgischen Konfession hinneigt zu
einer künftigen Abendmahlsgemeinschaft zu den reformierten
Brüdern. Dabei ist besonders zu beachten, daß Hinneigung
(inclinación) eben nicht bedeutet und damit eben nicht bekannt
wird, daß bereits Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft mit den
Gemeinden, die den Heidelberger Katechismus bekennen, besteht.
Diese bereits bestehende Gemeinschaft wird geleugnet. Auf der
Synodalvorstandssitzung im Juli 1965 erklärte der Vorsitzende,
nachdem ich schwerste Bedenken gegen den Statutenentwurf in Bezug
auf das Herauslassen des Heidelberger Katechiusmus kategorisch:
"In unseren Gemeinden gibt es keinen Heidelberger Katechismus."
Erst auf den Hinweis auf die Wirklichkeit unserer Gemeinden mit
ihm wurde resigniert geantwortet, er habe ja auch nichts dagegen.
Es wurde aber gleichzeitig gesagt, daß eigentlich doch nur die
wenigen Fragen, die in unseren "Schild des Glaubens" stehen,
unterrichtet werden und wo es anders geschieht, da haben
Amtsbrüder eigenmächtig den ganzen Heidelberger Katechismus wieder
eingeführt. Das konnte geschehen, obwohl der Heidelberger
Katechismus sogar noch im Glaubensfundament verankert war, wie
wird es aber heute oder morgen sein, nachdem sich auf das
Glaubensfundament nicht mehr gestützt werden kann. Ein Pfarrer
unserer Kirche hat bei dem jetzt so formulierten Bekenntnisstand
nicht mehr die Freiheit, den Heidelberger Katechismus zu
unterrichten. Er kommt in die große Gewissensnot zwischen der
Respektierung des Bekenntnisstandes der Gemeinden und der
Kirchenstatuten. Das bedeutet für uns in Entre Ríos, wenn wir
beides ernstnehmen wollen, Schwierigkeiten, die noch nicht
abzusehen sind.
Es ist also zu sehen, daß durch die Formulierung
"Mit einer besonderen Hinneigung zur Gemeinschaft mit den Brüdern
der reformierten Bekenntnisse",
die bestehende Kirchengemeinschaft verleugnet wird. Selbst bei der
Erwähnung der (zukünftigen) Gemeinschaft wird mit besonderem Grund
nicht mehr von GEMEINDEN mit dem Heidelberger Katechismus geredet,
sondern von BRÜDERN, und auch Kirchengemeinschaft oder
Gemeinschaft des kirchlichen Lebens paßt nicht, da das Miteinander
von lutherischen und reformierten Gemeinden in einer
Kirchengemeinschaft nach dem Verständnis des lutherischen
Konfessionalismus unmöglich ist; ebenfalls das Nebeneinander der
beiden Arten von Bekenntnisschriften. Nach Peter Brunner könnte
nur in einer Konkordie ein gemeinsames Bekenntnis erarbeitet
werden. ( Das lutherische Bekenntnis in der Union) Für ihn ist es
in Übereinstimmung mit der Augsburgischen Konfession nur möglich,
"daß den reformierten Brüdern aus einer geistlichen Liebe heraus
die Möglichkeit der Teilnahme am lutherischen Abendmahal gegeben
wird."
Und nach dem Diccionario der spanischen Sprache der REAL ACADÉMIA
ESPAñOLA DE MADRID 1956 schwingt auch in der Bedeutung dieses
Wortes "inclinación" - Hinneigung- diese Liebe mit. Allerdings
kann in diesem Worte unserer Statuten diese Liebe realisiert noch
nicht hineingelegt werden, weil man sie ja nur als eine zukünftige
Möglichkeit sieht.
Selbstverständlich ist das nach lutherischer Auffassung die beste
Lösung, daß die Reformierten mit dem Heidelberger Katechismus die
Augsburgische annehmen und auf den Katechismus verzichten, sodaß
die Augsb. Konfession die Stellung einer Konkordie einnimmt. In
diese Richtung sieht der Vizepräsident unserer Kirche, der auf
einer Reise durch Entre Ríos - Gemeinden feststellen wollte, ob
denn die Reformierten wirklich noch an der Abendmahlsauffassung
des Heidelberger Katechismus festhalten.
Wir sind also nach dem Wortlaut der neuen Statuten eine
lutherische Kirche geworden:
"Sie bekennt ( diesen Glauben) in Übereinstimmung mit den
Bekenntnissen der alten Kirche und den Glaubensartikeln der
Reformation, bes. mit dem Kleinen Katechismus Luthers und der
Augsburgiischen Konfession."
Wenn man auf diesen Text scharf hinhört, dann liegt darin auch
bereits die Annahme der anderen luth. Bekenntnisschriften, wenn
auch nicht mehr als solche, die solch ein Gewicht haben wie die 2
erwähnmten. Die Existenz aber des Heidelberger Katechismus als
Glaubensfundament wird verschwiegen und verleugnet. Selbst eine
"comunión"- Gemeinschaft mit den reformierten Brüdern aus einer
karitativen Liebe heraus wird nicht als bestehend bekannt, sondern
es wird nur gesagt, da man zu einer solchen Gemeinschaft hinneigt,
die Realisierung aber der comunión bliebe der Zukunft überlassen.
Prof. Held schreibt in seiner Erklärung zu den neuen Statuten, daß
diese Hinneigung zur Gemeinschaft reformierte Gruppen und
Gemeinden meint, die zu uns kommen wollen. Die Realisierung der
Aufnahme dieser Gruppen bliebe aber kommenden Verhandlungen
überlassen, d.h. meines Erachtens nichts anderes als die
Akzeptierung des lutherischen Bekenntnisstandes. 1962 nun kam die
reformierte Schweizer Gemeinde Nueva Helvecia zu uns und im
Bericht des Synodalvorstandes heißt es auf Seite 93:
"El curso de catecismo se está llevando a cabo con el manual
ordinario del Sínodo."
"Der Katechismusunterricht wird an Hand des von der Synode
herausgegebenen allgemeinen Handbuches erteilt."
In diesem Handbuch - es ist Escudo de la Fe- steht der lutherische
Katechismus und nur kaum nennenswerte wenige Fragen des
Heidelberger Katechismus.
Nach der Annahme der neuen Statuten konnte der Vorsitzende mit
gutem Recht sagen:
"Wir sind eine lutherische Kirche und könnten daher eigentlich
auch in unserem Kirchennamen die Bezeichnung "lutherisch" führen,
aus verschiedenen Gründen aber verzichten wir darauf."
Hier sei erwähnt, dass schon auf der Synodaltagung Crespo 1959 der
Vorwurf gemacht wurde, daß unsere Kirche das Gefälle zum
konfessionellen Luthertum habe, was entschieden abgestritten
wurde. Was damals als Verleumdung und Fantasterei abgetan wurde,
ist nun Wirklichkeit geworden: Auf Grund der Statuten sind wir,
ohne daß die Gemeinden es gemerkt haben, lutherisch geworden.
Im Bericht des Herrn Oberkirchenrates Hilmar Koch vom Kirchlichen
Außenamtes heißt es über die Bezeichnung als "lutherische" Kirche:
"Der neue Name "Evangelische Kirche am La Plata" ist, wenn man es
will, ein Kompromiß. Gerade in der lateinamerikanischen
Weltsituation wäre es zur Abgrenzung von anderen Denominationen
gut gewesen, noch einen klärenden Zusatz im Namen zu haben. So
stand wohl zwischendurch auch zur Überlegung, ob man die Kirche
als 'evangelisch-lutherisch" bezeichnen solle. Ich halte es für
gut, daq man dies in Anbetracht der Tradition der Kirche am La
Plata nicht getan hat, weil diese zwar in Lateinamerika zu
klarerer Abgrenzung, in Deutschland aber voraussichtlich zu nur
schwer ausräumbnren Mißverständnissen geführt hätte."
-Tätigkeistbericht des Kirchl. Außenamtes für die Zeit vom 1.1. -
31.12. 1965 - Seite 34.-
Aus einer Kirche, in der sich Christen aus lutherischen,
reformierten und unierten Kirchen zusammenfanden unter dem Namen
"evangelisch", die als "gemeinsamen Glaubensgrund das Evangelium
von Jesus Christus bekannten, wie es uns in der Heiligen Schrift
offenbart und durch die Reformation neu ans Licht gebracht worden
ist"
und die daran festhielt, was uns von Anfang an selbstverständliche
Glaubenshaltung war, "Kirchengemeinschaft mit denen, die den
Heidelberger Katechismus bekennen", ist nun eine lutherische
Kirche geworden im streng konfessionellen Sinne, die neben den
anderen lutherischen Bekenntnisschriften besonders die
Augsburgische Konfession und den Kleinen Katechismus Luthers als
Bekenntnsisgrundlage hat. Wir sind aus einer unierten Kirche eine
lutherische geworden. Wir haben einen Konfessionswechsel
vollzogen.
Wir können jetzt fragen: Warum nicht?
Ein Konfessionswechsel muß ja in einer Kirche möglich sein, wenn
1. die gemeindlichen Situationen bekenntnismäßig es zulassen oder
2. wenn die natürlichen Leitungen der Gemeinden im Einverständnis
mit ihren Gemeindegliedern einen Konfessionswechsel bewußt bejahen
und wenn
3. im Ringen der Pfarrer und Gemeinden ein consensus über alle mit
dem Bekenntniswechsel verbundenen Fragen erzielt worden ist.
Wir haben bereits gezeigt, das die gemeindlichen Situationen
wenigstens in Entre Ríos offensichtlich ein Festlegen auf nur
lutherische Bekenntnisschriften unter Verleugnung des
Vorhandenseins des Heidelberger Katechismus aus
Wahrhaftigkeitsgründen einfach unmöglich ist.
Haben aber die natürlichen Leitungen der Gemeinden, die Vorstände,
mit ihren Gemeindegliedern den Konfessionswechsel bejaht?
Es war keine Möglichkeit gegeben worden, da die Vorstände die
Bedeutung der Statuten an Hand eines Entwurfes beraten konnten.
Diese wurden so spät zugesandt, daß bei der Beschlußfassung nur
wenige der Delegierten die Gelegenheit hatten, sie durchzulesen,
geschweige denn durchzuarbeiten. Nur jeder dritte Delegierte hatte
einen Entwurf. Und die Tatsache, daß dieser Entwurf bereits im
Juli 1965 versandtbereit war und doch noch nicht an die Gemeinden
gesandt wurde, läßt den Verdacht aufkommen, daß die Gemeinden
sogar im Unklaren gelassen werden sollten. Außer ganz wenigen
Eingeweihten war sonst kaum jemand die Bedeutung der neuen
Statuten auf der Syndaltagung klar. Außer der Gemeinde Buenos
Aires, die sich wie ein Block für die Annahme einsetzte, konnte
keine andere Gemeinde sich auf einer Versammlung oder Sitzung mit
den Statuten beschäftigen und klare Direktiven für die Delegierten
geben.
Als dann in letzter Minute der Entwurf zugesandt wurde, hatte er
folgenden Beibrief des Vorsitzenden (u.a.):
"Wir raten Ihnen, die Ihnen übersandten Statuten ium Vorstand mit
den Pfarrern zu besprechen. Es sei gestattet, darauf hinzuweisen,
da bei der Abfassung große Sorgfalt gewaltet hat und sehr viel
Zeit verwandt worden ist. Grobe Irrtümer oder Fehler dürften darum
kaum feststellbar sein."
Noch unverständlicher bleibt, daß für die Beratung des Entwurfes
und seiner Annahme mit 3 anderen Tagesordnungspunkten von den
Planern 3 Stunden vorgesehen waren.
Ist dann wenigstens ein consensus der Gesamtpfarrkonferenz
versucht oder errreicht worden? Von dieser Gesamtpfarrkonferenz
hatte noch 1956 auf der 19. Ord. Tagung in Esperanza (S.66)
berichtet:
Die Gesamtpfarrkonferenz ist eine Arbeitsgemeinschaft, die
bestrebt ist, in freier Zusammenarbeit mit der Leitung die
geistlichen Aufgaben zu erkennen und zu erarbeiten, die sich in
den Gemeinden und in der synodalen Gemeinschaft der Gemeinden und
in der ökumenischen Gemeinschaft der Kirchen stellen."
Obwohl 1 Tag vor der Synodaltagung die Gesamtpfarrkonferenz tagte,
wurde das Glaubensfundament nach den neuen Statuten nicht einer
Beratung unterzogen. Man wünschte es nicht.
Als Vorsitzender der Entre Ríos- Vertretertagung und
-Pfarrkonferenz bat ich 14 Tage vor der Synodaltagung den
Vorsitzenden, den Statutenentwurf wohl zu besprechen, aber noch
nicht zur Beschlußfassung zu stellen, um der Gemeinden willen.
Diese meine Bitte wurde mit persönlichen Ambitionen beantwortet.
Ist es da verwunderlich, daß unter diesen Verhältnissen die neuen
Statuten "mit großer Einmütigkeit" nach anfänglichen Widerständen
mit 76 Stimmen dafür, 4 dagegen und 2 Enthaltungen angenommen
wurden?:
Unkenntnis der Statuten bei Pfarrer und Delegierten;
Blockbildung von Buenos Aires;
Fürsprache des Kirchlichen Außenamtes;
Beschwichtigungsversuche, wie etwa:
Wir müssen schlieslich doch Statuten haben.
(Alsob wir keine gehabt hätten!)
Wir haben doch auf der letzten Synodaltagung beschlossen, daß
wir auf
der jetzigen die Statuten, die die Kommission erarbeitet hat,
beschließen
werden. (Das entspricht nicht den Tatsachen!)
Es bleibt doch alles beim Alten.
Der Heidelberger Katechismus ist nicht hinausgetan, sondern
die Basis ist
sogar erweitert worden für die reformierten Kreise mit anderen
Bekenntnissen.
KIrchengeschichtlich, so muß gesagt werden, ist die Veränderung
des Bekenntnisstandes unserer Kirche rücksichtslos von einer
bestimmten Gruppe durchgesetzt worden, ohne nach dem faktischen
Bekenntnisstand zu fragen, unter Zuhilfenahme eines mächtigen
Gemeindeblocks und unter Verschleierung der wirklichen Sachlage
der Entscheidung.
Ob daher diese so zustande gekommene Entscheidunguns bei der
Kirchwerdung wirklich einen am La Plata gebotenen Neuanfang
ermöglichte?
Schon immer seit der Beschäftigung mit dem "deutschen" Luther gab
es den Versuch, unsere Kirche zu einer lutherischen Kirche zu
machen. Aus Rücksichtnahme vor der wirklichen Situation unserer
Gemeinden und aus Sorge vor inneren Unruhen blieb es immer bei den
Versuchen. Das wurde anders Anfang 1965. Im März 1965 fanden sich
in der Wohnung von Prof. Dr. Held in José C. Paz 4 Männer unserer
Kirche zusammen, darunter der Rektor der Luth. Fakultät, Dr.
Lesko, von der Vereinigten Lutherischen Kirche. Diese Männer haben
bei dieser Zusammenkunft, nach den Worten des Vorsitzenden, den
Weg, den unsere Kirche in Zukunft zu gehen hat, festgelegt:
"Den Weg einer lutherischen Kirche zu gehen, ohne die Reformierten
auszustoßen, aber nicht mehr nach außen in Erscheinung treten zu
lassen."
"Nach außen lutherisch und nach innen uniert", wurde gesagt. Von
anderer Seite wurde ergänzt:
"Wir arbeiten jetzt offiziell in den lutherischen Gremien mit und
als Unierte werden wir den ganzen lutherischen Block aufsprengen."
oder
"Mit dem Kopf lutherisch und mit dem Herzen uniert."
oder
"Dogmatisch und bekenntnismäßig wollen wir lutherisch sein, in der
Gesinnung aber sind wir uniert.
Unverständlich bleibt, daß zur Festlegung eines neuen Weges
unserer Kirche weder die Gemeinden, noch die Gesamtpfarrkonferenz,
noch die regionalen Delegiertentagungen mit herangezogen wurden.
Und leider muß gesagt werden, daß der Weg, der durch einige Männer
unserer Kirche zugewiesen wurde, ein Weg der doppelten
konfessionellen Lüge ist.
Es ist heute eine Lüge, wenn noch gesagt wird:
"Ihr könnt ruhig bleiben, was Ihr seid, uniert oder lutherisch
oder reformiert, wenn auch in den Statuten nur der lutherische
Bekenntnisstand verankert ist."
Vor den Lutheranern lügen wir, wir seien Lutheraner dem Bekenntnis
nach und verschweigen die Existenz des Heidelberger Katechismus.
Vor den reformierten Gemeinden wird gesagt:
"Selbstverständlich nehmen wir euch nicht den Heidelberger
Katechismus."
und in theologischen Auseinandersetzungen sagen wir:
"Selbstverständlich können wir nicht als Glaubensgrundlage die
Augburgische Konfession mit Kl. Katechismus Luthers und
Heidelberger Katechismus bei uns gelten lassen, denn dann könnten
wir nicht bei den lutherischen Organisationen und beim
Lutherischen Weltbund mitmachen."
Und viele wollen in der Evangelischen Kirche am La Plata, daß wir
die Möglichkeit, eine große Rolle einzunehmen, nicht vorbeigehen
lassen,
was vielen lieber wäre als eine intensive Beschäftigung mit den so
wichtigen Fragen der Ökumene und deren Lösungen am La Plata.
Zu fragen ist, ob es rechtens sei, daß wir um einer
konfessionellen engeren Bindung willen unsere sonst schon so
schwachen Kräfte verbrauchen und damit unsere ökumenische
Verantwortung nicht wahrnehmen und daß wir um dieser Bindung
willen Menschen, Gruppen und Gemeinden, die jahrzehntelang mit uns
gegangen sind, als Christen zweiter Güte behandeln, die wir am
besten ins hinterste Glied stellen möchten und in der
konfessionellen Frage einzuschläfern versuchen?
Wir gehen aus einer konfessionellen ökumenischen Weite in eine
konfessionelle Enge, in eine doppelte konfessionelle Unwahrheit,
die uns dauernd zu neurotischen Handlungen zwingen wird. Wir
schämen uns des reformierten Bruders, der soviele Jahrzehnte mit
uns gegangen ist.
Ob heute noch Heinrich Stubbe von unserer KIrche schreiben kann,
was er 1964 in "Wo die Erde aufhört" geschrieben hat?:
"Aber man ist zuversichtlich am Río de La Plata. Man hofft, das
Bindeglied zwischen Lutheranern und Reformierten sein zu können."
(Aus unbekannten Gründen fehlt in der Urschrift die vorletzte
Seite 16.)


Referat gehalten vor der Entre Ríos-Pfarrkonferenz der Evgl.
Kirche am La Plata am 14.4.1966 in General Ramírez von P. Karl
Schwittay.