Unser Verhältnis zur KONGREGATIONALEN SYNODE
Vortrag 051
Lugar/Ort:Viale/Entre Ríos
Fecha/Datum:1962
Resumen/Skopus: Vortrag auf der ER-Vertretertagung in Viale/Entre Ríos 27-12-1962


Unser Verhältnis zur kongregationalen Synode.

Das Kennzeichen unserer Synode ist eigentlich von Anfang an die
ganze Offenheit zu den anderen Kirchen am Río de La Plata. Seitdem
wir selbständig wurden, arbeiten wir mit in der Confederación de
las Iglesias Evangélicas del Río de la Plata, in der fast alle
evgl. Denominationen hier sich vereinigt haben. Wir arbeiten mit
im Lutherischen Nationalrat von Argentinien, ebenfalls sind wir
beteiligt an der Lutherischen Fakultät in José C. Paz. Das
schließt nicht aus, daß wir die Evangelische Fakultät Camacuá auch
als unsere Fakultät bezeichnen. Diese Fakultät ist besonders stark
durch die nordamerikanische Methodistenkirche geprägt. Pfr. D.
Obermüller von unserer Synode ist Professor an beiden Fakultäten.
Unsere Verbindungen reichen über ganz Südamerika, ja, sogar über
die ganze Welt. Wir waren oder sind es noch die einzige
selbtändige Kirche in Argentinien, die Mitglied im Weltrat der
Kirchen ist. Unsere Synode war auf der Weltkirchenkonferenz in New
Delhi 1961 durch Pfr. D. Obermüller offiziell vertreten. Auf
unserer letzten Synodaltagung in Montevideo war es nicht nur
möglich, daß an einem Abend uns die verschiedensten Kirchen durch
ihre Vertreter in brüderlicher Weise grüßten und die gute
Zusammenarbeit mit uns hervorhoben, sondern bei einem Empfang des
deutschen Botschafters weilte auch der Apost. Nuntius des Vatikans
mit anderen Vertretern der röm.-katholischen Kirche mitten unter
uns. Wenn das nicht ganze Offenheit zu allen denen ist, die in
irgendeiner, wenn auch uns vielleicht fremden Form, noch den Namen
Christen tragen oder sich als eine christliche Kirche bezeichnen,
dann weiß ich nicht, was Offenheit noch bedeuten soll.
Diese Offenheit führte dazu, daß in Misiones mit der
schweizerischen reformierten Kirche und der Iglesia Luterana Unida
sillschweigende oder offizielle Absprachen über Gebietsverteilung
vorgenommen wurden. Mit der Iglesia Luterana Unida wurden auch an
anderen Orten Absprachen getroffen.
Jeder Pfarrer, der von der Evangelischen Kirche in Deutschland in
unsere Synode gesandt wird, wird verpflichtend darauf aufmerksam
gemacht, diese Offenheit zu den anderen Christen und zu den
anderen Kirchen immer im Auge zu behalten und seine ganze
Gemeindearbeit von dieser Offenheit bestimmen zu lassen.
In der Zeit der Ökumene, da Christen aller Denominationen näher
aneinander rücken, ist es eine gute Sache, daß wir in bewußter
Weise diesen Weg der ökumenischen Weite und Offenheit weitergehen.
Diese Offenheit hat allerdings an verschiedenen Stellen bei
anderen Kirche dazu geführt, zu meinen, sie könnten so tun, als ob
wir gar nicht existieren und darum gegen uns arbeiteten.
Ökumenische Offenheit bedeutet aber nicht gegenseitiges
feindliches Verhalten, sondern ein brüderliches Miteinander, das
ausschließlich und allein die Ehre des Herrn Jesus Christus sucht
und daß sein Name unter uns Menschen dadurch verherrlicht wird.
Daß hier und da Spannungen entstehen zwischen den Gemeinden und
Kirchen verschiedener Denominationen ist so lange nicht tragisch
zu nehmen, solange ein Gespräch miteinander möglich ist und
dadurch die Spannungen offen zur Sprache kommen und nach einer
gemeinsamen Lösung gesucht werden kann.
So erscheint mir seit der Möglichkeit des Gesprächs mit Vertretern
der Misourier-Synode auf höherer Ebene das Verhältnis zu ihnen und
ihr Verhältnis zu uns viel entkrampfter und freier und offener.
Die ökumenische Offenheit schließt selbstverständlich die große
Gefahr in sich, daß in unseren eigenen Gemeinden die Meinung
aufkommt: Es ist schließlich alles gleich, zu welcher Kirche, zu
welcher Gemeinde, ich gehöre.
Eine echte ökumenische Offenheit ist aber nur dann möglich, wenn
ich ganz fest OHNE WENN UND ABER an meine eigene Gemeinde, an
meine Kirche gebunden bin.
Ein echtes Gespräch mit anderen Kirchen ist also von unserer Seite
erst möglich, wenn wir wissen, warum wir gerade zu unserer
Gemeinde, zu unserer La Plata-Synode gehören und zu sonst keiner
anderen und darum bereit sind, Freud und Leid miteinander in ihr
und mit ihr zu tragen.
Das Wort, das mir schon so oft begegnet ist:
"Im letzten Grunde ist es egal, wozu ich gehöre. Wir haben
schließlich doch alle den einen Gott.",
ist keine echte christliche Haltung.Wir können die Dummheit dieses
Wortes erkennen, wenn wir es vergleichen mit der Möglichkeit, daß
jemand zu mir kommt und sagt:
Ich will nicht mehr der Sohn der Familie Schneider sein, sondern
ich verlasse meine Familie und werde ein Sohn der Familie Müller,
schließlich sind wir doch alle Menschen.
Würden wir nicht solch einen Menschen auch als dumm bezeichnen,
wenn wir in unserer ökumenischen Offenheit es durchaus für möglich
halten, daß Jesus Christus nicht nur der Herr meiner Kirche
sondern auch der Herr der anderen Kirche ist, so hat er mich doch
in meine Gemeinde, in meine Synode, in meine Kirche
hineingestellt, in der ich mich als ein Christ, als sein Jünger,
zu bewähren habe. Ein Herumspringen von einer Gemeinde zur
anderen, von einer Synode zur anderen, wäre Ungehorsam gegen den
Herrn meiner Kirche, Jesus Christus, der mich gerade in meine
Kirche hineingestellt hat. Der Herr hat mich an meine Gemeinde
gewiesen, mit ihr Freud und Leid zu tragen und durch mein
Verhalten in ihr mitzuhelfen, daß sie eine echte Gemeinde Jesu
Christi ist oder erst werde.
Wir wollen einmal kurz zusammenfassen:
1. Wir als La Plata-Synode oder -Gemeinden halten fest an der
ökumenischen
Offenheit zu anderen christlichen Kirchen und Gemeinden.
2. Das ist nur möglich, wenn wir wissen, daß Jesus Christus uns in
unsere Synode, in unsere Gemeinde, hineingestellt hat, in der wir
als seine treuen Jünger uns zu bewähren haben.
3. Die ökumenische Offenheit kann nur realisiert, verwirklicht
werden, wenn die andere Gemeinde, die andere Kirche, die andere
Synode zu einem Gespräch bereit ist, und uns als eine Kirche Jesu
Christi respektiert.
Diese 3 Punkte sind zu beachten, wenn wir uns einmal klar werden
wollen über unser Verhältnis zur kongregationalen Synode, bzw. zu
den kongregationalen Gemeinden in unserer Mitte hier in Entre Ríos
Die kongregationalen Gemeinden bzw. Synode sind hier entstanden
und haben sich weiter entwickelt in einer bewußten Weise auf
Kosten unserer La Plata-Gemeinden.
Ein Pastor der kongregationalen Synode äußerte mir gegenüber
einmal::
"Die kongregationale Synode mit ihren Gemeinden ist der Mülleimer
der La Plata-Synode."
Und sie möchte das auch wohl gern sein, denn überall, wo innerhalb
unserer Gemeinden Spannungen entstehen, ist die kongregationale
Synode da und ruft in unsere Gemeinden hinein: Kommt zu uns, da
habt ihr es besser!
Meines Erachtens kann sie nur von dem Gegensatz zu uns leben. Das
hindert sie nicht daran, überall den Anschein zu erwecken, daß sie
als Synode unserer Synode gleich sei. Das kommt schon beim
Gebrauch des Talars zum Ausdruck.
Die Amtstracht eines kongreg. Pastors in Nordamerika ist eine
andere als unsere. Aber um uns gleich zu sein, haben sie die
unsrige bei sich hier eingeführt. Sie rechnete mit der Dummheit
der Leute, die sich so gern täuschen lassen und es ist ihnen oft
gelungen.
Die Grundlage des Glaubens der kongregationalen Synode ist nicht
der lutherische Katechismus. Und doch hört man aus ihrem Munde das
falsche Wort, wir sind doch auch Lutheraner wie ihr.
In ihrem Bestreben, sich uns anzugleichen, um unsere Leute zu
täuschen und auf ihre Seite zu ziehen, weisen sie darauf hin, daß
sie an diesem Punkte dann noch besser sind als wir. So behaupten
sie gerne, sie seien die Kirche der Brüder, um die BRÜDER unserer
Gemeinden auf ihre Seite zu ziehen, verheimlicht aber, daß sie
seit einigen Jahren die Brüderarbeit kirchlich bestimmen und den
Brüdern die Möglichkeit der Leitung einfach genommen haben,
während bei unserer Brüderarbeit die Gemeinden mit ihren Pfarrern
nur beratend und helfend zur Seite stehen möchten.
Meines Erachtens war auf der letzten Brüderkonferenz unserer
Kirche offensichtlich von kongregationaler Seite der Versuch
unternommen worden, unsere Brüder von uns Pastoren zu trennen,
indem sie unter Verletzung des Gastrechtes Sitten einfach
einführen wollten, die innerhalb unserer Gemeinden einfach nicht
geduldet werden können, wenn wir bleiben wollen, was wir sind.
Die kongregationale Synode kann durch den niedrigen und primitiven
Bildungsstand mit der Unmöglichkeit des theologischen Denkens
ihrer Pastoren keine Kirche des Wortes Gottes sein. Es ist
erschreckend, einer Predigt im kongregationalen Gottesdienst
zuzuhören. Es ist keine Auslegung des Wortes Gottes, sondern
entweder eine Aneinanderreihung von allerlei Geschichten aus der
Welt oder eine Aneinaderreihung von biblischen Wörtern.
Weil sie durch das niedrige Studium der Pastoren keine Kirche des
WORTES sein kann, ist sie eine Kirche des Kults geworden. Sie
sieht dabei nicht auf ihre Armut, sondern spielt ihr
Kultpriestertum gegen uns, die wir bewußt eine Kirche des Wortes
Gottes sein wollen, aus.
Wann tauchten Schwierigkeiten mit den kongregationalen Gemeinden
bei uns auf? Bei Kulthandlungen: Konfirmationen, Hochzeiten,
Beerdigungen. Hier kann die Wortauslegung zugunsten fester
Formulierungen zurückstehen und hier kann man auf der Lauer
liegen, wenn durch die weiträumigen Gemeinden der Pfarrer der La
Plata-Gemeinde nicht am Ort sein kann. Es wird großzügig Hilfe
angeboten und durch dieses Hilfsangebot wird dann die Möglichkeit
des Einbruchs in unsere Gemeinde ergriffen.
Es ist schade, daß die kongregationale Synode hier in Argentinien
so geworden ist, in Nordamerika steht sie viel besser im Worte
Gottes gegründet da.
Trotz dieser Tatsachen ging von uns aus immer wieder die
Bereitschaft, diese Synode, wenn wir ihren Weg auch nie werden
gehen können, doch als eine Kirche Jesu Christi zu verstehen und
zu respektieren.
Die ökumenische Offenheit unserer Synode hat sich auch gegenüber
dieser kongregationalen Synode zu bewähren.
So hatten wir unter Zurückstellung aller Bedenken und unter der
Respektierung der Synode als einer Kirche Jesu Christi, eine
Pfarrkonferenz der kongregationalen Pastoren mit uns Pastoren der
La Plata-Synode aus Entre Ríos vorgeschlagen.
Eine Zusammenarbeit zweier Synoden oder zweier Gemeinden ist ja
nur möglich, wenn sich die Pfarrer zuerst zur Zusammenarbeit
bereit erklären.
Die Antwort auf unseren Vorschlag durch den Superintendenten war:
Meine Pastoren wünschen es nicht.
Wenn also die Tür zur Zusammenarbeit so zugeschlagen wird, ist bei
unserer ganzen Bereitschaft zur Offenheit eine Annäherung auf
gemeindlicher Ebene ebenfalls einfach unmöglich.
Bis durch ein Wunder auch diese Synode sich zur ökumenischen
Offenheit und Zusammenarbeit bekennt, müssen wir unseren Weg
bewußt getrennt gehen. Wir werden bis zu diesem Wunder uns damit
abfinden müssen, daß da, wo unsere Gemeinden stark und
festgegründet ihren Weg gehen, die Kongregationalen mit ihren
Pastoren uns neidisch beobachten und uns Unduldsamakeit und
Hochmut vorwerfen. Wir werden es ertragen müssen, daß da, wo
Notstände bei uns auftreten, sofort die kongregataionale Synode
zur Stelle ist und sich als die bessere Kirche anbietet. Ja, wir
werden es weiterhin erleben, daß da, wo wir in irgendeiner Weise
unter den heutigen Umständen zur Zusammenarbeit bereit sind, sie
jede Gelegenheit ausnutzen, Unruhe zu stiften, um im Trüben
fischen zu können, wie innerhalb der Brüderarbeit.
Lassen wir uns aber unter keinen Umständen unsere Arbeit als La
Plata-Gemeinden von dem Verhälten der kongregationalen Synode
bestimmen. Gehen wir weiter den Weg, den wir gegangen sind als
eine KIRCHE DES WORTES GOTTES.
Wir haben es nicht nötig, bei all unserem Tun danach zu fragen,
was sagen die Kongregationalen dazu. Wir haben es ebenfalls nicht
nötig, zu versuchen. in gleicher Weise wie die Kongregationalen
jetzt ihnen die Glieder abspenstig zu machen. Vermeiden wir,
solange die ganze Offenheit bei den Kongregationalen zur
Zusammenarbeit nicht besteht, ein engeres Zusammengehen.
Regen wir uns auch nicht auf, wenn einmal einige unserer Glieder
bei den Kongregationalen ihr Heil versuchen sollten, denken wir
dabei an den Mülleimer.
Sorgen wir aber stattdessen, daß unsere Gemeinden und
Gemeindeglieder fest im Worte Gottes gegründet werden, denn darin,
ausschließlich und allein, liegt die Zukunft einer christlichen
Gemeinde, einer Gemeinde Jesu Christi.
Halten wir weiterhin bei uns auf strenge Ordnung, auch wenn es
einigen nicht passen sollte, denn unser Gott ist ein Gott der
Ordnung und der Zucht. Und beten wir darum, daß die Stunde schnell
komme, da wir als verschiedene Kirchen doch zusammen und gemeinsam
die Aufgabe auszuführen bereit und fähig sind, zu der uns der Herr
der Kirche Jesu Christi gerufen hat und laßt uns immer bereit und
offen sein zu einem echten Gespräch, nicht nur mit der
kongregationalen Synode, sondern auch mit allen anderen Kirchen,
wenn die Bereitschaft auch auf der anderen Seite gegeben ist.

Karl Schwittay

Vortrag auf der Entre Ríos-Vertretertagung in
Viale (Entre Ríos 27-12-1962)