Gemeindebericht für 21. Synode 1962
Bericht 049
Lugar/Ort:Montevideo/Uruguay
Fecha/Datum:1962
Resumen/Skopus: Bericht der Gemeinde General Alvear und Col, Nueva ER 1-11-62


21. Synode 31.10-4.11 1962 in Montevideo/Uruguay
Gemeindebericht Genefral Alvear

Wenn auch das gemeindliche Leben normal verlief, so sind die
vergangenen Jahre doch durch bestimmte Ereignisse besonders
geprägt worden:
I. Durch die Mithilfe des Kirchlichen Außenamtes konnte zur
Motorisierung des Pfarrers ein gebrauchter Jeep gekauft und die
dafür nötige Garage gebaut werden, die mit einem kleinen
zusätzlichen Raum zur Ergänzung der Pfarrwohnung verbunden ist.
Die von der Gemeinde dafür aufzubringenden Beträge waren nicht
unbeträchtlich und die Aufbringung durch Sammlungen usw.
erforderte manche Anstrengungen.
Die Tatsache eines gebrauchten Fahrzeuges bedeutet natürlich für
die Gemeinde eine zusätzliche finanzielle Belastung, doch kann die
gemeindliche A=rbeit durch den Pfarrer viel intensiver
durchgeführt werden, was auch so von der ganzen Gemeinde dankbar
empfunden wird.
2. Für den Pfarrer war die Betreuung der ca. 130 km vom Pfarrsitz
entfernten Gemeinden Vizcacheras bzw. La Providencia und
Hernandarias seit seinem Unfall mit dem Augenschaden und den jetzt
zu beachtenden Vorsichtsmaßregeln wegen der schwierigen
Wegeverhältnisse usw. eine nicht verantwortbare Belastung. Die
Bitte des Vorstandes an die Gemeinde Viale, nach Errichtung der 2.
Pfarrstelle in Bovril die nur ca. 30 km von La Providencia
entfernt ist, sie zu übernehmen, führte dazu, daß seit dem 1.
Januar 1961 diese beiden Gemeinden von der Gesamtgemeinde Viale
betreut werden.
3. Es war eine dringende Notwendigkeit, den aus Raummangel
eingestellten Gottesdienst in der Hafenstadt Diamante wieder zu
ermöglichen. Ab August 1960 finden wieder Gottesdienste in einem
Privathause statt. Die geführten Gespräche mit den
verantwortlichen Männern in Diamante ergaben den Wunsch nach einem
eigenen kirchlichen Raum, der allerdings selbst beim besten Willen
ohne zusätzliche Hilfe nicht realisierbar erschien. In der Sitzung
der verantwortlichen Männer in Diamante am 7. November 1960 mit
Herrn Propst Hoppe, dem Präsidenten und dem Kassierer der
Gesamtgemeinde und dem Pfarrer wurde der Bau einer Kirche in
Diamante beschlossen.
Inzwischen wurde der Bauplan genehmigt, den Herr Ing. Baltzer aus
Rosario ausarbeitete. Auch hat die Stadtverwaltung von Diamante
für diesen Kirchbau auf Bitten der Gemeinde hin ein günstiges
Baugrundstück geschenkt. Nach eigener Anstrengung, der Hilfe des
Kirchl. Außenamtes, der Kirche der Union und der bereits
zugesagten Hilfe des Gustav-Adolf-Werkes in Deutschland hoffen
wir, in kurzer Zeit mit dem Bau beginnen zu können.
4. Der Deutschlandurlaub des Pfarrers von Ende Mai bis Ende Nov.
1961 brachte eine Einschränkung der gemeindlichen Arbeit, doch
konnten die monatlichen Gottesdienste und Amtshandlungen in fast
normaler Weise gehalten werden. Den Pfarrern Splettstößer, Gerber,
Winkler und dem Lektor David Weiss sei an dieser Stelle für die
Dienste recht herzlich gedankt. Die Gemeinde und Pfarrer Karl
Schwittay haben für weitere 6 jahre den Vertrag gemeinsamer
Zusammenarbeit geschlossen.
5. Neue und starke Impulse zum Singen unseres Choralliedgutes
brachte der im Auftrage des Kirchl. Außenamtes durchgeführte
Besuch von Kirchenmusikdirektor Friedrich Meyer vom 20.-24. Okt.
1960 in Aldea Protestante. Nicht nur das Gemeindesingen dort und
in Camarero, sondern auch die Arbeit des Chores, des
Blockflötenchores, des Kindersingens, der Organistin und der
Chorleiterin wurde wesentlich gefördert. Begleitet war Herr
Kirehenmusikdirektor Meyer von der Synodalbeauftragten für
Kirchenmusik, Fräulein Barbara Friedburg. Unter ihrer Leitung fand
dann auch vom 6.-12. März 1961 in Aldea Protestante die
Entre-Ríos-Singefreizeit statt.
6. Seit dem Besuch von Schwester Gertrud aus Bs. Aires zusammen
mit dem Pfarrer am 6. Okt. 1960 bei den deutschen Leprakranken im
Leprosario Sanatorio Fidanza bei Paraná liegt bei der Gemeinde
eine gewisse Verantwortung für sie, da die meisten von ihnen einer
evgl. Kirche angehören. Diese werden ein Mal im Vierteljahr vom
Pfarrer besucht.
Zu erwähnen bleibt noch, daß der neu aus Deutschland angekommene
Pfarrer der Gemeinde General Ramirez E.R., Herr Vikar Schneider
mit seiner Gattin, vor der Übernahme des Dienstes, zur Einführung
in die Gemeindearbeit in Entre Ríos, in der Zeit vom 24. 1.--20.
2. 1962 in Aldea Protestante weilte.
Einige der langjährigen verantwortlichen Männer schieden auf der
letzten Generalversammlung aus dem Vorstand aus und jüngere
übernahmen die Verantwortung. Vor einigen Wochen hat die
Teilgemeinde Camarero eine Kommission gebildet, die die Planung
eines Kirchbaus auch dort vorantreiben soll.

Pfarrer Karl Schwittay


Colonia Nueva (E.R.)

Ob die Gemeinde aus ihrer im letzten Bericht erwähnten Stagnierung
herauskommt? Diese Frage bleibt weiterhin bestehen, wenn auch
kleine Fortschritte in den vergangenen Jahren erkennbar sind.
Es ist gelungen, die Anzahl der Gottesdienste im Jahr auf 6 zu
erhöhen. Bei günstiger Witterung machen viele Gemeindeglieder von
dieser Möglichkeit der Sammlung unter Gottes Wort Gebrauch, sodaß
die Teilnahme am Gottesdienst als gut bezeichnet werden kann.
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten kam die Gemeinde 1959 zu einer
Weihnachtsfeier zusammen. Der Dienst des Pfarrers bei Beerdigungen
wird seit kurzem wieder mehr gefragt. Die Zahl der Glieder hat
sich auch erhöht. Allerdings ist seit der letzten Synodaltagung
die kirchliehe Trauung nicht ein einziges Mal begehrt worden. Die
Gestaltung des gemeindliehen Lebens im Sinne unserer synodalen
Lebensordnung ist fast unmöglich, denn dann müßte der Pfarrer bei
Taufen, Abendmahl, Trauung, Beerdigung usw. normalerweise den
Dienst verweigern, während wir doch wünschen, daß dieser Dienst
mehr als bisher begehrt wird.
Es bleibt nur die einzige Hoffnung, daß der Herr der Kirche sich
in ganz besonderer Weise dieser Gemeinde annimmt und sie zu neuem
Leben erweckt.

Pfarrer Karl Schwittay