SCHNELL, SCHNELLER, AM SCHNELLSTEN
Exposición, 046
Lugar/Ort:Aldea Protestante
Fecha/Datum:1962
Resumen/Skopus: Ansprache auf einem Gemeindeabend-25-2-1962


Schnell, schneller am schnellsten!

Eine Fülle von Eindrücken sind auf uns eingestürmt an diesem
Abend. Wir haben die Parole unserer Zeit gehört, das Motto des
modernen 20. Jahrhunderts:
Schnell, schneller, am schnellsten.
Und wir alle miteinander machen dabei gerne mit.
Ja, wir meinen sogar, nicht anderes als MITMACHEN zu können.
Selbst zu uns nach Argentinien kommt die moderne Zeit, zu uns
sogar auf den Kamp.
Die Entwicklung läßt sich zu Hause, im Betrieb und im Geschäft und
auf dem Acker nicht mehr aufhalten.
Wenn Menschen bereits um die Erde fliegen, können wir auch hier
nicht so leben als ob wir noch 100 Jahre zurück leben.
Ich sagte: Dabei machen wir alle gern mit, weil wir gar nichts
anders können. Allerdings bin ich, wenn ich das so bedenke,
erschrocken darüber, daß dieses Motto der modernen Zeit an einem
Punkte nicht zu gelten scheint.
In unseren Gemeinden. In den christlichen Gemeinden scheint das
Leben nach einem anderen Motto zu gehen:
Langsam, langsamer, am langsamsten.
Wieviel Müdigkeit mitten unter uns. Das Leben richten wir wohl ein
nach der Parole:
Schnell, schneller, am schnellsten,
aber in der Kirche tun wir so, als ob wir noch vor 100 oder 200
Jahren lebten. Wir schließen unsere Augen vor den Aufgaben einer
christlichen Gemeinde. Und wenn wir etwas für Jesus Christus tun
sollen, dann: Langsam, langsamer, am langsamsten.
Aber bedenken wir, wenn wir uns dem Motto dieser Zeit versperren
in unserem Leben, dann geht die Zeit über uns hinweg, ohne uns zu
fragen, ohne auf uns Rücksicht zu nehmen. Und wir leben in dieser
Zeit auch als eine christliche Gemeinde. Rasend geht die
Entwicklung dieser Welt dem Ende zu und es bleibt uns wahrhaftig
wenig Zeit noch, endlich das zu tun, was Jesus Christus uns zu tun
befiehlt.
Fangen wir doch endlich an, wenn es darum geht, Gott gehorsam zu
sein:
Schnell, schneller, am schnellsten.
In dem anderen Falle bricht in unsere Müdigkeit das Ende herein
und es wird uns so gehen, wie den törichten Jungfrauen, die vom
Heil ausgeschlossen werden. Dassselbe gilt, wenn es um das leidige
Geld geht. Für alles, für jeden Dreck geben wir das Geld aus, wenn
wir aber das Geld für eine kirchliche Sache geben sollen, dann
haben wir nur ein mitleidiges Lächeln übrig und werfen doch nur 5
oder höchstens 10 Pesos in den Beutel.
Ist uns unser Glaube so wenig wert?
Aber wenn wir einmal unsere Vorfahren fragen würden, die könnten
uns bestätigen, daß jedes wirkliche Opfer, das wir für Jesus
Christus geben, sich im Laufe der Jahre nicht nur verdoppelt,
sondern verzehnfacht und verhundertfacht.
Wir sind heute vom Glauben unserer Eltern und Großeltern zum
Beispiel hier im Dorfe so weit entfernt, daß wir nicht einmal
bereit sind, den 10. oder 100. Teil von dem zu geben, was sie
einmal für Jesus Christus gegeben haben.
Der Präsident der Federación de las Iglesias Evangélicas de
Argentina, Senor Sosa, ein Argentinier, ein Methodist, hat vor
wenigen Wochen öffentlich sehr bitter gesagt:
Die Glieder der deutschen Emmigrantenkirchen haben ihren Glauben
nur im Kopf. Er reicht nicht bis ins Herz. Und weil er nicht bis
ins Herz reicht, geht er auch nicht in die Füße und Hände und auch
nicht in die Geldtasche.
Er beklagte sich über die stinkende Faulheit und den Geiz der
Christen in den deutschen Emigrantengemeinden.
So denkt ein evangelischer Christ argentinischer Herkunft über
uns.
Er sagte weiter:
Wieviel evangelische Gemeinden deutscher Herkunft gibt es und was
wird für die Ausbreitung des Evangeliums in Argentinien getan?
NICHTS!
Wo sind evangelische Kinderheime, Studentenheime, Sanatorien und
Altersheime? Wo ist das evangelische Schrifttum in der spanischen
Sprache: Bücher und Zeitschriften usw.?
Wieviel andere Dinge müßten hier in Argentinien um des Evangeliums
willen noch getan werden, aber es ist nichts vorhanden.
Warum?
Weil wir als evangelische Christen deutscher Herkunft unseren
Glauben nur im Kopf haben und deshalb, wenn Jesus Christus uns
ruft, unsere Geldtasche verschließen, oder statt eines 100 oder
500 Pesos-Scheins nur ein
5-er oder höchstens ein 10-er herauskommt.
So denkt ein evangelischer argentinischer Christ der
Methodisten-Kirche über uns.
Diese Kirche, die nur eine ganz kleine Kirche hier ist, und für
alle diese Dinge Zigtausende von Pesos ausgibt. Die Argentinier,
die für das Evangelium gewonnen werden, geben das 10-20-30-fache
für Jesus Christus aus als wir.
Ist das nicht beschämend für unsere im Verhältnis zu den
argentinischen Gemeinden großen evangelischen Kirche deutscher
Herkunft.
Ach, wenn wir das, was wir gehört haben, nicht aus dem Kopf
bekommen würden, daß es uns keine Ruhe läßt, daß es im Gehorsam
gegen Gottes Willen auch darum geht, nach dem Motto zu leben:
Schnell, schneller, am schnellsten.
Das Ende der Welt, das Gericht, kann schnell über uns
hereinbrechen.
Ach, daß auch wir endlich einmal anfangen, zu verstehen, daß der
Glaube an Jesus Christus es auch wirklich mit dem Geld zu tun hat
und Jesus darauf wartet, daß wir auch mit dem Gelde seinen Namen
verherrlichen:
"Petrus spricht: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen,
(man muß Gott also auch mehr gehorchen als sich selbst)!"

Karl Schwittay

Ansprache auf einem Gemeindeabend am 25-2-1962 in Aldea
Protestante.