Das Leben der Gemeinden unserer Synode in Entre Ríos
Conferencia 045
Lugar/Ort:Leandro N. Alem/Misiones
Fecha/Datum:1961
Resumen/Skopus: Anläßlich einer Bibelwoche-10-4-1961


Das Leben unserer Gemeinden in Entre Ríos.

Vor ungefähr 80 Jahren war es, daß die ersten evgl. Deutschen aus
Rußland hier in Argentinien ankamen.
Obwohl sie schon seit Generationen ihre Heimat in Rußland an der
Wolga hatten, sie waren vor ungefähr 200 Jahren aus Deutschland
nach Rußland ausgewandert, fanden sie den Mut, diesen Schritt der
neuen Auswanderung zu wagen.
Manches hatte sie dazu bewogen, ihre gerade neu gewonnene und
gefestigte Heimat in Rußland zu verlassen.
Der Hauptgrund war wohl der, daß viele Privilegien, die die
russische Regierung ihnen bei der Einwanderung zugebilligt hatte,
mit einem Schlage annulliert wurden. Darunter war besonders das
Privileg, daß sie als eingewanderte Deutsche mit ihren Nachkommen
nicht als Soldaten zu dienen brauchen. Man kann allerdings auch
die Soldatendienstzeit, die damals 4-7 Jahre in Rußland betrug,
nicht mit unseren Maßstäben messen. Es muß grauenvoll gewesen sein
für die Ersten, die unter den Deutschen diese Soldatendienstzeit
ableisteten.
Der einfache Russe wurde ja damals wie ein Sklave, wie ein Stück
Vieh, von der führenden Schicht behandelt worden, auch beim
Militär.
Und nun sollten die eingewanderten Deutschen ihnen gleichgestellt
werden.
Als die Beschwerden und Vorstellungen und Eingaben bei den
russischen Regierungsstellen nichts fruchteten, setzte eine große
Auswanderung ein, die bis in die Jahre nach dem ersten Weltkrieg
1914-1918 hineinreichte.
Es gibt noch eine ganze Anzahl alter Menschen in unseren Gemeinden
in Entre Ríos, die als Kinder die Auswanderung aus Rußland
mitgemacht haben.
Allerdings sind die meisten Rußlanddeutsche, wie sie sich hier
selbst nennen, in der 3. und 4. Generation in Argentinien.
Die Bezeichnung Deutschrussen, wie unsere Leute oft von
Reichsdeutschen genannt werden, wird als eine Beleidigung
empfunden. Die Argentinier nennen sogar unsere Leute einfach:
"rusos".
In der Geschichtsschreibung der Auswanderung wird uns berichtet,
daß die Ansiedlung in Argentinien durch einen Betrug der Werber in
Europa zustande kam.
Vertraglich sollte das Schiff der ersten Auswanderer nach
Brasilien fahren. Dort dachten sie sich anzusiedeln. Alle Verträge
lauteten auch auf Brasilien. Als aber die Auswanderer aufgefordert
wurden, das Schiff zu verlassen, waren sie in Buenos Aires. Ein
Zurück oder eine Weiterreise nach Brasilien aber gab es nicht
mehr. Eine Anzahl von Männern aus den neuen Einwanderern
erkundeten nun das Land Argentinien. Sie kamen mit dem Schiff den
Paraná herauf nach Entre Ríos. Beim Betreten dieser Provinz
fühlten sie sich an die Wolga nach Rußland versetzt.
Entre Ríos am breiten langsam dahinziehenden Strom Paraná mit
seinen weiten Ebenen hatte es ihnen angetan und lud sie geradezu
ein, sich hier niederzulassen und ihrer Arbeit als Ackerbauer
nachzugehen.
In der Nähe des Hafens DIAMANTE, nicht weit von dem jetzigen
Dörfchen Aldea Protestante, weithin das ALTE DÖRFCHEN genannt,
ließen sich die ersten nieder.
Von diesem alten Dörfchen aus erstreckte sich die Besiedelung in
die ganze Provinz Entre Ríos hinein.
Überall finden wir große rußlanddeuitsche Siedlungen, Kolonien
oder sogar Dörfer.
Allerdings ist Aldea Protestante das einzige evangelische
rußlanddeutsche Dorf geblieben, katholische rußlanddeutsche Dörfer
gibt es eine ganze Anzahl.
Die Haare stehen einem zu Berge, wenn man in alten Berichten
liest, in welch primitiver Weise die Arbeit hier angefangen wurde.
- In Misiones war es ja auch nicht anders.-
Kein Handwerks- oder Arbeitsgerät stand zur Verfügung. Mit einem
Holzpflug wurde am Anfang noch geackert. Fast alle waren so arm,
daß die argentinische Regierung ihnen am Anfang sogar das Essen
geben mußte, um sie vor dem Verhungern zu bewahren.
Viele Rückschläge durch dauernde Mißernten und eine gewisse
Unbeholfenheit, sich nicht den gegebenen klimatischen- und
Bodenverhältnissen anpassen zu können, ließ jahrzehntelang unsere
Rußlanddeutsche nicht vorankommen.
Erst seit 30 Jahren ungefähr läßt sich ein stetig steigender
Wohlstand erkennen, noch nicht überall, aber hier und da.
Wenn man die Entwicklung von Misiones und Entre Ríos vergleicht,
dann ist man schon erschrocken, wie langsam es hier vorangeht, im
Verhältnis zu Misiones.
Es fehlt weithin bei uns der Geist, neues anzupflanzen oder
auszuprobieren. Warum experimentieren?, seit Jahrzehnten haben wir
Weizen, Leinen und Mais angebaut, und wir wollen es auch weiterhin
tun. Es ist allerdings erschütternd, wie bis jetzt in den 6
Jahren, in denen ich in Entre Ríos bin, noch kein einziges Mal
gesagt werden konnte: Dieses Mal haben wir aber alle in unserem
Gebiete eine gute Weizen-, Leinen- oder Maisernte gehabt.
Die Witterungsverhältnisse sind zu schwierig. Wer einigermaßen
leben will von der Landwirtschaft, muß mindestens 70 ha. Land
haben. Einen gewissen Aufschwung hat unseren Leuten die
Hühnerzucht und die Viehwirtschaft gebracht.
Durch die harte Arbeit um das tägliche Brot fehlte jahrzehntelang
eine studierte Bildungsschicht unter unseren Leuten, die
Führungsaufgaben hätte übernehmen können. Auf dem Kamp gibt es
heute noch Regierungsschulen, die nur bis zum 3. Grad reichen, die
eben auch von unseren deutschen Kindern besucht werden.
Allerdings macht sich immer mehr die Tendenz bemerkbar, die Kinder
studieren zu lassen.
Gerade in meiner Gemeinde kann man bereits von einer gewissen
studierten Bildungsschicht sprechen. Das macht sich in einer
fördernden Weise bemerkbar.
Wie enorm wichtig wüerde es doch für uns Evangelische in einem
katholischen Lande sein, das der katholischen Kirche viele
Privilegien einräumt, wenn wir evangelische Glaubensgenossen
hätten, die an öffentlicher Stelle stehen.
Nur ein Beispiel:
In der Stadt Diamante ist ein Glied meiner Gemeinde, ein
"escribano público", als "secretario" im "Consejo de la
Municipalidad". Durch sein Eintreten hat die Municipalidad von
Diamante uns jetzt an der Avenida ein großes Grundstück geschenkt,
um darauf eine Kirche zu bauen.
Welchen Einfluß hätte die evangelische Kirche auf Argentinien,
wenn mehr evangelische Menschen an entscheidender Stelle säßen!
Bemerkenswert ist, daß der katholische rußlanddeutsche
Bevölkerungsteil in Entre Ríos im Verhältnis zum evangelischen
Teil, was Wohlstand, Wohnkultur und Bildung betrifft, weit, weit
zurück ist. Die katholischen rußlanddeutschen Dörfer machen keinen
guten Eindruck.
In Rußland hatten unsere Leute ein geordnetes kirchliches
Gemeindeleben. Sie wohnten dort fast ausschließlich in
geschlossenen Dörfern, in denen die Kirche einen wichtigen Raum
einnahm.
Allerdings muß ich bekennen, daß jeder heute merkwürdig davon
berührt ist, wenn man liest, daß damals in den deutschen Dörfern
in Rußland der Polizist und der Pastor Hand in Hand die Autorität
bildeten.
Diese gerade nicht gute Verbindung von Polizei und Kirche hat wohl
dazu geführt, daß man nach der Übersiedlung hier in Argentinien,
in einem Lande der Freiheit, die Autorität der Kirche, die nicht
in der Person des Pastors liegt, sondern im Machtanspruch des
Wortes Gottes, einfach über Bord warf.
Nicht so ist das zu verstehen, daß man den evangelischen Glauben
über Bord warf, sondern daß man meinte, die Kirche wie ein Kleid,
das einem nicht paßt oder nicht gefällt, wechseln zu können und
von überall her Kirchen nach Entre Ríos holte.
Ja, in einer gewissen Weise war man sogar in einer bestimmten Zeit
offen für Sekten, die nicht die ganze Wahrheit des Wortes Gottes,
sondern nur eine Teilwahrheit, in den Mittelpunkt ihres Glaubens
stellten, wie zum Beispiel die Adventisten.
So finden wir eine gewisse Zerrissenheit im evangelischen Teil
unserer Rußlanddeutschen.
So hat jemand einmal spottend gesagt, am liebsten hätte jeder
Rußlanddeutsche seine eigene Kirche.
Am Anfang ihrer Ansiedlung versuchten sich unsere Leute ohne einen
Pastor zu behelfen, später baten sie den evangelischen Pastor der
schweizerdeutschen Gemeinde in Esperanza/ Santa Fe, der von der
Kirche der altpreußischen Union ausgesandt worden war, um
Bedienung. 1896 wurde auf Bitten der Stammgemeinde GENERAL ALVEAR
in Aldea Protestante der erste Pfarrer nach Entre Ríos durch den
Oberkirchenrat der Kirche der altpreusischen Union nach Aldea
Protesrtante gesandt, der dann auch die von dort weiter in die
Provinz ziehenden Rußlanddeutschen betreute.
Aus dieser einen rußlanddeutschen Stammgemeinde GENERAL ALVEAR
sind nun im Laufe der Jahre folgende Pfarrämter entstanden:
neben Aldea Protetsante,
Crespo,
General Ramírez,
Viale,
Bovril,
Lucas González,
Gualeguaychú und
Urdinarrain.
Wir gehen so auf das 9. und 10. Pfarramt zu. Alle Pfarrämter
tragen sich selbst.
Die Strukturen sind jeweils verschieden. Neben Crespo, die nur
eine einzige Kirche als Zentrum hat, haben die anderen Pfarrämter
eine ganze Anzahl von Filialgemeinden oder Predigtplätze.
Wenn ich meine Gesamtgemeinde GENERAL ALVEAR klassifizieren will,
dann muß ich sagen, neben der Dorfgemeinde Aldea Prtotestante
gehören dazu 2 Stadtgemeinden: Paraná und Diamante. In Diamante
hoffen wir in Kürze eine Kirche bauen zu können. Weiter gehören
dazu 3 Koloniegemeinden. Ferner steht in einem losen
Vertragsverhältnis mit GENERAL ALVEAR die schweizerdeutsche
reformierte Gemeinde Colonia Nueva.
Die jahrzehntelange Verbundenheit mit der Kirche der Union und die
gleichzeitig gepflegte Gemeinschaft mit den reformierten
Gemeinden-selbst innerhalb einiger Gemeinden gibt es lutherische
und reformierte Christen- gibt unseren Entre Ríos-Gemeinden eine
große konfessionelle Offenheit, die wir durch einen Anschluß an
den lutherischen oder reformierten Weltbund, die sich gegenseitig
ja ausschließen, niemals aufzugeben bereit wären.
Wenn wir auch unsere starke lutherische Prägung nicht verleugnen
wollen, so haben wir es doch gelernt und praktiziert, uns auch mit
den reformierten Gemeinden und Gemeindegliedern in einer Kirche
verbunden zu wissen.
Mit dieser Charakteristik können wir Entre Ríos-Gemeinden uns als
unierte Gemeinden betrachten mit einem starken lutherischen
Einschlag. Ein starrer Konfessionalismus müßte natürlich diese
unsere Haltung als unmöglich ablehnen. Aber wir ER-Gemeinden sind
so und wollen so bleiben.
Das gottesdienstliche Leben ist gut bis sehr gut. Ich weiß
natürlich nicht, ob ich immer von meiner Gemeinde auf die anderen
schließen kann, ich habe eigentlich immer eine volle Kirche.
Allerdings erhält in meiner Gesamtgemeinde jede Einzelgemeinde nur
einmal im Monat einen Gottesdienst. Unsere Gemeinde gehörte ja mit
Leandro N. Alem zu den ersten Gemeinden der Synode, die durch eine
Beihilfe sich einen gebrauchten Jeep kaufen konnten.
Die Gemeindearbeit wird durch den Jeep in einer kolossalen Weise
erleichtert. Wir kennen innerhalb der einzelnen Teilgemeinden
unserer Gesamtgemeinde keine Unterschiede, was Bedienung
anbelangt, aber auch was die Beiträge betrifft. Jeder Konfirmierte
bezahlt in diesem Jahre einen Jahresbeitrag von $ 200,-, ganz
gleich ob in der Gemeinde, in der ich als Pfarrer wohne oder in
einer Gemeinde, die 40 km entfernt liegt. Pro Familie macht es im
Durchschnitt bei 5 Personen pro Familie $ 1.000,- aus.
Alle diese Beiträge fließen in die allgemeine Hauptkasse.
Allerdings werden alle Auslagen für alle Dienste, auch in den
Teilgemeinden, ebenfalls von der Hauptkasse getragen, dazu gehören
selbst die Auslegen für den Jeep für Bibelstunden und Hausbesuche.
Wir wissen uns in unserer Gemeinde einer für den anderen
verantwortlich. Das ist bei uns so selbstverständlich, daß darüber
noch nie ein Gespräch geführt wurde.
Wir wissen wohl, daß der allgemeine Beitrag ohne Unterschied, ob
reich oder arm, keine ideale Lósung ist. Aber bis jetzt ist noch
kein brauchbarer Vorschlag gemacht worden für eine bessere Lösung,
zumal selbst nach der Meinung unserer Armen ein Beitrag von $
200,-- pro konfirmiertes Glied im Jahr, d.h. rund $ 4,- in der
Woche für die Kirche im letzten Grunde eine Lächerlichkeit ist.
Wer soviel nicht aufbringen will, muß sich fragen lassen, ob ihm
sein Glaube eigentlich nichts wert sei.
Jede einzelne Teilgemeinde hat selbstverständlich auch ihre
Auslagen, darum bleiben die Kollekten außer den von der Synode
bestimmten bei den einzelnen Teilgemeinden.
Wenn bei uns auch jede Teilgemeinde dasselbe Recht hat, so ist es
trotzdem selbstverständlich, daß am Pfarrsitz eine gewisse
Schwerpunktbildung in der ganzen Gemeindearbeit möglich ist.
Durch meine Frau haben wir einen Chor im Dorf von über 30 zumeist
jungen Menschen, ebenfalls ein Kinderblockflötenchor und einen
Kindersingekreis.
Jeden Sonntag kommen ungefähr 35 Kinder zum Kindergottesdienst
zusammen. in der deutschen Religionsschule im Dorf erhalten jeden
Tag 22 Kinder Unterricht in der deutschen Sprache, im Katechismus
und in der Bibl. Geschichte.
Diesen Unterricht gibt ein einfaches rußlanddeutsches Mädchen.
Seit einem Jahr haben wir diesen Unterricht einer deutschen
Religionsschule auch in 2 anderen Filialgemeinden, die von einem
Mann gegeben wird.
An diesem Punkte erfahren wir auch Hilfe durch die Bundesrepublik
Deutschland. In den anderen Filialgemeinden bestehen zum größten
Teil Kindergottesdienste 2x im Monat an einem Sonntag.
Zu der Schwerpunktbildubng im Dorf am Pfarrsitz gehört es auch,
daß wir jede Woche, in der es keinen Sonntagsgottesdienst gibt, an
einem Abend einen Wochengottesdienst haben, in dem fortlaufend ein
Buch der Heiligen Schrift ausgelegt wird.
Um in den Teilgemeinden ebenfalls eine intensive Arbeit zu
ermöglichen, werden die 14-tägigen Konfirmandenunterrichte voll
ausgenutzt. In fast allen Gemeinden werden für 14 Tage die Kinder
zusammengefaßt, die konfirmiert werden sollen.
An diesem Konfirmandenunterricht können nur die Kinder teilnehmen,
die alle 5 Hauptstücke aus dem Katechismus gelernt haben, dazu 20
Bibelsprüche und 8 fest bestimmte Lieder mit allen Versen. In
einer Vorprüfung vor der ganzen Gemeinde müssen die Kinder
nachweisen, daß sie alles gelernt haben. Wer es nicht gelernt hat,
muß warten bis zum nächsten Unterricht.
In diesen 14 Tagen erhalten die Kinder jeden Tag 7 Stunden
Unterricht. Dieser Unterricht schließt ab mit der Hauptprüfung und
der Konfirmation. Fast an allen Abenden kommen dann die
Gemeindeglieder zu Bibelstunden, Lichtbildervorträgen und
allgemeinen Besprechungen zusammen. Diese 14 Tage wohne ich ganz
in der jeweiligen Filialgemeinde und kann durch Hausbesuche die
Glieder kennenlernen und die Gemeinde einmal ganz intensiv mit dem
Worte Gottes in Verbindung bringen.
Seitdem ich dieses eingeführt habe, möchten die Filialgemeinden
und ich auch, diese Arbeit nicht mehr missen.
Einmal im Jahre kommt die Gesamtgemeinde zu einem Jugendtreffen
oder Frauentag zu einem ernsten und fröhlichen Beisammensein im
Dorfe zusammen, um die Verbindung untereinander innerhalb der
Gesamtgemeinde zu stärken.
Im Gegensatz zu Deutschland bin ich immer wieder stark
beeindruckt, von dem Ernst des Glaubens unserer rußlanddeutschen
Gemeindeglieder. Wenn manchmal auch ihre Unbeweglichkeit hemmend
wirkt und zum Separatismus neigt, so hat diese Unbeweglichkeit
auch ihre sehr guten Seiten: Wo sie mit bei der Sache sind, da
sind sie es aber auch ganz.
Es ist erfreulich, wie unsere Gemeinden von Tag zu Tag wachsen,
nicht zuletzt auch durch den unermüdlichen Einsatz der jungen
Pfarrer, die vor kurzem aus Deutschland gekommen sind.
Manchmal wird gesagt, unsere Leute seien konservataiv und nicht
offen für Neues. Das stimmt nicht. Überall da, wo junge Pfarrer in
den Gemeinden werben für die neuen Ausdrücke des Glaubens in
unserer Zeit, da sind unsere Gemeindeglieder mit ganzem Herzen
dabei. Mit welch einer Freude macht zum Beispiel unser Chor das
moderne Singen mit. Vor jedem Gottesdienst singe ich mit der
Gemeinde neue Lieder und mit welch einer Freude wird gesungen!
Gerade die Jugend, die oft kein Verständnis für die alten
Ausdrücke und Erscheinungen des Glaubens des vergangeneen
Jahrhunderts hat, ist offen für die Anregungen, die ihnen gegeben
werden, wie man als ein Mensch des 20. Jahrthunderts ein
fröhlicher und gläubiger evangelischer Christ sein kann.
Gerade auf dem Gebiete der Sittlichkeit, in den Fragen von Jungen
und Mädchen, von Frau und Mann, herrscht eiene saubere Atmosphäre,
nicht durch Zwang, wie z.B. in Rußland in alter Zeit, sondern in
der fröhlichen Freiheit des Evangeliums.
Evangelische junge Menschen brauchen keine verkrampften Kreaturen
zu sein, sondern dürfen in Freiheit und Freude durch Jesus
Christus saubere Menschen sein.
Möchten auch diese Ausführungen über unsere Entre Ríos-Gemeinden
dazu beitragen, daß wir in Entre Ríos und ihr in Misiones und alle
die anderen Gemeinden in unserer Synode bei aller Verschiedenheit
uns verbunden wissen in einer Kirche, in der Jesus Christus allein
das Haupt ist.

Karl Schwittay

Vortrag, anläßlich einer Bibelwoche am 10-4-1961 im Leandro N.
Alem/ Misiones.