BRÜDERKONFERENZ und GEMEINDE
Vortrag 042
Lugar/Ort:General Ramírez ER
Fecha/Datum:1959
Resumen/Skopus: Vortrag auf der Entre Ríos-Vertretertagung -9-10-1959


Brüderkonferenz und Gemeinde.

Es soll der Sinn dieser kurzen Ausführungen sein, daß wir als
Vertreter der Gemeinden in Entre Ríos in ein Gespräch darüber
kommen, in welcher Weise wir vielleicht das, was wir in der
Brüderkonferenzen an geistlichem Leben vorfinden, noch besser als
bisher für unsere Gemeinden nutzbar machen können.
Wie das Thema BRÜDERKONFERENZ UND GEMEINDE zum Ausdruck bringt,
stehen sich 2 Größen gegenüber, die sich organisatorisch, aber
aucb ausdrucksmäßig, nicht völlig decken, also nicht völlig
identisch sind und trotzdem nicht getrennt sein dürfen, weil sie
einmal beide vom Worte Gottes her leben wollen und zum anderen
beide Größen ineinander übergehen.
Es stehen sich also gegenüber Brüderkonferenz und Gemeinde.
Daß sie sich beide organisatorisch nicht decken, zeigt sich eben
darin, daß die eigentliche Brüderkonferenz eine Zusammenkunft der
Brüder unter sich ist, einer mehr oder weniger lose verbundenen
Organisation von Brüdern, die bestimmte Bedingungen erfüllt haben
müssen, um Glieder der Organisation der Brüder sein zu können.
Die Organisation der Brüder wird geleitet von einem Rat
verantwortlicher Brüder und an der Spitze dieses Rates steht der
leitende oder älteste Bruder.
Aber vielleicht ist es besser, wenn wir jetzt einem Vertreter, der
selbst Bruder ist, bitten, daß er uns etwas berichtet über
Mitgliedschaft und Organisation der Brüder und über die Bedeutung
der eigentlichen Brüderkonferenz, die normalerweise am
Samstagmorgen stattfindet und in der nur die Brüder allein
zusammenkommen.

(Es gab nur eine kurze Erklärung, die sich mit dem schon
Vorhergesagten deckt.)

Über die Organisation unsrer Gemeinden brauche ich nichts zu
sagen, uns, die wir ja als Vertreter dieser Gemeinden
zusammengekommen sind.
Wir halten also fest, daß in der Brüderkonferenz und in der
Gemeinde sich 2 verschiedenen Größen gegenüberstehen.
Nun wissen wir, daß für die Gegenüberstellung von Brüderkonferenz
und Gemeinde die eigentliche Konferenz der Brüder unter sich nicht
von entscheidender Bedeutung ist. Unter der Bezeichnung
BRÜDERKONFERENZ soll hier sicherlich gemeint sein das, was mit der
eigentlichen Konferenz der Brüder VERBUNDEN ist:
Nämlich eine ganze Reihe von Brüderversammlungen, die 2x im Jahre
vom Freitag bis Sonntagabend in einer Gemeinde stattfinden, die
jedesmal besonders bestimmt werden.
Zu diesen erweiterten Konferenzen kommen aus ganz Entre Ríos
einmal die Brüder selbst, zum andern die Christen, die der Arbeit
und der Art dieser Brüder wohlwollend gegenüberstehen und die
Teilnehmer aus den gastgebenden Gemeinden. In den
Brüderversammlungen wird viel gesungen und zwar aus dem
Gemeinschaftsliederbuch mit den vielen gefühlsbetonten Melodien
und seinen auf seelische Erlebnisse bezogenen Texte.
Vor dem Beginn einer Versammlung wird von dem leitenden Bruder
festgelegt, welche Brüder mit dem Worte dienen sollen.
Es werden immer mehrere dazu bestimmt. Es wird wirklich versucht,
in den Ausführungen über ein Wort Gottes dem Text gerecht zu
werden.
Allerdings ist zu fragen, ob die besondere Art der Brüder, eine
vorherige Erarbeitung des Textes, allein oder gemeinsam,
abzulehnen, weil allein der Heilige Geist es machen muß, dem
wirklichen Anliegen des Wortes Gottes gerecht werden kann.
Aber hier würde ich Herrn Pfarrer Renschler einmal bitten, zu
berichten über seine Erfahrungen bei einer geplanten und
durchgeführten Vorbereitungsfreizeit für die letzte erweiterte
Brüderkonferenz.

(Pfarrer Renschler berichtet von seinen Schwierigkeiten, die
Brüder für eine gerechte Vorbereitung zu gewinnen.)

Wir könnten sagen, daß die Gestaltung der Brüderversammlung mehr
oder weniger den Gemeinschaftsstunden besonders bestimmter
Gemeinschaften in Deutschlands entspricht.
Hier möchte ich einmal wieder einen Vertreter aus den Brüdern
fragen, ob hier in Entre Ríos außer den Brüderversammlungen
anläßlich der Brüder-Konferenzen und außer den 2 üblichen Reihen
von Brüderversammlungen anläßlich der Reisen vor der
Brüderkonferenz noch in den Gemeinden regelmäßige
Brüderversammlungen, bzw. Gemeinschaftsstunden bestehen und wo?

(Das geschieht immer weniger. Die Gemeinden sind normalerweise
dafür nicht offen genug.)

Wir können feststellen, daß die jeweiligen Äußerungen ihres Lebens
der beiden Größen Brüderkonferenz und Gemeinden ebenfalls
gegenüberstehen:
Hier die Brüderversammlungen mit ihren bestimmten Formen, wozu
auch die geübte Gebetsgemeinschaft gehört; und auf der anderen
Seite die Gemeinde mit ihren Gottesdiensten usw.
Wenn wir die beiden Größen erfassen wollen, dann sind wir leicht
geneigt, die Brüderkonferenz als eine Ekklesiola innerhalb der
großen Kirche zu verstehen, als eine Schar von Menschen, die
wirklich und wahrhaftig Jünger Jesu sind und ihre Aufgabe, das
Salz der Gemeinden zu sein, sehen und ausführen.
Es wäre eine feine Sache, wenn die Brüderkonferenz diese Aufgabe
sehen und dieser Aufgabe fähig wären und diese Aufgabe ausführen
würden.
Aber diese Schau des Verhältnisses zwischen Brüderkonferenz und
Gemeinde als einer Ekklesiola in der Ekklesia wäre nicht der
Wirklichkeit entsprechend, denn eine solche Schau würde von der
Voraussetzung ausgehen, daß die Brüderkonferenz die wahren
Gläubigen, die echten Christen umfaßt, während in der Gemeinde die
Menschen erfaßt werden, die nur am Rande des wahren Glaubens
stehen, aber noch nicht das ganze Heil in Jesus Christus erhalten
haben.
Das aber wäre nicht den Tatsachen entsprechend, denn wer will sich
zum Richter erheben über die vielen Menschen unserer Gemeinden,
die mit Ernst Christen sein wollen, aber der Arbeit der
Brüderkonferenz ablehnend gegenüberstehen. Oder wer könnte
behaupten, daß in der Brüderkonfernz ausschließlich und allein das
wahre christliche Leben pulsiert?
Wir könnten die Verschiedenheit vielleicht noch einmal
wiederholend charakterisieren als in der Organisation und in der
Gestaltung ihrer Lebenäußerung liegend.
Aber wir haben schon am Anfang unserer Ausführungen gesagt, daß
auch bei der Unterscheidung von Brüderkonferenz und Gemeinde beide
einmal auf Grund der faktischen Gegebenheit und zum anderen auf
Grund der gemeinsamen Mitte her nicht getrennt werden dürfen.
Brüderkonferenz und Gemeinde stehen im Raum unserer Kirche,
unserer La-Plata-Synode. Es sind Gemeindeglieder unserer
Gemeinden, die zu den Brüdern gehören, die zu den
Brüderkonferenzen kommen. Und es gibt viele Brüder, die aktiv in
den mannigfachen Arbeiten der Gemeinden an verantwortlicher Stelle
mitarbeiten.
Die Brüderkonferenz wird von unseren Gemeinden eingeladen und ist
Gast der jeweiligen Gemeinde. Im Rahmen der Brüderkonferenz ist
der Gottesdienst der Gemeinde mit Beichte und Feier des Heiligen
Abendmahls das Zentrum der ganzen Konferenz.
Die Pfarrer der Gemeinden werden zu den Brüderkonferenzen
eingeladen und erhalten ebenfalls das Wort.
Wir sehen, wie beides, Brüderkonferenz und Gemeinde, nicht
getrennt werden kann, sondern in vielen Punkten ineinander
übergehen.
Und was beide im letzten Grunde miteinander verbindet, ist, daß
beide allein vom Worte Gottes her leben wollen und leben können,
bei aller Verschiedenheit der Äußerungen dieses Lebens.
Es ist wohl eine selbstverständliche Sache, daß wir der Sache der
Brüderkonferenz, die bei aller Eigenständigkeit doch in unserer
Kirche innerhalb unserer Gemeinden geschieht, alle Hilfe zuteil
werden lassen, besonders aber keine Hindernisse in den Weg legen.
Nun sollte und möchte uns heute die Frage beschäftigen, in welcher
Weise wir das, was in den Brüderkonferenzen an geistlichem Leben
vorhanden ist, zur Erneuerung unserer Gemeinden einsetzen können
und ob wir die Evangelisationsmöglichkeiten der Brüderkonferenzen
nicht noch besser zum Segen unserer Gemeinden ausnutzen sollten,
zumal wir vielleicht manchmal erstaunt sind über den guten Besuch
der Konferenzen.
Es liegt sicherlich sehr nahe, daß wir das, was in den
Brüderkonferenzen vorhanden ist, zur Sache der Gemeinden in Entre
Ríos machen, für sie werben und uns dann freuen, wenn die
Brüderkonferenzen Kirchentage im Kleinen werden, und das wir
vielleicht versuchen, die Brüderkonferenzen auch in die Gebiete
hineinzubringen, in denen die Brüder noch schlechten Eingang
gefunden haben.
Allerdings müßte hier ganz klar festgestellt werden, daß große
Kreise in unseren Gemeinden bewußt ablehnend den Brüderkonferenzen
gegenüberstehen und einer Übernahme derselben als eine gemeinsame
Verantwortung der gesamten Entre Ríos-Gemeinden sich
entgegenstellen würden.
Woher diese Abneigung und Ablehnung rührt, spielt dabei keine
Rolle, sei es, daß sie noch aus der Vergangenheit herrühren, in
der die Brüderkreise sich als Christen besonderer Art verstanden
wissen wollten, oder sei es, daß die ganz besondere Art der
Brüderversammlungen auf den Konferenzen vielen Christen heute
fremd ist, dem Christen des 20. Jahrhunderts.
Ich sage das so, weil die Ablehnung der Brüderkonferenzen in der
Art, wie sie stattfinden, nicht von lauen Christen oder von
Spöttern mir gegenüber geäußert worden sind, sondern von Menschen,
die wirklich mit Ernst Christen sein wollen.
Auch gerade die Jugend, wie ich sie in unserer Gemeinde
kennengelernt habe, würde sich der Art und Weise der
Brüderkonferenzen verschließen und hat sich sogar schon zum
größten Teil verschlossen, ohne sich dabei von der Gemeinde
getrennt zu haben, ja, sogar geradezu offen ist für die echten
Fragen des Glaubnes.
Es ist in der Tat zu fragen, ob die Form der Brüderkonferenzen mit
der dahinterstehenden Art des Glaubensleben geeignet ist, am Rande
der Gemeinde stehende Menschen in die Gemeinde zu holen oder die
Gleichgültigen in der Gemeinde zu einer Begegnung mit Jesus
Christus zu führen.
So wie ich jedenfalls meine Gesamtgemeinde General Alvear kenne,
würden bei einer Übernahme der Brüderkonferenzen in unserem Gebiet
die falschen Ärgernisse, die in der Art und Gestaltung der
Konferenzen liegen, das eigentliche Ärgernis, das in der Begegnung
mit Jesus Christus liegt, nicht aufkommen lassen, sondern im
Gegenteil sogar verdecken.
Die Form der Gestaltung der Brüderkonferenz in der
augenblicklichen Weise halte ich nicht für geeignet, als Grundlage
für einen Kirchentag der gesamten Entre Ríos Gemeinden zu dienen,
dazu ist sie zu blaß, zu eng und zu niveaulos.
Nun müssen wir aber klar sehen, daß für alle unsere Entre
Ríos-Gemeinden eine Neubelebung sehr notwendig wäre und welche
große Möglichkeiten sind dadurch gegeben, daß sich viele Menschen
aus unseren Gemeinden für einige Tage unter Gottes vollmächtigem
Wort versammeln würden! Welche Impulse könnten davon in die
Gemeinden strömen.
Das Beste wäre, um das, was die Brüderkonferenz im eigentlichen
Sinn will, aber meines Erachtens nicht erreicht, doch noch zu
erreichen und zum Segen unserer Gemeinden werden zu lassen, wenn
sich Vertreter der Brüder und der Gemeinden zusammenfinden und bei
aller Eigenständigkeit unter den Namen der Brüderkonferenz etwas
Neues als ein gemeinsames Werk schaffen.
Vielleicht könnte uns dabei eine Gemeinschaftskonferenz wie die
Tersteegensruh-Konferenz in Mülheim an der Ruhr in Deutschland zum
Vorbild dienen.
Bei der Vorbereitung einer solchen Brüderkonferenz als
Gemeinschaftswerk der Brüder und der Gemeinden könnten die
eigentlichen Anliegen sowohl der Brüder als auch der Gemeinden
eine gemeinsame tiefgründige Gestalt gewinnen, zum Segen von uns
allen. Solch eine Brüderkonferenz hätte auch alle Voraussetzungen,
zum Kirchentag von Entre Ríos zu werden.
Ich bin mir durchaus bewußt, dass solch eine gemeinsame Konferenz
Opfer für beide Teile bedeuten würde. Die Brüder müßten in der
Gestaltung der Konferenzen auf liebgewordene tradionelle Formen
verzichten, hätten aber die große Freude und Genugtuung, daß ihr
Ruf nach dem erwecklichen und evangelistischen Wort von den
Gemeinden gehört werden wird und ihm ein breiter Raum eingeräumt
würde. Und die Gemeinden müßten viele Vorurteile gegenüber den
Brüdern und den Konferenzen fallen lassen und hätten dafür das
fröhliche Wissen, daß wir alle, die wir Christi Namen tragen, bei
aller äußerlichen Verschiedenheit unseres Glaubenslebens doch
gemeinsam vor dem einen Herrn Jesus Christus stehen in Fürbitte,
Dank und Anbetung.
Muster eine Programmes:
BRÜDERKONFERENZ
der Entre Ríos-Gemeinden in CRESPO, vom 9.-11. Oktober
1959
Thema: DU KOMMST DOCH NICHT LOS VON GOTT
9. Okt. 20 Uhr Begrüßung und
Vortrag: LOS VON GOTT -- TRÜMMERN
10. Okt. 8 Uhr Kurze Andacht mit Gebetsgemeinschaft
9 Uhr Bibelarbeit:
Das Zeichen der HOFFNUNG über den
TRÜMMERN
10 Uhr Konferenz der Brüder
10 Uhr Sitzung der Gemeindevertreter
15 Uhr Vortrag:
Das Zeichen der HOFFNUNG über den
Trümmern DEINES
LEBENS
20 Uhr ZEUGNISVERSAMMLUNG:
JESUS CHRISTUS - die Hoffnung MEINES
LEBENS
11. Okt. 8 Uhr GEBETSGEMEINSCHAFT
10 Uhr GOTTESDIENST mit ABENDMAHL
15 Uhr Vortrag:
DU KANNST WÄHLEN: TOD oder LEBEN
20 Uhr Vortrag:
DIE SCHAR derer, die das LEBEN
GEWÄHLT haben.

Karl Schwittay

Vortrag auf der Entre Ríos-Vertretertagung am
9-10-1959