Gemeindebericht für Synodalversammlung 1959
Bericht 039
Lugar/Ort:Crespo ER
Fecha/Datum:1959
Resumen/Skopus: 20. Synodalversammlung Crespo: 15.-19.7.1959 Gemeindebericht von GENERAL ALVEAR umd Col. Nueva ER



Gemeindebericht von General Alvear und Col.Nueva für die 20.
Sybodalversammlung in Crespo vom 15.-19.7.1959

GENERAL ALVEAR/ ENTRE RÍOS

Das Kennzeichen einer lebenden Gemeinde ist,
dass ihr Gottes Wort verkündigt wird und gehört
werden will. Von dieser Sicht aus lebte in der
Tat auch unsere Gemeinde in den vergangenen
Jahren.
Als Ordnung konnte erhalten bleiben, dass alle
Gemeinden monatlich einen Gottesdienst erhalten.
Diese Gottesdienste werden immer noch im Ver-
hältnis zur Mitgliedszahl gut besucht, wenn es
durchaus auch Unterschiede gibt. In der Gemeinde
Aldea Protestante, am Pfarrsitz, hat sich durch
die ganze Zeit hibdurch ein gut besuchter wö-
chentlicher Abendgottesdienst gehalten, in dem
sich das eigentliche Leben dieser Dorfgemeinde
ausdrückt. In diesen Abendgottesdiensten wird
fortlaufend ein Buch der Bibel ausgelegt, so
bereits der Kolosserbrief, das Jonabuch und
jetzt wurde mit der Auslegung des Propheten Amos
begonnen. In der Advents-und Passionszeit werden
diese Wochengottesdienste als Avents- und
Passionsandachten gehalten, die sich eines ganz
besonders guten Zuspruchs erfreuen. Nach dem
Tode unseres Lehrers Bismark ein Mädchen unserer
Gemeinde -Erna Schulz- die Unterrichtung an un-
serer deutschen Religionsschule in Aldea Pro-
testante übernommen. In diese Schule kamen und
kommen 20-30 Kinder des Dorfes jeden Tag 2 Stun-
den und erhalten Unterricht in bibl. Geschichte
des Alten und Neuen Testamentes, im Katechismus
und machen Übungen in der deutschen Sprache.
Leider musste der in Diamante im Februar 1958
eingerichtete Gottesdienst in diesem Jahre wie-
der unterbrochen werden, weil kein Raum mehr
zur Verfügung steht. Die gute Teilnahme (40 -
50 Gemeindeglieder) zeigte die dringende Not-
wendigkeit der Betreuung dieser Gemeindeglieder,
die zu Aldea Protestante gehören, aber wegen der
weiten Entfernung kaum noch zu den Gottesdien-
sten im Dorf den Weg fanden. Hier zeigte sich
auch bereits die Weiterschreitende Hispanisie-
rung der Jugend unserer Gemeinde. Die Gottes-
dienste in Diamante werden hauptsächlich in spa-
nischen Sprache gehalten, wenn auch heute noch
eine 2. deutsche Predigt erbeten wurde. In der
selben Weise wird der Gottesdienst in Paraná
versehen. Hier hat sich nach mancherlei Schwan-
kungen der Gottesdienstbesucher -nach oben und
unten- seit 2 Jahren die Teilnahme am Gottes-
dienst auf ca. 40 Personen gehalten. Das sind
mehr, als listenmässig durch unsere Gemeinde
erfasst sind. Durch eine Statutenänderung im
Jahre 1955 gehört die Gemeinde Paraná als eine
feste Teilgemeinde zu General Alvear.
Viele Gespräche gingen schon hin und her in der
Gemeinde Camarero über den Bau einer neuen Kir-
che, und zwar nicht an der alten Stelle, sondern
an der Station Puiggari. Es wäre zu hoffen und
zu wünschen, dass im Laufe der nächsten Zeit
diese Gespräche zzu einem Neubau führen würden.
Der alte gottesdienstliche Raum ist sehr repa-
raturbedürftig und entspricht nicht mehr der
Wirrklichkeit dieser Gemeinde. Die dabei vorge-
sehene Verlegung an die Station wird dadurch
notwendig, dass bereits viele Familien ohne Wa-
gen oder Auto an der Station wohnen und den wei-
ten Weg zur Kirche auf dem Kamp scheuen.
Ebenfalls steht zu erwarten, dass der Zuzug von
Familien an die Station noch zunehmen wird.
Ein Kirchneubau wäre auch in Aldea Protestante
notwendig, da das früher als Schule gebaute
Gebäude den Anforderungen einer solch grossen
Gemeinde einfach nicht mehr genügt. Schwierig-
keiten gibt es immer noch um die Kirche in Viz-
cacheras mit dem zur kongregationalen Synode
aab gefallenen Teil der Gemeinde. Es ist einfach
nicht möglich, mit diesem Teil in Frieden zur
Einigung über die Kirche zu kommen. Dabei geht
der Verfall dieses kirchlichen Gebäudes in
erschreckender Weise weiter. Um nicht die Span-
nung zwischen beiden Teilen noch grösser werden
zu lassen, gehen alle meine Versuche dahin, auf
diese Kirche zu verzichten und zum Bau einer
neuen Kapelle zu kommen, und wenn es nur ein
Rancho ist.
Der Titel des Grundstücks mit der Kirche in
Meroú konnte jetzt in gesetzlicher Weise auf die
Gemeinde General Alvear ausgestellt werden.
Kindergottesdienste wurden gehalten in Aldea
Protestante jeden Sonntag, in Reffino von Frau
Reimer und in Meroú von Herrn Weiss zweimal
monatlich und in Vizcacheras von Frau Sauerbrey
einmal monatlich. In den anderen Gemeinden war
es nicht möglich, trotz mancherlei Versuche und
Anfänge, diese Arbeit zu halten oder auszubauen.
Es fehlen willige Gemeindeglieder, die auch
fähig sind, diese Arbeit zu tun. Manche Schwie-
rigkeit ergibt sich durch die überaus weiten
Entfernungen innerhalb der Kampgemeinden.
Der längere Aufenthalt des Pfarrers während des
Konfirmandenunterrichts in einer Filialgemeinde
wird zur Intensivierung der ganzen Gemeindear-
beit benutzt, wie Hausbesuche, Bibelstunden,
Lichtbildervorträge über biblische und kirch-
liche Themen. Jedesmal ist dadurch eine neue
gemeindliche Bwelebung zu erkennen. In erstaun-
licher Weise nehmen die Eltern durch die Ver-
schärfung der Aufnahmeprüfung für den Konfir-
mandenunterricht ihre Verantwortung für ihre
Kinder wahr, sodass die Kinder immer besser vor-
bereitet zum Konfirmandenunterricht kommen .
Die beiden Chöre in Camarero und Aldea Pro-
testante versehen weiter ihren Dienst. Für die
jährlichen Jugendtreffen und für einen Frauen-
tag der Gesamtgemeinde bereitete der Chor von
Aldea Protestante musilalische Feierstunden vor.
In der diesjährigen Passionszeit sang und sprach
der Chor die LUKAS-PASSION, zusammengestellt von
Otto Riethmüller. Leider machte das Regenwetter
den vorgesehenen Plan, auch die anderen Teilge-
meinden an dieser LUKAS-PASSION teilnehmen zu
lassen, unmöglich. Möglich war es nur in Aldea
Protestante und in der Nachbargemeinde Crespo.
Im Oktober 1957 konnte durch den Pfarrer von
General Alvear die Versorgung der nur spanisch
sprechenden Gemeinde Colonia Nueva übernommen
werden, die nur in einem losen Anschlussver-
hältnis zur Gemeinde General Alvear steht.
über diese selbständige Gemeinde folgt ein be-
sonderer Bericht,
Leider ist im Jahre 1958 die normale Entwicklung
der ganzen Gemeindearbeit für einige Monate zum
Stillstand gekommen durch den Unfall des Pfar-
rers am 3.April 1958 mit seinen Folgen, wie
Hospitalaufenthalt in Buenos Aires und Klinik-
Aufenthalt in der Universitäts-Augenklinik in
Tübingen in Deutschland. Anfang Dezember 1958
konnte er wieder seine Arbeit in der Gemeinde
aufnehmen. Die Gemeinde dankt recht herzlich
für die Vertretungsdienste während dieser Zeit
durch die Herren Propst Ostrowski, Pfarrer
Andreas Richert, A. Renschler und Herrn Wölk.
Ein schwerer Behinderungsgrund für eine bessere
gottesdienstliche Betreuung der Gesamtgemeinde
ist von An fang an die Tatsache, dass dem Pfar-
rer kein Auto zur Verfügung gestellt werden
kann. Seelsorgerliche Betreuung ist dabei fast
ausgeschlossen. Dass immer wieder Gottesdienste
und gemeindliche Veranstaltungen wegen der
schlechten Wegeverhältnisse in Verbindung mit
dem Regen ausfallen müssen , bzw. dass diese
Verhältnisse die Ursache von schlechtem Gottes-
dienstbesuch sind, ist wohl als bekannt vor-
auszusetzen.
Auf der Generalversammlung hat sich die Gemeinde
General Alvear b ereit erklärt, der Gründung
einer Entre Ríos-Hilfskasse zuzustimmen.



Pfarrer K. Schwittay



COLONIA NUEVA de URQUIZA (E.R.)

Im Oktober 1957 konnte der Pfarrer der Gemeinde
Grl. Alvear infolge Voranschreitens seiner
spanischen Sprachstudien die Betreuung der Ge-
meinde Colonia Nueva übernehmen. An dieser Stel-
le sei Herrn Pfarrer Hoppe recht herzlich ge-
dankt, dass er die Betreuung der Gemeinde von
Rosario aus in seinen Händen hielt. Die Gemein-
de (Sociedad Evangélica de Col. Nueva) ist eine
schweizerdeutsche reformierte selbständige
Gemeinde, die im Jahre 1886 gegründet wurde und
seit 1897 vertraglich mit der Gemeinde Grl.
Alvear verbunden ist und seit März 1900 zur La
Plata-Sybode gehört.
Die Verbundenheit mit General Alvear bestand
darin, dass General Alvear ihren Pfarrer jahr-
zehntelang einmal im Jahre, dann zwei Mal und
seit geraumer Zeit drei Mal im Jahr gegen Be-
zahlung auslieh. Diese Art der Bedienung führte
im Laufe der Jahrzehnte dazu, dass die Gemein-
de Col. Nueva zu einer im wahrsten Sinne des
Wortes toten Gemeinde geworden ist. Wie kann
eine Gemeinde leben, wenn sie jahrzehntelang
nur einmal im Jahr Gottes Wort verkündigt be-
kommt? Die beiden Vorgänger des jetzigen Pfar-
rers haben es immer wieder versucht, und auch
heute geschieht es wieder, den Dienst in die-
ser Gemeinde auf eine breitere Grundlage zu
stellen. Gelingt es heute nicht, dann ist die-
se Gemeinde zum Untergang bestimmt. Folgende
Angaben sollen zur Charakterisierung der Lage
dieser Gemeinde dienen.
Die Gemeinde zählt 100 familien als Mitglieder.
Das sind ungefähr 450 Personas. Somit hat sie
die Hälfte des Mitgliedsbestandes der Gesamt-
gemeinde General Alvear. 80% aller Eheleute er-
halten nicht den kirchlichen Segen. 90% aller
Eheleute leben in konfessioneller (katholisch)
Mischehe. Ein gewisser Teil der Kinder wandert
bei einer Heirat mit einem katholischen Partner
in die katholische Kirche ab. Dabei ist es sehr
erstaunlich, dass es im Verhältnis nicht noch
mehr ist. Kinder werden fast vollzählig zur
Taufe gebracht, während nur 40% der getauften
Kinder zur Konfirmation angehalten werden.
Kirchliche Beerdigungen finden kaum noch statt.
Im Jahre 1958 bezahlten die Glieder der Gemeinde
pro Familie einen Gemeindebeitrag von $ 12,--;
im Jahre, im gleichen Jahr musste eine Familie
in General Alvear einen Mitgliedsbeitrag von
$ 200,-- bezahlen. Von den 100 Familien der
Gemeinde Col. Nueva sind 30 Familien von der
Beitragsleistung laut Statuten wegen 25-jähri-
ger Mitgliedschaft befreit. Der Vorschlag des
Pfarrers, die bezahlten Gottesdienste im Jahre
1959 auf 4 zu erhöhen, wurde abgelehnt, weil
kein Geld in der Kasse sei. Dieser Vorschlag war
mit der Anerkennung der Gemeinde General Alvear
verbunden, für die Bereitwilligkeit, zusätzlich
noch 2 Gottesdienste ohne Bezahlung zu geben,
sodass Col. Nueva jeden 2. Monat einen Gottes-
dienst erhalten hätte.
Es entsteht heute der Eindruck, dass der grösste
Teil der Mitglieder sich nur darum zur Gemeinde
hält, damit er die Rechte am gemeindlichen
Friedhof nicht verliert. Geht die heutige Ent-
wicklung ohne eine Änderung weiter, so braucht
man kein Prophet zu sein, um zu sagen, dass in
20 Jahren die Sociedad Evangélica de Col. Nueva
aufgehört hat als eine evangelische Gemeinde zu
bestehen. Sollte es keine Möglichkeit mehr
geben, der Entwicklung dieser Gemeinde Einhalt
zu geben, dann könnte ein Pfarrer nicht mehr
seinen Auftrag verantwortungsgemäss seinem Or-
dinationsgelübde gegenüber in dieser Gemeinde
ausführen.
Der einzige Weg zur Gesundung der Gemeinde be-
steht ausschliesslich und allein
1. in der mindestens einmal monatlich zu ge-
schehenden Verkündigung des Wortes Gottes, und
2, in der damit Hand in Hand gehenden Erfüllung
der Ordnung des kirchlichen Lebens. Wird dieser
Weg nicht beschritten werden können, dann könnte
kein Pfarrer mehr die Verantwortung für diese
Gemeinde übernehmen, denn dann bestünde sein
Dienst darin, Totengräber der Gemeinde zu sein.
In vielen Gesprächen mit den veraantwortlichen
Männern der Gemeinde kam der Pfarrer auf den
Ernst der Lage zu sprechen und es besteht durch-
aus der Eindruck, dass die Lage ihnen bekannt
ist. auch besteht sogar eine gewisse innere Be-
reitschaft, einen neuen Weg zu beschreiten. Da
aber hier eine kleine Weichenstellung nicht mehr
genügt, dafür ist der Verfall zu weit vorge-
schritten, sondern nur eine radikale Wendung,
überkommt diese Männer eine gewisse Mutlosig-
keit, die verbunden ist mit einer sehr grossen
Unentschlossenheit.
Um die angegebene Gesundungsmöglichkeit einzu-
leiten, sind drei Wege als möglich erkennbar:
1. Die Evgl. Gemeinde Colonia Nueva gründet sich
neu unter Abstossung der Verwaltung des Friedho-
fes und schliesst sich voll an General Alvear.
an, also untr den gleichen Beiträgen, aber auch
mit der gleichen gottesdienstlichen Betreuung
(monatlich ein Gottesdienst). Die Mitgliedschaft
müsste für die neugegründete Gemeinde neu voll-
zogen werden. Diese Lösung hätte den Vorteil,
dass damit die unmögliche Form der Bezahlung der
gehaltenen Gottesdienste verschwinden würde. Bei
dieser Lösung spielte es dann auch keine Rolle,
ob bei der Gründung von der grossen Gemeinde nur
50 Familien oder nur 5 Familien übrigbleiben.
Es wird dann nicht der Gottesdienst bezahlt,
sondern jedes Mitglied bezahlt seinen Beitrag
und diese Gemeinde würde, ob gross oder klein,
im Rahmen der Gemeinde General Alvear die not-
wendigen Dienste erhalten. Diese radikale Mög-
lichkeit würde wirklich von Anfang an eine ganz
neue Entwicklung einleiten und es könnte in sehr
grossem Umfange die Wendung zur geltenden Ord-
nung des kirchlichen Lebens vollzogen werden.
Dieser Weg würde die Möglichkeit zu einer rad
kalen und raschen Gesundung der Gemeinde bieten.
Ob aber die verantwortlichen Männer im ihrer
Unentschiedenheit diesen Weg zu gehen bereit
sind?
2. Die Möglichkeit, dass sie die Gebühren selbst
auf einmal für alle so erhöht, dass sie die Ge=
bühren für die 12 jährlichen Gottesdienste und
sonstigen anderen Dienste bezahlen kann, wird
für für ausgeschlossen gehalten.
3. Es bleibt noch eine dritte Möglichkeit, dass
nämlich die Synode oder eine andere Stelle der
Gemeinde Col. Nueva durch eine finanzielle
Unterstützung in die Lage versetzt, die monatli-
chen Gottesdienste zu erhalten. Diese finan-
zielle Unterstützung würde dann Jahr für Jahr
verringert werden, bis dann Col, Nueva so weit
wäre, aus eigener Kraft zu regeln. Auch bei die-
ser Lösung würde die Gemeinde General Alvear
grösste Hilfsbereitschaft zeigen. Dieser Weg
wäre ein langsamerer Weg, wäre aber für die Ge-
meinde selbst ohne grössere Erschütterungen
möglich. Durch diesen Weg würden vielleicht auch
die am Rande der Gemeinde stehenden Familien
noch in Rufweite des Evangeliums bleiben. Aller-
dings würde auch bei dieser 3. Möglichkeit eine
langsame, aber stetig voranschreitende Anglei-
chung an die kirchliche Ordnung notwendig sein.
Vielleicht wäre es das Gegebene, durch eine
Kirchenvisitation des Synodalvorstandes den zu
gehenden Weg festzulegen.
Jedenfalls bleibt es eine beunruhigende Frage
für unsere gesamte Synode, wie es möglich sein
konnte, dass eine Gemeinde, die von Anfang an
zur Synode gehörte und mitten unter lebendigen
Synodalgemeinden lebte, im Laufe von 70 Jahren
solch einen Niedergang erlebte und zu einer
toten bzw. sterbenden Gemeinde wurde?!
Eile tut not! Noch sind kleine Anzeichen in der
Gemeinde verhanden, die auf Leben hinweisen;
noch gibt es Anzeichen, dass Bereitschaft be-
steht, auf Gottes Wort zu hören. Aber wie lange
noch?

Pfarrer K.Schwittay