Johann Heermann
Conferencia 023
Lugar/Ort:Frauenkreis Buer-Hassel
Fecha/Datum:1954
Resumen/Skopus: Leben und Arbeit des Dichters Johann Heermann



Johann Heermann


In dem uns sehr bekannten Liederdichter Johann Heermann haben wir
einen
Dichter vor uns. der aus der Not seiner Zeit, der Zeit des
30-jährigen Krieges, uns seine Lieder schenkte. Johann Heermann
wurde am 11. Oktober
1585 in Raudten im Fürstentum Wohlau in Niederschlesien geboren.
Sein Vater
war ein frommer und ehrbarer aber unbemittelter Mann. Er betrieb
das
Kürschnerhandwerk.
In seiner Jugend bekam er im Hause des Valerius Herberger zu
Fraustadt sehr viele Anregungen. Ihn hat sich Heermann zum Vorbild
sowohl im Wandel als auch in der Predigt erwählt. Als er auf die
Schule nach Brieg kam, erkannte der berühmte Kantor Schickfuss die
Dichtergabe des Jünglings. Heermann wurde am 8. Oktober 1608, also
mit 23 Jahren, schon als Dichter öffentlich mit dem Lorberkranz
geehrt. Er erwarb sich hohe Gönner. Dennoch blieb er de-
mütig. Bald kam er an die Universität Strassburg. Dort wurde er
blind, doch konnte das Augenlicht nach kurzer Zeit wieder ganz
hergestellt werden. Am
Himmelfahrtstage 1611 trat er in Köben sein Predigtamt an. Hier
stand er in
einer gesegneten Gemeindearbeit. Seine Ehe mit Dorothea Feide, der
Tochter des Bürgermeisters, war er sehr glücklich. Aber nur kurz
dauerte das Glück.
Am 16. September 1617, nach dem er erst 5 Jahre mit ihr
verheiratet war, starb sie nach einer kurzen Krankheit. In diesem
seinem Schmerz entstand das schöne Lied:

Ach Gott, ich muss in Traurigkeit
mein Leben nun beschliessen,
dieweil der Tod von meiner Seit
so eilend hat gerissen
mein treues Herz, der Tugend Schein,
und muss ich jetzt beraubet sein.
Wer kann mein Elend wenden?

Fürwahr, mir geht ein scharfes Schwert
jetzund durch meine Seele,
ddie abzuscheiden oft begehrt
aus ihrer Leibeshöhle.
Wo du nicht, o Herr Jesu Christ,
in solchem Kreuz mein Tröster bist,
muss ich mit Leid verzagen.

Er glaubte, diesen Schmerz nicht überwinden zu können und wünschte
auch,
bals neben seiner Gattin liegen zu können, Er wurde immer
kränklicher

(Aus: O Gott, du
frommer Gott)

Lass mich an meinem Ende auf Christi Tod abscheiden,
Die Seel nimm zu dir hinauf zu deinen Freuden;
dem Leib ein Räumlein gönn bei frommer Christen Grab,
auf dass er seine Ruhe an ihrer Seite hab.

Nun folgte ein Leiden nach dem anderen. Wohl heiratete er am 18.
Januar 1618
eine Teichmann, die aber an ihm nichts als Krankenpflege zu
verrichten hatte.
Von 1623 ab litt er an einer ununterbrochenen Krankheit der Nase
und der Luftröhre. Viel Undank und viele Kränkungen hatte er von
Widerwärtigen in der Gemeinde zu erdulden, weil er die Sünde und
die Sünder ernstlich strafte. Ab 1529 brachen dann auch die ersten
Kriegswirren ein. Er musste fliehen und sich viele Wochen
verborgen halten. Kaum war er zurück, brach 1631 die Pest aus.
Nach Beendigung dieser Plage zogen die wilden wallensteiner Horden
einher und plünderten, was sie nur plündern konnten.
3 X büsste er seine ganze Barschaft, seine Hausgeräte, Vieh und
Getreide
ein. Vor sonstigen mannigfachen Gefahren ist er immer in letzter
Minute bewahrt worden. Er liess sich jeden Tag aufs neue den
frohen und frischen Heldenmu vom Herrn schenken und vielen anderen
zum Trost schrieb er das
Lied:

Was willst du mich betrüben, o meine liebe Seel?
Ergib dich, den zu lieben, der heisst Immanuel.
Vertraue ihm allein, er wird gut alles machen
und fördern deine Sachen,
wie dirs wird selig sein.

Denn Gott verlässet keinen,
der sich auf ihn verlässt;
er bleibt getreu den Seinen,
die ihm vertrauen fest.
Lässt sichs an wunderlich,
so lass mir doch nicht grauen,
mit Freuden wirst du schauen
wie Gott wird retten dich.

In den 11 Jahren schwersten Leidens verfasste Heermann den
grössten Teil seiner herrlichen Lieder. 1636 wurde sein
körperliches Leiden so gross, dass
er die Kanzel nicht mehr besteigen konnte. Auf Anraten des Arztes
zog er sich 1638 von seinem Amt nach Lissa in Grosspolen zurück
und bezog ein stilles friedliches Haus. Trotz grösster
körperlicher Leiden entstanden hier eine ganze Reihe von
Schriften, Die grösste Not innerlicher Art bereitete
ihm sein Sohn Samuel, der von Jesuiten verführt, 1640 zur
katholischen Kirche übertrat und die Jesuitenschule besuchte. Ob
er das schon geahnt hatte, als er mehrere Jahre vorher das Lied
sang?

((Gottlob, die Stund
ist kommen) Wie öfters wird verführet
manch Kind, an dem man spüret
rechtschaffne Frömmigkeit.
Die Welt voll List und Tücke
legt heimlich ihre Stricke
bei Tag und Nacht, zu jeder Zeit.

Wie gross war seine Freude, als sein Sohn auf Grund eines
erbarmenden
Briefes am 6. März des Jahres wieder zum evangelischen Glauben
übertrat
und den Vater um Verzeihung bat. Der Sohn wurde aber bald, im
Jahre 1643,
von einem schwindsüchtigen Fieber dahingerafft. Auch Heermann
fühlte sein Ende näherkommen. Kurz vor seinem Tode dichtete er
seiner Frau und seinen Kindern einen Witwen- und Waisentrost:

Der Tod klopft jauchzend bei mir an,
das zeigen meine Schmerzen.
Doch ist nichts, das mich schrecken kann,
ich trage den im Herzen,
der meinen Tod durch seinen Tod
getötet hat und mir bei Gott
Gnad, Hilf und Heil erworben.
Wer an ihn glaubt und treu verbleibt,
der bleibet unverloren.

In den weiteren Versen tröstete er Frau und KInder, um dann mit
folgenden Zeilen zu schliessen:

Bald wird mir Gott selbst legen an
ein Kleid, das nicht veralten.
ein Kleid, das kein Dieb stehlen kann,
das mich nicht lässt erkalten.
Hier bin ich nur ein Wandersmann,
der nicht Erwägnes geben kann,
dort aber werd ich haben
das Vaterland mir zugewandt
mit allen seinen Gaben.

Dahin fahr ich mit Fröhlichkeit
und ihr, seid Gott ergeben,
die ihr, mein Herz und Kinder seid,
lebt hier ein solches Leben,
auf dass ihr dort bei Gott auch lebt
und mit mir seinen Ruhm erhebt
in höchster Freud und Wonne;
Ja, damit wir dort für und für
hell leuchten wie die Sonne.

Heermann wurde immer leidender. Er konnte nicht mehr sitzen,
selbst das Liegen wurde ihm zur Qual. In seiner Qual schrieb er
die Wort an sein Bett:

HERR, SIEHE, DEN DU LIEB HAST, DER LIEGT KRANK!

Am 17. Februar 1647 durfte er heimgehen.
Johann Heermann gehörte zur älteren schlesischen Dichterschule, zu
der auch
Gryphius, Fleming, Rist und viele andere gehörten.
Der Grundton seiner Lieder ist JESUS. Der Reichtum und die Tiefe
seiner inneren und äusseren Lebenserfahrungen spricht aus ihnen.
Darum wurden seine Lieder, etwa 400, freudig in den Gemeinden
aufgenommen. Die besten befinden sich in der 1630 erschienenen
Sammlung
HAUS- und HERZENS-MUSIK.
In unserem Gesangbuch befinden sich 15 seiner Lieder, darunter die
bekanntesten:
O, Jesu Christi, wahres Licht
Herzliebster Jesu
Herr, unser Gott, lass nicht zu Schanden werden
O Gott, du frommer Gott.


Karl Schwittay 1954
-Frauenkreis Buer-Hassel-