Die Kirche und die Kirchen
Conferencia 020
Lugar/Ort:Männerkreis Buer-Hassel
Fecha/Datum:1953
Resumen/Skopus: 07-06-1953


Die Kirche und die Kirchen

(Vortrag im Männerdienst GELSENKIRCHEN-BUER-HASSEL
am 7.6. 1953)


Wir haben das, was heute miteinander besprechen wollen, darum
unter das Thema DIE KIRCHE und DIE KIRCHEN gestellt, weil damit
sogleich etwas angerührt wird, was auf uns als eine grosse Not und
Last liegt, mit der wir kaum fertig werden können. Das Thema zeigt
in ganz besonderer Weise eine Kluft auf. Worin besteht die Kluft?
Die Kluft besteht darin, dass wir als Kirche, als Gemeinde Jesu
Christi glauben an EINE HEILIGE ALLGEMEINE CRIST- LICHE KIRCHE.
Wir glauben also nicht an viele Kirchen, sondern an DIE EINE, die
Jesus Christus gestiftet hat. Wir dürfen daran glauben, weil die
Heilige Schrift erfüllt ist von der Gewissheit, dass die Kirche
Jesu Christi immer NUR DIE EINE KIRCHE JESU CHRISTI ist. Jesus
selbst spricht in Johannes 15 von seinen Jüngern als von solchen
Menschen, die alle zu dem einen Weinstock gehören: "Ich bin der
Weinstock, ihr seid die Reben."
Paulus sagt im 4. Kapitel

des
Epheserbriefes: "Seid fleissig, zu halten die Einigkeit im Geist
durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch
berufen seid auf einerlei Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein
Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater unser aller, der das ist
über euch allen und durch euch alle und in euch allen."
Auch Petrus kennt nur das EINE Gottes Volk, wenn (1. Petrus 2,9)
schreibt:
"Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht. das königliche
Fürstentum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr
verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der
Finsternis zu seinem wunderbaren Licht."
Wenn wir aber von dem Zeugnis der Heiligen Schrift herkommen und
wissen, Jesus hat die EINE HEILIGE CHRISTLICHE KIRCHE gestiftet
und dann fragen, wie sieht diese eine heilige christliche Kirche
aus, dann wird uns auf einmal die Not ganz deutlich. Was wir
Menschen des 20. Jahrhunderts sehen, ist nicht eine einzige
Kirche, sondern eine Masse von Kirchen.
Schauen wir sie uns einmal an. Da ist die römisch-katholische
Kirche, die anglikanische Hochkirche mit dem Erzbischof von
Canterburry an der Spitze, da ist die griechisch-orthodoxe Kirche
mit dem grossen Zweig der russisch-orthodoxen Kirchen. Da sind
die vielen Gemeinschaften, die in anderen Ländern direkten
Kirchencharakter angenommen haben. So ist zum Beispiel die
baptistische Kirche eiene der grössten Kirchen in Nordamerika. Und
zuletzt dürfen wir schliesslich nich die Evangelische Kirche
evrgessen, zu der wir ja gehören. Aber auch diese evangelische
Kirche bildet im letzten Grunde keine Einheit, sondern sie ist
geteilt in lutherisch, in reformiert und in uniert.
Schon allein die Aufstellung dieser Kirche zeigt uns, dass im
Angesicht dieser Tatsache das Reden von der EINEN HEILIGEN
CHRISTLICHEN KIRCHE fast wie ein Hohn klingt.
Es ist nun gut, um einen gewissen Überblick über die Vielheit zu
bekommen, zu sehen, wie diese Vielheit entstanden ist.
In der nachapostolischen Zeit musste die christliche Gemeinde, die
sich selbst immermehr von dem Geist der Heiligen Schrift entfernte
und sich zum starren Katholizismus entwickelte, Frontstellung
einnehmen gegen so mancherlei Irrlehren, die in die Kirche
einzudringen versuchte. Wir denken da b esonders an
die grosse Gefahr der Gnosis, der der Glaube nicht genügte und die
neben den Glauben das Erkennen als der Übergeordnete stellte.
Diese Gefahr der Gnosis wurde abgewehrt, aber das Ergebnis war,
dass sich gnostische Sekten bildeten mit dem Anspruch, allein die
wahre Kirche zu sein. Nach und nach wurden sie aber nicht mehr
lebensfähig und gingen ein. Allerdings wurde die Gnosis zu allen
Zeiten immer wieder lebendig. Sie findet, wie wir wissen, heute in
der Anthroposophie und in der Christengemeinschaft ihren
Niederschlag, eine überaus gefährliche Irrlehre. Wir könnten da
noch mmanche anderen Gefahren aufzählen, die damals die Einheit
der Kirche bedrängte. Ich will nur einmal noch zwei Namen nennen,
ohne das, was dahinter steht, genau zu beschreiben. Da ist der
Montanismus und da sind die Manichäer. Sie alle bildeten alle nach
dem Ausschluss aus der EINEN Kirche kleine und grosse
Kirchengebilde, die aber doch später oder früher wieder zu Grunde
gingen. Die EINE Kirche konnte also lange Zeit wenigstens rein
äusserlich ihre Einheit bewahren., da diese sektenhaften
Kirchengebilde ja nicht als Kirchen angesprochen werden können.
Aber das sagt noch nicht, dass nicht schon in den grossen
Streitigkeiten um Jesus Christus bei der Frage, was es um seine
Menschheit und seine Gottheit sei, die Gefahr der Spaltung
bestanden hatte. Um das aber genau auszuführern, brauchten wir
viel Zeit und auch Geduld.
Jedenfalls ensteht wahrhaftig in den christologischen
Streitigkeiten dye erste Spaltung, die seit 1054 dann
offensiichtlich wurde. Es war die Spaltung der EINEN Kirche in
eine westliche und eine östliche Kirche. Diese Spaltung war
selbstverständlich auch mit äusseren Machtkämpfen verbunden. Es
ging darum, wer die Macht hat, Rom mit dem Sitz des weströmischen
Reiches oder Byzanz-Konstantinopel, Hauptstadt des oströmischen
Reiches, Trotz aller Versuche in den vergangenen Jahrhunderten,
die beiden Kirchen, griechisch-orthodox und römisch-katholisch,
zusammenzubringen, scheiterten. Die Ostkirche ist besonders
geprägt durch ihren gottesdienstlichen Kultus und ihre reiche
Liturgie. Der Unterschied zwischen katholisch und orthodox
ist nicht so sehr gross.
Während der ersten Jahrhunderte hat sich dann auch die
nachapostolische Kirche mehr und mehr verwandelt in die
katholische Kirche mit ihrem Pomp und Zauber, wie wir es heute
kennen. Die Ostkirche hat seit der Trennung von der katholischen,
damals REICHSKIRCHE genannt, keine neuen kirchlichen Lehren
entwickelt, sie geht bei allen dogmatischen Entscheidungen auf
diese erste Zeit vor der Trennung zurück. Der Hauptunterschied
zwischen römisch-katholisch und orthodox besteht wohl darin, dass
die orthodoxe Kirche den Primat des Papstes in Rom bis auf den
heutigen Tag nicht anerkennt.
Wenn man einmal bei der Herrichtung einer Abendmahlsfeier der
orthodoxen Kirche zugegen sein könnte, dann würde man staunen über
die Reichhaltigkeit der Zeremonien und Handlungen, da kommt die
katholische Kirche noch lange nicht mit.
Diese beiden grossen Kirchen beherrschen im Grossen und Ganzen das
Feld bis zum Mittelalter. Durch Luther entsteht eine neue
Entwicklung. Es entsteht die Evangelische Kirche der Reformation,
die sich teilt in lutherisch und reformiert. Diese Teilung ist
dadurch entstanden, dass, hervorgerufen durch Luthers Reformation
auch in der Schweiz und in Frankreich Reformationen hervorbrechen
mit eigenen Kennzeichen, die geprägt sind durch die beiden
bedeutenden Männer Zwingli und Calvin.
Wir wissen, wie sich nur an wenigen Punkten lutherisch und
reformiert unterscheiden, der wesentliche Punkt ist wohl der der
Abendmahlslehre. Parallel mit der Reformation in Deutschland, in
der Schweiz und in Frankreich geht eine Reformation besonderer Art
in England vor sich, die gerade kein Ruhmesblatt gewesen ist.
Diese Reformation in England führt zur Bildung der anglikanischen
Kirche oder englische Hochkirche genannt. Sie ist dadurch
entstanden, dass der damalige König für sein ehebrecherisches
nicht den Segen des Papstes erhielt und die Folge davon war. dass
er den Gehorsam dem Papst gegenüber aufkündigte und sich selbst
für seine dunklen Machenschaften segnete. Allerdings ist diese
anglikanische Kirche im Laufe der Zeit immer wieder geöffnet für
das Evangelium der Reformation. Das heutige Bild der
anglikanischen Kirche zeigt sich darin, dass ihr Lehre geprägt ist
durch die echte Reformation, aber dass der Ritus der
Gottesdienste, die liturgischen Gewänder der Priester ganz noch
der römischen Art entspricht. Die anglikanische Kirche wird hin-
und her-gezerrt. Der eine Teil zieht mit der Anerkennung des
Papsttums nach Rom, der andere Teil mit der Forderung nach der
Schlichtheit und Echtheit der reformatorischen Lehre nach
Wittenberg als Ausdruck des Luthertums.
Die 3 Kirchen, die orthodoxe, die anglikanische und die römische,
haben
viel Gemeinsames, dazu gehört auch die Lehre von der APOSTOLISCHEN
SUKZESSION. Alle 3 Kirchen erkennen nur den als rechten Priester
an, der von einem Bischof unter Handauflegung geweiht wurde, der
wiederum seine Bischofsweihe bis auf die Apostel nachweisen
kann.Darum ist der evangelische Pfarrer oder Bischof oder
Kirchenpräsident für diese 3 Kirchen eine ganz fragwürdige Grösse.
Er kann ja sein Amt nicht zurückführen auf die Apostel. Wir als
Evangelische können die Lehre von einer solchen Sukzession nicht
als biblisch begründet ansehen. Allerdings mag es gerade bei den
Lutheranern nicht gefehlt, dass einige versuchten, doch auch etwas
von der apost. Sukz. zu erhaschen, so versuchten es die
schwedischen Lutheranern, die über die Anglikaner sich auch in die
Verbindung der Apostel einzuschalten. Und wir wissen sogar, dass
der ehemalige Bischof von Oldenburg, Stählin, sich von einem
schwedischen Bischof hat weihen lassen, damit er evtl. die
lutherische Kirche in Deutschland auch in der Reihe der
apostolischen Sukzession einschalten kann. Wir können nur hoffen
und wünschen, dass wir uns durch solche formen nicht irre machen
lassen an dem Einen, das nottut, dass das Wort Gottes bei uns
lebendig werde.
Nach der Reformation ssind dann hier und da schwärmerische
Bewegungen entstanden, denken wir an die Wiedertäufer, die aber
nach und nach ruhiger und geordneter wurden und dann zu konstanten
neuen Kirchenbildungen führten.
Daneben gibt es eine Unmenge von kleinen und kleinsten mit den
verschiedensten Formen gestaltete Kirchenbildungen, die sich
besonders in Amerika breitmachen.
Alle diese grossen und kleinen Kirchen treten mit dem Anspruch
auf, Kirche zu sein. Und was nun, wenn es aber heisst:
"Ich glaube an EINE heilige, allgemeine, christliche Kirche."?
Es hat immer schon Menschen gegeben, die nicht gewillt waren, die
Vielheit der Kirchen als eine einfach hinzunehmende Tatsache
anzuerkennen, an der nichts mehr zu rütteln wäre. Nein, die immer
wieder den Versuch machten, die verschiedenen einander näher zu
bringen. Aus welchen Motiven taten diese Männer es?
Beileibe nicht aus einem echten Fragen heraus, sondern im Sinne
eines christlich verbrämten Humanismus heraus. Menschen, die sich
einfach mit der blossen Vernunft sagten, es ist doch ein Unding,
dass wir, die wir uns Christen nennen, in solch verschiedenen
Lagern befinden; wir haben doch alle nur einen Herrgott, darum
werden diese Unterschiede schon nicht so wichtig sin. Zu diesen
christlichen Humanisten, zu denen auch der Kirchenvater des
vergangenen Jahrhunderts, Schleiermacher, gehörte, gesell-
ten sich dann die Menschen, die sagten: Es ist unsinnig, dass man
sich über die verschiedenen Lehren streitet. Die Lehren sind ja
gar nicht so wichtig, es kommt nur darauf an, dass wir ein
bekehrtes Herz haben.
Diese beiden Gruppen setzten sich zusammen und fragten, jeder auf
seine Art, wie kommen wir zu der Einheit? Auf diese Weise, die
nicht gerade echt biblisch, entstand sozusagen die ÖKUMENISCHE
BEWEGUNG, die anfänglich glaubte, die Augen vor den
Schwierigkeiten schliessen zu können und die dann die Einheit der
christlichen Kirche erträumten. Gott sei Dank, ist das nicht die
ökumenische Bewegung, wie wir sie heute vor Augen haben, die zu
der bedeutenden Amsterdamer Kirchenkonferenz vor einigen Jahren
geführt hat. Es ist nämlich inzwischen etwas Besonderes geschehen.
Man besann sich bei all den Fragen um die Einheit der Kirche auf
das Evangelium, auf das Wort Gottes, das wiederum wie in der
Reformation von Deutschland ausging, von dem, was in der Theologie
durch Namen wir Karl Barth, Adolf Schlatter usw. ausging. Die
Einheit wurde und wird nicht mehr hinter schönen Idealen erträumt,
man verschloss auch nicht mehr die Augen vor dem Ernst der
Verschiedenheiten, sondern man begann, sich mit allem, was man
bisher an geschichtlicher Vergangenheit mit sich herumschleppte,
dem Evangelium zu stellen. Es wird jetzt bei allen Fragen wieder
die Bibel aufgeschlagen und gefragt, was sagt die Schrift dazu.
Wenn wir das auch wissen, bedeutet das noch lange nicht, dass von
heute auf morgen die Einheit da ist. Verschiedenheiten, die vor
Hunderten von Jahren
entstanden sind, lassen sich nicht innerhalb weniger Jahre aus dem
Wege räumen. Und wenn wir einmal bedenken, was das bedeutet, wenn
Menschen aus der orthodoxen, anglikanischen, der evangelischen
Kirchen mit den Quäkern und den Heilsarmisten sich zusammensetzen
und nach dem Wesen der Einheit der Kirche fragen, dann können wir
nicht begeistert meinen, jetzt ist die Einheit da, auch wenn sie
alle vor der aufgeschlagenen Bibel sitzen.
Wenn wir uns also keiner Illusion über die Einheit der Kirche
hingeben dürfen, so dürfen wir doch wissen, dass das allein der
Weg ist, auf dem uns die Einheit geschenkt werden kann. Am
Evangelium allein entscheidet sich eine Lehre, eine Verfassung,
ein Leben; am Evangelium entscheidet es sich, ob eine Gemeinschaft
sich christliche Kirche nennen kann. Das Evangelium, um das sich
die Menschen der verschiedenen Kirchen setzen, macht offenbar,
dass alle Uneinigkeit, alle Spaltungen, Schuld, menschliche Schuld
bedeutet, dieses Evangelium schenkt aber dann auch die eine
heilige allgemeine apostolische Kirche.
Wenn also sich die verschiedenen Kirchen an einen Tisch vor die
Heilige Schrift setzen, dann bekennen sie als 1. ddass das, was
ihr sogenanntes konfessionelles Sondergut, dass ihre
Verschiedenheit gerade kein Pluspunkt, sondern menschliche Schuld
bedeutet. Sie bekennen, dass sie die eine heilige christliche
Kirche nicht für sich gepachtet haben, im Gegenteil, sie bekennen,
dadurch dass wir ein besondere Konfession geworden sind, haben wir
Anteil an der Schuld der Wirklichkeit, dass statt EINE Kirche
verschiedene Kirchen existieren. Aber es wird bei solchen
Beratungen um Gottes Wort auch das 2. deutlich, dass solchen
Beratungen die Verheissung gilt: "..., auf dass sie alle eins
werden."
Nicht Menschen schaffen die Einheit der Kirchen, sondern allein
Gottes Wort. Es ist wahrhaftig eine wichtige Sache, wenn Prof.
Niesel seinem Lehrbuch der Konfessionen den Titel gibt:
"Das Evangelium und die Kirchen".
Damit wird auch noch etwas, was wir noch nicht in den Blickpunkt
gerückt haben, deutlich. So, wir wir ruhig der Verheissung trauen
dürfen:
" ...., auf dass sie alle eins werden.", so gilt auch das andere,
das schon jetzt in aller Verschiedenheit der Kirchen etwas
deutlich wird von der Wirklichkeit der EINEN heiligen Kirche. Die
EINE Kirche ist überall da, wo das Evangelium lebendig ist und das
Evangelium kann durchaus in den verschiedensten Kirchen zu Hause
sein, es kann aber auch da verschwunden sein, obwohl laut von der
Kirche gesprochen und geschrieben wird.
Es ist also so, dass eine wahre Kirche schon heute sichtbar wird
da, wo das Evangelium lebendig ist, ohne Rücksicht und ohne
Bindung an die betreffenden Konfessionen. Darum kann sigentlich
unser Bemühen um die Einheit der einen wahren Kirche nur so ihren
Mittelpunkt, dass wir dafür sorgen, dass das Evangelium von Jesus
Christus verkündigt wird.
Nun machen wir eine merkwürdige Beobachtung. Bei dem Bestreben um
die Einheit der Kirche hat sich nur eine Kirche ausgeschlossen,
das ist die römisch-katholische Kirche.Für sie ist jedes Bemühen
um die Einheit sinnlos, weil sie glaubt, die eine heilige Kirche
zu sein. Für sie selbst kann die Tatsache der vielen Kirchen keine
Not sein, in der sie sich an die Brust schlägt und ihre Schuld
bekennt. Sie kann nur traurig sein über die vielen, die sie
verlassen haben. Die Einheit der Gemeinde Jesu Christi kann es für
die römisch-katholische Kirche nur in ihrem eigenen Schosse geben.
Darum heisst ihre Parole bei allen Bemühungen um die Einheit nur
immer wieder: Kehrt heim in den Schoss der alleinseligmachenden
römisch-katholischen Kirche!
Für sie hat die ökumenische Berwegung ihren Sinn verloren. Sie
kann und muss so reden, weil sie nicht mehr so dem Evangelium von
Jesus Christus. wie es uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird,
stille steht und sich nicht vom Evangelium her zur Erkenntnis
ihrer Schuld überführen lässt, sondern im Hochmut im Widerspruch
krampfhaft behauptet, wir haben die eine christliche Kirche für
uns gepachtet. Aber das dürfte uns ja auch nicht wundernehmen, da
wir doch wissen, dass das Evangelium nicht ihre Mitte ist, sondern
nur noch am Rande zur Geltung kommt.
Aber was haben wir von der UNA-SABCTA-BEWEGUNG zu halten, in der
sich doch
evangelische und katholische Menschen um einen Tisch setzen und
nach der Einheit der Kirche fragen?
Wir müssen es einmal mit aller Entschiedenheit und Deutlichkeit
sagen, dass hinter all den Gesprächen der UNA-SANCTA-Bewegung von
der katholischen Kirche zu ersehen ist, dass sie den
nicht-katholischen Teilnehmern nur das eine immer und immer wieder
zurufen will:
Die Einheit der Kirche kann es nur dadurch geben, dass ihr zur
römisch-katholischen Kirche zurückkehrt.
Von daher halte ich alle Gespräche mit Katholiken über eine
Vereinigung für ein nutzloses Beginnen. Wir brauchen uns nicht als
Missionsobjekte der katholischen Kirche ansehen zu lassen. Ein
Gespräch ist nur dann möglich, wenn man auch bereit ist, sich vom
Evangelium korrigieren zu lassen. Dazu haben sich wohl die anderen
Kirchen bereit erklärt, Rom aber nicht.
Allerdings müssen wir auch das andere ganz klar sehen, von der
Bereitschaft zum Korrigieren durch das Evangelium bis zur
Verwirklichung ist ein weiter Weg. Das sehen wir zum Beispiel an
all die vielen Nöte, die das Handeln der lutherischen Kirchen
gegenüber den reformierten und gegen die unierten Kirchen
verursacht werden.
Aber dennoch dürfen wir hoffen, dass das Evangelium uns
näherbringt. Darum ist die erste und die vornehmste Aufgabe, das
Evangelium von Jesus Christus in den Mittelpunkt zu stellen, dann
wird die Verheissung Wirklichkeit:
"Ich glaube an eine heilige, allgemeine und christliche Kirche."