Versuch eines katech. Entwurfes über Apostelg. 9, 19b-31
Seminararbeit 011
Lugar/Ort:Wuppertal-Barmen
Fecha/Datum:1950
Resumen/Skopus: 20-5-1950 Theologiscche Hochschule Wuppertal



Seminararbeit - Wuppertal, 20. Mai 1950

Versuch eines katechetischen Entwurfes über
Apostelgeschichte 9, 19b - 31


I EXEGESE

1. Übersetzung

19b Er war aber einige Tage bei den Jüngern zu Damaskus
20 und verkündigte alsbald in den Synagogen von Jesus, dass er
der
Sohn Gottes sei.
21 Alle aber, die zuhörten, entsetzten sich und sprachen: Ist
das
nicht der, der in Jerusalem die zugrunde gerichtet hat. die
diesen Namen an riefen, und war er nicht zu diesem Zwecke
hergekommen. damit er sie gefesselt zu den Hohenpriestern
führe?
22 Saulus aber nahm mehr an Kraft zu und brachte durcheinander
die Juden, die zu Damaskus wohnten, indem er nachwies, dass
dieser der Christus sei.
23 Nachdem eine gewisse Zeit vergangen war, hielten die Juden
einen Rat, um ihn zu töten.
24 Aber ihr Anschlag wurde dem Saulus kundgetan. Es wurden
aber
auch Tag und Nach die Stadttore bewacht, in der Absicht,
ihn
zu ermorden.
25 Da aber nahmen ihn seine Jünger bei Nacht und liessen ihn
durch eine Maueröffnung hinab, indem sie ihn in einem Korbe
herabliessen.
26 Als er aber nach Jerusalem gekommen war, versuchten sie, in
eine Verbindung mit den Jüngern zu kommen, denn alle
fürchteten
sich vor ihm, weil sie nicht glaubten, dass er ein Jünger
sei.
27 Barnabas aber nahm sich seiner an und führte ihn zu den
Aposteln.
Und er erzählte ihnen, wie er auf dem Wege den Herrn
gesehen
und mit ihm geredet habe und wie er in Damaskus öffentlich
im
Namen Jesu aufgetreten sei.
28 Und er ging bei ihnen in Jerusalem aus und ein und trat
öffentlich
im Namen des Herrn auf.
29 Er redete und disputierte mit den griechisch-sprechenden
Juden,
die aber Hand an ihn legen und ihn töten wollten.
30 Als die Brüder das erfuhren, führten sie ihn nach Cäsarea
und
sandten ihn fort nach Tarsus.
31 Nun hatte die ganze Gemeinde in Judäa, Galiläa und Samaria
Frieden,
baute sich auf und wandelte in der Furcht des Herrn und
wurde grösser
durch den Beistand des Heiligen Geistes.

2. Prüfung des Textes

a. Im Vers 20 wird von Luther fälschlicherweise "alsbald
predigte
er Christum" übersetzt. Diese Lesart wird von keinem
alten Zeugen
gestützt.
Während es doch dem Paulus darauf ankommt, den Jesus von
Nazareth
als den Sohn Gottes zu bezeugen, könnte Luthers
Übersetzung von
then Iesou mit Christum eine Abschwächung des besonderen
Ärger-
nisses bedeuten.
b. Im Vers 25 haben wir die Koinotexte und
E statt
folgendermassen gelesen: hoi math.>Sicherlich ist diese Lesart,
wenn sie auch nicht von Sy bezeugt
wird, die grammatisch sichere, weil sie
das zu gehörende Objekt ergänzt.
Bei Sy wird diese Unsicherheit aber
doch auch sus dem Zusammenhang des
Satzes beseitigt. Inhaltlich würde
diese Ergänzung des Koinotextes und
des E-Kodex keine Veränderung ergeben.
c. Luther schliesst sich mit seiner über-
setzung in Vers 29 "mit den Griechen"
den A-Handschriften an, die statt der
überall bezeugten Lesart nistas> so liest: .
Ausser der überaus reichen Bezeugung
von hat sie auch im
Ausdruck die grössere Wahrscheinlich-
keit hinter sich. Da Jerusalem das
Zentrum des ganzen zerstreuten Juden-
tums ist, wird der Drang dieses zer-
streuten Judentums immer wieder sein,
die Stadt ihres grössten Heiligtum
aufzusuchen. ist ein
Terminus für die sich in der griechi-
schen EInflusssphäre befindlichen
Diasporajuden.
d) Die Koinotexte lesen in Vers 31 das
Subjekt im Plural.Da diese Texte
später entstanden sind, legen sie im
Unterschied zu den ersten Gemeinden,
die von einer sprachen,
ihre Auffassung in dem Text hinein.
Für sie war der Begriff etwas verän-
dert worden. Die eine Kirche fand ihre
Form in den "vielen Kirchen". Und so
reden sie von den Gemeinden oder Kir-
chen in Judäa, Galiläa und Samaria.
Aber Sy-Handschriften scheinen doch
die ursprünglicheren gewesen zu sein.
e. In Vers 31 habe ich im Unterschied zu
Luther, der so übersetzt: "..und ward
erfüllt mit Trost des heiligen Geistes"
, folgendermassen gelesen:
"Und (die Gemeinde) wurde grösser durch
den Beistand des heiligen Geistes."
Der Unterschied liegt darin, dass
Luther das Verb auf ein
inneres Wachstum der Gemeinde bezieht,
während ich meine und ich schliesse
mich damit dem Wörterbuch von Walter
Bauer an, dass dieses Verb eine äussere
Zunahme, Vrgrösserung zum Ausdruck
bringt.

3. ZUSAMMENHANG NACH RÜCKWÄRTS UND VORWÄRTS.

Der vor uns liegende Text ist ein Teil des
besonderen Ereignis unter der ersten
Christenheit, dass der bisherige Cristen-
verfolger Saulus von Gott in die Gemeinde
geführt wird und ihr fortan eine ganz be-
stimmte Richtung gibt. Unserem Bericht
grht vorauf die Erzählung von dem ent-
scheidenden Eingriff Gottes in das Leben
des Saulus. Und dem Bericht folgt das Ge-
schehen um den Apostel Petrus. Und ich
meine, dass es schon eine besondere
Bedeutung hat, dass gleich am Anfang
P(S)aulus dicht bei Petrus steht. Und vor-
bereitend für das Ja des Petrus zu
Paulus steht nur wenige Zeilen entfernt
der Bericht über Gottes Reden mit Petrus
in der Vision mit der bestimmten Pointe:
WAS GOTT GEREINIGT HAT, DAS MACHE DU NICHT
GEMEIN.
Hier sehen wir eine Verbindung zu dem be-
sonderen Auftrag des Paulus, zu den Heiden
zu gehen.

4. ERKLÄRUNG EINIGER BEGRIFFE
9,22 súmbibadso
Die Bedeutung dieses Wortes ist
beweisen, darlegen
Doch kann darunter nicht verstanden werden
eine Beweisen des Geschehens an sich, dass
"dieser (Jesus) der Christus sei". Die
Tatsache, dass der Jesus von Nazareth der
Christus, der Gottes Sohn sei, entzieht
sich jeglicher menschlicher Beweisfähig-
keit. Sie kann nicht bewiesen werden. Wir
wissen aber, dass die über-
setzung des Wortes ist, ein
Wort, das immer wieder im Alten Testament
fällt, im Zusammenhang mit den Verheissun-
gen f:ur das Volk Gottes. Und dieser ver-
heissene ist in Jesus gekom-
men und Wirklichkeit geworden.
Paulus ist nun unterwegs in seiner Verkün-
digung am Werke, die Erfüllung des ver-
heissenen in der Gestalt des
Jesus von Nazareth auf Grund der alttesta-
mentlichen Schriftstellen zu bezeugen und
zu identifizieren.
Diese Möglichkeit des Gebrauchs von
ist auf Grund der ursprüng-
lichen gegeben, sie bedeutet ZUSAMMEN-
BRINGEN. Paulus bringt Verheissung und Er-
füllung zusammen. Er vereinigt sie in sei=
ner Verkündigung zu einem Geschehen. An
diesen Stellen merken wir schon etwas von
der Bezogenheit zwischen dem alten und dem
neuen Testament.
9, 29 Die Erklärung des Begriffes
ist bereits bei der
Prüfung des Textes gegeben.
9, 31 Dieses Wort hat im
ursprünglichen Sinne die Bedeutung von
BAUEN, ERBAUEN, ERRICHTEN. Es ist an einen
konkreten Hausbau gedacht. Und es wird ja
im Neuen Testament immer wieder von der
Kirche, von der Gemeinde als von einem
Hause, von einem Tempel gesprochen. Es
fand dann von hier die Vokabel
Eingang in die religiöse
Sprache und bezog sich auf die innere
Entwicklung der Kirche und bekam die Be-
deutung: FÖRDERN, KRÄFTIGEN, SRÄRKEN. Im
Rahmen des 31. Verses würden wir in
die innere Kräftigung der
Gemeinde in Verbindung mit ,
der äusseren Ausbreitung der Gemeinden
sehen.

5. DER INNERE ZUSAMMENHANG
Unser Text hat im Hintergrunde das grosse
Geschehen im Leben des Paulus. Der grosse
Christus-und Christenhasser findet nun
eine Aufnahme bei der schon dort bestehen-
den Gemeinde zu Damaskus. Wo Christus in
einem Menschen Gestalt gewonnen hat, da
wird dieser Mensch zum Zeugendienst geru-
fen.Paulus steht nun bald in den Schulen
zu Damaskus und verkündigt den, den er
bisher verfolgt hat und von dem er über-
wunden wurde. Diese Tatsache wirbelt so-
wohl bei den Juden, als auch bei den
Christen grossen Staub auf. Allen ist er
doch b ekannt als der Abgesandte aus Jeru-
salem, der die Christen unterdrücken soll.
Das Leben in der Nachfolge bleibt nicht im
Stillstand. Paulus nimmt in der Erkennt-
nis Jesu Christi und in der Schriftaus-
legung von Tag zu Tag zu. Ib dieser Er-
kenntnis der Schrift zeigt er den Juden
die Verbindung des Messias mit dem von
ihnen gekreuzigten Jesus von Nazareth auf.
Solch eine Verkündigung muss, wenn sie
nicht die Nachfolge wirkt, den grössten
Widerstand herbeirufen.
Es dauert auch nicht lange, so trachten
die Juden ihm nach dem Leben. Ja, sie
bewachten Tag und Nacht die Tore der
Stadt, damit er nicht entfliehen kann.
Er aber wird von Gott und Gliedern der
Gemeinde gerettet und kann aus der Stadt
entkommen. In Jerusalem angekommen, ver-
sucht er, sich an die Gemeinde anzu-
schliessen. Sie haben aber nicht verges-
sen, dass Paulus der war, der sie ver-
folgt hatte. Sie haben kein Zutrauen zu
ihm.In Barnabas- es ist wohl derselbe,
der in Apostelgeschichte 4,36 genannt
wird- wird ihm eine Hilfe zuteil, die ihm
den Zugang zu den Aposteln öffnete. Fortan
weilt er in Jerusalem und geht bei den
Aposteln aus und ein. Und wie in Damaskus
so verkündigte er auch hier in aller
Öffentlichkeit Jesus Christus. Als er sich
in besonderer Weise an die Diasporajuden
aus dem griechisch-sprechenden Gebiet
wendet, trachten sie ihm nach dem Leben.
Auch hier steht ihm die Gemeiunde treu zur
Seite und bringt ihn nach Cäsarea und
schickt ihn von da aus weiter nach Tarsus,
seiner Heimatstadt.
Nun, da der grösste Feind der Gemeinde
von Jesus Christus selbst überwunden
wurde, beginnt eine Zeit. da die Gemeinden
im Judäa, Galiläa und Samaria innerlich
und äusserlich wachsen durch die Kraft
des Heiligen Geistes. Die 3 Gebiete lie-
gen zwischen Jerusalem und Damaskus.


6. ERKLÄRUNG DES ABSCHNITTES.

Die Apostelgeschichte hat das ganze Ge-
schehen auf eine kurze Zeitspanne
zusammengedrängt. Sie berichtet die Er-
eignisse in einer ununterbrochenen Reihen-
folge. Nach dem Eigenbericht des Apostels
Paulus Galater 1, 17 zog er nach seiner
Bekehrung für unbestimmte Zeit nach
Arabien und kehrte dann wieder zurück
nach Damaskus. Nach seiner Rükkehr blieb
er 3 Jahre Damaskus und zog dann erst wei-
ter nach Jerusalem.
Wenn die Apostelgeschichte die Ereignisse
auch in einer gewissen zeitlichen Verkür-
zung sieht, so stehen sie doch in ihrem
Geschehen mit Galater 1,17 und
2. Korinther 11, 32 in den Hauptpunkten
im Einklang.
Der vor uns liegende Bericht macht schon
am Anfang der Nachfolge des Paulus das
spannungsreiche Leben eines Menschen deut-
lich, der von Jesus Christus in den Dienst
genommen worden ist.
Der Jünger Jesu ist nicht zu denken ohne
einen Auftrag. Wie kann man auch als ein
so reich Beschenkter die ganze Freude für
sich behalten?! Das Geschenk ist so gross
und reich, dass es allen Menschen darge-
reicht werden soll. Und zu diesem Weiter-
reichen des Geschenks ist jeder Jünger
berufen. Die Situation, in der der Jünger
steht, spielt keine Rolle. Ob Paulus
in Damaskus ist, oder in Jerusalem oder
später auch an anderen Orten, ER VER-
KÜNDIGTE.
Und was geschieht auf Grund der Verkün-
digung? Ausser der gewissen, frohen Ver-
heissung, das Jesus Christus durch die
Verkündigung seiner Botschaft Menschen
reich und froh macht, geschieht immer auch
unter den Menschen ein Ärgernis, das sich
in fanatischer Wut an dem Jünger äussert.
Paulus hat es auf seinem weiteren Lebens-
wege immer erfahren müssen, dass die Ab-
lehnung und Wut gegen Jesus Christus an
ihn, den Jünger geht. diese Reaktion ist
in jeder Gemeinschaft von Menschen, seien
es Juden oder Heiden, gleich.
Jesus Christus aber lässt seinen verfolg-
ten und zum Tode bestimmten Jünger nicht
allein. Er hilft ihm dadurch, dass er ihn
in seine Gemeinde gestellt hat und die Ge-
meinde, die Brüder und Schwestern, steht
ihm helfend in allen Gefahren zur Seite.
Im letzten Vers wird uns berichtet, welch
eine Bedeutung das Werk des Herrn an Pau=
lus für die Gemeinden in Judäa, Galiläa
und Samaria hat.
Der Mann, der für diese Gemeinden durch
seinen Hass gegen Christus und seine Jün-
ger eine ernste Gefahr bedeutete, ist nun
nicht nur von seinem Vorhaben gehindert,
sondern steht selbst in vorderster Linie
im Dienst für Christus. Jesus Christus ist
der Kyrios, dem alles untertan ist und dem
nichts unmöglich ist.


7. AUFBAU DES TEXTES

9,19b - 22 S(P)aulus verkündigt bei sei-
nem Aufenthalt in Damaskus Jesus als
Gottes Sohn.
9,23 - 25 Paulus wird von den Juden ver-
folgt, von der Gemeinde aber gerettet.
9,26 - 28 Paulus kommt nach Jerusalem
und wird von Barnabas in den Apostelkreis
eimngeführt.
9, 29 - 30 Paulus wird auch in Jerusalem
durch die griechischen Diasporajuden ver-
folgt. Die Gemeinde nimmt sich seiner an
und schickt ihn in seine Heimatstadt.
9,31 Die Bekehrung und Indienst-
nahme des Jesushasser Saulus bewirkt in
Judäa, Galiläa und Samaria Frieden,
innere und äussere Stärkung der Gemeinden,


8. DER SKOPUS

Jesus Christus ruft den von ihm besiegten
Saulus in den Dienst, bewahrt ihn in
Verfolgung und schafft damit für die Ge-
meinden den Frieden zum inneren und
äusseren Aufbau.



II M E D I T A T I O N


1. Ziel der Stunde

(s. SKOPUS.

2. Mittel des Textes, um dieses zu erreichen?

Bericht des Lukas aus
Apostelgeschichte 9, 19b - 31.

3. Die Lage der Kinder gegenüber dem Ziel
und der Gestalt des Textes?

a) Ziel: Es dürfte kaum eine Opposition
gegenüber dem Ziel vorhanden sein. Es ist
aber besonders auf eine klare Ausarbei-
tung zu achten, dass "von Gott bekehrt
sein" immer zugleich "für ihn dienen."
b) Text: Der Text als solcher ist in seiner
Bezogenheit zum Alltag so plastisch, dass
kaum eine Unklarheit auftreten könnte.

4. Methode: analytisch

5. Einleitung
Es ist auszugehen von Apostelgeschichte
9, 1 - 19a.
Jesus greift in das Leben des Saulus ein
und macht aus seinem Feeinde einen Jünger.
Und dann würde der Übergang sein zum:
WAS BEDEUTET ES, EIN JÜNGER JESU CHRISTI
ZU SEIN?
Wie wirkt sich das Jüngersein des
S(P)aulus aus?

6. Zielfrage mit Unterzielen?

Was macht Jesus Christus mit dem von ihm
besiegten Saulus?
a) Er lässt ihn nicht allein.
1) Er stellt ihn in seine Gemeinde,
2) Er führt ihn zu seinen Aposteln.
3) Er lässt die Apostel sich seiner
annahmen.

b) Er stellt ihn in seinen Dienst.
1) Er lässt ihn den Dienst der Verkün-
digung der frohen Botschaft
ausrichten.
2) Er lässt ihn zunächst nur zu den
Juden gehen.
3) Er lässt ihn in die Anfectung kommen,
dass sowohl Freund als Feind verwirrt
werden.

c) Er beschützt ihn in Leidenszeiten.
1) Er lässt ihn am eigenen Leibe erfah-
ren, was es heisst: Die frohe Botschaft
bewirkt Hass und Verfolgung.
2) Er benutzt die ganze Gemeinde zu sei-
nem Dienst.
3) Er rettet ihn durch den Dienst der
Gemeinde aus seiner Not.

d) Er hat durch das Eingreifen in das Leben
dieses (S)Paulus den Gemeinden den
Frieden geschenkt, damit sie sich
1) innerlich und
2) äusserlich
kräftigen.


Karl Schwittay



































































































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