Remilitarisierung (Eine Skizze)
Vortrag 008
Lugar/Ort:Vor Studenten in Barmen
Fecha/Datum:1950
Resumen/Skopus: Die Remilitarisierung Westdeutschlands -20-10-1950


Remilitarisierung in Deutschland.

1. Die Beschreibung der augenblicklichen Situation.
a) Das Werben der Westmächte um Westdeutschland.
b) Nicht nur das JA, sondern ein Nachlaufen der Regierung
Westdeutschlands, und zwar geschah
das so, dass dem Volk Sand in die Augen gestreut wurde.
In dieses Wettlaufen der Bundesregierung, doch ja wieder eigene
Waffen haben zu dürfen, platzte
2.a) NIEMÖllER mit seinem Kreis in die Öffentlichkeit ein.
Zuerst wurde versucht, die Presse totzuschweigen, aber die Wellen
schlugen in alle Welt hinein, sodass Adenauer doch aus seinem
mystischem Dunkel herausgelockt wurde, er aber zog dann alles ins
Lächerliche. Die Situation spitzte sich zu, sodass selbst der
b)Bundesinnenminister Dr. Heinemann, der als bewusster Christ
in echter Verantwortung seinen Dienst tun zu müssen glaubte, trat
von seinem Amt zurück.
Der BRIEF NIEMÖllERS und der BRUDERSCHAFTEN.
3. Was geschah hier?
Christen fühlten sich in die Verantwortung gerufen, den Finger
hochzuheben und in einer entscheidenden Weise das verderbliche Tun
aufzuzeigen.
4. Wer gibt ihnen und auch uns das Recht, in die Politik
einzugreifen?
Jesus Christus ist der Herr aller Herren.
(Heinemann: "Die Herren dieser Welt gehen, aber unser Herr
kommt.")
5. Welche grosse Lektion hatte uns Jesus Christus doch während
der Nazizeit gezeigt und durch den Zusammenbruch ans Licht
gebracht.
-Jesus Christus hat uns die Waffen aus der Hand geschlagen und uns
in die Wehrlosigkeit
geführt, damit wir uns nicht mehr auf Gewalt und Säbelrassel
verlassen, sondern allein auf ihn
unser Vertrauen setzen.
6. Der Streit zwischen Ost und West ist ein Streit der beiden
Weltmächte. Wir haben uns als Deutsche daraus herauszuhalten. Wir
dürfen nicht für die eine noch die andere Partei Stellung
ergreifen.
a) In diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf der
Ideologien. Und als Christen können wir die Rettung dieser Welt
von keiner Idee erwarten. Unsere Hoffnung allein ist Jesus
Christus.
Der Mythus eines christlichen Abendlandes muss von der lebendigen
Kirche als romantische
Tarnung der Machtpolitik abgelehnt werden.
b)Wer Partei ergreift, wird zum Vasallen eines dieser Machtblöcke.
c) Wer sich in diesem Konflikt für eine Grossmacht
festlegt, wird zur Rüstung gezwungen.
Die Möglichkeit eines gerechten Krieges ist uns Deutschen
schlechterdings nicht gegeben.
d) Wir sehen offensichtlich Unwahrheiten der
Propaganda beider Gegner. Darum verbieten diese Unwahrheiten eine
Parteinahme.
7. Nicht durch Rosse und Wagen.
Wir lehnen eine Remilitarisierung Deutschlands ab, weil wir im
Glauben an Jesus Christus weder
von fremden Militärmächten noch von irgendeiner militärischen
Macht die Hilfe für unser Volk
erhoffen.
a) In der Ablehnung glauben wir mit der Mehrheit des
Deutschen Volkes einig zu sein.
Die Remilitarisierung gegen den Willen des grössten Teils des
Volkes würde statuieren,
dass die Freiheit, die verteidigt werden soll, bereits verloren
ist.
b)Wenn Westdeutschland eine Wehrmacht zur Verfügung
hätte, würde es nicht den Frieden bewahren, sondern eher einen
Krieg herausfordern.
c) Die Remilitarisierung Deutschlands würde eine
radikale Zerreissung Deutschlands bedeuten.
Sie hätte Bürger- und Partisanenkrieg zur Folge. Deutschland würde
ein neuer Trümmerhaufen werden.
d) Deutschland darf nicht den Versuch machen, für
Bereitstellung von Truppen neue Rechte von den Westmächten zu
erhalten, denn von der Remilitarisierung ist letzten Endes nur
Krieg und vom Krieg nichts als Zerstörung zu erwarten.
e) Im Glauben erkennen wir, dass uns Deutschen jetzt
der Weg der Machtpolitik von Gott verwehrt ist, eine
Wiederaufrüstung aber wäre das Beschreiten dieses uns verbotenen
Weges.
8. Kriegsdienstverweigerung.
Darum verweigern wir in der heutigen Lage Westdeutschlands den
Kriegsdienst ohne Rücksicht darauf, ob das Recht dazu
verfassungsmässig gesichert bleiben wird oder nicht.
Wir ermuntern jedermann, mit gutem Gewissen dasselbe zu tun. Wir
bitten alle, sich für die
Erhaltung dieses Rechtes in den Verfassungen der Bundesrepublik
und der Länder einzusetzen.


Wer infolge der Verweigerung des Kriegsdienstes Schaden an Leib
und Seele, Ehre und Gut erleidet, darf der Fürbitte der
christlichen Gemeinde gewiss sein.
a) Wir muten es den Brüdern und Schwestern in der
Deutschen Demokratischen Republik zu, nicht auf gewaltsame
Befreiung zu hoffen und bitten sie, ihre bürgerliche Freiheit
nicht von einem Krieg zu erwarten. Ebenso sollen die
Heimatvertriebenen im Glauben auf die Hoffnung verzichten, ihre
verlorene Heimat durch Krieg wiederzugewinnen.
b) Krieg wäre heute für uns Deutsche Verleugnung
der Busse und des Glaubens. Ein kommender Krieg würde nur
Vernichtung bringen. Niemand im Osten oder Westen Deutschlands
kann bei einer Teilnahme an einer Auseinandersetzung der
Weltmächte ein gutes Gewissen haben.
9. POLIZEISTAAT oder verkappte Wehrmacht?
Es besteht heute bei der Verstärkung der Polizei die Gefahr, dass
der Staat sich zum Macht- und
Polizeistaat entwickelt. Westdeutschland soll nicht anfangen, sich
das von ihm bisher bekämpftes Prinzip der Deutschen Demokratischen
Republik zu eigen zu machen. Polizei ist wohl notwendig, die aber
nicht als politisches Machtmittel in der Hand der
Regierungsparteien sein darf. Hier liegt die Gefahr der Auflösung
der Rechtsordnung in der Form der GESTAPO und NKWD.
Die Forderung nach Verstärkung der Polizei wird durch eine
Propaganda unterstützt, die durch
Übertreibung der kommunistischen Bedrohung im Innern eine
politische Willensbildung der
Öffentlichkeit anstrebt.
10. Rüstung führt zum Krieg.
11. Flucht vor der sozialen Aufgabe.
Gott hat uns in seinem Gericht die soziale Aufgabe gegeben. In den
5 Jahren seit dem Zusammenbruch haben wir diese Aufgabe nicht
gelöst. Wir stehen in der Gefahr, uns vor der Inangriffnahme der
sozialen Fragen in die Rüstung zu flüchten
Soziale Probleme:
Flüchtlingshilfe.
Sozialer Wohnungsbau.
Ausbildungshilfe für die arbeitslose Jugend anstatt Rüstung.
Der Abzug von Arbeitskräften und Rohmaterialien in die
Waffenindustrie hemmt die Herstellung von Verbrauchsgütern und
vermehrt letztlich unsere Armut. Am Ende aber steht der Tod.
12. Entnazifizierung und keine Ende?
Die Garantie der Rechtsordnung und die Schaffung sozialer Ordnung
sind diw wirksamsten Mittel, vielleicht die einzig wirksamen
Mittel zur Überwindung des Bolschewismus. Die Nachahmung
bolschewistischer und faschistischer Methoden, kriminell nicht
schuldige Menschen lediglich um ihrer Gesinnung willen zu
bestrafen, muss das bekämpfte System geradezu herbeibringen.
Wir dürfen es nicht zulassen, dass Menschen nur deswegen wieder zu
"Untermenschen" abgestempelt und als solche verfolgt werden, weil
sie eine andre Meinung und einer anderen Rasse oder einer anderen
Religion angehören als wir selbst. Das geschah zu unserem Unglück
schon einmal 1933. Die grosse Frage an uns ist nun, ob der neu
angezeigte Weg des Rechtes und des Friedens nicht auch von uns
begangen werden muss, und zwar als der, der uns von Gott geboten
ist.

Vortrag von Karl Schwittay, gehalten am 20.10.1950 vor Studenten
in Wuppertal-Barmen.